Donnerstag, 6. April 2017

political correctness und Karma-Bilanz


Ich gebe es zu. Ich bin nicht PC. Und zwar so gar nicht. Über einen „drogenindizierten Schizophrenen“ sage ich „er hat einen an der Klatsche“, Sonderschüler sind bei mir nicht „speziell begabte“ und neulich rutschte mir das Wort Negerkuss raus. Die Diskussion über Transgender-Toiletten stößt im besten Fall bei mir auf Unverständnis bis Gleichgültigkeit. Ich lache herzhaft über Randgruppenwitze und mache auch welche. Frauen, Männer, Schwule, Türken….alle sind mal dran. Übrigens feiere ich auch Weihnachten und kein beknacktes Lichterfest. Es ist mir völlig schnuppe, ob sich dadurch jemand auf die Füße getreten fühlt. Selbst wenn es ein Jude wäre, wäre es mit wurscht. Wenn im Büro vor 8:00 Uhr ein Subunternehmer anruft, katze ich ihn schon mal mit „ich habe Kopfschmerzen und meine Tage, ist es wichtig?“ an. Und ich fühle mich kein bisschen schuldig oder als schlechter Mensch. Nüscht, nada. Echt jetzt!

Heute Morgen saß vor meinem Bäcker wieder der Bettler. Sah ziemlich verfroren aus. Und fertig, zittrig und ich glaube Alkohol war sein kleinstes Problem. Hab ihm ein belegtes Brötchen gekauft und gegeben. Danach hat der „Straßenfegerverkäufer“ vor Lidl meinen Pfand Bon bekommen. Letzte Woche lag im Park eine Frau auf der Bank. Ein Tetrapack Rotwein neben ihr. Ebenso lagen das Handy und ihr Geldbeutel auf dem Boden. Habe sie gefragt, ob sie Hilfe braucht und dafür gesorgt, dass Handy und Geldbeutel in Ihrer Tasche verschwinden. Im Wald rennt ein junges Mädel an mir vorbei und fragt, wo es zur Straße geht. Ihre Freundin liegt „da hinten“. Ist bei Joggen umgeknickt und braucht Hilfe. Ich will eigentlich nach Hause, hab aber umgedreht und geschaut, dass die Joggerin nicht irgendwie umkippt weil der Knöchel gebrochen ist oder so. Wenn ich eine Oma auf einem Mäuerchen sitzen sehe, frage ich immer, ob alles okay ist. Ebenso mache ich mich nicht lustig, wenn ich jemanden im Nachthemd durch Berlin latschen sehe. Ich weiß, dass er vielleicht dement ist und ich melde es bei der Polizei.

Von den zick Personen, die diese Situationen sehen und vorbei gehen, philosophiert bestimmt ein Großteil darüber, dass mein Verhalten jemanden mit speziellen Bedürfnissen Sonderschüler zu nennen, nicht okay ist. Es bleibt mir weiter völlig wuppe.

Ich bin mir sicher, dass diese ganze PC-Diskussion nur der Beruhigung des Gewissens dient. Dieses ganze Gutmenschengetue vertuscht doch schön, dass man jeden Tag an tausend Kleinigkeiten vorbei geht. Lieber mit der Nachbarin drüber reden, dass man auf gar keinen Fall verbal jemanden vor den Kopf stoßen darf. Die alltägliche Ignoranz ist natürlich was ganz anderes!

Kommentare:

  1. Negerkuss? Du meine Güte, ein Skandal! Muss das eigentlich inzwischen schon gemeldet werden?
    Ich hab neulich den Struwwelpeter gehört, da gibt es den kohlpechrabenschwarzen Mohr. Darf man das eigentlich noch abspielen?
    Nein, im Ernst, das geht wirklich zu weit. Sobald mir jemand in solchen Momenten mit dem erhobenen Zeigefinger daher kommt, schalte ich auf Durchzug. Und ich werde auch weiterhin Zigeunersosse essen! Das hat für mich nichts mit meiner Einstellung zu tun. Ich hasse auch keine Frauen, nur weil ich nicht immer jeden Begriff gendere: Fahrradfahrende, Studierende, Mitarbeitende. Da kann das ZtG so viel forschen und neue Begriffe erfinden, wie es will ...

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    1. Meine Putze wird von mir "meine Putze" genannt. Obwohl sie sonst keine Privatwohnungen mehr macht, kommt sie zu mir gerne. Weil ich sie immer mit Respekt behandle ;-)

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  2. Bravo! Du sprichst mir aus der Seele - und Danke für das Brötchen ;o)

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  3. Ich bin der Ansicht, jede Handlung muss man nur vor einer Person rechtfertigen können. Und das ist man selbst... und so lange das passt, es nicht strafrechtlich relevant ist, ist alles in Ordnung.

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    1. Ja, ich muss auch nicht Ballkönigin werden ;-)

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  4. Schöner Text!
    Ich fürchte allerdings, dass das alles nicht nur der Beruhigung des Gewissens dient, sondern leider auch sehr viel Engagement bindet, welches woanders für viel wichtigere Dinge gebraucht würde.

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    1. ja, sinnlose Diskussionen und Gesetze...wir hätten den Weltfrieden würde man sich um wichtige Dinge zu kümmern

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  5. Ich lese schon lange hier mit!
    Diesmal endlich (viel zu verspätet): DANKE!!!

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  6. Fluchtwagenfahrer6. April 2017 um 13:34

    Moin, schließe mich an, schöner Text.
    Auch in meiner Lebenswirklichkeit ist es mir Sch....egal ob es ein Vorlone, Klingone oder ein jüdischer Austauschkathole ohne mit Sitzpinkler ist. Alles nur absurde Störfeuer um vom wirklich Wichtigem abzulenken. Ich mach das auch so. Habe vor meinem Büro ein 1 € Stück auf den Boden festgeklebt und freu mich jedes Mal diebisch wenn sich zum Bsp. Frauen danach bücken. Zumeist ein schöner Anblick.

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  7. Da sind wir uns sehr ähnlich, ich helfe da wo ich es sehe und kann und ebenso bestelle ich mir das Zigeunerschnitzel oder esse ein Negerkussbrötchen.

    Wie war eigentlich der gestrige Abend? Oder hat der Text etwa was damit zu tun?

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    1. Nu spann uns nicht auf die Folter, Fakten, Fakten, Fakten lohoooooooossssssss

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    2. Kommt später...war aber..na ja...wir haben uns noch Ausbaumöglichkeiten offen gelassen...aber es war mehr als vielversprechend....das Mindeste was die nächsten Wochen auf mich zu kommt ist sehr genialer Sex ,-)

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    3. Okiiii, also Vorfreude und so. Passend dann zu Ostern :-D Ist das jetzt PC, wenn Du in der Karwoche auf Eiersuche gehst *schuldigungderisplatt* ;)

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    4. Ich denke solange der OsterRammler die Eier bringt ist das im christlichen Sinne..... :) )
      C.

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  8. Einfach nur DANKE

    Ich esse abundzu Mohrenköpfe :o

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  9. Das mit dem reinen Gewissen geht allerdings auch andersrum, indem man sich nämlich mit ein paar Kleinigkeiten die Erlaubnis erkaufen will, Gruppen von Menschen herabzusetzen. Man ist so oder so ein Arschloch.

    Es geht auch beides: höflich sein und anderen Menschen helfen.

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    1. Höflichkeit hat aber nichts damit zu tun gewisse Begriffe ständig auf die Goldwaage zu legen.

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    2. Begriffe auf ne Goldwaage legen und dies einem Gegenüber mit entsprechendem Blick unter die Nase zu reiben, ist sogar sehr UNHÖFLICH. Das Gegenüber hat ggf kein so großes Vokabular und wird dadurch irgendwie dann auch gehisst. Wenn man es mal ganz genau nimmt. Woher will man den wissen wie hoch der Intellekt des Anderen ist .. :)
      C.

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    3. Begriffe auf eine Goldwaage legen ist sogar irgendwie diskriminierend. Woher will man den Intellekt des Anderen kennen ? Evtl hat er/sie einen geringeren Wortschatz :)

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    4. Doch, Nelly, genau das ist Höflichkeit: der Versuch, andere Menschen nicht vor den Kopf zu stoßen, nur weil diese einem egal sind. Hilft bei der Konfliktvermeidung.

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    5. Unhöflichkeit entsteht durch Taten. Ich nenne meine Putz Putze und nicht Raumpflegerin. Trotzdem behandele ich sie mit Respekt. Die negativ Belegung der Wörter entsteht durch Taten ;-)

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  10. ich esse gerne Schwedenbomben :-D
    Frankfurter dagegen mag ich gar nicht

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  11. off topic. lies mal hier:
    https://intaa.wordpress.com/2017/04/10/hund/

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  12. In welchem Paralleluniversum wird einem denn verwehrt, Weihnachten zu feiern?

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    1. Es wird ernsthaft diskutiert und teilweise in Kitas umgesetzt, dass es jetzt Lichterfest heißt, damit sich Menschen anderen Glaubens nicht blöd fühlen. Ganz echt!

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    2. So wie hier? Ich halte das für eine Legende.

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    3. Ungefähr. Eine Vereinskollegin arbeitet in der Kita. Die dürfen das Wort Weihnachten noch nicht mal denken ;-)

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  13. Ich kann trotzdem nicht nachvollziehen, warum die Aussage, Weihnachten zu feiern, ein Kampf gegen Political Correctness sein soll.

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