Dienstag, 15. August 2017

Irgendwas ist ja immer


In diesem Fall fast 800km.

Wenn man hormonell so ausgeglichen ist wie ich im Moment scheint ja irgendwie alles leichter, lockerer und entspannter zu sein. Trotzdem hätte ich nicht gedacht, dass die regelmäßige Ausschüttung von Glückshormonen mich in eine Situation bringt, die nur für andere Frauen in meiner Sportart ein Traum ist. Nämlich einen gut aussehenden Kerl mit dem gleichen, zeitintensivem Hobby kennen zu lernen. Irgendwie finde ich die Vorstellung gruselig noch mehr Hunde im Haushalt, noch mehr unterwegs, noch mehr Fell auf dem Teppich usw. Mein Masterplan sieht einen Kerl vor, der Hunde mag, welche will, aber keinen eigenen hat. Einen, der beruflich viel unterwegs ist oder ein eigenes Hobby hat und ich an den Wochenenden meinen Freiraum habe. So der Plan.

Ich war trotz Verletzung von Hund und anschließend Mensch auf einer internationalen Meisterschaft. Ich wusste ich muss mal raus und nichts bläst mir mehr den Kopf frei als sowas. Danach bin ich zwar körperlich am Ende, aber ich habe nicht 1x an meinen Alltag gedacht. Also Auto gepackt, Knie bandagiert, Sprunggelenk sicher verpackt, alles ins Auto und ab. Irgendwie kennt man nach ja auch immer irgendjemanden auf solchen Meisterschaften. In diesem Fall natürlich auch. Die Holländer waren da, die Tschechien und ein Haufen Österreicher. In einer Gruppe, von denen ich einige kannte ein gut aussehender Wiener der es schaffte, dass ich ihn trotz Dialekt verstand. Jedenfalls das Meiste. Gut genug, dass wir über  Trieblagen und Energielevel fachsimpeln konnten. Und zwar völlig sachlich. Also beim Hund und nicht das was ihr schon wieder denkt.

Was da wirklich ging hab ich natürlich mal wieder nicht gerafft. Ich bin in diesem Rahmen einfach so in einer anderen Welt, dass man mir schon einen Kerl nackt auf den Bauch binden muss damit ich was merke. Am dritten Tag, endlich hatte es aufgehört zu regnen und wir waren mit unseren Disziplinen schon durch, saßen wir also den ganzen Vormittag zusammen auf der Bank und unterhielten uns nicht nur über Hund. Der Wiener lächelte mit seinem Radler in der Hand und meinte, man könne ja viel über einen Menschen erfahren, wenn man beobachtet wie er seinen Hund führt. Und dann dämmerte es mir langsam warum einige seiner Gruppe schon witzelten, ob ich nach Wien ziehen wolle. Er meinte nämlich (Achtung Hundeführerkitsch)

Du bist pedantisch, geduldig und zielstrebig, Raum gebend, Kontrolle über Umwege ausübend, aber es schaut immer so aus, als würde sich deine Freude mit der natürlichen Veranlagung deines Hundes perfekt ergänzen. Ich habe schon lange nichts mehr so harmonisches gesehen.

Das ist unter Hundesportlern ein Heiratsantrag *lach Warum? Weil man redet bei solchen Veranstaltungen nur über die Hunde. Über Hundeführer maximal um zu lästern. Basta. Okay, mit den meisten hätte ich auch kein anderes Thema, aber egal…plötzlich sitze ich mit einem gutaussehenden Singlemann auf einer Bank und sinniere über seine und meine Persönlichkeit. Das wir dann auch noch im Gesamtergebnis Punktegleichstand hatten muss ich nicht erwähnen, oder?

Theoretisch könnten wir uns in 4 Wochen wieder sehen. Da bin ich eine Woche in der Nähe von Wien. Praktisch werde ich es vorher nicht ansprechen. Denn trotz besseren Wissens geht mein Hirn seine eigenen Wege. Schon denkt es an Distanzen, Autofahrten und und und.

Alles ungelegte Eier über die man sich theoretisch keine Gedanken machen muss, denn bisher gab es noch nicht mal einen Kuss. Nur einen minutenlangen, tiefen Blick zum Abschied und ein paar Neckereien seiner Kollegen.

Samstag, 5. August 2017

Totgesagte leben länger


Fast scheint es, als wolle mir das Schicksal in jedem Bereich meines Lebens ein paar Steine in den Weg legen. Und manchmal scheint es auch zu gelingen, allerdings denke ich oft nicht drüber nach, lache darüber, mache weiter und alles läuft. 

Cholera ging es einer Weile nicht so toll. Irgendwie lief sie nur auf 80%, hatte Konditionsprobleme im Training. Nun, sie ist nicht mehr die Jüngste und ich war nicht so fleißig die letzten Wochen. Besonders hinsichtlich Bewegung fällt Konditionstraining mit kaputtem Knie etwas schwer. Ich wollte das aber nicht so stehen lassen und ließ sie beim Tierarzt durchchecken. Bzw. besprach ich die Symptome mit GK auf einem Spaziergang. Wir behandelten auf Bronchitis und ich habe gelernt, dass man bei Hunden zugeschleimte Lungen beim abhören nicht hört. Die atmen irgendwie anders. Jetzt ist sie wieder in einer absoluten Topform. Meine Gedanken, dass es uns vielleicht die letzte Wettkampfsaison ist völlig überflüssig. 

Und weil ich dann wieder fleißiger war, knickte ich rechts um und habe jetzt das linke Knie und das rechte Sprunggelenk in fixierenden Bandagen auf ärztliches Rezept. Unterstreicht meine natürliche Anmut ungemein.

Mein Liebesleben? Ich ackere im Büro wie ein sizilianischer Betonmischer. Nebenjob läuft auch. Wie viel Zeit Raum und Luft hat man da für ein Liebesleben? Trotzdem traf ich mich mal mit Lillyfee und ja, er ist immer noch ein genialer Liebhaber, aber die Zeit zwischen uns ist irgendwie abgelaufen. Einfach so, ohne großes Drama. Er gehört einfach zu einem Abschnitt meines Lebens, den ich hinter mir gelassen habe. 


Ich finde trotzdem, dass er ein großartiger Mensch ist. Zudem ich ja „meines Hasis“ habe. In jeden von ihnen bin ich auf eine eigene unkomplizierte Weise verknallt. „Schmul“ weil er eine unglaubliche Gabe hat im Hier und Jetzt zu sein wenn wir uns treffen, „das T“ weil er so ein offener und liebenswerter Kumpel ist und neu in der Runde J. (noch ohne Arbeitstitel), der unglaublich reflektiert und aufgeräumt in der Birne ist. Es ist herrlich unkompliziert. Sie kennen sich, wissen voneinander. Manchmal trifft man sich zu zweit, manchmal zu dritt und dann wieder eine Weile gar nicht. Wenn wir uns treffen ist alles entspannt, unglaublich respektvoll und wir können jederzeit auch Themen außerhalb des Bettes finden.

Ich habe mal schnell schlappe 700€ in mein Auto investiert und am Schluss war die Lösung ganz leicht. Nochmal ein paar Hundert Zuzahlungen beim Zahnarzt und damit war das hart verdiente Geld vom Nebenjob auch schon wieder weg. Trotzdem nehme ich für August keine Aufträge an. September und Oktober gebe ich gut bezahlte Seminare. Ich musste nichts dafür tun, wurde einfach gefragt. Mein Kunde aus Sachsen rief mich abends mal an, er war leicht angetrunken und versicherte mir, dass er wieder mit mir arbeiten möchte. Mindestens 1x im Monat, er bezahlt gut. 3 Tage später hat er nüchtern bestätigt, was er angetrunken ins Telefon flötete („Frau von Sachsen, wir haben jetzt zick andere Trainer angeschaut, aber sie sind einfach die Beste“).

Job? Kollege ist im Hochleistungs-Eskalationsmodus. Mit Allem und Jedem. Inkl. dem Chef. Entsprechend angespannt ist die Stimmung. Aber Cheffe hat jetzt live erlebt was los ist und supportet mich ohne Ende. Das Ungleichgewicht in der Lastenverteilung ist sehr deutlich geworden. Ich habe ihm letztes Jahr genötigt mir mehr Verantwortung zu geben, damit es läuft. Hat er getan, der Bereich lief wie die Sau. Die Zahlen beweisen es und es ist dieses Jahr noch besser. Vor 14 Tagen betrieb ich das Spiel noch mal. Innerhalb von 14 Tagen habe ich 2 Projekte an Land gezogen von denen der Kollege behauptete sie seien chancenlos. Er raubt mir Energie um mich gegen seine negative Stimmung abzugrenzen. Aber er weiß, wenn ich die Firma verlasse, verliert er seinen Job. Dann wird er weg rationalisiert. Ich bin ungewöhnlich kühl zu ihm. Er schleimt und bringt jeden Tag Eis oder Kuchen mit ins Büro.

Kurz, theoretisch laufe ich auf dem Zahnfleisch, praktisch läuft alles. Ab Ende August werde ich auch wieder mehr bei „befreundeten Bloggern“ lesen, kommentieren und selbst schreiben können.