Montag, 6. März 2017

Mit dem Wanderzirkus durch Afghanistan – oder: welches Schweinerl hätten`s denn gern?


Als ich den Schmock Ende 2015 kennen gelernt habe, steckte ich gerade in einer Sinnkrise. Ich war gerade mit Pauken und Trompeten durch die WM gefallen und wusste wirklich nicht, ob ich den Leistungssport länger machen wollte bzw. ob ich als normal arbeitender Mensch auch nur andeutungsweise bei dem Niveau weiter mithalten kann.

Ich saß also da und wusste nicht wohin mit mir. Bis dato war ich 4-6x die Woche im Training, da hat man plötzlich Zeit. Diese wollte ich kurzfristig mit Bettgeschichten füllen. Mir war durchaus bewusst, dass das nur eine Zwischenlösung darstellen konnte, aber manchmal muss man Dinge überbrücken. Schon im ersten Mailkontakt machte ich sehr deutlich, dass ich noch nicht mal wissen möchte, wie er seinen Kaffee trinkt. Mir war zwar fad, aber trotzdem hatte ich eine ausgeprägte sozialphobische Phase und der geringste Gedanke an (neue) zwischenmenschliche Beziehungen gruselte mir.

Und dieses Konzept klappte eine Weile ganz gut. Er kam, sagt nicht viel und sorgte einfach für einen guten Schlaf. Wenn ich keinen Nerv hatte oder mir der Sinn nach anderen Spielarten stand, meldete ich mich nicht und gut war. Wenn wir uns sahen, kam er pünktlich und ging spätestens um 20:00 Uhr wieder, so dass man den Abend noch entspannt auf dem Sofa genießen konnte. Irgendwann hatten wir uns so häufig gesehen, dass ich ihn mal bei meinen Mädels erwähnt hatte und irgendwann stieg er von „irgendein Kerl“ zu einem Kerl mit Arbeitstitel auf. Soweit die Vorgeschichte.

Irgendwann fragte mich C. was der Typ beruflich machen würde und ich hatte tatsächlich keine Ahnung. Er erzählte nichts und ich fragte nicht. Trotzdem hatte ich den Verdacht, dass er irgendwie Handwerker sein müsse. Erreichbar war er täglich zwischen 07:00 – 16:00 Uhr (freitags bis 13:00 Uhr) und dann wieder ab ca. 21:00 Uhr. Spricht für Handwerker der danach zu Frau und Kind fährt und dann wartet bis die schlafen. Wahrscheinlich:

(Theorie 1): GaWaSche

Wenn er bei mir war, hatte er offiziell Notdienst oder so. Immerhin bekam er ab ca. 20:00 Uhr auch immer Unruhe. Egal welche Ausrede er hatte, sie war wohl zeitlich begrenzt.

Kleine Nebeninfo: viel viel später erzählte ich ihm mal was ich anfangs dachte und öffnete ihm dann mal die Tür mit „ah der Klempner“. Fand er nicht witzig.

Und ich kann es wirklich nicht mehr sagen ob er zuerst den Arbeitstitel „SEK“ bekam oder er zuerst Andeutungen mache er sei beim SEK. Ich habe wirklich keine Ahnung. Er sagte ja nie direkt, dass er es sei. Das wäre auch auffällig gewesen. Es flossen immer nur so kleine Infos, so dass man sich irgendwann diesen Reim drauf machte.  Erst viel später wurden die Hinweise deutlicher. Er sagte aber nie „ich bin SEK-Beamter“. Nie. Nur ständige, recht eindeutige Andeutungen usw. Und er verneinte die Theorie nie.

Trotzdem wurde diese Geschichte irgendwie immer merkwürdiger. Zu viele Dinge passten einfach nicht. Das Problem bei dieser Geschichte ist, sie ist nicht oder kaum zu widerlegen. Und sie würde einiges erklären. SEKis haben i.d.R. eine an der Klatsche. Das bringt der Beruf mit sich. Zudem sie alle leicht paranoid sind. Und sie haben nie Zeit. Das Berliner SEK hat ca. 550 Einsätze pro Jahr, dazu noch Bereitschaften und freiwillige Einsätze. Die Jungs wären gut beraten, wenn sie nur stundenweise Miete zahlen. Die hätten so gut wie keine Mietkosten. Irgendwann meinte er, er würde wieder in die Auslandsverwendung gehen und wäre im Winter (Januar bis März) nicht in Deutschland.

Da war der Drops aber schon so gut wie gelutscht. Es führt jetzt (fast) zu weit aufzuführen, dass deutsche Polizisten 8 oder 12 Monaten „unten“ sind. Niemals aber 3. Zudem sie dort fast ausschließlich in der Ausbildung tätig sind. Das würde er aber nicht tun, sagte er mal. Seine Aufgaben sind also „top secret“ und entbehren jeder sonstigen Verwendung deutscher Polizisten. Aha.

Also rätseln C. L. und ich rum, was jemand macht, dass er sich im Winter 3 Monate ausklinken will. Spontan dachte ich an:

(Theorie 2): Eisverkäufer, mit buntem Wagen und Musik,


der die Wintermonate auf Malle mit Flyer verteilen überbrückt. Ich meine, Januar bis März ist mit dem Eiswagen in Deutschland nichts zu verdienen. Aber als Eisverkäufer ein Kreuz wie eine Schrankwand? Der Einwand er wäre ein Fitness Studio Freak..nein, dafür ist die Figur nicht definiert genug, aber wahrscheinlich ist er Sportler und verbringt 3 Monate in der

(Theorie 3): Reha oder

(Theorie 4) in der Betty Ford Klinik.

Die Betty-Ford-Klinik Theorie entfiel dann schnell. Erstens wirkte er nicht alkohol- oder sonstwie-süchtig und zweitens nehmen die einem das Handy für Wochen weg. Er war aber bis auf die Weihnachtsfeiertage nahezu daueronline. Apropos daueronline. Wenn es in Auslandseinsätzen so entspannt läuft wie bei ihm, machen C. und ich das auch. Ich meine der sitzt im Kriegsgebiet und seine anscheinend größte Sorge ist das Perversenforum. Das nenne ich mal innere Abgrenzung. Respekt.

Also, was würde weiter geregelte Arbeitszeiten und Kreuz wie ein Schrank erklären?

(Theorie 5). Möbelpacker

Gut, er erwähnte öfter er würde am Wochenende bei Umzügen helfen. Das wäre also stimmig. Allerdings ist der Januar ein wichtiger Monat im Umzugsgeschäft. Warum also verkrümeln? Und wie kann jemand, der gerade Kisten schleppt bei WhatsApp fast immer sofort antworten? Verdammt, das kann es also auch nicht sein.

Als wir bei der Möbelpacker-Theorie angekommen sind, ist Mitte Januar und ich hatte ca. 4 Wochen nichts mehr von ihm gehört als er plötzlich via WhatsApp Bilder schickte. Vom Hindukusch. 2 Landschaftsaufnahmen und ein Attentat. Zu den Bildern der Text: die schönen und die hässlichen Seiten des Landes. Die Bilder sind gestochen scharf und könnten im Spiegel erscheinen. Wirkt irgendwie wie google Profisuche. Nach einigen Stunden schicke ich ihm 2 Bilder aus der Google suche mit Soldaten zurück und schreibe: „schöne Bilder, schau mal, die sind auch schön.“

Er braucht ca. 1h um zu raffen, dass meine Antwort nur semi-nett war. Er regt sich auf, wie ich ein Bild eines Attentates als „schön“ bezeichnen könne. Meine Antwort:

„Da man als Zeuge eines Attentates garantiert andere Dinge zu tun hat als zu fotografieren, außer man ist Journalist, bin ich davon ausgegangen, dass Du das Bild nicht selbst gemacht hast.“

Seine Antwort sorgte für ein paar running Gags:

„Nein, es ist ein Bild EINER Helmkamera. Ich war weit genug weg.“

C. und ich sagten wie aus einem Mund „klar, beim Wandern in Südtirol.“ Und überhaupt, geile Helmkamera. Gestochen scharf, man erkennt sogar die Sandkörner. Wow. Aber egal, der fragte mich ein paar Tage später doch ernsthaft wann er in der Kommunikation jemals suggestiv oder manipulativ gewesen wäre. Wann? Ein Beispiel:

Wir „unterhielten“ uns via WhatsApp. Um 15:30 Uhr wette ich mit C., dass die Unterhaltung ca. 16:00 Uhr enden wird. Tut sie auch. Natürlich wie immer abrupt. Am nächsten Tag weise ich ihn auf die Unhöflichkeit hin. Seine Ausrede war, dass um 18:00 Uhr Ortszeit „im Camp“ es Alarm gegeben hätte. Inkl. Kampfhandlungen und man ja nicht erwarten könne, dass ihm dann eine Verabschiedung wichtiger wäre. 18:00 Uhr Ortszeit „da unten“ war in Deutschland 13:30 Uhr. Da versuchte er noch fröhlich bei mir gut Wetter zu machen. Und zwar bis lange nach 18:00 Uhr Ortszeit.

Okay, das war nicht manipulativ oder suggestiv. Dafür war das echt zu dämlich. Das war schlichtweg despektierlich gegenüber meiner Intelligenz.

Inzwischen hängen in Berlin überall Plakate mit der Schrift:

Zirkus „Schmock“, bald wieder in der Stadt.

Tata,

(Theorie 6): Wanderzirkus.

Also so ein Zirkuszelt auf- und abbauen erklärt das Kreuz. Und Januar bis März ist man im Winterlager. Der Typ steht gerade mit zotteligem Pony vor irgendeinem Kaufland mit Sammelbüchse. Das erklärt alles. Erreichbarkeit, keine anderen Sorgen und so. Tourt wahrscheinlich immer nur durch Brandenburg und kann so alle 14 Tage bei mir für 1,5h vorbei kommen. Aber das Pony, das kommt mir nicht ins Haus! Und so ganz streng genommen, er sagte ja immer er sein Uniformträger und ein Clownskostüm ist ja auch irgendwie eine Uniform.

(uniformiertes Zirkuspony)


(Wer weitere Ideen hat, her damit)

 

 

Kommentare:

  1. P.S. an seinem Geburtstag schrieb er "die Amis haben für mich gegrillt." Unsere spontan Antwort: "ach, warst Du bei McDonald`s?"

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  2. Das Pony ist geil, beinhaltet aber eine Gesetzeswidrigkeit in Bezug auf Vermummung 😂😂also je nachdem wo es sich aufhält......

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  3. Tagsüber als Handwerker oder Möbelpacker unterwegs und abends dann die Kinder und Frau ins Bett bringen um dazwischen Dich und andere zu treffen...Sei froh, dass Du ihn quitt bist.

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  4. Das hast du SO GEIL geschrieben!!! Ich krabbel dann mal unterm Tisch hervor... :D

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  5. Sehr merkwürdig.
    Kirmestyp?
    Knast?
    Kloster?
    Oder hat er eine Winterfreundin, die sich ihrerseits fragt, was er den Sommer über macht?

    Mann, bin ich froh,dass ich mit Dating nix mehr zu tun habe...

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