Dienstag, 6. Juni 2017

Review – Wandeln zwischen den Welten


Ich komme zu nichts mehr. Jedenfalls online. Ich kommentiere gerade bei mir liebgewonnenen Bloggern kaum bis gar nicht, lese nur flüchtig. Ich hoffe sie verzeihen mir das. Es kommen auch wieder andere Zeiten.

Tschechien. Tolle Leute und eine effiziente Trainingswoche. Pest der arme Kerl wurde gleich am ersten Tag von einem 30kg Gegner in den Kopf gebissen. Habt ihr mal versucht sonntags in Tschechien eine Tierklinik zu finden? Zum Glück konnten mir Sportkameraden aus Österreich einen Tierarzt in Linz empfehlen. Das waren nur 40km. Dort haben wir in Narkose gelegt und zusammengeflickt. Der kleine Schatz war wie immer sehr tapfer. 2 Tage war er sehr zurück haltend. Bestimmt hatte er eine Gehirnerschütterung. Nicht verwunderlich, wenn 30kg auf den Kopf eines 10kg Zwergs prallen. Die täglichen Verbandswechsel haben ihn zum erklärten Liebling der Woche gemacht. Nicht nur, weil wir ihm jeden Tag eine andere Farbe verpasst haben, sondern weil er sich immer ganz geduldig behandeln hat lassen. Außerdem durfte er abends als einziger Hund in den Gemeinschaftsraum. Wenn jemand fragte, sagten alle, dass er ja kein Hund sei. Hunde trügen ja keine Helme. Als er schließlich eines Tages mit gelben Kopfverband durch die Wiese voller Löwenzahn raste, war auch der letzte von dem rasenden Löwenzahn eingenommen.




Unterkunft in Tschechien spartanisch. 2 Mann Zimmer in Holzhütten. Dusche im Haupthaus. 2 Duschen für 40 Menschen. Warmwasser Fehlanzeige. Draußen Regen-Sonne abwechselnd. Die nassen Sachen im Zimmer mit den Hunden und Kameraden auf provisorischen Wäscheleinen zum Trocknen aufgehangen. Das Ganze ist Luxus gegen Pfingsten.

Unterbringung im Mannschaftszelt als Pflicht. Wegen dem Gemeinschaftsgefühl und so. Das bedeutet bei mir, dass ich am zweiten Tag die Weiber einer großen Hilfsorganisation schon erschlagen möchte. Die laufen um 06:00 Uhr früh schon in voller Einsatzplün rum. Ganz wichtig, immer den Helm in der Hand. Auf dem Zeltplatz vor dem Frühstück. Mittendrin ich mit klein Pest und Cholera mit rosa Halsband. Duschen im Duschcontainer mit Duschmarken. Pro Tag eine Marke, pro Marke 3 Minuten warmes Wasser. Das geht nur mit der 3mm Frisur der Kampfweiber. Meine langen Haare werden zwangsläufig eiskalt gewaschen. Das ist nicht schlimm, denn unser Zelt ist undicht und es tröpfelt von der Decke. Wenn ich mich nachts umdrehe und ein Auge aufmache, schaue ich direkt in das Gesicht einer rothaarigen mit Pitbull-Gesicht. Zu Hause bin ich geerdet und erfreue mich an ganz simplen Dingen wie ein ausreichend großes Bett und warmen Wasser.

Zwischen diesen Aktionen im Büro mit lackierten Nägeln und in Verhandlung mit Lieferanten und Kunden. Engelsgeduld beim Erklären von (für mich) simplen technischen Dingen. Und immer ein offenes Ohr für den Kollegen. Mitarbeit an einem internen Projekt. Der große Cheffe bezeichnet mich als Sonnenschein?! Der bin ich auch im Moment. Ich pendle zwischen völlig übermüdet und hormonell ausgepowert hin und her. Da ist kein Raum für Eskalationsmodus.

Ein Einzeldate mit Schmul und gestern das mit ihm und seinem Kumpel. Ich kam entgegen meiner Natur in Röckchen und Schühchen. Ich brauchte das als Ausgleich zu Pfingsten. Fast hätte ich noch Choleras rosa Halsband angelegt. Aber nur fast ;-)

Morgens früh raus. Pest ist nicht ausgelastet. Wie auch, wenn man in Tschechien den ganzen Tag im Bett liegt und Pfingsten seine Aufgaben mit „singen und klatschen“ erledigt während die beiden Weiber dienstbeflissen alles geben. Sprich Cholera und ich könnten gerne noch etwas liegen bleiben, aber der Mann im Haus hüpft mit Quietschie durch die Gegend.

Ich liege im Bett und überlege mir wie weit der Spagat in meinem Leben oft geht. Und ob es da draußen jemanden gibt, der das langfristig nicht nur erträgt, sondern mit trägt. Ob es besser ist, wenn dieser jemand ganz anders oder sehr ähnlich ist. Ob ich aus Angst oder Vernunft so oft so schnell den emotionalen Rollladen runter mache. Ob es schlauer ist nichts zu tun und abzuwarten oder wieder aktiv zu daten. Mein Knie schmerzt fürchterlich. Aber ich muss raus. Pest und Cholera lüften. Ich denke an vergangene Beziehungen in denen Unterstützung selbstverständlich war und die in denen es jedes Mal ein riesen Akt war.  Ich denke an die Trennungen und alles, was mir versprochen und zugesichert war und nicht eingehalten wurde. Pest ist ein Ergebnis davon. Plötzlich alleine mit damals 3 Hunden war nicht leicht, aber letztendlich habe ich alles geschafft. So wie ich es immer irgendwie schaffe. Ich weiß, dass ich es kann, aber im Moment nervt es unheimlich. 






Kommentare:

  1. Fühl Dich einfach mal gedrückt wenn Du magst. Armer Pest-Löwenzahn braucht keiner...

    Ich wäre danach wohl im heimischen Gefilde geblieben...also Chapeau

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  2. Nelly, dein Text erinnert mich im letzten Absatz stark an das "Kämpferherz" von Frau Laterne aus dem Februar. Und ich glaube doch sehr, dass es auch für dich mindestens den einen Kerl gibt, der das Gesamtpaket zu schätzen weiß. Das Problem ist vielleicht, dass der für dich ein wenig zu unsichtbar ist - warum auch immer ...

    Also: Augen offen halten - das wird schon. ;-)

    ... und mehr bloggen. Oft finden sich ja die geeignetsten Kandidaten unter der treuen Leserschaft. ^^

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