Dienstag, 17. Oktober 2017

Datingpannen: der Nudelsalat


Schon ein paar Wochen her. Es war noch warm und wir trafen uns sonntags in einem Biergarten. Sonntags weil er am Wochenende einem Kumpel bei einer Party geholfen hat. War wohl was größeres, er machte da den Barkeeper. 

Er pünktlich und unheimlich gut aussehend. Beides mag ich. Wir suchten uns einen Tisch und ich überlegte, ob ich wohl was esse. Der Typ hatte unglaublich tolle Oberarme, so dass ich mir vorstellen konnte mit ihm etwas Zeit zu verbringen. Tisch gefunden und dann….nun ja….mein Hintern hatte den Stuhl noch nicht berührt und der Kerl fing an über seinen Kumpel ab zu lästern. Nun ja, nicht direkt über den Kumpel, sondern über den auf der Party servierten Nudelsalat. Der war nämlich gekauft. Skandal! Und dann nur umgefüllt. Frechheit. Und überhaupt hat der Kumpel dann auch noch Gurken rein geschnitten und nicht unter gemischt. Da mussten die Gäste erst mit der Gabel die Gurken weg schieben um an den Nudelsalat zu kommen. Frechheit. 

Ich für meinen Teil verstehe ja gar nicht warum man noch Nudelsalat selbst macht, aber was weiß ich schon. Ich bin ja ein unkultivierter Küchen Hooligan. Die ersten 7 Minuten sind um, ich habe ein Wasser bestellt. Still. Das Thema ist immer noch Nudelsalat und ich schaue mich um, ob irgendwo eine versteckte Kamera hängt. Die Sonne scheint und ich habe gute Laune. Also versuche ich diplomatisch das Thema umzulenken. So von wegen ist ja seine Party und so. Klappt bedingt. Also direkt eine Frage zu einem anderen Thema. Ob er schon mal verheiratet war. Krasserer Wechsel fällt mir nicht ein. Der Keller fragt ob wir noch was wollen. Ich antworte „nein“. Jeder Mensch, der wenigstens 2% auf „empfangen“ und nicht nur auf „senden“ gepolt ist, würde die Nachricht verstehen. Er nicht. Aber er nimmt wenigstens den Themenwechsel an und so erfahre ich, dass seine Ex Schuld daran ist, dass sein erwachsener Sohn inzwischen Drogenabhängig ist. Und überhaupt ist sie eine blöde Schlampe. Wuahhhhhhhh.

Ich schau dem Typen tief in die Augen, setze mein super süßes, total nettes Lächeln auf und meine „Du, Du bist echt nett, aber irgendwie entwickelt sich bei mir nichts.“ Ich musste ihm damit ins Wort fallen, er hatte gerade wieder zu einer Lästerattacke ohne Punkt und Komma ausgeholt. Er ist sofort ruhig, sackt in sich zusammen und antwortet wie Schade das wäre. Er fände mich total sexy und würde es genießen, dass man sich mit mir so gut unterhalten kann. What??????

Ich dackel zum Auto. Es ist noch früh, die Sonne scheint. Ich überlege mir was ich mit dem Abend anfangen soll. Ende vom Lied, ich lande auf einer extrem lustigen textilfreien Party mit „das T.“ Und dass ich da einen super gebauten, kommunikationsfähigen Single Typen kennen gelernt habe, ist eine ganz andere Geschichte.

Freitag, 13. Oktober 2017

Fight or flight



Fühlt sich ein Tier bedroht, kennt es 2 Handlungsalternativen. Fight or flight. Lediglich degenerierte Hunderassen kennen eine Dritte, fiddle around. Diese völlig verzüchteten Hunde und einige Menschen reagieren auf Bedrohliches mit niedlich sein, rum albern, kaspern und so weiter, um zu zeigen, dass sie keine Bedrohung darstellen. Dabei übertreiben sie es oft und bekommen erst recht eins auf`s Maul. Hunde wie Menschen. 

Weder Pest, noch Cholera noch mir ist diese 3. Art auf Gefahr zu reagieren in die Wiege gelegt worden. Pest findet Starkregen bedrohlich und verkriecht sich beim Spaziergang unter einen Bauwagen (flight) ohne zu bedenken, dass die Situation, dass ich ihn suchen muss wesentlich bedrohlicher ist. Cholera findet meinen Nachbarn ebenso wie ich voll Klaus Kinsky mäßig und würde ihn am liebsten jedes Mal umnieten wenn sie ihn sieht (fight). Die Leine verhindert dies zum Glück. Wer weiß wann ich mal Milch oder Mehl brauche. Bei den beiden ist die bevorzugte Reaktionsweise zum größten Teil genetisch programmiert. Cholera, angeblich ein belgischer Schäferhund (in Wirklichkeit Springbock-Todesstern-Hybrid), kompensiert Unsicherheit nach vorne. Macht für den Zweck für den diese Sozialidioten gezüchtet sind Sinn. Pest, angeblich ein Terrier, in Wirklichkeit nur eine Terrier-Attrappe und Affe-Katze-Fledermaus-Alien-Hybrid, wird seit Generationen auf „niedlich“ gezüchtet und versteckt sich halt lieber. 

Jetzt bin ich halt kein hundeähnliches Lebewesen und mein Gehirn ist (situativ) größer als die beiden Erbsenhirne von Pest und Cholera. D.h. ich sollte theoretisch die Wahl haben wie ich reagiere.
Die Wahrheit ist, dass es Menschen gibt, die ein unglaubliches Talent haben mich zu „fight“ zu treiben. Schaffen sie es mit einer Methode nicht, wechseln sie treffsicher zum nächsten Punkt und zack, ich explodiere und würde ihnen am liebsten ordentlich auf`s Maul hauen. Mach ich aber nicht. Ist nämlich verboten, ich bin jetzt nicht die super Starke und außerdem habe ich eh einen Kapselanriss am rechten Handgelenk. Der würde davon nicht besser werden.

Also arbeite ich an mir. An Abgrenzungsmethoden, innerer Ruhe und scheiss-egal-Einstellung. Denn es gibt Idioten, denen kann man nicht aus dem Weg gehen. Geht einfach nicht, außer man sagt gegen die Mafia aus, kommt ins Zeugenschutzprogramm, wechselt die Identität und zieht weg. Ganz schön viel Aufwand wegen Idioten.

Abgrenzen heißt Impulskontrolle. Das ist anstrengend. Und die Gestörten können keine Ruhe geben. Ihr Mini-Ego braucht die Aufmerksamkeit wie die Luft zum atmen. Ich schließe die Augen, stelle mir vor ich würde in meinen gemütlichen Wohnzimmer sitzen, draußen tobt das Gewitter der ewig Unzufriedenen, der Schwarzmaler und Nörgler. Ich stehe auf und schließe einfach das Fenster. Ruhe im Karton. Basta.

Von wegen, die Gestörten haben genau mich auf dem Zettel. Sie ertragen meine Ignoranz nicht. Wie kleine Wadenbeißer verstärken sie ihr Verhalten bis ich das Getöse durch das geschlossene Fenster höre und explodiere. Der Behälter der Impulskontrolle ist voll und das Überdruckventil springt mit einem lauten Knall auf. F*** Ich hasse es. Ich werde von Deppen manipuliert und dadurch haben sie einen Raum in meinem Leben der Ihnen nicht zusteht. Methodenänderung?

Ich bin seit Dienstag mit gelbem Schein zu Hause. Kaputtes Knie, Bänderanriss im Knöchel und nun noch ein geschreddertes Handgelenk bringen sogar mich dazu mal eine Pause einzulegen. Läuft gut, ich komme wahnsinnig schnell zur Ruhe und entspanne. Ich mache mit den verbleibenden Gelenken Gymnastik und befinde, dass Abgrenzung als totalitäre Methode nicht funktioniert. Fight or flight ist bei mir nicht auf immer und ewig genetisch programmiert und ich habe die Möglichkeit situativ zu reagieren. Wegen dem Gehirn über Erbsengröße. Mit über 40 hat man aber gelernt nicht mehr in jede Schlacht zu reiten. Dafür hat man auch gar keine Energie mehr. Also „choose your battles“.

Ich schreibe eine Liste. Eine Spalte „flight“. Dinge die mir nicht wichtig sind, ich chancenlos bin und Kampf daher verschwendete Energie wäre. Die „fight“ Liste ist spannend. Ich selektiere Dinge die mir wichtig sind und die ich sinnvoll beeinflussen kann. Am Ende gibt es noch eine ?-Liste. Da muss, kann ich abwarten. Weiß noch nicht ob es Sinn macht dort Energie rein zusetzen. Einige der „Fight-Punkte“ rutschen im Laufe des Abends zur ?-Liste. Am Ende sind alle drei Listen unbeabsichtigt gleich lang.

Das wird spannend. Auch für die Menschen die von der Fight-Liste betroffen sind.





Mittwoch, 11. Oktober 2017

Es schreit selten der Täter



Der Herr MIM ärgert sich über seine, mit Verlaub, strunz dumme Kollegin. Leider kann ich das im Moment viel zu gut nachvollziehen. 

Es gibt Menschen, die haben es unglaublich gut raus es solange zu treiben bis man explodiert. Und wenn man es tut, dann schauen sie wie Bambi dessen Mutti gerade erschossen wurden und fühlen sich unglaublich ungerecht behandelt. Mit Pipi in den Augen schauen sie in die Runde und derjenige, der explodiert ist, ist der Dumme, der Aggressor. Jedenfalls in den Augen der Anderen.
Und auf den ersten Blick ist es ja genauso. Jemand, der ansonsten eher gefasst ist, flippt wegen einer Kleinigkeit aus und attackiert jemanden der sensibel ist mit anscheinend ungerechtfertigter Härte. Und weil wir, jedenfalls der größte Teil von uns ein Gewissen und eine gute Erziehung haben, haben wir Mitleid mit demjenigen, der da gerade angegriffen wurde. Oder, falls wir selbst der Aggressor sind, haben wir ein schlechtes Gewissen, weil wir uns jenseits unseren eigenen Anspruches an uns selbst bewegt haben.

Orthopäden sagen: es schreit selten der Täter. Sprich, wenn das Knie schmerzt, schau auf die andere Seite was da kaputt ist, dass das Knie so überlastet ist. 

In unserer unglaublich mit Mitgefühl und grenzenlos empathischen gesellschaftlichen Welt in der jede Form von Aggression völlig verpönt ist, haben die meisten Menschen aber das Gefühl für ein differenzierteres Täter-Opfer-Bild verlernt. Mitleid für das angeblich schwächere Individuum ist so hipp, dass wir den hinterrücks agierenden passiv-aggressiven, narzisstischen und sonstigen Gestörten die Tore zum Erfolg weit offen halten. Denn warum sollten sie ein Verhalten einstellen, welches für sie offensichtlich erfolgreich ist? 

Baue nur Scheiße, werde erwischt und weine. Beteure, dass Du das Alles nur gut gemeint hast, nicht dafür kannst und überhaupt und Du musst keine Verantwortung für Dein Handeln übernehmen. Du brauchst Dich nicht ändern, denn Deinem Handeln folgen keine ernsthaften Konsequenzen. Perfektioniere diese Strategie und jemand, der Dich auf Dein Fehlverhalten hinweist muss die Konsequenzen tragen. Warum? Weil Du machst was Du willst, bis er explodiert und dann siehe oben.
Alle behaupten von sich, dass sie „nein“ sagen könnten, aber wir tun es bei den Gestörten viel zu wenig. Wir wollen unsere Ruhe und vermeiden, dass wir durch ein klares „nein“ eine Welle verursachen, die wir eigentlich vermeiden wollen. Also gibt man nach oder schluckt unmögliches Verhalten von Nachbarn, Kollegen usw. runter. Bis, ja bis der Eimer der Impulskontrolle voll ist und der berühmte Tropfen kommt. 

Wenn man frühzeitig Grenzen setzt, ist man zickig, hat Haare auf den Zähnen, untervögelt oder schlimmeres. So will man ja auch nicht wirken. 

Trotzdem kann ich nur an jeden appellieren Opfer-Täter-Bilder genauer zu beleuchten und daran zu denken, es schreit selten der Täter.