Samstag, 4. März 2017

Smilla



Die Geschichte mit Smilla ist ein absoluter Tiefpunkt 2016 gewesen. Deswegen habe ich unglaublich lange gebraucht, um sie nieder zu schreiben. Außerdem ist sie der endgültige Cut zwischen mir und dem „Schmock“ (das ist der neue Arbeitstitel für das SEK). Traurig aber wahr, es musste unglaublich viel passieren bevor ich diesen Schritt gehen gegangen bin. Wie viel wird hier nach und nach mal stehen, aber jetzt fühlt es sich an, als ob ich einen schweren Rucksack los geworden bin. Und es ist gut, dass ich sie endlich erzählen kann, obwohl ich nicht gerade stolz auf mich sein kann.
Smilla brachte mich zu etwas, was völlig untypisch für mich ist und auch nicht korrekt war. Und auch wenn der Schmock es mal wieder von Minute zu Minute auf die Spitze getrieben hat, er mit jeder seiner Handlungen die absolut schlechteste Alternative wählte, möchte ich nie wieder emotional so runter gewirtschaftet sein, dass ich mich auf so etwas einlasse. Es ist schlichtweg nicht in Ordnung gewesen.

Der Schmock bestand ja immer darauf, dass wir keine Beziehung hätten. Trotzdem drehte er regelmäßig frei, wenn ich auch nur andeutungsweise einen anderen Liebhaber hatte. Daher hatten wir eigentlich sowas wie Monogamie verabredet bzw. sollten sexuelle Nebenaktivitäten kommuniziert werden. Er wurde nicht müde, mir zu erklären, dass das andere Frauen nicht sein Bedürfnis seien etc. pp. 

Trotzdem war sein Verhalten in vielen Beziehungen mehr als merkwürdig. Eine Zeitlang war ich fest davon überzeugt, er sei verheiratet oder ähnliches. Er verneinte und ich glaubte ihm irgendwann. Nicht so meine Mädels. Alles an dem Typen stank nach Beschiss. Das merkte ich zwar auch, aber mein Erbsenhirn hatte dafür keine Belege und mein Gewissen befahl mir „im Zweifelsfall“ für den Angeklagten. 

Eine Freundin hatte die Schnauze voll und meldete sich in dem perversen Forum an. Kurzer Text, schlank, aber ansonsten nicht viel Profil, außer dass sie keine unaufgeforderte Kontaktaufnahme wünsche. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich der festen, ganz echt jezt, Überzeugung, dass sie ihn anbaggern müsste, um ihn zu einem Flirt zu bewegen. Mein Gott, war ich naiv zu glauben der Typ sei nur ein wenig gestört, aber ansonsten ein guter Kerl. Sie „matchte“ ihn und ging offline. Das „matchen“ ist für den Betroffenen nicht sichtbar bis er auch „matcht“.
Keine 12h später hatte er sie zurück „gematcht“ und auch umgehend angeschrieben. Er fände ihr Profil interessant und könne nicht warten bis sie sich meldete.
Was soll ich sagen? Innerhalb von 2h hatten die beiden sich auf sein Zutun zu einem Schäferstündchen um 14 Uhr verabredet. Parallel schrieb er mit mir auf WhatsApp und ich war wirklich ganz entzückend zu ihm. Immer in der Hoffnung, dass er das Date mit Smilla noch absagen würde, es eine Übersprunghandlung wäre. Er für seinen Teil war auch ausgesprochen charmant zu mir. Es kam natürlich anders.

Er fragte mich, ob er um ca. 16 Uhr „schnell“ noch bei mir vorbei kommen könne. Ich war fassungslos. So sehr, dass ich das wirklich erst glaubte, als ich ihn an der mit Smilla verabredeten Ecke stehen sah. Natürlich stand er da umsonst. Um ca. 14:30 Uhr schrieb er mich an, er könne früher vorbei kommen, ob mir das recht wäre. Wir ließen die Bombe platzen. 

Die nächsten Stunden war ich wie betäubt. Trotzdem war mir klar, dass er sich raus reden würde. Wahrscheinlich mit dem Ding, dass wir ja keine Beziehung hätten. Auch das kam anders.
Er versuchte mir eine Geschichte aufzutischen. Er sei auf der Suche nach einer Ex und glaubte diese Smilla sei es. Sie würde ihn immer wieder online unter verschiedenen Nicks anschreiben und natürlich hätte er mir später davon erzählt. Klar. Sehr glaubwürdig. Besonders weil er Smilla fragte, ob sie Kondome zu Hause hätte (er erklärte daraufhin seine Ex hätte eine Latexallergie und es sei eine Fangfrage gewesen). Ich meine wir reden von einem Typen, der auf die Frage was er für ein Auto fahre mit „ein Großes“ antwortete. Nicht aus Scherz. Er wartete nämlich danach auf der anderen Straßenseite bis ich mit den Hunden um die Ecke gelaufen war, damit ich ja nicht sehen konnte, was es für eines wäre. Wir reden von einem Typen, der in den bis dahin 13 Monaten weder erzählt hatte, ob er Geschwister hat, seine Eltern noch lebten oder sonstigen Smalltalk. Der jeder privaten Frage auswich und behauptete, das würde Frauen nur dazu zubringen ihm nachzustellen.

Nachstellungen sind übel. Ich habe selbst eine einstweilige Verfügung gegen einen Typen erwirkt und weiß wie Scheiße das ist. Aber dieser Kerl, der hat sogar mich dazu gebracht, zuzusehen, dass ihm eine Falle gestellt wird. Das ist nicht gut. Gar nicht gut. Vielleicht ist es ein bisschen Ehrenrettung, dass ich wirklich nicht glaubte, dass er darauf reinfallen würde.

Aber manchmal muss man erst mal richtig tief sinken um aufzuwachen. Kurze Zeit später sagte ich zu ihm, wenn er mit mir Kontakt haben möchte sei die Grundvoraussetzung Loyalität, Ehrlichkeit und Offenheit. Er könne loyal sein, aber das mit der Offenheit lehnte er ab. 

Seine Form der Loyalität bestand übrigens darin, dass er der nächsten online Bekanntschaft schrieb, er habe jemanden kennen gelernt und wolle erst mal schauen wohin das führen würde (räusper, wir kannten uns 13 Monate). Und bis dahin, könne man sich ja schon mal abgleichen. Muss ich erwähnen, dass er die Welt nicht verstand, dass ich nicht entzückt war, als er mir das erzählte?
Nach und nach bröckelten seine Geschichten eh immer mehr. So sehr, dass sogar ich keinen nachweisbaren Beleg mehr brauchte. Zuerst wollte ich gar nicht darüber schreiben, was ihn alles verraten hat. Wozu ihm das auf die Nase binden falls er mit liest? Damit er bei der Nächsten diese Fehler nicht mehr macht? Mir egal.

Witzig, dass er mich inzwischen auf WhatsApp geblockt hat. Bei den 5-8 Trennungen war ich nie diejenige, die sich wieder gemeldet hatte (außer 1x einen Glückwunsch zum Geburtstag). Die Wahrscheinlichkeit, dass ich ihn belästige liegt also bei 0,0001%.

Aber er braucht das. Denn immerhin redet er sich ja wieder ein, er sei ein armes Opfer, welches ständig völlig überspannten Frauen zum Opfer fällt. Das ist eine tiefe Überzeugung bei ihm. Nach Smilla haben wir das einzige echte Gespräch geführt und ich war erschrocken, wie wenig oder besser wie verschoben, seine Reflektion ist.

Ich bin tief gesunken mich auf die Story mit Smilla einzulassen, aber ich habe ihn auch nicht gezwungen sich derart zu verhalten. Ich habe in meinem Leben schon viele Idioten kennen gelernt, aber ich musste 42 Jahre alt werden, um zu erleben, dass es solche Typen gibt. Bis zu diesem Zeitpunkt für mich nicht fassbar. Nicht weil er alles vögelt was nicht bei 3 auf dem Baum ist, sondern weil er abstruse Storys erzählt und völlig konstatiert ist, wenn man sie nicht glaubt und sich dann noch als Opfer fühlt. Eine absolute Beleidigung meiner Intelligenz, welche ich nie wieder zulassen darf.

Zum Glück sind inzwischen die Storys „mit dem Wanderzirkus durch Afghanistan“ und „Osmose“ wirklich ein Dauergag zwischen mir und meinen Freunden. Immer wieder zu einem Lacher gut und sie werden hier erzählt werden.

Kommentare:

  1. Faszinierend für mich, aus der Perspektive Mann, ist dass diese Sorte Mann irgendwie immer durchzuommen scheint. Sie finden immer jemanden.

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    1. Ja, aber irgendwann fliegt es immer auf und dann ist Stress angesagt. Mit wäre es das nicht wert

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  2. Männer, die so unterwegs sind, haben keinen Stress. Vielleicht sind sie 10 Minuten genervt, aber das war's auch schon.

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  3. Es gibt davon zu viele, sonst würde ich denken, dass wir gemeinsame Bekannte haben ;) - "Er" sagte mal auf die Frage "warum er mich so behandelt" "damit Du stärker wirst und deine Gutgläubigkeit verlierst" - hat er nicht geschafft, aber ich bin sehr viel vorsichtiger geworden.

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    1. Nun ja, Dein Modell wusste wenigstens, dass er Mist baut. Das o.g. Modell ist sich keiner Schuld bewusst und findet immer Ausreden, warum sein verhalten okay war.
      In seiner Welt ist er "mal wieder" das unschuldige Opfer einer großen Verschwörung.

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    2. Das ist das Modell zusätzlich, natürlich immer gegenüber Dritten. Dein Text heute morgen hat mich dann mal schauen lassen, was sein aktueller Beziehungsstand ist, mal wieder Single, also kann ich schon damit rechnen, dass das Stalken demnächst wieder beginnt.

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