Dienstag, 21. November 2017

Halbwahrheiten



Vorab, ich hasse sie. Ich hasse sie so sehr, dass sie auf einer Top 5 Liste der Dinge stehen, mit welchen man mich todsicher los wird. Ach was, gehört eigentlich zu den Top 3. Ganz echt jetzt.
Kennt ihr das, wenn euch jemand etwas erzählt und im Nachhinein raus kommt, dass er zwar nicht gelogen hat, aber einige wichtige Informationen, Details einfach verschwiegen hat? Meist natürlich weil er oder sie nicht grundlos befürchtet, dass ihr mit diesen Informationen eine andere Entscheidung trefft als ohne sie. Da werd ich komisch. Selbst wenn die Information meine Entscheidung nicht beeinflusst hätte. Ich fühle mich dann manipuliert und respektlos behandelt. Da bin ich nun mal eigen. Ich habe den Anspruch an meine Umgebung, dass sie mich meiner Entscheidungsfähigkeit nicht beschneidet. 

Klar, man könnte jetzt, mal wieder total reflektiert dem Grund meiner Aversion analysieren. Das solche Dinge mich in meinem Ego treffen, weil ich mich angegriffen fühle und ich aber das auch weg lächeln könnte. Der andere mich nur nicht verletzten wollte und es doch total rücksichtsvoll ist blabla….örghs. Könnte man, man könnte auch darüber philosophieren, ob wir in naher Zukunft von puddingartigen Außerirdischen überfallen werden. Könnte man, muss man nicht. 

Zudem ich mit Ü40, bei aller Liebe zur Selbstoptimierung, durchaus in der Lage bin sehr genau Dinge zu definieren, die ich einfach nicht möchte. Dinge, die mich verbiegen würden, fernab von innerer Ruhe und self improvement. Irgendwann ist einfach gut. Scheiß auf Verständnis und Empathie. Zudem ich von mir behaupte beide Eigenschaften zu besitzen. Ich mag sie nur nicht überstrapaziert wissen. 

Ich erinnere mich an „Magdeburg“, der mir am Anfang erzählte, er würde in Potsdam wohnen. Daraus wurde beim 2. Treffen eine Dienstwohnung in Potsdam und beim dritten kam raus, dass er diese noch nie von innen gesehen hat. Eigentlich nicht so dramatisch, aber die Wahrheit ist, dass es mit der ganzen Information zu keinem ersten Treffen gekommen wäre. Und zwar egal ob diese Entscheidungsgrundlage vernünftig gewesen wäre oder nicht. Es ist meine Entscheidungsgrundlage und ich möchte sie gottverdammt nochmal nutzen. 

Zum aktuellen Fall, muss ja einen Grund haben warum ich hier so aus dem Schlüppi hüpfe. J. war seit Wochen nicht mehr in Berlin. Auf Nachfrage erzählt er, dass er so viel arbeiten müsste und keine Zeit hätte. Der Arme ist völlig drüber mit Job. Aha. Ich meine, wenn irgendjemand diese Zeitknappheit versteht dann ich. Und Job? Nun, es hat ja einen Grund warum ich in den letzten Wochen noch nicht mal dazu kam zu bloggen…..egal. Sowieso ist rational betrachtet die Aussage „ich habe keine Zeit“ Schwachsinn. Warum? Weil jeder Mensch, egal ob Top Manager oder Hartzer, exakt gleich viel Zeit haben. Pro Tag 24h, 7 Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr etc. pp. Zeit ist nix individuelles. Die Frage ist, wie wir uns die Zeit einteilen, wie wir Prioritäten setzen. Platt, Zeit hat man nicht, man nimmt sie sich. Aber ich komme vom Thema ab.

Alle paar Tage schickt er eine WhatsApp mit belanglosem Inhalt. Gerne an Tagen an denen er weiß, dass ich mich mit einem meiner anderen Liebhaber verabredet habe. Egal, ist trotzdem strange. Ja, ich weiß, man könnte jetzt wieder differenzieren und sagen, er wolle ja Kontakt halten und und. Aber noch mal, es gibt Themen das differenziere ich nicht. Ich schreibe ihn, dass ich das nicht will und es für mich etwas von bread crumbing hat. Wieder die Aussage er sei halt gerade so eingespannt und wüsste ja beim besten Willen nicht wann er wieder in der Stadt ist. Aus meiner oben genannten Sichtweise über Zeiteinteilung gehe ich schon etwas auf Abstand und fasse innerlich für mich zusammen:

Ich habe mich auf ihn eingelassen, weil er sehr regelmäßig in der Stadt ist, aber nicht so oft, dass ich mich eingeengt fühle. Bereits nach kurzer Zeit ist er wohl kaum noch da. Fehlen zugesicherter Eigenschaften? Egal, dieses alle paar Tage eine belanglose Nachricht ohne konkrete Pläne nerven mich. Stichpunkt wieder Warmhalteplatte oder neudeutsch benching. 

Ich lösche seine Nummer, er schreibt weiter alle paar Tage eine Nachricht. Red ich eigentlich spanisch? Egal, jetzt kommt es. Heute Morgen der Versuch bei mir Absolution zu bekommen. Er hätte ein schlechtes Gewissen weil er das ganze letzte Wochenende mit einer Bekannten in Berlin war und mir nix gesagt hatte. Theoretisch war mir das völlig Latte. Zudem ich wie gesagt da eh schon den Deckel drauf hatte. Praktisch war ich auf 180.

  1. Ja, das schlechte Gewissen hat er mit Recht. Nicht weil er mit einer anderen um die Häuser gezogen ist, habe ich ja auch gemacht, sondern weil er vorher schon nicht ehrlich war. Ich sage ihm auch, dass er das schlechte Gewissen mit Recht hat.
  2. Es ist sein schlechtes Gewissen, das darf er behalten. Ich werde es ihm nicht nehmen. Hat er sich doch redlich verdient durch das Rumgeeier der letzten Wochen.
  3. War ich aufgrund verschiedener Umstände an dem Wochenende auch unterwegs und es hätte sein können, dass wir uns treffen. Super! Ich mag so Situationen extrem gerne. Örghs.
Zu guter Letzt lasse ich mich auf eine Diskussion via WhatsApp ein. Fuck. Eindeutig habe ich heute zu viel Zeit. Ergebnis, er fühlt sich im Recht weil jetzt ja klar gewesen wäre, dass er es mit hätte nicht sagen können, es mich verletzt hätte und er es auch nur für die andere Frau gemacht hätte um ihr mal die weite Welt zu zeigen. Ich bin beeindruckt, ob so viel Rücksichtnahme und Selbstlosigkeit. Was für ein ehrlicher und aufrichtiger Zeitgenosse.Wahhhhhh……
 

Kommentare:

  1. ich nehm dann einmal die puddigartigen Ausserirdischen bitte. Und dazu einen buntgemischten Saisonsalat mit Feigensenf-Dressing.

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  2. Brauche diese komplizierte Männer nicht.Habe meinen Sybian und meinen Zwergspitz Rambo.

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