Freitag, 14. April 2017

Und plötzlich ist alles anders



Cholera ist verletzt. Nicht wie sonst die üblichen Schnitte, Krallen oder so, sondern richtig übel. Tiefer Schnitt zwischen den Ballen. Als die Wunde klaffte, konnte ich den Knochen und die Sehnen sehen. Als ich das sah, war das ganze schon 2 Tage alt. Sie hat vorher nicht gelahmt, nicht geleckt, der Schnitt war verklebt und nicht zu sehen. Mittwoch bekam sie hoch Fieber. Mein Tierarzt schnitt fast 2h immer wieder die Wundränder, spülte, schnitt. Wir haben sofort eine Bakterienkultur angelegt. Wenn das Antibiotika nicht anschlägt, kann sie im schlimmsten Fall hops gehen. Bakterien sind immer noch die gefährlichsten Killer auf dieser Welt. 

Sie ist nicht mein Kind und nicht mein Partnerersatz. Sie ist mein Kamerad und sie gibt immer alles für mich. Ich bin für sie verantwortlich. Den ganzen Donnerstag habe ich meine Küche geschrubbt um mich abzulenken. Abends hat sie endlich mit langen Zähnen wieder etwas Futter angenommen. Fieber geht runter. Konto um ein paar hundert Euro erleichtert plus Stornogebühr für das eigentlich angesetzte Trainingslager über Ostern. Ich habe es echt nicht dicke, aber letztendlich ist es nur Geld. 

Und ich? Ich bin von jetzt auf gleich von 180 auf 0 runter gebremst. Die nächsten Wochenenden waren ausgebucht. Die große Meisterschaft stand an. Wir werden nicht starten können. Nicht wollen. Selbst mit einem Wunder wäre es zu heikel sie laufen zu lassen. Wenn alles wieder aufgeht, haben wir ein echtes Problem. Kameradschaft ist wichtiger als Titel.

Jetzt sitze ich hier und habe plötzlich sehr viel Zeit. Sehr viel. Ostern, abends und die nächsten Wochenenden. Kein Training, kein Trainingscamp, keine Meisterschaft. Auch keine Wanderausflüge mit Hund. Mein halbes Leben ist au Bewegung mit Hund ausgerichtet. 

Heute blitzt nicht nur meine Küche, sondern auch mein Wohnzimmer. Schränke mit Essigreiniger geschrubbt. Ich weiß ich kann es nicht ändern, aber ich habe Frust. „Unverhofft kommt oft“ ruft gestern spät an. Ich geh nicht ran. Er würde ggf. etwas abbekommen was er nicht verursacht hat. Er hat keine Zeit Ostern. War ja auch nicht geplant, dass ich da bin. Ein Grund warum wir uns gut finden, ist die Gewissheit, dass der andere ein ausgefülltes Leben hat. Die Trainingsgruppe meldet sich regelmäßig. Es klingt sehr ehrlich wenn sie sagen, dass ich fehle. 

Trotzdem merke ich, dass ich die letzten Wochen, Monate, alles richtig gemacht habe. C. läd mich zum Kaffee ein und hilft mir den Pfotenverband zu wechseln. Blöde Sache mit nur 2 Händen. Eigentlich ist sie völlig platt vom Dienst, aber sie zögert nicht. T. meldet sich umgehend als er es gehört hat. Er kann sofort meinen Frust nachvollziehen und wir verabreden uns im Wald. Pest muss ja auch laufen. Gestern wollte er ohne Cholera nicht raus. So ein Idiot er oft zu ihr ist, aber er merkte, dass irgendwas nicht stimmte. GK kommt morgen vorbei. Und auch sie hilft mal schnell beim Verbandswechsel. Ich habe heute endlich mal wieder mit M. telefoniert. Ich habe gar nicht gemerkt wie gut mir die Gespräche mit ihm tun. 

In meinem geheimen Geheimblog steht, dass ich Freundschaften wieder mehr pflegen will. Das tut mir gut. Auf der 2016/2017 Abgleichseite kommt ein weiteres Häkchen. Schön diese Menschen in meinem Leben zu haben.


Kommentare:

  1. Oh scheiße, ich drück die Daumen das alles gut abheilt und keine weiteren Komplikationen auftreten. Ich kenn das Mitleiden zu gut..Fühl Dich gedrückt.

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  2. Cholera for Tapferkeits-Medaille ...
    C.

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  3. Ich drücke auch die daumen, dass keine komplikationen auftreten UND dass du die Vollbremsung gut austarieren kannst.
    Und gönn dir Unverhofft, auch wenn es eigentlich anders geplant war.

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  4. Ich hoffe, es geht ihm bald wieder besser. Kopf hoch!

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  5. Oh je, das tut mir sehr leid für Euch und vor allem der Patientin. Alles Gute und möglichst schnelle und komplette Genesung!

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  6. Ich komme jetzt erst dazu es zu lesen. Das ist schrecklich. Beste Genesungswünsche von meiner Seite.

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  7. verdammte axt!

    dicker kuss an meine lieblingssüsse,
    emmi

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