Sonntag, 15. April 2018

Nadelstiche


Nebenstrang: Cholera ist über den Berg. Lange wussten wir nicht wie es weiter geht mit ihr und wie lange es dauert. Ich habe 7 Tage am Stück in meinem Urlaub Seminar gegeben und die Kosten der Behandlung noch nicht drin. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gestern hat sich ein junges Pärchen mitten im Training verlobt. Mit Ring, Kniefall und Tränen. 4h vorher bin ich zufrieden mit mir und meinem Leben gewesen. Alles gut, so wie es ist. Danach steckte doch so eine kleine, spitze Nadel in meinem Herzen. Vor fast genau 4 Jahren hatte ich auch einen Antrag bekommen. Er kochte ein wirklich phantastisches 4-Gang Menü. Weiße Tischdecke, Kerzen und Kniefall. Meine erste Reaktion damals war Panik. Heiraten, d.h. zusammen ziehen, höchst mögliche Verbindlichkeit etc. Meine nächster Gedanke war, wenn ich mit Ende 30 keine Risiken eingehe, wann dann? Wie diese Geschichte ausging ist ein anderes Thema und wird ein anderes Mal erzählt.

Ich bin also fast 4 Jahre Single. Mal bewusst und gerne, mal weniger gerne. Meist aber genieße ich den Freiraum, brauche ihn schon fast. Mir fällt immer mehr auf, dass es zunehmend schwieriger werden würde mich abzustimmen, Kompromisse einzugehen und meine so lieb gewonnene Struktur zu verändern. Ganz selten spüre ich die Lücke. Die Lücke, dass niemand da ist wenn ich nach Hause komme. Nicht immer, aber oft. Jemand, dem ich mich nicht erklären muss. Der nach einem halben Satz die Tragweite erkennt, neben den ich mich einfach setze und es einfach gut ist, dass er da ist. Ohne großen Aufwand oder Hype.

Auf der Rückfahrt denke ich über meine letzten beiden festen Beziehungen nach. Also die, bei dem man den Wohnungsschlüssel des anderen hatte und sich nicht mehr förmlich anmelden musste. Beziehungen bei denen man wusste wie der andere morgens verkatert aussieht oder wenn er mal einen Tag hatte an dem selbst duschen zu aufwendig gewesen wäre und man nur gammelte. 

Jetzt, Jahre später bin ich mir sicher, ich wäre mit den trennungsauslösenden Situationen anders umgegangen als damals. Aber jetzt ist jetzt und damals damals. Ich kann`s nicht ändern. Aber ich erinnere mich an das Gefühl, dass ich bei beiden Männern dachte sie wären die letzten in meinem Leben, im Guten. Wie glücklich ich war, jemanden gefunden zu haben, der so perfekt in meinen Lebensplan, meinen „way of life“ passte. Das ist echt nicht leicht. Mein Job, Nebenjob und zeitintensives Hobby. Da passt z.B. ein Partylöwe oder Fernreisewütiger schlecht rein. Jedenfalls wenn man ein Minimum an Zeit miteinander verbringen will. 

Morgens war ich noch zufrieden mit mir und der Welt, 6h später schrubbe ich an einer Midlife Crisis und grundsätzlichen Sinnfragen rum. Es kostet mich all meine Disziplin mir wieder die positiven Dinge in meinem Leben präsent zu machen. Es kostet mich Kraft meine Art zu leben nicht grundsätzlich in Frage zu stellen, nicht meinen Zeitmangel, verursacht durch mein Hobby, welches mit seit fast 20 Jahren immer wieder das Herz öffnet, als Grund für das Singlesein zu sehen. Ich meine welcher Mann möchte mit einer Frau fest zusammen sein, die so viel unterwegs ist und wenn sie es mal nicht ist, einfach müde oder wortkarg?

Ich bekomme oft, zu oft, in meinem Bekanntenkreis gesagt, dass dies der Grund sei. Letztens wurde sogar völlig unverständlich reagiert als ich meinte ich würde mein Hobby nicht für einen Mann aufgeben. Und nein, reduzieren ist keine wirkliche Option. Nur noch so ein bisschen wäre als ob man einen Iron-Man- Athleten vorschlägt zukünftig nur noch zu Walking zu betreiben. 

Mit den letzten beiden Partnern ging es doch auch. Beide hatten ein eigenes Leben. Manchmal kamen sie mit, manchmal nicht. Aber sie hatten immer Interesse und unterstützten mich emotional. Sie waren gechillt und wir sahen und trotzdem häufig. Weil sie oft da waren, wenn ich vom Training heim kam. Sie nicht von mir besaßt oder animiert werden wollten. Verdammt. Fange ich an faule Kompromisse zu machen?

Habe ich mir in letzter Zeit was vorgemacht, wenn ich mir die Vorzüge von reinen Liebschaften vor Augen führte? Bin ich zu feige oder zu blockiert um mich wieder auf Verbindlichkeit einzulassen. Oder besser wieder dafür offen zu sein? In den letzten Monaten habe ich bestimmt den ein oder anderen Mann kennen gelernt, welcher mein Leben nicht nur er- sondern mit getragen hätte. Verbindliche Typen in die ich mich irgendwie nicht verliebt habe. Oder es nicht wollte?

Vielleicht stimmt auch das Gesamtkonzept nicht mehr. Obwohl ich gerade in der Krise mit Cholera merkte, dass diese Welt viel mehr meins ist als die Party- und Eventwelt. Trotzdem ist das Training oft wie Sport. Ich muss meinen Schweinehund überwinden um hin zu gehen. Auch weil Cholera nun mal ein Hund ist, der wesentlich entspannter und handelbarer mit regelmäßigem Training ist. Erst muss man sich hin treten und erst danach ist man glücklich, dass man es getan hat. 

Die 40er haben viele Vorteile, aber auch Nachteile. In kaum einer anderen Phase meines Lebens habe ich so oft so viel Grundsätzliches in Frage gestellt. Auf der einen Seite bin ich entspannter geworden, besonders wenn es um gewisse Interaktionen mit anderen Menschen geht, auf der anderen Seite immer häufiger Grundsatzfragen, ob das Leben so ist wie es sein soll. 

Ein Freund meinte neulich ich solle mir keine Sorgen machen. Die Midlife Crisis geht nahtlos in die Endlife Crisis über. Die sei aber wesentlich spassorientierter. 

Wir werden sehen.

Kommentare:

  1. Ich glaube, das ist meine Ansicht, wenn man nicht auf die Idee kommt, aus zwei Leben eines machen zu wollen und einfach jeder sein Leben behält und sich auch selbst als eigenständiger Mensch wahrnimmt, kann eine Beziehung eigentlich immer und überall funktionieren.

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    1. Das sehe ich auch so. Allerdings ist mein Zeitkontingent wirklich knapp.
      Und sich nur 1x im Monat sehen weil seine auch so ist, wäre mir auch zu wenig

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    2. Da Beziehungen auch immer zu einem Teil das Eingehen von Kompromissen ist, ließe sich auch sicher dies lösen. In der Regel, meiner Erfahrung, erfolgt die Angleichung von alleine.

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  2. Mir geht es derzeit ähnlich. Dabei bin ich mit 30 eigentlich echt ein wenig zu früh dran dafür, oder nicht?

    Es ist in den letzten anderthalb, zwei Jahren so vieles vorgefallen, was meine Grundsätze erschüttert hat. Ich habe das Gefühl, mich selbst verloren zu haben und alles, woran ich geglaubt habe (nicht religiös!), was mir wichtig war. Ich stelle alles in Frage, von dem ich niemals gedacht hätte, dass das mal nicht ganz genau so sein würde.

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  3. Ich habe gute Freunde/Freundinnen (Nicht für Sex),ansonsten selbst ist die Frau.(Meine Vibi warten auf mich ohne mühsame Diskusionen).

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  4. Very good blog post. I definitely love this website.
    Continue the good work!

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