Donnerstag, 2. Februar 2017

Beuteschema: Prinz


Pest hat den Beinamen „der kleine Prinz“. Das liegt an seinem Wesen und an seiner Herkunft. Außerdem ist er eine verwöhnte Göre. Als junger Hund hat er mich fast in den Wahnsinn getrieben. Alle Vorgängermodelle waren passabel erzogen, der Prinz zeigte mir meine Kompetenzgrenzen auf. Eine Bekannte meinte einmal Pest sei der Inbegriff meines Beuteschemas bei Kerlen und deswegen hätte ich ihm sooft so wenig entgegen zu setzen. Und ich glaube sie hat Recht.

Heute Morgen verließen Cholera und ich die gemeinsame Wohnung. Sie muss mit, weil ich heute Abend einen Nebenjobtermin habe und sie dazu brauche. D.h. sie trägt wesentlich zum Haushaltseinkommen bei. So können wir uns unter anderem Pests teures Spezialfutter und die Tierarztbesuche von ihm leisten. Die Damen des Hauses gehen also brav arbeiten, während der Prinz sich auf dem Sofa nochmal zusammen rollt. Natürlich erst nachdem er eine Stunde im Wald gespaßt wurde, sein Frühstück und ein Küsschen bekommen hat. Mittags wird er von einer Nachbarin abgeholt und darf im Wald die beiden Hündinnen bespassen. Wenn Cholera und ich nach ca. 14h Maloche heim kommen, wird er gähnen, sich aus den Decken wühlen und mich charmant darauf aufmerksam machen, dass ihm seit Stunden langweilig ist. Und ich? Ich werde anstatt die Füße hoch zu legen mich erweichen lassen und mit ihm noch ein bisschen toben.

Als junger Hund hat er mir den einen oder anderen Nervenzusammenbruch beschert. Er hatte nur Weiber im Kopf. An seinem Halsband hing ein großes Schild mit meiner Telefonnummer. Regelmäßig wurde ich angerufen, ich möchte bitte meinen Hund von der Hündin abpflücken. Pest war es egal, ob die Damen läufig waren. Hauptsache willig. Und das waren sie. Wie auch immer er das gemacht hat, hingehalten haben sie alle.

Lange bevor ich Pest gekauft habe, war ich mit Andy zusammen. Andy ist im Prinzip ein netter Kerl, aber die Parallelen zu Pest sind erschreckend. Andys Freiberuflichkeit lief nicht besonders und so zog er bei mir ein. Miete teilen und so. Dieser Plan ging allerdings nicht wirklich jeden Monat auf und mein damaliger Job war auch nicht gerade hochbezahlt. Also sucht sich Madam einen Nebenjob, damit das gemeinsame Leben bezahlt wird. Ich hatte einen gefunden, der im Aufwand-Geld-Verhältnis eigentlich ganz gut war. Allerdings physisch und psychisch enorm anstrengend. Wenn ich abends fertig nach Hause kam, saß Andy latent gelangweilt auf dem Sofa und freute sich einen Kullerkeks, das er endlich besaßt werden würde (die Parallelen sind wirklich unverkennbar). Während Pest….äh Andy…noch überlegte, wie man die Situation finanziell entschärfen konnte, habe ich schon geackert wie ein sizilianischer Betonmischer. Miete etc. war drin, aber große Sprünge konnten wir halt nicht machen.

Andy war langweilig. Außerdem fand er es blöd, dass ich immer so müde war und mich nicht mehr für ihn aufstrapste. Er ist ein Mann und hat Bedürfnisse. Versteht mich nicht falsch, Andy war wirklich kein Arsch, im Gegenteil, aber halt in gewisser Weise ein bisschen bequem und nicht wirklich einer der anpackt. Mal so am Rande, Pest war zwar für den großen Sport gekauft, schafft aber einfach die Belastung nicht, er ist dafür im Wesen zu zart.  Trotzdem ist er ein guter Hund und ich würde ihn nie abgeben. Man arrangiert sich halt. Andy hatte daraufhin immer mal wieder Affären mit meinem Wissen. Hier gibt es erschreckende Parallelen zu Gerd, aber das ist eine andere Geschichte. Irgendwann ging es einfach nicht mehr und wir trennten uns (auch aus anderen Gründen).

In einer Unterhaltung neulich mit einem Beziehungs-Kandidaten schaute der Kerl etwas konstatiert als es um mein Zeitmanagement ging. Und, der Arme, er konnte es nicht wissen, beging folgende Todsünde: „na ja, aber wenn Du so wenig Zeit hast…dann…na ja, ich habe Bedürfnisse, dann müssten wir das offen gestalten.“ Mein emotionaler Rollladen fiel mit Rums runter. Das er dann noch meinen damaligen Nebenjob latent romantisierte und glaubte ich hätte locker flockig viel Geld gescheffelt anstatt zu kapieren, dass ich am Rande des Zusammenbruchs war und mir für einen Kerl bzw. unser gemeinsames Leben den A***aufgerissen habe, gab dem Ganzen den Rest.

Wenn ich einen neuen Mann kennen lerne, schaut Pest immer so misstrauisch. Irgendwie scheint er den neuen Kerl abzuchecken, sich aufzubauen und ihm nonverbal zu sagen „hier kann es nur einen Prinzen geben und ich bin seit 8 Jahren hier, ich habe Kerle kommen und gehen sehen, aber ich, der Prinz, bin noch hier, Du Nase.“

Dabei verschweigt Pest, dass er aufgrund seines Verhaltens eine sogenannte Frühkastration gewonnen hatte. Seit seine Klöten ab sind, ist er immer noch ein Prinz, aber das Ding mit den anderen Weibern hat sich reduziert (nicht gänzlich erledigt, manchmal vergisst er, dass er kastriert ist). Wir haben also sein Pascha-Verhalten in eine Form bekommen bei der ich allem anderen ihm gegenüber sehr tolerant sein kann und solange mein Tierarzt sich weigert den ein oder anderen Kerl zu kastrieren, wird Pest auch die nächsten Jahre der einzige Kerl sein, dem ich dieses Prinzenverhalten durchgehen lasse. Er ist aber auch zu niedlich.



Kommentare:

  1. Pest for Präsident......Ich finde ihn klasse

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    1. Ja, er ist aber auch trotz allem wirklich bedingungslos loyal, ehrlich und offen ;-)

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  2. Der kleine Hosenscheißer ist aber auch völlig auf dich fixiert und liebt Dich abgöttisch. Drunter musst Du es auch mit Zweibeinern nicht machen ;-)

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  3. Er wird dich nie für eine andere Frau verlassen, soviel ist sicher :o)

    Wer liebt, verzeiht. Und die Vernunft schüttelt nur den Kopf ;o)))

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    1. Stimmt. Wenn ich einen Zweibeiner kennen lerne, der trotz allem so loyal ist, dann ist alles gut ;-)

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  4. Das Folgende bezieht sich nicht speziell auf die geschilderten Situationen, sondern ist eher eine grundsätzliche Aussage. Ich halte es für wichtig, sich des eigenen Werts und der persönlichen Grenzen bewusst zu sein. Wenn man zusätzlich auch ohne Beziehung ein glückliches Leben führt und nicht auf den Irrtum hereinfällt, ohne Partner sei man "nicht komplett", ist die Gefahr, sich auf "ungesunde" Konstellationen einzulassen sehr klein. Klar, wenn Gefühle ins Spiel kommen, ist das nicht leicht, aber auch nicht unmöglich.

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    1. Andy war ja keine ungesunde Beziehung. Ich mag ihn bis heute, wir haben ja auch Kontakt. Nur die Persönlichkeiten waren nicht kompatibel ;-)

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    2. Wie hieß Andy eigentlich mit Nachnamen?

      ;o)))

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    3. Wenn er überhaupt Andy mit Vornamen heißt ;-)

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  5. Es gab mal eine Bloggerin, Else Buschheuer, die nannte alle Männer grundsätzlich Bodo. Fand ich gut.
    Und deinen Text, den finde ich auch gut. Sehr amüsant.

    Bei meinem Leihhund warte ich auch angestrengt auf die Kastration, er ist jetzt ein Rüpel und kaum zu bändigen. Und immerzu in Sachen Familienplanung unterwegs. Ich würde es ihm ja gönnen, wenn er mal zum Zuge käme.

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    1. Es gibt einen Kastrationschip. Der wirkt 6 Monate. Damit kann man ausprobieren wie es wirkt.
      Wenn er zum Zuge kommt, wird es schlimmer 😉

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    2. Den hat er schon. Ich merke keinen Unterschied.

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  6. Lieber Pest als jemand der sich wie Andy benimmt. Pest ist süß <3

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  7. Du hast aber auch ein Herz aus Gold, oder? ;) [Rhetorische Frage]

    Randnotiz: ich bin auch in Pest verliebt. Die Ohren! Aber die Fotoperspektive ist schon fies, so von oben geknipst sieht alles süß aus. ;D

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  8. Ohren. Der Hund besteht ja nur aus Ohren!

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  9. Alles eine Frage der Perpektive und des Blickwinkels, bei Hunden wie bei Kerlen, aber auch bei den werten Damen. So gibt es eben nicht nur eine, sondern viele Wahrheiten.

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