Dienstag, 4. April 2017

Die Geister die ich rief


Morgen habe ich das dritte Date mit „unverhofft kommt oft“ und neben dieser schönen Vorfreude, die mich die ganze Zeit grinsen lässt, lebt mein Erbsenhirn die ein oder andere Panikattacke aus. Natürlich nichts Rationales, sondern ein Sammelsurium an Ängsten und negativer Erwartungshaltungen. Die Spinnerdichte war in den letzten Jahren wohl doch etwas zu groß. Ich halte mich ansonsten für relativ dramafrei, aber wenn ich so an die Pleiten und Pannen der letzten Dates denke, kriecht mir die Panik den Nacken hoch.
Neulich sagte ich zu jemanden: „Die eigentliche Tragik des älter Werdens ist, dass wir uns mehr und mehr von unseren Ängsten anstatt von unseren Hoffnungen leiten lassen.“
Dabei ist das eine genauso Quatsch wie das andere. Meine Ratio weiß, dass ich alles ganz entspannt sehen kann. Mein Leben läuft großartig. Der Job rockt (dicke Gehaltserhöhung bekommen), Pest und Cholera sind gesund und ich habe ein paar großartige Menschen in meiner Umgebung. Gerade in den letzten Monaten konnte ich ein paar Kontakte zu Menschen festigen, die ich wahnsinnig schätze. Sollte der Typ sich im Laufe der nächsten Wochen als Spinner und/oder uninteressiert entpuppen ändert sich in meinem Leben nichts. Ich werde weiterhin mehr als ausgelastet sein. Sowieso bin ich die nächsten Wochen so gut wie nur unterwegs, also, was braut meine Erbse da für ein Schwachfug zusammen? Vor was Angst haben? Und was für eine Hoffnung, die vielleicht enttäuscht wird?
Die meisten Menschen die ich kenne, haben es nicht mehr so leicht Gefühle zuzulassen. Dabei kann man doch theoretisch nur gewinnen. Theoretisch kann man die Gefühle genießen und eine gute Zeit haben und wenn es nicht klappt, kann man ganz praktisch sein Leben weiter leben. Theorie und Praxis.
Was projizieren wir in die Partnersuche, was in die Hoffnung IHN/Sie gefunden zu haben. Warum ist der Mensch im 21. Jahrhundert immer noch so darauf fixiert den Einen/die Eine zu finden. Besonders wenn man sich ansonsten nicht einsam oder gelangweilt fühlt. Zudem das Gefühl für mich (wieder) neu ist. Lange Zeit hatte ich so gar keinen Nerv auf Beziehung. Ich dachte schon, das fehlt mir, also kein „Mutti-Gen“ und kein „Beziehungs-Gen.“ Letztes Jahr hatte ich mal so eine Phase, aber wenn ich ehrlich bin, war das auch nur Kompensation. Und im Prinzip war es die letzten Wochen ähnlich. Hatte ich mal ein Date und der Kerl passte nicht, habe ich weder was „gebastelt“ noch irgendwie sehnsüchtig getrauert und dann…tja, dann kommt alles anderes.
Dabei macht der Kerl nichts, was Grund zum Zweifeln geben würde. Und er klammert nicht, er nörgelt nicht ob meiner Zeitplanung, im Gegenteil. Er will sich dringend mal für meine Hunde in den Wald schmeißen und dass ich mit ihm Fliegen komme. Er hat seinen Kumpels von mir erzählt. Wir reden, nicht zu viel, nicht zu wenig. Und….er kann verdammt gut küssen. Ganz echt jetzt. Und seine Oberarme sind der Hammer…
Dinge einfach laufen lassen kann verdammt schwer sein.
 
 
 

Kommentare:

  1. Bei der Frage nach der Partnerwahl muss ich immer an Bukowski denken.

    "Ich gewöhnte mir beizeiten ab, nach der Traumfrau zu suchen. Ich wollte nur eine, die kein Albtraum war." -Charles Bukowski

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  2. Das hört sich so positiv passend an, schön für Dich also genieß es ;)

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  3. "Was projizieren wir in die Partnersuche, was in die Hoffnung IHN/Sie gefunden zu haben. Warum ist der Mensch im 21. Jahrhundert immer noch so darauf fixiert den Einen/die Eine zu finden."

    Weil Pretty Woman, Dirty Dancing, Titanic, Bodyguard und Hunderte anderer Romantic-Comedy-Filme, Musik-Schmonzetten-Lieder, Prinzessinnen-Geschichten und -Bücher über die Jahre und Jahrzehnte ihre Spuren hinterlassen haben. ;-)

    Sich davon frei zu machen, nüchterner zu werden, hilft ungemein.

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    1. Oh, eine Liste meiner Hass-Filme ;-)
      Ich bin ja normalerweise so gar nicht Traum-Prinz-Beziehungs-Orientiert, aber der Kerl, der triggert irgendwas

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    2. Der Soundtrack von Dirty Dancing ist allerdings sehr zu empfehlen.

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  4. "Im Alter wird Essen wichtiger als Sex. Auf Sex kann man verzichten, aufs Essen nicht." (Rolando von Curtzweyhl)

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    1. Lieber schlechtes essen als schlechter Sex ;-)

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    2. Sehr richtig, Herr Bonetti. Zumindest, was die Perspektiven im Alter angeht.

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  5. Er küsst gut? Das ist die halbe Miete ;)

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    1. Er küsst Hammer. Also wenn es stimmt, dass man dadurch Rückschlüsse ziehen kann....alter Falter ;-)

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