Montag, 24. April 2017

Hunde- und Männererziehung


Ich weiß nicht, ob es mich schockiert oder beruhigt, dass es für gewissen Verhaltensweisen schon Fachbegriffe gibt. Die Welt berichtet über das Phänomen Onlinedating und das wohl übliche Verhalten im Datinggeschäft. Benching, ghosting und ganz neu breadcruming.

Es könnte beruhigend sein, dass ich kein Vollpfosten-Magnet bin und es zick tausenden Singles ähnlich geht, ist es aber nicht. Gut, nüchtern betrachtet ist es bei mir so, dass Dinge, die einen Namen haben bei mir besser verarbeitet werden können. Mit der Benennung des wohl üblichen miesen Verhaltes einiger Mitbewohner auf dieser Erde ist meine Toleranzschwelle erfreulich stark gesunken.
Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass dieser Trend nicht aufzuhalten ist. Jedenfalls nicht solange die Gesellschaft nicht anfängt Dinge beim Namen zu nennen und einen Idioten auch deutlich als solchen bezeichnet. Wir sind einfach zu PC. Auch beim daten. Man muss ja immer alles nachvollziehen und Verständnis haben. Zu oft merke ich in Unterhaltungen, dass zu lange über die (möglichen) Gründe des Gegenübers nachgedacht wird. Er fühlte sich eingeengt, bedrängt, braucht Zeit, ist verletzlich etc. pp. Gerade wir Frauen neigen wohl dazu, viel zu schnell die Sicht des Gegenübers einzunehmen und tolerant und verständnisvoll zu sein. Wenn ich als Frau öffentlich über einen abgelegten Liebhaber sage, dass er ein Idiot ist, bin ich schnell die verletzte Zicke. Unsouverän dazu. Besser ist es zu lächeln und total cool nur zu sagen „es passte halt nicht.“ Und sowieso, vergessen wir mal die Mitschuld nicht. „Frau“ muss ja immer reflektiert sein und ganz ehrlich mal darüber nachdenken warum es überhaupt so weit kommen konnte. Hat aber meiner Meinung nach Grenzen. In der Regel ist es ja nicht so, dass der Typ gleich beim ersten Date das Arschloch raushängen lässt. Wenn einer das tut, ist es ja leicht. Schwierig wird es immer, wenn es mehr als ein/zwei Dates gibt.

Es ist nichts Schlimmes oder Verwerfliches daran, wenn dann das Prinzip Hoffnung greift. Es kann einem nicht vorgeworfen werden, wenn man dann, im Bewusstsein der eigenen Macken, die ersten Warnzeichen ignoriert. Wir möchten ja auch verstanden werden also verstehen wir ganz, zu viel. Es ist aber jemanden vorzuwerfen, wenn man damit spielt. Und ja, ich finde es ist ihm auch vorzuwerfen, wenn er es unabsichtlich tut. Und, ja, es ist mittelalterlich, manchmal gehören Menschen an den Pranger.

Nehmen wir mal das jüngste Beispiel „Rücken“. Theoretisch hätte ich zu der Ische die er dabei hatte hin gehen müssen und sie fragen, ob ihr klar ist, dass er mir Anfang der Woche noch beteuert hat wie wichtig ich ihm bin, dann Rückenschmerzen hatte und keine 3 Tage später sie vögelt. Theoretisch hätte sie ihm daraufhin eine knallen müssen und die andere Wange hätte von mir eine bekommen. Praktisch wäre das nicht passiert. Er hätte ihr eine Geschichte von wegen gefühlter Einengung erzählt und sie hätte totales Verständnis gehabt. Obwohl diese Geschichte mit nichts, aber auch wirklich nichts zu rechtfertigen ist. Zudem, wir erinnern uns, er mir gestern tatsächlich noch schrieb, wie sehr er auf mich steht. Ob ihr das klar ist? Sie schien ganz schön verknallt zu sein.

Wenn sie Pech hat, stellt er sie nach ein paar Tagen auch auf die Warmhalteplatte (benching). Wenn sie ganz viel Pech hat, versucht sie dann mittels Youtube Datingtipps ganz dolle verständnisvoll zu sei. Kein Witz, schaut euch mal die Tubes von Datingcoaches an. Da kommen ernsthaft Tipps wie: "wie gehe ich mit meiner neuen Bekanntschaft um, wenn er passiv-aggressives Verhalten zeigt?“ Ich meine die einzig richtige Antwort wäre: ihn auflaufen lassen und sich nicht darauf einlassen. Ende der Diskussion. Aber nein, das wäre wohl uncool bzw. zickig. Männer sind halt anders. Aha.

Ich bin tatsächlich ein großer Freund davon, dass Männer und Frauen anders ticken und man das im zwischenmenschlichen Umgang beachten muss. Aber nicht grenzenlos. Sonst verhalten sich die Typen wie Hunde. Solange sie damit durchkommen, gibt es keinen Grund ihr Verhalten zu verändern. Ein Hund wird solange auf den Teppich kacken, bis man ihm zeigt, dass das pfui ist. Das Gehirn von Hunden ist allerdings nur erbsengroß. Deswegen macht man es in diesem Fall liebevoll, leicht verständlich und zeigt pädagogisch wertvoll eine Alternative auf. Bei erwachsenen Menschen erwarte ich wesentlich mehr Mitwirkungsfähigkeit und entsprechend deutlich kann die Ansage sein. Wenn wir jedes Mal einem Typen, der uns durch benching, ghosting oder breadcruming ins emotionale Wohnzimmer kackt mit einer zusammen gerollten Zeitung vermöbeln würden, wären die meisten ganz schnell stubenrein.



Kommentare:

  1. Hundeerziehung ist einfacher ;)). Sobald man sich nicht nach Erwartung verhält ist Frau eine Zicke, Wenn sie sagt was sie meint ist sie .....
    Aber solange es Frauen gibt die dieses Spiel mit machen ändert sich der Mann nicht .
    Manchmal ist es schön Single zu sein
    carlinda

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  2. Bist Du eigentlich auf FB? Falls ja, Du solltest dringend den Arschlochhund lesen.

    Das mit den Alternativen ist beim Hund aber auch nicht immer zielführend. An verschiedenen Stellen heißt es bei uns "auflaufen lassen" gerade, wenn die Grunderziehung (=kacken ins emotionale Wohnzimmer ist nicht erwünscht") sitzt, kann auch schon mal ne klare Ansage helfen.

    Da Männer ja sowieso Kommunikationslegastheniker sind und eher "Bier?" als "Hast Du vielleicht Durst und möchtest etwas trinken?" verstehen bin ich ganz Deiner Meinung und setze ebenfalls auf Mitwirkungsfähigkeit.

    Allerdings hat Carlinda da schon recht, so lange Frauen das Spiel mitmachen...ist ähnlich der "hat er noch nie gemacht" Fraktion, die labern die Töle tot, aber wundern sich warum sie immer noch aufn Teppich kackt ;)

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    1. Arschlochhund ist grossartig. Kennst diese zwanglose heiteitei Methode: zeigen und benennen?

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    2. Meinst Du die "hinten ist alles in Ordnung-Fraktion" Ansonsten nein nicht das ich wüsste.

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    3. Bei meinen ersten Computerkurs (vor gefühlt 100 Jahren ) hat die Lehrerin gesagt mit Computer und Männern muss man kurze Präzise Sätze reden. Nicht "Kannst du mal..... "sondern" Mach jetzt das" . Fällt mir grade ein. Muss man bei Kindern ja auch machen, und bei Hunden wahrscheinlich auch ;)))

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  3. Ghosting kannte ich ja schon (Kommt der Begriff eigentlich aus dem Sci-Fi-Film After Earth?). Danke, dass du mich jetzt auch noch über das Benching aufgeklärt hast.

    Seit ich deinen Blog lese, kann ich sogar noch meinem 17jährigen Neffen was beibringen. Der kannte Ghosting nicht. Lusche.

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    1. Uh....warte mal bis du ihm erklärst was der Joy Club ist 😎

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  4. Meine Sicht der Dinge ist ja eher die, dass sich jeder Mensch (unabhängig vom Geschlecht) alle Mühe gibt, ok zu sein. Dass der Erfolg in den Augen seiner Mitmenschen oft zu wünschen übrig lässt ... - geschenkt.

    Auf dieser Basis fällt es mir mittlerweile halbwegs leicht, zu sagen "Hör zu, du magst in Ordnung sein so wie du bist. Nur komme ich ganz persönlich mit deiner Art nicht klar. Besser, wir gehen in Zukunft getrennte Wege."

    Ich persönlich hatte in der Vergangenheit oft den Eindruck, dass ich, indem ich die Mitmenschen etikettiert habe, mir selber unbeabsichtigt auch ein Etikett verpasst hab. Und das war nach meinem Empfinden nicht immer vorteilhaft.

    Ich bin mittlerweile allerdings auch nicht mehr willens, bei Mitmenschen eine Verhaltensänderung zu bewirken. Ich sortiere schneller aus. Dafür wird mich sicher mancheR als Idiot bezeichnen. Das sagt in meinen Augen dann aber mehr über die urteilende Person aus als über mich.

    Jedenfalls findet dein Vorgehen, dir von verhaltensoriginellen Mitmenschen nicht jeden Scheiss gefallen zu lassen, meine ungeteilte Zustimmung. Nicht dass hier jetzt Missverständnisse aufkommen. ;-)

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  5. Das stimmt, absolut (Deine Schlussaussage).
    Die derzeit anzutreffende (datinfähige) Generation an Männern hat es zur Perfektion getrieben, unverbindlich und nicht-festnagelbar zu sein.
    Und warum?
    Weil sie's KÖNNEN.

    Das seh ich jetzt schon am ersten richtigen Freund von Binnie (16) - sogar DER faselt bereits -leider erfolgreich- was von "schwierigen Ex-Freundinnen" und "kann mich derzeit nicht binden" und "lieber erstmal Freundschaft-plus".
    Und sie? Macht das mit.

    Die Meisten sind ja Einzelkinder gewesen, haben also schon daheim bei Mama gelernt, wie man (als einziger) frau um den Finger wickelt, haben (mnangels Verfügbareit) von keinem größeren Bruder und keiner größeren Schwester beizeiten das bekommen, was Papa und Mama sich heute nicht mehr trauen (nämlich eins auf die Fresse, sofern als erforderlich erachtet).

    Und mal im Ernst: Wieso geradlinig sein, wenn man durch ungradlinig mehr Optionen offenhält?
    Wieso entscheiden, wenn zu dem, was man haben will, keine Festlegungen auf IRGENDWAS notwendig sind? Wenn man es auch so bekommen kann?

    Den Artikel, in dem ghosting, breadcruming und benching beschrieben werden, hab ich auch neulich in die Hände bekommen - und sehe es so wie Du:
    Nicht Alles, was man heute namentlich benennen kann, sollte es wert sein, dass man es überhaupt kennen muss.

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  6. Ha, über ein solches Datingtipvideo auf Youtube bin ich neulich gestoßen. Vor lauter Langeweile und auch aus Neugier habe ich es mir eben angeschaut. Da hat doch tatsächlich ein Typ Verhaltensregeln für Frauen in verschiedenen Situationen aufgestellt und zwar so viele, dass frau das eigentlich erstmal studieren müsste. So ein Schwachsinn. Wenn ein Typ sich arschig verhält, schicke ich ihn in die Wüste. Ist er ein guter Mann, der mich gut behandelt, darf er bleiben. Und bei allem dazwischen wird einem relativ bald klar, ob es das ist oder nicht. Man muss dann nur auch konsequent sein. Mit sich selbst. Und nicht an sich arbeiten und sich verbiegen, um dem anderen zu gefallen, damit er vielleicht doch noch....

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