Samstag, 24. März 2018

Schutzengel

Hatten wir, das heißt Cholera und ich diese Woche mindesten 3. Und alle 3 waren voll im Einsatz und sind noch nicht entlassen.

Der Schock, dass mein bester Kamerad, nicht Kindersatz, nicht Sozialpartnerersatz, sondern im Sinne des schönen, aber aus der Mode gekommenen Wortes "Kamerad" in meinen Armen hätte verbluten können sitzt noch tief.

Ein Kamerad ist kein Freund im eigentlichen Sinne, aber im Einsatz verläßt man sich blind auf ihn. Er ist loyal und nach Jahren bildet sich blindes Vertrauen. Schwierig zu erklären, wenn man im Einsatz sich auf seinen Passmann verläßt, danach grobe Scherze macht und sich auf eine sehr spezielle Weise verbunden fühlt.

Vielleicht unterscheidet das auch Dienst- und Arbeitshunde im Verhältnis vom allg. Familienhund. Wenn ich daran denke was Cholera und ich schon erlebt haben, wo wir waren, MITeinander gearbeitet haben und sie immer Alles gegeben hat, fällt mir kein anderer Begriff ein.

Tante Wiki sagt dazu:
"Besondere Bedeutung hat die Kameradschaft in der soldatischen Gemeinschaft. Insbesondere bedeutet dies die Pflicht jedes Soldaten, seinem Kameraden unter allen Umständen – auch unter Lebensgefahr – beizustehen. Das besondere an der soldatischen Kameradschaft ist, dass sie nicht an persönliche Verbundenheit im Sinne von Freundschaft, Kumpanei o. ä. gebunden ist..."

Entsprechend war die letzten Tage Nichts wichtiger als ihr Wohlergehen. Das Bankkonto ist blank. Komplett, aber irgendwie geht es, wenn es um den Hund geht. Irgendwie geht es immer.

Und es hat mir wieder, oder besser endlich wieder, gezeigt, in welche Welt ich gehöre. Als ich selbst mit hoch Fieber ans Bett gefesselt war, war niemand da (fast), mein Gemütszustand grenzte an eine ausgewachsene Depression und ich fühlte mich unglaublich einsam und alleine. Als meine "Hundeleute" erfuhren, dass Cholera auf dem OP Tisch liegt und wir ernsthaft um ihre Gesundheit bangen, war die Welle der Hilfsbereitschaft unendlich groß. Unfassbar aus welchen Teilen Deutschlands ich aktive Hilfe angeboten bekommen habe. Und jedes Angebot war ernshaft gemeint.

Die Maus ist noch nicht über den Berg. Das liegt in der Natur der Sache, wenn man sich im vollem Lauf einen scharfen, rostigen Gegenstand tief in die Leiste rammt. Vorbei an der Hauptschlagader, an wichtigen Nervenbahnen und Muskeln tief ins Gewebe. Unser Schutzengel hat all diese Dinge beschützt. Jetzt müssen die Antibiotika anschlagen. Die Wunde ist tief.

Trotzdem bin ich dankbar für die Erfahrung, dass so viele Leute sofort da waren. Aktiv und mit unterstützenden Worten. Das erdet.

Kommentare:

  1. Kameradschaft... ich weiß was Sie meinen. Ich war bei Militär.

    Ihrem Hund meine besten Wünsche zur Genesung. Toi toi toi, dass ich mir um meine bisher noch nie wirklich Sorgen machen musste.

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  2. Ich kann mit Hunden so rein gar nichts anfangen.
    Mit Kameradschaft aber schon.
    Ich hätte eine lecker Hühnersuppe gekocht und dusslig gequatscht. Als es dem Menschen schlecht ging. Also Dir.
    Komische Welt.

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