Donnerstag, 27. April 2017

R2D2

Ich las gerade:


Size does matter


und musste sofort an R2D2 denken. R2D2 heißt eigentlich O. und ist tatsächlich der Ideengeber für diesen Blog. Und unabsichtlich auch dafür verantwortlich, dass Kerle bei mir zur genauen Identifikation Arbeitstitel bekommen.


Ich habe R2D2 über eine Schmuddel-Seite kennen gelernt und er hat irre witzig geschrieben. Ich hatte meine sexuelle Fastfood-Phase und daher haben wir uns Abends zum Schäferstündchen verabredet.


Lange Rede, kurzer Sinn. Wir hatten keinen Sex. Die frei verkäufliche "Stangenware" hat auch in XXL nicht gepasst. Als wir die Tüte drüber zogen, sah sein Lümmel ungefähr so aus wie wenn ich versuchen würde meinen Hintern in eine Size 0 Jeans zu quetschen, Also bis zu den Knien und dann schnürt alles ein und quillt raus.


Also haben wir uns für Alkohol entschieden und ich habe an dem Abend wirklich Tränen gelacht. Er meinte dann, ich solle unbedingt einen Blog schreiben. Im Internet haben wir eine Seite gefunden, da kann man Lümmeltüten nach Maß bestellen. Breite, Länge und Durchmesser ergeben eine Zahlenkombination.


Als ich C. davon erzählte meinte sie trocken "jetzt weiß ich warum R2D2 heißt wie er heißt." Und mal ehrlich, der Druide sieht wirklich erschreckend nach so was aus, oder?


Tüte drüber, fertig!


R2D2 hat mir das einzige Dick-Pic geschickt, das wirklich witzig war. Das ich aber hier lieber nicht einstelle.







Mittwoch, 26. April 2017

Weiblicher Pragmatismus

Der Skoda muckt wieder. Er ist noch nicht alt, aber hat irgendwie ein Eigenleben. Die Warnlampe blinkt wieder. 3 Werkstätten haben nicht rausgefunden was los ist. Lösungsvorschlag: auf Verdacht ein Teil für ca. 900€ auswechseln. Och nö. Für Berlin reichen die 60km/h die er noch fährt. Doof nur, dass er kaum noch beschleunigt und ich an der Ampel im Mutti-Zuckel-Schritt anfahre. Damit kommen ca. 5 andere nicht mehr über die Kreuzung. Ist ein bisschen peinlich.


1. Einen lustigen Sticker über die Warnlampe geklebt. Was ich nicht sehe, nervt nicht.
2. ADAC Plus Mitgliedschaft abgeschlossen.
2. So einen "Jesus liebt Dich" und einen "Marie-Charlotte an Board" Aufkleber hinten drauf gepackt. Dann stimmt das Gesamtbild beim Anfahren.



Montag, 24. April 2017

Hunde- und Männererziehung


Ich weiß nicht, ob es mich schockiert oder beruhigt, dass es für gewissen Verhaltensweisen schon Fachbegriffe gibt. Die Welt berichtet über das Phänomen Onlinedating und das wohl übliche Verhalten im Datinggeschäft. Benching, ghosting und ganz neu breadcruming.

Es könnte beruhigend sein, dass ich kein Vollpfosten-Magnet bin und es zick tausenden Singles ähnlich geht, ist es aber nicht. Gut, nüchtern betrachtet ist es bei mir so, dass Dinge, die einen Namen haben bei mir besser verarbeitet werden können. Mit der Benennung des wohl üblichen miesen Verhaltes einiger Mitbewohner auf dieser Erde ist meine Toleranzschwelle erfreulich stark gesunken.
Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass dieser Trend nicht aufzuhalten ist. Jedenfalls nicht solange die Gesellschaft nicht anfängt Dinge beim Namen zu nennen und einen Idioten auch deutlich als solchen bezeichnet. Wir sind einfach zu PC. Auch beim daten. Man muss ja immer alles nachvollziehen und Verständnis haben. Zu oft merke ich in Unterhaltungen, dass zu lange über die (möglichen) Gründe des Gegenübers nachgedacht wird. Er fühlte sich eingeengt, bedrängt, braucht Zeit, ist verletzlich etc. pp. Gerade wir Frauen neigen wohl dazu, viel zu schnell die Sicht des Gegenübers einzunehmen und tolerant und verständnisvoll zu sein. Wenn ich als Frau öffentlich über einen abgelegten Liebhaber sage, dass er ein Idiot ist, bin ich schnell die verletzte Zicke. Unsouverän dazu. Besser ist es zu lächeln und total cool nur zu sagen „es passte halt nicht.“ Und sowieso, vergessen wir mal die Mitschuld nicht. „Frau“ muss ja immer reflektiert sein und ganz ehrlich mal darüber nachdenken warum es überhaupt so weit kommen konnte. Hat aber meiner Meinung nach Grenzen. In der Regel ist es ja nicht so, dass der Typ gleich beim ersten Date das Arschloch raushängen lässt. Wenn einer das tut, ist es ja leicht. Schwierig wird es immer, wenn es mehr als ein/zwei Dates gibt.

Es ist nichts Schlimmes oder Verwerfliches daran, wenn dann das Prinzip Hoffnung greift. Es kann einem nicht vorgeworfen werden, wenn man dann, im Bewusstsein der eigenen Macken, die ersten Warnzeichen ignoriert. Wir möchten ja auch verstanden werden also verstehen wir ganz, zu viel. Es ist aber jemanden vorzuwerfen, wenn man damit spielt. Und ja, ich finde es ist ihm auch vorzuwerfen, wenn er es unabsichtlich tut. Und, ja, es ist mittelalterlich, manchmal gehören Menschen an den Pranger.

Nehmen wir mal das jüngste Beispiel „Rücken“. Theoretisch hätte ich zu der Ische die er dabei hatte hin gehen müssen und sie fragen, ob ihr klar ist, dass er mir Anfang der Woche noch beteuert hat wie wichtig ich ihm bin, dann Rückenschmerzen hatte und keine 3 Tage später sie vögelt. Theoretisch hätte sie ihm daraufhin eine knallen müssen und die andere Wange hätte von mir eine bekommen. Praktisch wäre das nicht passiert. Er hätte ihr eine Geschichte von wegen gefühlter Einengung erzählt und sie hätte totales Verständnis gehabt. Obwohl diese Geschichte mit nichts, aber auch wirklich nichts zu rechtfertigen ist. Zudem, wir erinnern uns, er mir gestern tatsächlich noch schrieb, wie sehr er auf mich steht. Ob ihr das klar ist? Sie schien ganz schön verknallt zu sein.

Wenn sie Pech hat, stellt er sie nach ein paar Tagen auch auf die Warmhalteplatte (benching). Wenn sie ganz viel Pech hat, versucht sie dann mittels Youtube Datingtipps ganz dolle verständnisvoll zu sei. Kein Witz, schaut euch mal die Tubes von Datingcoaches an. Da kommen ernsthaft Tipps wie: "wie gehe ich mit meiner neuen Bekanntschaft um, wenn er passiv-aggressives Verhalten zeigt?“ Ich meine die einzig richtige Antwort wäre: ihn auflaufen lassen und sich nicht darauf einlassen. Ende der Diskussion. Aber nein, das wäre wohl uncool bzw. zickig. Männer sind halt anders. Aha.

Ich bin tatsächlich ein großer Freund davon, dass Männer und Frauen anders ticken und man das im zwischenmenschlichen Umgang beachten muss. Aber nicht grenzenlos. Sonst verhalten sich die Typen wie Hunde. Solange sie damit durchkommen, gibt es keinen Grund ihr Verhalten zu verändern. Ein Hund wird solange auf den Teppich kacken, bis man ihm zeigt, dass das pfui ist. Das Gehirn von Hunden ist allerdings nur erbsengroß. Deswegen macht man es in diesem Fall liebevoll, leicht verständlich und zeigt pädagogisch wertvoll eine Alternative auf. Bei erwachsenen Menschen erwarte ich wesentlich mehr Mitwirkungsfähigkeit und entsprechend deutlich kann die Ansage sein. Wenn wir jedes Mal einem Typen, der uns durch benching, ghosting oder breadcruming ins emotionale Wohnzimmer kackt mit einer zusammen gerollten Zeitung vermöbeln würden, wären die meisten ganz schnell stubenrein.



Kommunikationsfetzen

Ich: Wie stehst Du zum Thema Kondome?
Typ: Ich will ein Kind von Dir!
Ich bin selten sprachlos, da aber schon.


Ich: Ach, lass gut sein. Du stehst einfach nicht auf mich und das ist okay.
"Rücken": Ich steh total auf Dich! Du hast es nur nicht verstanden.
Das war gestern Abend! Nach der KuS-Aktion. Ich habe umgehend dröhnende Kopfschmerzen bekommen. Nebst den Bedürfnis mir eine Tür an den Kopf zu hauen.


Ein Typ auf der KuS: Und? Was ist mir Dir alles heute so möglich?
Ich: Eine Einladung zu einem Drink.
Ein Typ: Och, ich weiß nicht, ob es mir das wert ist.
Respekt! Das nenne ich klare Kommunikation.

Sonntag, 23. April 2017

Spontanheilung auf der Kunst und Sünde



Normalerweise stehe ich sonntags früh auf. Training. Aber da das ja aus bekannten Gründen ausfällt dachte ich, ich geh mal wieder hotten. Und genau an diesem Wochenende ist die Kunst und Sünde. Da war ich seit gefühlten 10 Jahren nicht mehr. Ich mag die KuS. Jedenfalls früher und hoffe, dass sie sich nicht arg verändert hat. Die Musik ist immer gut und in der Regel kenne ich da auch immer jemanden. Jedenfalls früher. Im Zweifelsfall kann man sich ordentlich betrinken und tanzen. Ist eine Perversenparty, aber mich stört es ja nicht, wenn in irgendwelchen Ecken irgendwas abgeht. Ich bin nur Teilzeitspießer.

Das neue Motte ist Funky-Town und M. hilft mir via WhatsApp bei der Outfitauswahl. Es wird das schwarze Etuikleid mit Pailletten und in den Tiefen meines Kleiderschrankes finde ich tatsächlich goldene Glitzerschuhe. M. schickt YouTubes mit funky Musik und ich habe richtig Lust mich aufzumotzen und zu feiern. Eigenlob stinkt, aber das Aufmotzen hat wirklich gut funktioniert und ich sehe gelinde gesagt großartig aus. 

Als ich auf der Party auftauche steht doch glatt „ich will dich unbedingt wiedersehen, aber ich habe höllisch Rücken und muss zum Arzt“ nebst einer Ische auf der Tanzfläche. Motorisch sieht das nicht nach Rückenschmerzen aus. Er schaut rüber und braucht gefühlte 3 Minuten bis er mich erkennt. Und glaubt mir, als ihm die Gesichtszüge entgleiten feiere ich tatsächlich einen inneren Reichsparteitag. 

Ich sehe wirklich großartig aus und er versucht sich mit der Tante in die letzte Ecke der Tanzfläche zu verdrücken. Irgendwann ist er weg und als ich durch die Räume schlendere, sehe ich, dass er die Tante in der Ecke vernascht. Ich guck mir das an. Reine Provokation, ansonsten muss ich anderen nicht dabei zusehen. Ein Typ stellt sich hinter mich und fragt, ob ich es anregend finde was ich sehe. Ich antworte: „Anregend nicht, aber bewundernswert. Der Typ hat Mitte der Woche wegen höllischer Rückenprobleme unsere Verabredung abgesagt. Ich brauche unbedingt die Nummer von dem Arzt. Der kann echt was.“ Und wie der Zufall will, war in dem Moment die Musik leise, der Arsch schaut hoch und mir genau ins Gesicht. Der Typ hinter mir lacht und meint trocken „ups, hat er wohl gehört, der Trottel.“

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich hatte noch einen ziemlich lustigen Abend mit dem Typen den ich dort kennen gelernt habe, habe mächtig getrunken und getanzt. Heute Morgen schrieb der Arsch doch glatt es gäbe ja eine Erklärung und dem Rücken ging es wirklich ganz arg schlecht. Ne, ist klar. 

Das Leben wäre so viel leichter mit Eiern in der Hose. Anrufen, ehrlich sein und sich diesen peinlichen Moment ersparen. 


Donnerstag, 20. April 2017

Sein dürfen


Natürlich ist es immer die Frage aller Fragen, ob man eine gerade begonnene Liebschaft in den Wind schießt weil man selber oder weil der andere nicht ganz rund läuft. Eine Antwort darauf kann es auch realistisch betrachtet nicht geben. Wahrheit ist nun mal subjektiv und dementsprechend wird seine Version eine ganz andere sein als meine.

Nachdem ich nun für die nächsten 4 Wochen etwas freier in der Zeitgestaltung bin, habe ich doch die Frage nach seiner Zeitplanung in den nächsten Tagen gestellt. Sogar 2x. Ich bekam auch eine Antwort, jedoch passte die nicht zur Frage. Streng genommen könnte man sagen, dass meine Frage ignoriert wurde. So was nervt mich ungemein. Erstens weil ich es eh hasse, wenn Fragen ignoriert werden, zweitens weil ich so was nur mache, wenn ich nicht antworten will, drittens weil wir das Thema schon mal kurz hatten. Da gab er sogar zu, dass er die Frage ignoriert hatte, weil er nicht antworten wollte. Ich kenne ein Haufen Menschen, denen ist das wurscht. Die nehmen zur Kenntnis, dass jemand nicht antwortet und machen weiter. Ich gehöre dazu eher nicht. Jedenfalls nicht in dem Bereich. Es ging nämlich mit Verlaub auch darum, dass ich trotz Trainingspause nicht jeden Abend zu Hause sitzen möchte und meine Aktivitäten gerne so planen würde, dass ich ihn mal in absehbarer Zeit sehen kann. Egal. Ehrlich gesagt hatte ich auch emotionale Gründe genervt zu sein. Es ist nicht schön, wenn der Kerl mit dem anscheinend alles super läuft sich windet wie ein Aal, wenn es um die Verabredung des 5. Dates geht. Nachdem er das dritte Mal ausgewichen ist, und ich habe wirklich nicht patzig oder arg zickig gefragt, bekam er die Nachricht, dass ich keinen Nerv hätte ständig zu fragen und wenn er mich sehen wolle, könne er sich melden. Es folgte 2 Tage Funkstille.

Man kann nicht nicht kommunizieren. Das geht nicht. 2 Tage Funkstille ist eine Aussage. Also habe ich die Nummer gelöscht. Kaum war das getan, wirklich 2 Minuten später, kam via WhatsApp die Frage warum ich das getan hätte. Ich antwortete, dass es wohl mal Zeit für ein Telefonat wäre. Wieder 24h Funkstille. Irgendwann der Anruf. Ich bin tatsächlich weit entfernt davon Szenen zu machen, aber ich kann schon formulieren, wenn sich jemand wie ein Idiot verhält. So was kann man ganz ruhig machen. Mache ich im Job fast täglich. Man redet, beschließt dass das wohl alles ein Missverständnis gewesen wäre. Er räumt ein, dass er sich unter Druck gefühlt gesetzt gefühlt hätte. Da ging mein Bauchgefühl schon auf Alarmstufe „Orange“.  Ich bin selbst Weltmeister in Punkto Bindungs- und Sozialphobie, aber wenn die Frage nach der Zeitplanung schon eine halbe Panikattacke auslöst, ist man entweder noch nicht austherapiert oder das nächste Treffen ist einem nicht wirklich sehr wichtig. Unabhängig was der Grund war, für mich bleibt ja das Ergebnis das Gleiche.

Trotzdem bin ich ja verständnisvoll und vernunftbegabt und neige tatsächlich kaum zu Übersprunghandlungen. Er beteuert, dass er mich dringend wieder sehen will. Ich ignoriere mein inneres Warnzeichen. In meinem Kopf höre ich sofort und umgehend die Jepoardy Musik. Die Frage ist gestellt und alle warten mit beknackten Gesichtsausdrücken, dass jemand die Antwort weiß. Wir verabreden uns für Dienstag.

An Montag erzählt er, er habe ganz dolle Rücken. Abends will er zum Arzt und würde mir dann Bescheid geben. Um 20:00 Uhr ohne Rückmeldung bin ich stocksauer. Die rationalen Gründe: C. fragte ob ich Dienstag vorbei kommen will, P. ob ich ihm bei seinem Hund helfe. Beide stehen auf stand by, da ich ja auf Rückmeldung warte. Die emotionalen Gründe, dass ich schon befürchte, dass Rücken das Treffen verhindern wird. 20:01 Uhr ruft er an und beteuert, dass er mich sehen will. Am nächsten Morgen erzählt er, wie dolle Rücken ist. Ich habe keinen Nerv für andere Entscheidungen zu treffen und reagiere nicht mit „oh, dann bleib doch lieber zu Hause“, sondern frage nur „und nun?“. Die Antwort, er mache noch auf Arbeit wichtige Termine und sei danach für nichts brauchbar. Aha.

Lange Rede kurzer Sinn. Von ihm kommt Dienstag nichts mehr. Auf meine trockene Frage, ob er noch mal zum Arzt gehe kommt nur, dass er am nächsten Tag zum Spezialisten geht. Wieder Aha.

Klar hätte ich an jedem Punkt viel verständnisvoller und souveräner reagieren können. An jedem Punkt hätte ich einfach mein Leben leben können und wenn er sich meldet ist gut, wenn nicht dann nicht. Ich hätte auch total rücksichtsvoll ihn „Mann“ sein lassen können und ihn in seiner Höhle lassen und blablub. Hätte ich, will ich nicht. Ich meine der Dreh- und Angelpunkt war die Frage nach seiner Zeitplanung. Kein Heiratsantrag oder Treffen mit den Eltern.
Ich schleiche mit der in rosa verbundenen Cholera um den Block. Ich denke darüber nach, dass ich vielleicht zu fordernd war. Mich mehr zurück nehmen sollte und Dinge nicht so bewerten. Danach schnappe ich mir Pest und latsche mit ihm durch den Wald. Dabei denke ich, dass meine vorherigen Gedanken Schwachfug sind. Ich meine wie weit muss man sich zurück nehmen, damit der andere sich nicht bedroht fühlt? Ich habe ihm doch keinen Heiratsantrag gemacht. Und ist es in der heutigen Zeit, in der wir freilaufenden Singles alle nicht mehr ganz rund laufen, zu viel verlangt, wenn man ein Mindestmaß an Verbindlichkeit verlangt? Ich meine ein Mindestmaß wäre klare Kommunikation. Und überhaupt, selbst mit reinen Bettgeschichten war es nicht so ein Akt sich zu verabreden. Im Nachhinein war jedes Date mit ihm so gestaltet, dass er hätte auch spontan absagen können. Date 1 kaputtes Auto, deswegen Date 2 auch mit den Öffis. 3. Date stand ein „spontaner Nachtdienst“ im Raum (da schrillten eigentlich schon alle Alarmglocken), 4. Date noch einen späten Termin dessen Ende er nicht abschätzen konnte.

Trotzdem habe ich die Alarmglocken ignoriert. Ich suche ja immer erst mal die Schuld bei mir. Und ich laufe echt nicht rund. Ich dachte es liegt an meinem unglaublichen Misstrauen und ich muss ja auch mal Dinge zulassen. Gefühlt bin ich 100x über meinen Schatten gesprungen. Ich rede mit M. Der ist mal wieder bis an die Kotzgrenze rational. Ja, es gibt Menschen, die können und wollen nicht planen, ja, verbindliche Kommunikation liegt den meisten nicht und und und. Im Prinzip hat er auch Recht. Irgendwann am Dienstag denke ich aber, dass die Gründe, also seine, echt scheißegal sind. Ich will das nicht. Ich will ein Mindestmaß an Kommunikations- und Konfliktfähigkeit. Und ich will jemanden, der mir das Gefühl vermittelt, dass er wirklich Zeit mit mir verbringen möchte. Und ich will mich auf gar keinen Fall so zurück nehmen müssen, dass es mir ein schlechtes Gefühl macht. Ich checke meinen Terminkalender. Cholera ist hoffentlich ab Mitte Mai wieder fit. Anfang Mai kommen Freunde aus Frankfurt, Mitte Mai bin ich in Tschechien, danach gebe ich ein Seminar und Pfingsten bin ich in Schleswig-Holstein. Im Mai ein freies Wochenende. Ein Kerl für den es ein Akt ist einen freien Abend mit mir zu planen, der sich aufgrund einer Zeitfrage schon zurückzieht, nein, das möchte ich nicht. Egal warum er das tut. Der Kalenderblick zeigte mir wieder, dass die Sorge ich könnte mittelfristig anhänglich werden lächerlich ist.

Ich könnte jetzt Katz und Maus mit ihm spielen. Warten ob er sich meldet oder einen auf fürsorglich machen. Ich kann, wenn ich möchte, höchst manipulativ agieren. Ich könnte das Ding auch einfach auslaufen lassen. Ich könnte so viel. Möchte ich nicht. Ich kommuniziere immer recht klar. Auch im Subtext. Er bekommt eine Nachricht, dass ich mich nicht mehr melden werde und ihm viel Glück wünsche. Erwartungsgemäß rührt er sich nicht. Warum auch? Ja, natürlich habe ich ein bisschen Resthoffnung, dass er anruft und bettelt. Tut er aber nicht, warum sollte er auch. Mittwoch merke ich, dass das dumpfe Gefühl im Bauch weg ist. Ich steh einfach darauf, wenn Dinge geklärt und ausgesprochen sind. Und ich möchte Menschen in meiner Umgebung, die mir Raum für mein "Sein" lassen und nicht nur für ihres Raum einfordern. Alles andere ist emotionaler Kinderfasching.

Mittwoch, 19. April 2017

Haltung bewahren



Ich schrieb neulich einem Trainingskameraden, dass die Zwangspause vielleicht ganz gut ist. Zugegeben, am Wochenende bin ich latent frei gedreht und habe in der einen oder anderen Situation etwas unsouverän reagiert, aber heute denke ich, dass das gar nicht so schlimm war. Weh getan hat es jedenfalls nicht.

Ich bin als Mädchen erzogen worden und wer denkt, dass das heißt, dass ich tussig und weinerlich dadurch bin, täuscht. Im Gegenteil, ich weiß nicht wie die Leute auf die Idee kommen, Männer hätten als Kind nicht weinen dürfen und dadurch Probleme. Okay, Jungs auf dem Dorf durften wirklich nicht heulen, aber sie durften alle anderen Emotionen haben. Sie durften wütend die Türen knallen, sich auch mal prügeln oder trotzig in der Ecke sitzen. Für die Jungs auf dem Dorf war es völlig okay Emotionen zu haben und diese auch zu zeigen. Jedenfalls solange sie nicht flennten.

Bei Mädchen war das etwas völlig anderes. Wir Mädchen durften die Türen nicht knallen, nichts kaputt machen und schon gar nicht jemanden verprügeln. Was wir durften war eine Träne, aber wirklich nur eine, verdrücken und dann unsere Wut oder Trauer runter schlucken. Wieder lieb und adrett sein und vor allem verständnisvoll und nachgiebig. 

Sowieso mussten wir Mädchen immer Verständnis haben und auch alles teilen. Selbst mit dem Kerl, der uns immer an den Haaren zog. Im besten Fall durften wir unseren großen Bruder holen und der durfte den Haare ziehenden Typen dann verprügeln. Nur mal nebenbei erwähnt war mein großer Bruder eine totale Streberlusche und hätte sowas nie gemacht. 

Die Mütter meiner Klassenkameradinnen zeichneten sich alle durch eine wahnsinnige Geduld aus. Sie waren diszipliniert und jammerten nicht. Auch nicht, wenn sie mit einem saufendem Idioten verheiratet waren. Man hat ihn geheiratet und Männer sind nun mal Männer. Basta.

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis, also meine Generation, sind viele Frauen bis heute bis zur Kotzgrenze verständnisvoll und beleuchten alles immer von allen Seiten, differenzieren brav und, und das ist das aller Schlimmste, verzeihen sich selbst kaum Emotionen. Oh je, ja nicht das Gesicht verlieren, Haltung bewahren. 

Je älter ich werde, desto mehr nervt mich das. Besonders an mir selbst. Besser vor allem bei mir selbst. Gibt es zwischenmenschliche Probleme, kann ich stundenlang darüber nachdenken warum der andere so handelt wie er handelt und kann es, natürlich auch verstehen und noch viel schlimmer, überlege ich, wie ich mein Verhalten ändern kann, damit er sein (angebliches) Kacktrauma überwindet. Würg. Das macht Magenkrämpfe. Vor allem weil ich weiß, dass ich nicht für sein inneres Dilemma verantwortlich bin und es schon gar nicht ändern kann. Bindungsphobie, traumatische Trennung oder leichte bis mittlere Persönlichkeitsstörung? Ist doch nicht meine Wiese. Solange ich nicht persönlich beleidigend werde, ist das doch sein Problem. Soll er doch behalten. 

Mal davon abgesehen, dass ich finde, dass die halbe Gesellschaft viel zu viel auf Idioten und Deppen mit Rücksicht und Verständnis reagiert, warum tappe ich doch immer wieder in diese „Mitfühl- und Verständnis-Falle?“ Gibt es keinen Weg wie man emphatisch sein kann, aber sich nicht gleich das Emo-Problem des anderen zu seinem eigenen macht?

Ich habe die Voraussetzungen dazu als Kind nicht gelernt, also nicht gelernt zu meinen Emotionen zu stehen und sie gesund auszuleben, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dazu auch nicht unfähig bin. Sonst wäre ich ja eine völlig überdrehte Hippytussi. Bin ich nachweislich nicht. Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass so viele Frauen immer wieder auf Vollpfosten rein fallen, genau darin der Grund zu suchen ist. Wir, auf Verständnis und Unterdrückung der eigenen Emotionen erzogen, werden von diesen Typen immer wieder so lange ausgelutscht und überstrapaziert bis wir übrigens genau das werden, was wir auf keinen Fall sein wollen. Eine Zicke. Dann machen wir uns Vorwürfe, nehmen uns wieder zurück, wer möchte schon eine Zicke sein und zack, alles beginnt von vorne. 

Will ich nicht. Weder alles unterdrücken noch zicken. Aber Menschen, die emotionale Regungen sofort als zickig abstempeln, können mir auch gestohlen bleiben. Jahwohl. 

Freitag, 14. April 2017

Und plötzlich ist alles anders



Cholera ist verletzt. Nicht wie sonst die üblichen Schnitte, Krallen oder so, sondern richtig übel. Tiefer Schnitt zwischen den Ballen. Als die Wunde klaffte, konnte ich den Knochen und die Sehnen sehen. Als ich das sah, war das ganze schon 2 Tage alt. Sie hat vorher nicht gelahmt, nicht geleckt, der Schnitt war verklebt und nicht zu sehen. Mittwoch bekam sie hoch Fieber. Mein Tierarzt schnitt fast 2h immer wieder die Wundränder, spülte, schnitt. Wir haben sofort eine Bakterienkultur angelegt. Wenn das Antibiotika nicht anschlägt, kann sie im schlimmsten Fall hops gehen. Bakterien sind immer noch die gefährlichsten Killer auf dieser Welt. 

Sie ist nicht mein Kind und nicht mein Partnerersatz. Sie ist mein Kamerad und sie gibt immer alles für mich. Ich bin für sie verantwortlich. Den ganzen Donnerstag habe ich meine Küche geschrubbt um mich abzulenken. Abends hat sie endlich mit langen Zähnen wieder etwas Futter angenommen. Fieber geht runter. Konto um ein paar hundert Euro erleichtert plus Stornogebühr für das eigentlich angesetzte Trainingslager über Ostern. Ich habe es echt nicht dicke, aber letztendlich ist es nur Geld. 

Und ich? Ich bin von jetzt auf gleich von 180 auf 0 runter gebremst. Die nächsten Wochenenden waren ausgebucht. Die große Meisterschaft stand an. Wir werden nicht starten können. Nicht wollen. Selbst mit einem Wunder wäre es zu heikel sie laufen zu lassen. Wenn alles wieder aufgeht, haben wir ein echtes Problem. Kameradschaft ist wichtiger als Titel.

Jetzt sitze ich hier und habe plötzlich sehr viel Zeit. Sehr viel. Ostern, abends und die nächsten Wochenenden. Kein Training, kein Trainingscamp, keine Meisterschaft. Auch keine Wanderausflüge mit Hund. Mein halbes Leben ist au Bewegung mit Hund ausgerichtet. 

Heute blitzt nicht nur meine Küche, sondern auch mein Wohnzimmer. Schränke mit Essigreiniger geschrubbt. Ich weiß ich kann es nicht ändern, aber ich habe Frust. „Unverhofft kommt oft“ ruft gestern spät an. Ich geh nicht ran. Er würde ggf. etwas abbekommen was er nicht verursacht hat. Er hat keine Zeit Ostern. War ja auch nicht geplant, dass ich da bin. Ein Grund warum wir uns gut finden, ist die Gewissheit, dass der andere ein ausgefülltes Leben hat. Die Trainingsgruppe meldet sich regelmäßig. Es klingt sehr ehrlich wenn sie sagen, dass ich fehle. 

Trotzdem merke ich, dass ich die letzten Wochen, Monate, alles richtig gemacht habe. C. läd mich zum Kaffee ein und hilft mir den Pfotenverband zu wechseln. Blöde Sache mit nur 2 Händen. Eigentlich ist sie völlig platt vom Dienst, aber sie zögert nicht. T. meldet sich umgehend als er es gehört hat. Er kann sofort meinen Frust nachvollziehen und wir verabreden uns im Wald. Pest muss ja auch laufen. Gestern wollte er ohne Cholera nicht raus. So ein Idiot er oft zu ihr ist, aber er merkte, dass irgendwas nicht stimmte. GK kommt morgen vorbei. Und auch sie hilft mal schnell beim Verbandswechsel. Ich habe heute endlich mal wieder mit M. telefoniert. Ich habe gar nicht gemerkt wie gut mir die Gespräche mit ihm tun. 

In meinem geheimen Geheimblog steht, dass ich Freundschaften wieder mehr pflegen will. Das tut mir gut. Auf der 2016/2017 Abgleichseite kommt ein weiteres Häkchen. Schön diese Menschen in meinem Leben zu haben.


Dienstag, 11. April 2017

Affe-Fledermaus-Katze-Alien-Hybrid günstig abzugeben


Wir sind in der Wettkampfvorbereitung und machen entsprechendes Ausdauertraining mit Cholera. Und weil ich keine Zeit habe Pest extra zu bespaßen macht er mit. In seinem Fall mit durchschlagendem Erfolg. Cholera liegt glücklich und zufrieden irgendwo rum, Pest nervt. Sprich Ausdauer hat er. Er ist nicht müde zu bekommen. Wie auch? Er hat eine Ausdauer wie ein Leistungssportler, macht aber keinen Leistungssport. Während Cholera nämlich in den Suchen alles gibt, auch wenn es belastend warm ist, hüpft Pest fröhlich mit Tetrismusik im Erbsenhirn durch die Gegend. Sonntag, lange Suche mit Cholera, Cholera glücklich. Pest ist dran, schweres Gelände, er rennt los, kämpft, hält an, schnuppert an einem Blümchen, rennt weiter, wälzt sich zwischendurch in Wildschweinscheiße und hüpft dann fröhlich grinsend durch`s Suchgebiet bis er findet. Konzentrierte Arbeit sieht anders aus.
Abends schlabbert er den Napf aus. Cholera liegt im Körbchen, Pest bellt mich an während ich auf dem Pott sitze. Ich möchte ihm bitte „sein Schwein“ werfen und ihn bespaßen. Dabei bin ich so fertig, dass ich mich am liebsten kommentarlos neben Cholera zusammen rollen würde. Trotzdem quäle ich mich Montag um 5 aus dem Bett. Die beiden Damen des Hauses, die die Kohle ran schaffen, hätten gerne noch ein bisschen länger geschlafen, aber Monsieur nervt im Büro wenn er nicht wenigstens vorher ein bisschen rennt. Im Wald sieht man ihn nur im 5. Gang. Alles muss beschleunigt werden. Amseln, Füchse, Katzen und Cholera. Jeder normale Hund wäre danach müde und glücklich. Pest frühstückt und wirft danach „sein Schwein“ durch die Gegend. Im Büro nervt er den Kollegen.
Über Mittag denke ich, ich arbeite ihn ein bisschen. Dann ist er müde. Ich lege eine Fährte die Pest nur sporadisch absucht und dann natürlich nachmittags latent gelangweilt ist und deswegen permanent an Cholera rum nervt. Irgendwann klatscht die ihm eine (mit Recht) und er verzieht sich motzend ins Körbchen.
Ihn mit Kauartikel beschäftigen? Nope, keine Chance. Harte Sachen nimmt er erst gar nicht. Er steht auf Kauknochen für Welpen, die er aber in 5 Sekunden inhaliert hat.
Falls irgendjemand von euch sich überlegt, dass die Anschaffung eines Hundes eine super Idee wäre und ein kleiner Hund ja pflegeleichter ist als ein großer, ich leihe euch Pest für ein paar Tage. Danach kauft ihr euch maximal einen Goldfisch als Haustier!

Donnerstag, 6. April 2017

political correctness und Karma-Bilanz


Ich gebe es zu. Ich bin nicht PC. Und zwar so gar nicht. Über einen „drogenindizierten Schizophrenen“ sage ich „er hat einen an der Klatsche“, Sonderschüler sind bei mir nicht „speziell begabte“ und neulich rutschte mir das Wort Negerkuss raus. Die Diskussion über Transgender-Toiletten stößt im besten Fall bei mir auf Unverständnis bis Gleichgültigkeit. Ich lache herzhaft über Randgruppenwitze und mache auch welche. Frauen, Männer, Schwule, Türken….alle sind mal dran. Übrigens feiere ich auch Weihnachten und kein beknacktes Lichterfest. Es ist mir völlig schnuppe, ob sich dadurch jemand auf die Füße getreten fühlt. Selbst wenn es ein Jude wäre, wäre es mit wurscht. Wenn im Büro vor 8:00 Uhr ein Subunternehmer anruft, katze ich ihn schon mal mit „ich habe Kopfschmerzen und meine Tage, ist es wichtig?“ an. Und ich fühle mich kein bisschen schuldig oder als schlechter Mensch. Nüscht, nada. Echt jetzt!

Heute Morgen saß vor meinem Bäcker wieder der Bettler. Sah ziemlich verfroren aus. Und fertig, zittrig und ich glaube Alkohol war sein kleinstes Problem. Hab ihm ein belegtes Brötchen gekauft und gegeben. Danach hat der „Straßenfegerverkäufer“ vor Lidl meinen Pfand Bon bekommen. Letzte Woche lag im Park eine Frau auf der Bank. Ein Tetrapack Rotwein neben ihr. Ebenso lagen das Handy und ihr Geldbeutel auf dem Boden. Habe sie gefragt, ob sie Hilfe braucht und dafür gesorgt, dass Handy und Geldbeutel in Ihrer Tasche verschwinden. Im Wald rennt ein junges Mädel an mir vorbei und fragt, wo es zur Straße geht. Ihre Freundin liegt „da hinten“. Ist bei Joggen umgeknickt und braucht Hilfe. Ich will eigentlich nach Hause, hab aber umgedreht und geschaut, dass die Joggerin nicht irgendwie umkippt weil der Knöchel gebrochen ist oder so. Wenn ich eine Oma auf einem Mäuerchen sitzen sehe, frage ich immer, ob alles okay ist. Ebenso mache ich mich nicht lustig, wenn ich jemanden im Nachthemd durch Berlin latschen sehe. Ich weiß, dass er vielleicht dement ist und ich melde es bei der Polizei.

Von den zick Personen, die diese Situationen sehen und vorbei gehen, philosophiert bestimmt ein Großteil darüber, dass mein Verhalten jemanden mit speziellen Bedürfnissen Sonderschüler zu nennen, nicht okay ist. Es bleibt mir weiter völlig wuppe.

Ich bin mir sicher, dass diese ganze PC-Diskussion nur der Beruhigung des Gewissens dient. Dieses ganze Gutmenschengetue vertuscht doch schön, dass man jeden Tag an tausend Kleinigkeiten vorbei geht. Lieber mit der Nachbarin drüber reden, dass man auf gar keinen Fall verbal jemanden vor den Kopf stoßen darf. Die alltägliche Ignoranz ist natürlich was ganz anderes!

Dienstag, 4. April 2017

Die Geister die ich rief


Morgen habe ich das dritte Date mit „unverhofft kommt oft“ und neben dieser schönen Vorfreude, die mich die ganze Zeit grinsen lässt, lebt mein Erbsenhirn die ein oder andere Panikattacke aus. Natürlich nichts Rationales, sondern ein Sammelsurium an Ängsten und negativer Erwartungshaltungen. Die Spinnerdichte war in den letzten Jahren wohl doch etwas zu groß. Ich halte mich ansonsten für relativ dramafrei, aber wenn ich so an die Pleiten und Pannen der letzten Dates denke, kriecht mir die Panik den Nacken hoch.
Neulich sagte ich zu jemanden: „Die eigentliche Tragik des älter Werdens ist, dass wir uns mehr und mehr von unseren Ängsten anstatt von unseren Hoffnungen leiten lassen.“
Dabei ist das eine genauso Quatsch wie das andere. Meine Ratio weiß, dass ich alles ganz entspannt sehen kann. Mein Leben läuft großartig. Der Job rockt (dicke Gehaltserhöhung bekommen), Pest und Cholera sind gesund und ich habe ein paar großartige Menschen in meiner Umgebung. Gerade in den letzten Monaten konnte ich ein paar Kontakte zu Menschen festigen, die ich wahnsinnig schätze. Sollte der Typ sich im Laufe der nächsten Wochen als Spinner und/oder uninteressiert entpuppen ändert sich in meinem Leben nichts. Ich werde weiterhin mehr als ausgelastet sein. Sowieso bin ich die nächsten Wochen so gut wie nur unterwegs, also, was braut meine Erbse da für ein Schwachfug zusammen? Vor was Angst haben? Und was für eine Hoffnung, die vielleicht enttäuscht wird?
Die meisten Menschen die ich kenne, haben es nicht mehr so leicht Gefühle zuzulassen. Dabei kann man doch theoretisch nur gewinnen. Theoretisch kann man die Gefühle genießen und eine gute Zeit haben und wenn es nicht klappt, kann man ganz praktisch sein Leben weiter leben. Theorie und Praxis.
Was projizieren wir in die Partnersuche, was in die Hoffnung IHN/Sie gefunden zu haben. Warum ist der Mensch im 21. Jahrhundert immer noch so darauf fixiert den Einen/die Eine zu finden. Besonders wenn man sich ansonsten nicht einsam oder gelangweilt fühlt. Zudem das Gefühl für mich (wieder) neu ist. Lange Zeit hatte ich so gar keinen Nerv auf Beziehung. Ich dachte schon, das fehlt mir, also kein „Mutti-Gen“ und kein „Beziehungs-Gen.“ Letztes Jahr hatte ich mal so eine Phase, aber wenn ich ehrlich bin, war das auch nur Kompensation. Und im Prinzip war es die letzten Wochen ähnlich. Hatte ich mal ein Date und der Kerl passte nicht, habe ich weder was „gebastelt“ noch irgendwie sehnsüchtig getrauert und dann…tja, dann kommt alles anderes.
Dabei macht der Kerl nichts, was Grund zum Zweifeln geben würde. Und er klammert nicht, er nörgelt nicht ob meiner Zeitplanung, im Gegenteil. Er will sich dringend mal für meine Hunde in den Wald schmeißen und dass ich mit ihm Fliegen komme. Er hat seinen Kumpels von mir erzählt. Wir reden, nicht zu viel, nicht zu wenig. Und….er kann verdammt gut küssen. Ganz echt jetzt. Und seine Oberarme sind der Hammer…
Dinge einfach laufen lassen kann verdammt schwer sein.