Donnerstag, 9. Februar 2017

all the good things - Glück und Zufriedenheit


Es ist 20:30 Uhr. Die Sitzheizung läuft volle pulle und ich spüre meine Finger nicht mehr. Arschkalt in Berlin. Im Radio läuft skandinavische Rockmusik. Ich mag diese dunkle Romantik der Skandinavier und singe laut mit. Alter Falter, geht es mir gut.

3h extra Training nach einem wirklich anstrengendem Tag im Büro. Dort aber alle Probleme gelöst, danach ab ins Gelände bei minus 5. Dick angezogen, meine Ausrüstung ist eigentlich gut.

Wenn ich Cholera starte, steht sie da, zittert vor Anspannung, die Ohren fliegen fast schon nach vorne, ich beuge mich über sie, eine Hand über ihren Rücken, ich berühre sie nicht und dann flüstere ich „such“ und sie schießt wie von einer Schleuder geschossen 60m gerade aus, die Nase geht hoch, sie biegt ab und hat gefunden, was sie suchen sollte. Wie auch immer ich das geschafft habe ohne jede Berührung so wortlos mit ihr zu kommunizieren. Mir ist klar, dass das geht, weil sie seit Generationen darauf gezüchtet ist. Reine genetische Selektion, aber trotzdem geht mir das Herz auf. Als Pest dran ist, vergewaltigt der erst mal meinen Rucksack, hampelt rum. Irgendwann geht er dann auch suchen. Ich muss lachen. Er ist halt wie er ist, trotzdem frage mich, nach was seine Gene selektiert wurden.

21:00 Uhr, endlich zu Hause. 14h außer Haus. 21:00 Uhr ist für andere noch nicht spät. Für mich schon. Bis ich aufgewärmt bin, was gegessen habe und ein bisschen runter gekommen bin ist es locker 22:30 Uhr und um 5:00 Uhr klingelt der Wecker wieder. Ich könnte auch länger schlafen, aber die Runde um 6:00 Uhr durch den menschenleeren Wald ist mir heilig.

Neulich wurde ich gefragt, ob ich mein Hobby aufgebe oder reduziere, wenn ich eine Beziehung habe. Wie aus der Pistole geschossen antwortete ich „nein.“ Den ein oder anderen Kompromiss, aber reduzieren wäre mehr als kontraproduktiv. Kaum einer kann verstehen, warum ich tief zufrieden und ruhig bin, wenn ich durchgefroren oder pudelnass nach Hause komme. Solche Leidenschaften können nur Menschen verstehen, die ein ähnliches Ding laufen haben. Auch reduzieren geht schlecht, weil eben der Level diese Zufriedenheit und innere Ruhe gibt.

Als ich mit Gerd zusammen war, waren meine beiden Hunde schon älter und knochenkrank. Irgendwann sagte er zu mir, fahr los und besorge Dir einen jungen Hund. Ist ja nicht zum Aushalten. Ich kaufte Pest. Und warum Pest immer noch auf meinem Sofa liegt, Gerd aber nicht mehr und warum Pest nicht im großen Sport läuft, ist eine ganz andere Geschichte. 2016 wusste ich tatsächlich nicht, ob und wie ich weiter machen soll. Das Ergebnis ist eine längere Geschichte, aber seit ich wieder voll dabei bin, bin ich wieder bei mir.

Und dann mein Job. Ich liebe meinen Job. Ich kann mir nicht vorstellen in einer anderen Branche zu arbeiten. Ich habe geregelte Arbeitszeiten und nehme Pest&Cholera oft mit ins Büro. Jeder hier weiß, dass ich meine Leistung bringe und wenn ich früher gehe, dann gehe ich früher. Basta. Am Ende vom Jahr muss das Ergebnis stimmen und das stimmt bei mir. So entspannt war es hier nicht immer. Anfang 2016 hatte ich schon gekündigt. Big Boss und little Boss haben gekämpft, dass ich bleibe, ich habe hoch gepokert und gewonnen. Die Zahlen beweisen, dass es sich gelohnt hat. Auch das macht mich zufrieden. Ich bin ein Leistungsmensch, aber weit davon entfernt mich kaputt arbeiten zu wollen.

Also, ich sitze also im Auto, singe schief mit und denke so bei mir, dass ich echt ein Glückspilz bin. Etwas in seinem Leben zu haben, das einen so erfüllt, wer hat das schon? Es gibt mir einfach in vielen Dingen eine Arschruhe. Nicht im Allem, aber auch das kann ich akzeptieren. Ich schlafe seit Wochen nicht durch. Es gibt zwei Dinge, die mich dazu bringen mich nachts um 2:00 Uhr von meinem Erbsenhirn wecken zu lassen. Das eine kann ich nicht entscheiden, weil es nicht in meinem Einflussbereich liegt, das andere will ich nicht entscheiden, weil es unklug wäre zu intervenieren. Dinge auszusitzen gehört aber nicht zu meinen Kernkompetenzen. Am liebsten möchte ich alles immer sofort geregelt und geklärt haben. Aber im Moment bin ich so entspannt, dass mich selbst die schlechten Nächte nicht stören. Auch das wird aufhören.

„Der Sachse“ hat sich gemeldet. Er möchte dringend 2017 wieder mit mir arbeiten. Er zahlt gutes Geld und für mein Ego ist es Samt. Außerdem macht die Arbeit mit ihm und seinen Hunden Sinn. Sonst hätte ich das Projekt nicht angenommen. Bedeutet, ich habe einen Nebenjob, der Spaß macht, gutes Geld bringt, den ich aber nicht zwingend brauche. Und wie es so ist, wenn man nicht bedürftig ist, erst dann ist man richtig gut. Ihm ist völlig klar, dass ich ansonsten überhaupt keinen Nerv habe, fremde Köter auszubilden. Entsprechend wertvoll erachtet er es. Dass ich allerdings das dumpfe Gefühl habe, dass der gerne noch ein bisschen mehr möchte, ist eine andere Geschichte.

Ich habe ein paar ziemlich tolle Leute in meiner Umgebung. Sie sind für mich da und stellen mich auch konstruktiv in Frage ohne mich als Person anzugreifen. Dadurch komme ich mit einigen Gedanken weiter. T., M. und natürlich C. sind unbezahlbar. Ich brauche ein paar extra Trainingseinheiten? Eine kurze WhatsApp und ein paar liebe Kameraden frieren mit mir im Schneeregen.

So what?

Glück?

Nein. Ganz ehrlich? Ich habe mir das alles hart erarbeitet, mir teilweise den Arsch im Büro aufgerissen, mich selbst reflektiert, an mir gearbeitet und mir den Kopf waschen lassen. Ich habe mich offen und ehrlich entschuldigt, wenn ich einen Bock geschossen habe. Hatte wirkliche Tiefen, besonders letztes Jahr. Das macht ruhig, zufrieden, aber auch ein bisschen arrogant. Neulich sagte jemand zu mir: „das hast Du verdient“ und ich antwortete pappenfrech „ich weiß.“

 

Kommentare:

  1. Ich habe diesen Start mit Cholera schon einmal sehen dürfen....es ist ein unglaublich schönes, harmonisches Bild

    AntwortenLöschen

Es darf und kann kommentiert werden. Grundsätzlich nutze ich mein Hausrecht und gebe einzeln frei.