Montag, 30. Januar 2017

Reden ist Silber?


Bei meinem Vorstellungsgespräch wurde ich, ganz klassisch, nach meinen Schwächen gefragt. Meine Antwort erstaunte etwas, denn sie lautete „ich sage zu selten meine Meinung.“ Ich wirke halt eher wie ein Mensch, der sein Herz auf der Zunge trägt und auch ansonsten nicht viel hintern Berg hält.

Ist aber nicht ganz so. Ich halte ganz oft meine Fresse, obwohl mir was auf der Zunge brennt. Meist, weil mir der mögliche Konflikt aufgrund des Gesagten nicht wichtig oder zu anstrengend ist. Oder weil ich weiß, dass egal was ich sage, die Situation sich eh nicht ändert. Oder weil ich so emotional bin, dass ich meine Kontenance verlieren würde…passiert mir auch.

Und manchmal fühlt es sich dann an, als ob all das Unausgesprochene wie ein Klumpen im Magen liegt. Das ist nicht gut.  Dabei ist es manchmal ganz leicht, jemanden einfach seine Meinung vor die Füße zu kotzen. Jedenfalls wenn dieser jemand einem nicht wichtig ist. Da hat man keine Sorge vor der Reaktion und agiert ganz ohne Verlustängste oder Sorge vor Konsequenzen. Doof nur, dass ich bei Menschen die mir egal sind überhaupt kein Bedürfnis habe meine Meinung zu äußern.

Also entsteht dieser Konflikt nur in Situationen oder Personen, die mir wichtig sind. Das macht es nicht besser. Im Gegenteil. Und dann kommt ja noch der eigene moralische Anspruch dazu. D.h. abgesehen davon, dass man bestimmte Menschen nicht verletzten möchte, möchte man auch manchmal gar keinen Einfluss nehmen, nicht intervenieren. Es wäre unfair, im ungünstigsten Fall noch einem Dritten gegenüber. Also wieder Klappe halten?

Man muss tun, was einem selber gut tut sage ich immer. Manchmal auch ohne Gedanken an die Reaktion. Abzuwägen, ob man es für sich tut oder um eine bestimmte Reaktion hervorzurufen ist aber echt schwer. Und dann noch die Moral….F****

Kann man überhaupt ohne Appellseite kommunizieren?

Kommentare:

  1. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  2. Ups, Marie, ich habe aus Versehen Dein Kommentar gelöscht, sorry

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    1. :) hab mich schon gewundert ob der strikten Zensur :)
      Allet jut, viele Grüße nochmals
      Marie

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    2. Nein. Es waren nur kalte Hände auf einer kleinen Handytastatur

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  3. Oh, ich kenn das auch. Zumindest von meinem früheren Ich. Als ich noch jung war ;), war ich ein offenes Buch, da blieben auch keine Fragen offen. Um Mitte 30 herum begann es genau ins Gegenteil umzuschlagen. Ich hab fast gar nichts mehr gesagt, nur noch mit mir selber abgemacht. Ob auf dieses Konto zB die beiden Magengeschwüre gehen?
    Inzwischen ist es so, dass ich tatsächlich abwäge, wann ich etwas sage - und wie ich es formuliere.
    Eine Schmerzärztin meinte vor ner Weile zu mir: "Sie sind immer so kontrolliert." Ich glaube, sie meinte das nicht positiv.
    Immerhin aber sterbe ich nicht mehr an Herzdrücken; was raus muss, geht raus. Nicht immer unbedingt sofort, aber es kommt.

    ...bei Menschen, die mir wichtig sind. Woanders nur, wenn ich explizit darum gebeten werde.

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    1. Neulich sagte ich zu jemanden, dass er froh sein kann, dass ich ihm die Meinung gesagt habe, es würde bedeuten, dass er mir wichtig ist.
      Trotzdem habe ich manchmal Konflikte. Hauptsächlich weil ich nicht einordnen kann, ob ich es dann für mich mache oder eine Reaktion erhoffe...oder weil mich halt mein moralisches Gewissen zurück hält. Dann weiß ich ganz genau, dass ich mit der "Wahrheit" Dinge beeinflussen könnte und halte das für "falsch."

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    2. Ist es nicht aber so, dass für einen anderen ein anderer Blickwinkel auch durchaus hilfreich sein könnte? Letztendlich liegt es doch immer am anderen selbst, was er mit Deiner Meinung macht, wie er sie für sich annimmt und was er für sich daraus zieht..
      Eine Meinung zu etwas zu haben, bedeutet doch nicht, dass der andere auch danach handeln muss? Nur eben dieselbe Sache mal von einem anderen Blickwinkel aus betrachten..

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    3. Es wäre schön, wenn es so einfach wäre. Hier geht es viel um Emotionales. Es wäre ein aufarbeiten...und ein ehrliches Statement...aber das ist manchmal einfach nicht gut, eben weil es den anderen ggf. belastet

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  4. Die Frage nach den "Schwächen" gehört zu den typischen Fragen von einfallslosen Personalern. Sehr weit verbreitet. Soll angeblich "testen" wie gut der Kandidat sich selbstkritisch hinterfragen kann. Totaler Bullshit in einer Situation, in der man sich gut verkaufen darf, will und muss. Ich habe selten wirklich interessante, kreative oder einfallsreiche Vorstellungsgespräche erlebt. Die laufen immer nach dem gleichen Muster ab. Und immer erwarten Personaler nicht nur die eierlegende Wollmilchsau, die nicht nur den Job für drei macht zum Preis von einer Arbeitskraft, sondern auch noch gut zum Team passt. Denn darauf kommt es den Meisten tatsächlich an: Sympathie. Kompetenzen spielen nur selten eine Rolle. Ich will aber mit denen aber nach Feierabend ein Bier trinken gehen oder über mein Privatleben tratschen, sondern Geld verdienen und fertig. Aber das geht so natürlich nicht!

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    1. Nun ja, ich habe ja das Glück, dass ich einen großartigen Arbeitgeber habe. Und das meine ich ohne Ironie

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