Dienstag, 17. Oktober 2017

Datingpannen: der Nudelsalat


Schon ein paar Wochen her. Es war noch warm und wir trafen uns sonntags in einem Biergarten. Sonntags weil er am Wochenende einem Kumpel bei einer Party geholfen hat. War wohl was größeres, er machte da den Barkeeper. 

Er pünktlich und unheimlich gut aussehend. Beides mag ich. Wir suchten uns einen Tisch und ich überlegte, ob ich wohl was esse. Der Typ hatte unglaublich tolle Oberarme, so dass ich mir vorstellen konnte mit ihm etwas Zeit zu verbringen. Tisch gefunden und dann….nun ja….mein Hintern hatte den Stuhl noch nicht berührt und der Kerl fing an über seinen Kumpel ab zu lästern. Nun ja, nicht direkt über den Kumpel, sondern über den auf der Party servierten Nudelsalat. Der war nämlich gekauft. Skandal! Und dann nur umgefüllt. Frechheit. Und überhaupt hat der Kumpel dann auch noch Gurken rein geschnitten und nicht unter gemischt. Da mussten die Gäste erst mit der Gabel die Gurken weg schieben um an den Nudelsalat zu kommen. Frechheit. 

Ich für meinen Teil verstehe ja gar nicht warum man noch Nudelsalat selbst macht, aber was weiß ich schon. Ich bin ja ein unkultivierter Küchen Hooligan. Die ersten 7 Minuten sind um, ich habe ein Wasser bestellt. Still. Das Thema ist immer noch Nudelsalat und ich schaue mich um, ob irgendwo eine versteckte Kamera hängt. Die Sonne scheint und ich habe gute Laune. Also versuche ich diplomatisch das Thema umzulenken. So von wegen ist ja seine Party und so. Klappt bedingt. Also direkt eine Frage zu einem anderen Thema. Ob er schon mal verheiratet war. Krasserer Wechsel fällt mir nicht ein. Der Keller fragt ob wir noch was wollen. Ich antworte „nein“. Jeder Mensch, der wenigstens 2% auf „empfangen“ und nicht nur auf „senden“ gepolt ist, würde die Nachricht verstehen. Er nicht. Aber er nimmt wenigstens den Themenwechsel an und so erfahre ich, dass seine Ex Schuld daran ist, dass sein erwachsener Sohn inzwischen Drogenabhängig ist. Und überhaupt ist sie eine blöde Schlampe. Wuahhhhhhhh.

Ich schau dem Typen tief in die Augen, setze mein super süßes, total nettes Lächeln auf und meine „Du, Du bist echt nett, aber irgendwie entwickelt sich bei mir nichts.“ Ich musste ihm damit ins Wort fallen, er hatte gerade wieder zu einer Lästerattacke ohne Punkt und Komma ausgeholt. Er ist sofort ruhig, sackt in sich zusammen und antwortet wie Schade das wäre. Er fände mich total sexy und würde es genießen, dass man sich mit mir so gut unterhalten kann. What??????

Ich dackel zum Auto. Es ist noch früh, die Sonne scheint. Ich überlege mir was ich mit dem Abend anfangen soll. Ende vom Lied, ich lande auf einer extrem lustigen textilfreien Party mit „das T.“ Und dass ich da einen super gebauten, kommunikationsfähigen Single Typen kennen gelernt habe, ist eine ganz andere Geschichte.

Freitag, 13. Oktober 2017

Fight or flight



Fühlt sich ein Tier bedroht, kennt es 2 Handlungsalternativen. Fight or flight. Lediglich degenerierte Hunderassen kennen eine Dritte, fiddle around. Diese völlig verzüchteten Hunde und einige Menschen reagieren auf Bedrohliches mit niedlich sein, rum albern, kaspern und so weiter, um zu zeigen, dass sie keine Bedrohung darstellen. Dabei übertreiben sie es oft und bekommen erst recht eins auf`s Maul. Hunde wie Menschen. 

Weder Pest, noch Cholera noch mir ist diese 3. Art auf Gefahr zu reagieren in die Wiege gelegt worden. Pest findet Starkregen bedrohlich und verkriecht sich beim Spaziergang unter einen Bauwagen (flight) ohne zu bedenken, dass die Situation, dass ich ihn suchen muss wesentlich bedrohlicher ist. Cholera findet meinen Nachbarn ebenso wie ich voll Klaus Kinsky mäßig und würde ihn am liebsten jedes Mal umnieten wenn sie ihn sieht (fight). Die Leine verhindert dies zum Glück. Wer weiß wann ich mal Milch oder Mehl brauche. Bei den beiden ist die bevorzugte Reaktionsweise zum größten Teil genetisch programmiert. Cholera, angeblich ein belgischer Schäferhund (in Wirklichkeit Springbock-Todesstern-Hybrid), kompensiert Unsicherheit nach vorne. Macht für den Zweck für den diese Sozialidioten gezüchtet sind Sinn. Pest, angeblich ein Terrier, in Wirklichkeit nur eine Terrier-Attrappe und Affe-Katze-Fledermaus-Alien-Hybrid, wird seit Generationen auf „niedlich“ gezüchtet und versteckt sich halt lieber. 

Jetzt bin ich halt kein hundeähnliches Lebewesen und mein Gehirn ist (situativ) größer als die beiden Erbsenhirne von Pest und Cholera. D.h. ich sollte theoretisch die Wahl haben wie ich reagiere.
Die Wahrheit ist, dass es Menschen gibt, die ein unglaubliches Talent haben mich zu „fight“ zu treiben. Schaffen sie es mit einer Methode nicht, wechseln sie treffsicher zum nächsten Punkt und zack, ich explodiere und würde ihnen am liebsten ordentlich auf`s Maul hauen. Mach ich aber nicht. Ist nämlich verboten, ich bin jetzt nicht die super Starke und außerdem habe ich eh einen Kapselanriss am rechten Handgelenk. Der würde davon nicht besser werden.

Also arbeite ich an mir. An Abgrenzungsmethoden, innerer Ruhe und scheiss-egal-Einstellung. Denn es gibt Idioten, denen kann man nicht aus dem Weg gehen. Geht einfach nicht, außer man sagt gegen die Mafia aus, kommt ins Zeugenschutzprogramm, wechselt die Identität und zieht weg. Ganz schön viel Aufwand wegen Idioten.

Abgrenzen heißt Impulskontrolle. Das ist anstrengend. Und die Gestörten können keine Ruhe geben. Ihr Mini-Ego braucht die Aufmerksamkeit wie die Luft zum atmen. Ich schließe die Augen, stelle mir vor ich würde in meinen gemütlichen Wohnzimmer sitzen, draußen tobt das Gewitter der ewig Unzufriedenen, der Schwarzmaler und Nörgler. Ich stehe auf und schließe einfach das Fenster. Ruhe im Karton. Basta.

Von wegen, die Gestörten haben genau mich auf dem Zettel. Sie ertragen meine Ignoranz nicht. Wie kleine Wadenbeißer verstärken sie ihr Verhalten bis ich das Getöse durch das geschlossene Fenster höre und explodiere. Der Behälter der Impulskontrolle ist voll und das Überdruckventil springt mit einem lauten Knall auf. F*** Ich hasse es. Ich werde von Deppen manipuliert und dadurch haben sie einen Raum in meinem Leben der Ihnen nicht zusteht. Methodenänderung?

Ich bin seit Dienstag mit gelbem Schein zu Hause. Kaputtes Knie, Bänderanriss im Knöchel und nun noch ein geschreddertes Handgelenk bringen sogar mich dazu mal eine Pause einzulegen. Läuft gut, ich komme wahnsinnig schnell zur Ruhe und entspanne. Ich mache mit den verbleibenden Gelenken Gymnastik und befinde, dass Abgrenzung als totalitäre Methode nicht funktioniert. Fight or flight ist bei mir nicht auf immer und ewig genetisch programmiert und ich habe die Möglichkeit situativ zu reagieren. Wegen dem Gehirn über Erbsengröße. Mit über 40 hat man aber gelernt nicht mehr in jede Schlacht zu reiten. Dafür hat man auch gar keine Energie mehr. Also „choose your battles“.

Ich schreibe eine Liste. Eine Spalte „flight“. Dinge die mir nicht wichtig sind, ich chancenlos bin und Kampf daher verschwendete Energie wäre. Die „fight“ Liste ist spannend. Ich selektiere Dinge die mir wichtig sind und die ich sinnvoll beeinflussen kann. Am Ende gibt es noch eine ?-Liste. Da muss, kann ich abwarten. Weiß noch nicht ob es Sinn macht dort Energie rein zusetzen. Einige der „Fight-Punkte“ rutschen im Laufe des Abends zur ?-Liste. Am Ende sind alle drei Listen unbeabsichtigt gleich lang.

Das wird spannend. Auch für die Menschen die von der Fight-Liste betroffen sind.





Mittwoch, 11. Oktober 2017

Es schreit selten der Täter



Der Herr MIM ärgert sich über seine, mit Verlaub, strunz dumme Kollegin. Leider kann ich das im Moment viel zu gut nachvollziehen. 

Es gibt Menschen, die haben es unglaublich gut raus es solange zu treiben bis man explodiert. Und wenn man es tut, dann schauen sie wie Bambi dessen Mutti gerade erschossen wurden und fühlen sich unglaublich ungerecht behandelt. Mit Pipi in den Augen schauen sie in die Runde und derjenige, der explodiert ist, ist der Dumme, der Aggressor. Jedenfalls in den Augen der Anderen.
Und auf den ersten Blick ist es ja genauso. Jemand, der ansonsten eher gefasst ist, flippt wegen einer Kleinigkeit aus und attackiert jemanden der sensibel ist mit anscheinend ungerechtfertigter Härte. Und weil wir, jedenfalls der größte Teil von uns ein Gewissen und eine gute Erziehung haben, haben wir Mitleid mit demjenigen, der da gerade angegriffen wurde. Oder, falls wir selbst der Aggressor sind, haben wir ein schlechtes Gewissen, weil wir uns jenseits unseren eigenen Anspruches an uns selbst bewegt haben.

Orthopäden sagen: es schreit selten der Täter. Sprich, wenn das Knie schmerzt, schau auf die andere Seite was da kaputt ist, dass das Knie so überlastet ist. 

In unserer unglaublich mit Mitgefühl und grenzenlos empathischen gesellschaftlichen Welt in der jede Form von Aggression völlig verpönt ist, haben die meisten Menschen aber das Gefühl für ein differenzierteres Täter-Opfer-Bild verlernt. Mitleid für das angeblich schwächere Individuum ist so hipp, dass wir den hinterrücks agierenden passiv-aggressiven, narzisstischen und sonstigen Gestörten die Tore zum Erfolg weit offen halten. Denn warum sollten sie ein Verhalten einstellen, welches für sie offensichtlich erfolgreich ist? 

Baue nur Scheiße, werde erwischt und weine. Beteure, dass Du das Alles nur gut gemeint hast, nicht dafür kannst und überhaupt und Du musst keine Verantwortung für Dein Handeln übernehmen. Du brauchst Dich nicht ändern, denn Deinem Handeln folgen keine ernsthaften Konsequenzen. Perfektioniere diese Strategie und jemand, der Dich auf Dein Fehlverhalten hinweist muss die Konsequenzen tragen. Warum? Weil Du machst was Du willst, bis er explodiert und dann siehe oben.
Alle behaupten von sich, dass sie „nein“ sagen könnten, aber wir tun es bei den Gestörten viel zu wenig. Wir wollen unsere Ruhe und vermeiden, dass wir durch ein klares „nein“ eine Welle verursachen, die wir eigentlich vermeiden wollen. Also gibt man nach oder schluckt unmögliches Verhalten von Nachbarn, Kollegen usw. runter. Bis, ja bis der Eimer der Impulskontrolle voll ist und der berühmte Tropfen kommt. 

Wenn man frühzeitig Grenzen setzt, ist man zickig, hat Haare auf den Zähnen, untervögelt oder schlimmeres. So will man ja auch nicht wirken. 

Trotzdem kann ich nur an jeden appellieren Opfer-Täter-Bilder genauer zu beleuchten und daran zu denken, es schreit selten der Täter.

Sonntag, 17. September 2017

work-eat-sleep-repeat



Die letzten Wochen waren mörderisch. Ich habe genau das Leben geführt, das ich nicht leben möchte. Morgens zu spät aus dem Bett, sich beeilen müssen, ab ins Büro, dort so viel Arbeit, dass ich Abends völlig fertig bin und mich nicht erinnern kann wo ich geparkt habe. 

Als das anfing produzierte mein Körper brav Adrenalin und Noradrenalin in der Menge eines Rindes auf einem Tiertransport quer durch Europa. Entsprechend war ich bei der geringsten Kleinigkeit auf „fight“ eingestellt. An Einschlafen war kaum zu denken. Nach einiger Zeit war ich nur noch müde und beim kleinsten Anflug von Konflikt völlig gleichgültig, Resignation. Zu nichts mehr Kraft, Trainings und Verabredungen abgesagt. Kein Sex, noch nicht mal mit mir selbst. Nur noch eine Hülle, die funktioniert. Nicht gut, gar nicht gut. Ich rauche zu viel und mache keinen Sport. Ich bin beweglich wie eine deutsche Eiche und dynamisch wie eine tote Qualle. Das Hirn weiß, dass man sich aufraffen müsste etwas zu tun, was gut tut, der Körper verweigert seinen Dienst. 

Panik, ich liege wach und denke an das letzte Jahr. Das Jahr im emotionalen Zombieland. Das Jahr in dem ich so runter war, dass ich mich habe runter ziehen lassen, mich selbst erniedrigt und in die Position eines Bittstellers gebracht habe. Ich erwische mich, wie ich in Verhaltensschemata verfalle, die mir nicht gut tun, ich schaue mehrfach auf dem Profil vom „Schmock aka die Polizei aka SEK“ nach, ob es Neuigkeiten gibt. Gibt es und ich denke ernsthaft drüber nach und thematisiere das sogar mit L. Die Erkenntnis fühlt sich an, als ob mir einer von hinten einen Baseball Schläger über den Schädel zieht. Ich liege wie ein toter Maikäfer auf dem Sofa und ziehe Bilanz. Durch den Stress sage ich Trainings ab, treffe mich nicht mit M. für ein gepflegtes Besäufnis, esse ungesund, bin zu faul für Sport, blogge nicht mehr, auch nicht im geheimen Geheimblog und möchte meine Mitmenschen vor den Bus schubsen. Wahhhhhh…das ist gruselig.

Im Geheimblog steht, dass ich neulich trotz Müdigkeit mit J. Essen war. Mit der klaren Ansage, dass ich keinen Bock auf Sex habe, wir aber gerne eine Unterhaltung haben könnten. Hatten wir und es war ein schöner Abend, es tat mir gut. Ich danach ins Bett, er feiern. Ich mache ihm 2 Wochen später exakt die gleiche Ansage und wir gehen essen. Wir könnten mehrere Nächte durch reden und uns würden nicht die Themen ausgehen. Danach ich wieder in die Heia und er feiern. Gestern Morgen habe ich ihm einen Kaffee gekocht bevor ich in Heim in sein Dorf in Niedersachsen geschickt habe. Jup, richtig gehört, er war morgens da und meine kleine sozial- und bindungsphobische Welt ist nicht untergegangen. Danach gehe ich ins Training, ich bin todmüde aber entspannt. Ich weiß es liegt eine Woche Urlaub vor mir. Ich weiß nicht wie J. das macht, aber immer wenn ich mich mit ihm getroffen habe, kann ich wieder einfach den Augenblick genießen, nicht alles zerdenken. Es ist mit ihm wie es ist, einfach eine gute Zeit ohne „aber wenn und dann und überhaupt.“

J. wird nie einen Arbeitstitel hier bekommen. Das würde ihm nicht gerecht werden. Immerhin reden wir von einem Mann, der mich mit einem simplen Gespräch vom Zombieland wieder ins Reich der Lebenden, der Lebendigen, der Lebensbejahenden und emotional Entspannten bringt. Und das, obwohl die Rahmenbedingungen für Außenstehende genug Grund zum zerdenken, zerreden und zerpflücken geben würden. Er ist verheiratet und wohnt nicht in der Stadt, eine Zweitwohnung in der Stadt. Ein- zwei Mal im Monat hier. Wir treffen uns wenn ich dann Zeit habe oder auch nicht. Er kennt den ein oder anderen Liebhaber von mir und ich die ein oder andere Geliebte von ihm. Wir reden entspannt darüber. Ich mag ihn unglaublich gerne und bin mir sicher er mich auch. Wir wissen, dass das nicht ewig andauern wird. Solche Arrangements haben einfach eine geringe Halbwertszeit. Irgendwann kommen andere Gefühle ins Spiel, die alles komplizieren, die unsicher machen. Oder er hat sich genug ausgelebt und will wieder zu 100% in seiner kleinen Dorfwelt leben, mit Schützenfest und Gemeindebeirat. Oder ich verliebe mich in einen anderen oder ein anderer in mich. Ich habe neulich einen ziemlich netten Singlemann auf einer Party kennen gelernt und er gab mir seine Telefonnummer. Aber das ist mal wieder eine andere Geschichte. 

Wenn ich mit J. zusammen bin, merke ich wieder, dass ich emotional werden kann und will. Das mein Herz voll Wärme ist und ich das Positive sehen kann. Ich bin mir sicher, dass es ganz im Geheimen daran liegt, dass mein kleines, verschlossenes und bindungspanisches Unterbewusstsein weiß, dass dieser Mann mir ja nicht wirklich gefährlich werden kann. Nicht weil die emotionale Ebene nicht stimmt, sondern weil die Ratio das Sicherheitsseil, die letzte kleine Selbstschutzmauer aufrecht erhalten kann. Die Ratio lächelt uns sagt: er ist verheiratet, er liebt sein Leben im Dorf, egal was ihr habt, Du musst nicht darüber nachdenken, es ist endlich und Du kannst jeden Gedanken, ob und wie Dein Leben sich verändern könnte, nicht haben. Liebe Emo, Du musst keine Angst haben, denn ich, die Ratio beschütze Dich und halte Dich fest.
 
Am Freitag saß J. neben mir im Club. Wir können die Hände nicht voneinander lassen, knutschen wir Teenager, wenn er mich ansieht, hat er Lollis in den Augen, eine sehr spezielle Art von Verliebtheit, rational abgesichert und ich weiß, ganz tief im Inneren, dass ich mich wieder verlieben kann und will, dass es passieren wird und es nicht selbstzerstörerisch und erniedrigend sein wird. Ein unglaublich schönes Gefühl.



Dienstag, 5. September 2017

Theorie und Praxis

Irgendeine Hündin in der Nachbarschaft ist läufig. Das weiß ich, weil Pest minutenlang an einem Grashalm schnuppert und dann Sabberfäden aus seiner Gosche kommen.

Theoretisch ist er kastriert. Praktisch hat er das vergessen. Er ist sogar ein sogenanntem Frühkastrat, wurde also vor der -theoretischen- Geschlechtsreife kastriert. Diese, da sind sich die Experten einig, zeigt sich bei Rüden durch das Heben des Beines beim Pullern.

Pest pinkelt bis heute wie ein Mädchen. Jedenfalls wenn er sich unbeobachtet fühlt. Dabei pinkelt er sich regelmäßig Vorderläufe und kann dann vor lauter Ekel nicht mehr laufen. Keinen Meter. Ich habe mir bereits vor Jahren angewöhnt immer Feuchttücher dabei zu haben. Spazierengehen ist schöner als Spazierenstehen.

Aber ich schweife ab. Im zarten Alter von 16 Wochen hat Pest entdeckt, dass es Männlein und Weiblein gibt und beschlossen ausschliesslich das Letztere gut zu finden. Seine Begeisterung drückte er durch umgehendes, völlig wahlloses Bespringen aus. Gross, klein, dick oder dünn? Egal. Hauptsache weiblich. Für dieses Hobby war er bereit viele Kilometer zu laufen. Gerne auch von mir weg. Durch diese Aktionen hat er ein dickes Halsband mit meiner Telefonnummer in Leuchtlettern gewonnen. Meine Nebenhoffnung so einen patenten Hundeliebhaber kennen zu lernen ist eine völlig andere Geschichte.

Trotzdem war es nervig Spaziergänge nicht mehr planen zu können weil ich ja nie wusste wo ich ihn wann von welcher Hündin abpflücken durfte und er wachte eines Tages ohne Klöten beim Tierarzt auf.

Alle einschlägigen Experten sind sich einig, dass ich ihm so jede Chance genommen habe sich zu entwickeln und er von anderen Hunden nicht mehr ernst genommen wird. Die Praxis zeigt, dass der 10kg Frühkastrat grosse Schäferhunde rumkommandiert.

Zudem meine Hoffnung er würde mal an eine richtig, hundliche Kampflesbe geraten und Prügel kassieren sich auch nie erfüllt hat. Pest hatte sie alle und jede ließ ihn ran. Selbst die zickigsten Weiber hielten brav still. Wahrscheinlich waren auch ein paar hündliche Lesben dabei. Allerdings ist es mir ein  Rätsel wie er das gemacht hat.

Ich meine stellt euch mal vor Pest wäre ein Kerl. Dann wäre er gerade so 150cm gross und wäre spargeldürr. Er hätte kein eigenes Einkommen  und würde sich in einer WG von zwei Weibern durchfüttern lassen. Dazu untreu und ein Prolet. Und dieser Kerl bekommt jede Frau rum? Auch ohne Klöten!

Jedes mal wenn mir jemand denn bescheuerten Satz "Hunde sind die besseren Menschen" an den Kopf wirft, ist das einer der Gründe warum ich schallend los lache.

Mittwoch, 23. August 2017

Let`s talk about – Sex


Désirée Nick schrieb in ihrem Buch, dass Sex ab 40 erst gut wird. Als ich das Buch las war ich Mitte 30 und verstand irgendwie nicht was sie meint.

Neulich lag ich völlig fertig auf der Spielwiese und so ein junger, unglaublich gut Gebauter strahlte mich an und meinte, er liebe Frauen über 40. Und ja, zuerst war ich schockiert. Implizierte diese Aussage doch, dass er mir mein Alter angesehen hatte. Verdammt. Und das bei all den teuren Cremes und so. Ich meine das ist ja nicht der Plan bei dem ganzen körperlichen Wartungsaufwand den ich betreibe. Nun ja, ich scheine auch etwas verwundert geguckt zu haben, jedenfalls soweit das in dem Zustand noch ging und der Jungsche strahlte weiter und philosophierte dabei, dass Frauen in seinem Alter sich nicht gehen lassen können, ständig bemüht sind, dass sie selbst beim vögeln gut aussehen und Problemzonen kaschiert werden. Ich hab nichts gesagt. Der Typ war nicht nur gut gebaut, sondern auch talentiert und ich entsprechend Hirntot.

Tage später überlegte ich mir auf einer Waldrunde mit Pest und Cholera wie mein Sex vor 40 war. Ich meine, solange man nichts anderes kennt, findet man ja den Status Quo gut. Jedenfalls war es bei mir so. Bis vor ein paar Monaten fand ich mein Sexualleben prima. Jetzt kommt es mir so vor als hätte ich mein Leben lang Dosenfutter bekommen und nun frisch Gekochtes. Allerdings finde ich keine logische Erklärung dafür, dass ich dann ja wohl bisher nur so mittelmäßige Liebhaber hatte und nun aus irgendwelchen Gründen nur noch in der sexuellen Bundesliga spiele. Vielleicht hängt das auch mit dem ganzen self improvement Gedöns zusammen.
Und das Hirn, ja das Hirn spielt eh Streiche. Anstatt sich nämlich zu freuen, dass es so ist, denke ich darüber nach was mir fehlen würde, wenn es nicht mehr so wäre. So`n Scheiß wird im Alter definitiv schlimmer. Also die Gedanken bzw. die Sorge sich an was Schönes zu gewöhnen und dann ist es wieder weg anstatt es zu genießen, dass es einfach mal da ist. Dazu kommen die Einschlafschwierigkeiten zwischen (fehlender) Altersvorsorge und Zahnzusatzversicherung. Alter Falter war mir das früher wuppe. Aber ich schweife ab.
Sex wird also besser ab 40. Auf alle Fälle ist man ab 40 etwas abgeklärter. Ich bilde mir weder ein noch habe ich den Anspruch, das die Kerle der letzten "Mitmach-Aktion" wegen meinem feinen Sinn für Humor oder meiner Eloquenz dabei waren, noch nicht mal wegen meinem hübschen Hintern. Sie werden gerade mal mitbekommen haben, dass ich überhaupt einen habe. Und es war mir Schnurz. Es ging trotzdem oder gerade deswegen um mich. Also mir, keine Ahnung um was es Kerlen dabei geht. Bei mir, im Hier und Jetzt zu sein, keine Gedanken zu haben nur noch zu spüren, Triebe ohne anerzogene Moral oder ähnliches zu haben. Mich zu spüren, eben rein körperlich. Ich kann mich auf verschiedene Arten spüren, aber das rein körperliche ist noch mal anders. Das konnte ich in dieser Form früher nicht. Also irgendwie schizo. In weiten Teilen meines Lebens geht das Hirn mehr quere Wege (Einschlafschwierigkeiten wegen Zahnzusatzversicherung und so) und auf der anderen Seite kann ich es besser ausschalten und mich mehr gehen lassen. Verrückt irgendwie. Erwähnte ich, dass ich mir just in diesem Moment überlege was sein wird wenn ich mal zu alt für Sex bin? Und weil sich das alles irgendwie so widersprüchlich anhört, ich wie oben beschrieben abgeklärter bin, treffe ich mich ansonsten nicht mehr mit Kerlen mit denen ich nichts in Klamotten unternehmen kann und will.
Alle meine Aktionen sind mit den gleichen Kerlen als gemeinsamer Nenner. Mit allen besteht eine eigene Art an Verbindung auf der nicht-romantischen-oder doch-sowas-in-der-Art Ebene. Alle 3 geben mir das Gefühl, dass ich für sie etwas Besonderes und nicht selbstverständlich bin. Jedes Mal wenn wir uns sehen, und wenn wir uns wieder trennen geht wieder jeder seine Wege.
Nichts von dem hätte ich mir vor 5 Jahren vorstellen können. Ich hätte die Widersprüchlichkeit nicht ertragen, nicht ertragen wollen. Und wer weiß, was die nächsten 5 Jahre bringen. Neuerdings kann ich mir vorstellen irgendwann mal aus Berlin weg zu ziehen, noch mal ins Ungewisse zu starten, alles zu verändern. Das Große und Ganze zu planen ist eh für den Arsch, mehr als die Zuzahlung beim Zahnarzt zu verringern kann man irgendwie eh nicht steuern.

Sonntag, 20. August 2017

Bad Zone


Ich war leider, leider wieder ein paar Tage in der Bad Zone. Die Bad Zone, die manche auch Komfortzone nennen. Komfortabel finde ich die nur bedingt. Sie tut mir nämlich nicht gut. Langfristig gesehen. Deswegen nenne ich sie Bad Zone. Außerdem führt die Bad Zone auch gerne mal ins emotionale Zombiland. Das wäre jetzt irgendwie ganz blöd nach dem ganzen self improvment Gedöns.

In der Bad Zone arbeite ich wie ein norwegischer Baumfäller, bin abends völlig fertig, ziehe mir Fertigfutter rein und hänge auf dem Sofa. Ich bin einfach nur noch kaputt und will meine Ruhe. Ich pflege keine Kontakte mehr. Höchstens mal schnellen, unverbindlichen am besten anonymen Sex. In ganz schlimmen Phasen mündet das in sozialphobische Züge. Außerdem nervt mich meine Umwelt. Im Zweifelsfall durch Anwesenheit. Die Bad Zone ist also pfui, aber verlockend. Denn manchmal ist der Job, der Alltag und das pure Leben einfach anstrengend. In der Bad Zone schreibe ich abends stundenlang oberflächige WhatsApps mit zick Leuten. Obwohl ich weiß, dass ich dann nicht runter komme und schlecht schlafe. Ein ernsthaftes, gutes Gespräch ist mir aber zu anstrengend und ich bin gegenüber Menschen, die mir eigentlich wichtig sind unachtsam. Ich lasse mich wieder in Sachen reinziehen, die nicht mehr als unwichtiges Geläster sind und mich nerven und mich schon gar nicht weiter bringen. Ich fühle mich bedürftig, manchmal einsam, unternehme aber nichts dagegen. Ich bin zu ausgelaugt, um mich abzugrenzen, zu verbraucht um klar zu formulieren was ich nicht will. Und ich kann mich gegen die Pessimisten und passiv-aggressiven Idioten auf diesem Planten nicht abschirmen. 

All diese Punkte ziehen mich noch weiter runter. Die Bad Zone ist wie eine Grube Schlamm. Je weiter man drin versackt, desto schwerer kommt man raus. Scheiß Spiel. Man hat eh kaum Kraft und dann wird man auch noch immer tiefer in den Sand gezogen bis man gerade noch so den Kopf raus recken kann.

Dabei weiß ich genau wie die Good Zone aussieht. Ich weiß auch, was in die Good Zone gehört. In der Good Zone ist mein Job immer noch hart, aber er fällt mir nicht schwer weil ich jeden Tag sehe, dass ich, ganz echt jetzt, verdammt gut darin bin. Ich bin achtsam, besonders mit mir selbst. Ich kümmere mich gut um mich, mache Streching und latsche nicht morgens mit der Beweglichkeit einer deutschen Eiche durch den Wald. Ich mache mich jeden Tag hübsch und hänge nicht im Kapuzenpulli im Büro. Tee anstatt Kaffee. Kaffee macht mich nervös. Außerdem bin ich positiv gegenüber Menschen und die Idioten gehen mir am Arsch vorbei. 

Ich fühle mich nicht bedürftig und schon gar nicht machtlos. Ich weiß, immer wenn ich Dinge aktiv angehe, dann gelingen sie und solange mir keiner eine Waffe an den Kopf hält, habe ich immer die volle Entscheidungsgewalt. Und mein kleines Herz geht offen auf Menschen zu und sie auf mich. Und so wie die Bad Zone einen immer weiter versacken lässt, ist die Good Zone wie ein Luftballon, der einen locker und leicht über den Dingen schweben lässt. Fatalerweise hat man ja immer den Wunsch, dass man jemanden trifft, der so ein Luftballon sein könnte. Ganz gefährlich. Dann projiziert man die Hoffnung, die Sehnsucht, dass man aus dem Schlamm aufsteigt auf jemanden anderen, der zwangsläufig an diesem Anspruch scheitern muss und im schlimmsten Fall Kanal für all den Frust wird. 

Will ich nicht. Mach ich nicht. Führt zu nichts. 

Ich muss morgens wieder konsequenter durch den menschenleeren Wald und nicht mich noch mal umdrehen. Das ist die Stunde in der ich mich selbst sortiere und mir klar wird, was und wer mir was bedeutet und was und wer mir gut tut. Ich kann da gerade so viel nicht einordnen. 



Dienstag, 15. August 2017

Irgendwas ist ja immer


In diesem Fall fast 800km.

Wenn man hormonell so ausgeglichen ist wie ich im Moment scheint ja irgendwie alles leichter, lockerer und entspannter zu sein. Trotzdem hätte ich nicht gedacht, dass die regelmäßige Ausschüttung von Glückshormonen mich in eine Situation bringt, die nur für andere Frauen in meiner Sportart ein Traum ist. Nämlich einen gut aussehenden Kerl mit dem gleichen, zeitintensivem Hobby kennen zu lernen. Irgendwie finde ich die Vorstellung gruselig noch mehr Hunde im Haushalt, noch mehr unterwegs, noch mehr Fell auf dem Teppich usw. Mein Masterplan sieht einen Kerl vor, der Hunde mag, welche will, aber keinen eigenen hat. Einen, der beruflich viel unterwegs ist oder ein eigenes Hobby hat und ich an den Wochenenden meinen Freiraum habe. So der Plan.

Ich war trotz Verletzung von Hund und anschließend Mensch auf einer internationalen Meisterschaft. Ich wusste ich muss mal raus und nichts bläst mir mehr den Kopf frei als sowas. Danach bin ich zwar körperlich am Ende, aber ich habe nicht 1x an meinen Alltag gedacht. Also Auto gepackt, Knie bandagiert, Sprunggelenk sicher verpackt, alles ins Auto und ab. Irgendwie kennt man nach ja auch immer irgendjemanden auf solchen Meisterschaften. In diesem Fall natürlich auch. Die Holländer waren da, die Tschechien und ein Haufen Österreicher. In einer Gruppe, von denen ich einige kannte ein gut aussehender Wiener der es schaffte, dass ich ihn trotz Dialekt verstand. Jedenfalls das Meiste. Gut genug, dass wir über  Trieblagen und Energielevel fachsimpeln konnten. Und zwar völlig sachlich. Also beim Hund und nicht das was ihr schon wieder denkt.

Was da wirklich ging hab ich natürlich mal wieder nicht gerafft. Ich bin in diesem Rahmen einfach so in einer anderen Welt, dass man mir schon einen Kerl nackt auf den Bauch binden muss damit ich was merke. Am dritten Tag, endlich hatte es aufgehört zu regnen und wir waren mit unseren Disziplinen schon durch, saßen wir also den ganzen Vormittag zusammen auf der Bank und unterhielten uns nicht nur über Hund. Der Wiener lächelte mit seinem Radler in der Hand und meinte, man könne ja viel über einen Menschen erfahren, wenn man beobachtet wie er seinen Hund führt. Und dann dämmerte es mir langsam warum einige seiner Gruppe schon witzelten, ob ich nach Wien ziehen wolle. Er meinte nämlich (Achtung Hundeführerkitsch)

Du bist pedantisch, geduldig und zielstrebig, Raum gebend, Kontrolle über Umwege ausübend, aber es schaut immer so aus, als würde sich deine Freude mit der natürlichen Veranlagung deines Hundes perfekt ergänzen. Ich habe schon lange nichts mehr so harmonisches gesehen.

Das ist unter Hundesportlern ein Heiratsantrag *lach Warum? Weil man redet bei solchen Veranstaltungen nur über die Hunde. Über Hundeführer maximal um zu lästern. Basta. Okay, mit den meisten hätte ich auch kein anderes Thema, aber egal…plötzlich sitze ich mit einem gutaussehenden Singlemann auf einer Bank und sinniere über seine und meine Persönlichkeit. Das wir dann auch noch im Gesamtergebnis Punktegleichstand hatten muss ich nicht erwähnen, oder?

Theoretisch könnten wir uns in 4 Wochen wieder sehen. Da bin ich eine Woche in der Nähe von Wien. Praktisch werde ich es vorher nicht ansprechen. Denn trotz besseren Wissens geht mein Hirn seine eigenen Wege. Schon denkt es an Distanzen, Autofahrten und und und.

Alles ungelegte Eier über die man sich theoretisch keine Gedanken machen muss, denn bisher gab es noch nicht mal einen Kuss. Nur einen minutenlangen, tiefen Blick zum Abschied und ein paar Neckereien seiner Kollegen.

Samstag, 5. August 2017

Totgesagte leben länger


Fast scheint es, als wolle mir das Schicksal in jedem Bereich meines Lebens ein paar Steine in den Weg legen. Und manchmal scheint es auch zu gelingen, allerdings denke ich oft nicht drüber nach, lache darüber, mache weiter und alles läuft. 

Cholera ging es einer Weile nicht so toll. Irgendwie lief sie nur auf 80%, hatte Konditionsprobleme im Training. Nun, sie ist nicht mehr die Jüngste und ich war nicht so fleißig die letzten Wochen. Besonders hinsichtlich Bewegung fällt Konditionstraining mit kaputtem Knie etwas schwer. Ich wollte das aber nicht so stehen lassen und ließ sie beim Tierarzt durchchecken. Bzw. besprach ich die Symptome mit GK auf einem Spaziergang. Wir behandelten auf Bronchitis und ich habe gelernt, dass man bei Hunden zugeschleimte Lungen beim abhören nicht hört. Die atmen irgendwie anders. Jetzt ist sie wieder in einer absoluten Topform. Meine Gedanken, dass es uns vielleicht die letzte Wettkampfsaison ist völlig überflüssig. 

Und weil ich dann wieder fleißiger war, knickte ich rechts um und habe jetzt das linke Knie und das rechte Sprunggelenk in fixierenden Bandagen auf ärztliches Rezept. Unterstreicht meine natürliche Anmut ungemein.

Mein Liebesleben? Ich ackere im Büro wie ein sizilianischer Betonmischer. Nebenjob läuft auch. Wie viel Zeit Raum und Luft hat man da für ein Liebesleben? Trotzdem traf ich mich mal mit Lillyfee und ja, er ist immer noch ein genialer Liebhaber, aber die Zeit zwischen uns ist irgendwie abgelaufen. Einfach so, ohne großes Drama. Er gehört einfach zu einem Abschnitt meines Lebens, den ich hinter mir gelassen habe. 


Ich finde trotzdem, dass er ein großartiger Mensch ist. Zudem ich ja „meines Hasis“ habe. In jeden von ihnen bin ich auf eine eigene unkomplizierte Weise verknallt. „Schmul“ weil er eine unglaubliche Gabe hat im Hier und Jetzt zu sein wenn wir uns treffen, „das T“ weil er so ein offener und liebenswerter Kumpel ist und neu in der Runde J. (noch ohne Arbeitstitel), der unglaublich reflektiert und aufgeräumt in der Birne ist. Es ist herrlich unkompliziert. Sie kennen sich, wissen voneinander. Manchmal trifft man sich zu zweit, manchmal zu dritt und dann wieder eine Weile gar nicht. Wenn wir uns treffen ist alles entspannt, unglaublich respektvoll und wir können jederzeit auch Themen außerhalb des Bettes finden.

Ich habe mal schnell schlappe 700€ in mein Auto investiert und am Schluss war die Lösung ganz leicht. Nochmal ein paar Hundert Zuzahlungen beim Zahnarzt und damit war das hart verdiente Geld vom Nebenjob auch schon wieder weg. Trotzdem nehme ich für August keine Aufträge an. September und Oktober gebe ich gut bezahlte Seminare. Ich musste nichts dafür tun, wurde einfach gefragt. Mein Kunde aus Sachsen rief mich abends mal an, er war leicht angetrunken und versicherte mir, dass er wieder mit mir arbeiten möchte. Mindestens 1x im Monat, er bezahlt gut. 3 Tage später hat er nüchtern bestätigt, was er angetrunken ins Telefon flötete („Frau von Sachsen, wir haben jetzt zick andere Trainer angeschaut, aber sie sind einfach die Beste“).

Job? Kollege ist im Hochleistungs-Eskalationsmodus. Mit Allem und Jedem. Inkl. dem Chef. Entsprechend angespannt ist die Stimmung. Aber Cheffe hat jetzt live erlebt was los ist und supportet mich ohne Ende. Das Ungleichgewicht in der Lastenverteilung ist sehr deutlich geworden. Ich habe ihm letztes Jahr genötigt mir mehr Verantwortung zu geben, damit es läuft. Hat er getan, der Bereich lief wie die Sau. Die Zahlen beweisen es und es ist dieses Jahr noch besser. Vor 14 Tagen betrieb ich das Spiel noch mal. Innerhalb von 14 Tagen habe ich 2 Projekte an Land gezogen von denen der Kollege behauptete sie seien chancenlos. Er raubt mir Energie um mich gegen seine negative Stimmung abzugrenzen. Aber er weiß, wenn ich die Firma verlasse, verliert er seinen Job. Dann wird er weg rationalisiert. Ich bin ungewöhnlich kühl zu ihm. Er schleimt und bringt jeden Tag Eis oder Kuchen mit ins Büro.

Kurz, theoretisch laufe ich auf dem Zahnfleisch, praktisch läuft alles. Ab Ende August werde ich auch wieder mehr bei „befreundeten Bloggern“ lesen, kommentieren und selbst schreiben können.

Freitag, 28. Juli 2017

nur ganz kurz...

...mir geht`s gut...nur irrsinnig viel zu tun. Komme leider auch kaum dazu in anderen Blogs zu lesen und zu kommentieren. Kommen auch wieder ruhigere Zeiten....

Dienstag, 4. Juli 2017

Selbst ist die Frau - 9mm Automatik (Beretta)

Ich habe ja dieses Ding mit bewaffneten Uniformträgern laufen. Werde ich wohl auch so schnell nicht los, aber ich bin Ü40 und liebe meine Unabhängigkeit. Sprich das mit der Uniform bekomme ich selbst hin, auch wenn meine Einsatzplün nicht so sexy ist, aber Haix Einsatzstiefel habe ich auch. Das mit dem bewaffnet ist schon schwerer. Verdammt.


Trotzdem erzählte ich neulich dem T aus der MTS Kombi, ich würde gerne mal schießen und was soll ich sagen? Ist der Typ doch glatt in so einer Sport-Schieß-Gedöns-Gruppe. Und weil er echt ein Toller ist, organisiert er auch gleich mal was und fragt ganz beiläufig was es denn sein darf. Langwaffe, Großkaliber oder lieber was damenhaftes?


Ich bin echt baff. Seit diesem Treffen hatten wir eigentlich nur locker Kontakt. Noch nicht mal eine Kissenschlacht und er lädt mich einfach so mal in seine Schießgruppe ein.


Gestern war es soweit. Die Gruppe besteht aus Kerlen, die man optisch auch locker an den Kleingärtner-Stammtisch setzen könnte und ich komme direkt aus dem Büro mit Röckchen und Schühchen. Dis-Match bezüglich des Outfits auf ganzer Linie. Egal, Turnschuhe habe ich dabei und alles andere kann ich überspielen. Der Gute hat verschiedene Kurzwaffen dabei damit ich mal probieren kann und ich grinse wie ein frisch gevögeltes Eichhörnchen.


Wir beginnen mit der 9mm. Das sind die Teile, die man aus dem Fernsehen kennt. Die Teile mit denen jeden Samstag mal locker flockig 15 Zombies in den Kopf geschossen wird. Ich habe schon Probleme die Patrone in das Magazin zu bekommen. Tastaturanschlag gibt wohl keine Muskeln im Finger und für meine Hände ist das einfach ungewohnt. Das T erklärt mir in Ruhe die Regeln. Safty first. Jede Patrone muss raus sein, Magazin raus, Waffe mit Lauf nach vorne wenn die Scheiben gewechselt werden. Hört sich alles logisch an, es aber nachher umzusetzen ist ein ganz anderer Drops. Mindestens 2x muss er mich da korrigieren, weil die Waffe nicht gesichert war oder so. Faszinierend sind die Kopfhörer. Man hört jedes gesprochenen Wort klar und deutlich, die Schüsse aber nur gedämpft. Geile Technik und ich will sofort wissen wie das geht. Das T lacht, zuckt die Schultern und antwortet "keine Ahnung, ich bin Koch von Beruf."


Das Schießen selbst in großartig. Ich muss mich leider noch auf die Bewegungen, die Handhabung konzentrieren. Finger nicht da (wird sonst eingeklemmt), Hand so schließen und so weiter, zielen mit Kimme und Korn ist auch so eine Sache. Und ich habe ein bisschen schiss abzudrücken. Ich habe keine Kraft im Oberkörper, nicht das es mich umhaut.


Es hat mich nicht umgehauen, aber das Loch in der Decke war deutlich zu sehen, die Zielscheibe jungfräulich. Das T lacht und da ich jetzt weiß wie sich das anfühlt machen wir Trockenübungen. Die 9mm liegt gut in der Hand, ist aber echt schwer und ich verkrampfe noch. Ich bekomme von den anderen auch tolle Tipps. Sie kümmern sich echt rührend um mich obwohl sie alle das Ganze im Hochleistungsbereich betreiben und ich mich anstelle wie eine Kuh beim melken. Mein Kopf ist noch viel zu sehr an, der Trick besteht darin im Hier und Jetzt zu sein, die Gedanken los zu lassen, zielen abdrücken und nicht schon an den nächsten Schritt zu denken.


Man glaubt es kaum, aber trotz dem Lärm ist Schießen meditativ. Oder kann es sein. Und trotz all der inneren Ruhe hört man dem Lärm, spürt die kleine Druckwelle des Schusses neben einen....


Und ich sehe die Kraft die so eine 9mm entwickelt. Die Löcher in der Wand sind tief. Gruselig dass damit Menschen auf der Straße rum laufen. Lächerlich, dass in Krimis eine Autotür vor so einem Geschoß schützen soll.


Die Stunde ist unglaublich schnell rum. Ganz am Schluss darf ich noch einen Revolver benutzen der mich echt fast umhaut.


Heute schmerzt der obere Rücken, der Nacken zum Glück nicht. Das T schreibt, ich sei einfach noch zu verkrampft weil ich zu viel an den Rückstoß denke. Das nächste mal würde es schon besser werden. Das nächste Mal? Au ja, da freu ich mich drauf :-)



Freitag, 30. Juni 2017

Zombieland vs. Tacka Tucka Land



Freitag. Für meine Verhältnisse ist es nicht früh. Fast 9:00 Uhr. Normalerweise denke ich um die Uhrzeit schon ans Mittagessen. Jetzt liege ich mit Ohrstöpseln und dicken Kopfhörern im MRT. Es hört sich an wie ein Presslufthammer mit Schalldämpfer. Ich laufe ja nicht ganz rund. Monotoner Lärm beruhigt mich und ich döse weg.

Mir geht die vergangene Woche durch den Kopf und mein Ausflug vom emotionalen Tacka Tucka Land zurück ins mentale Zombieland. Zombieland, das Land in dem man immer irgendwie auf der Hut sein muss. Das Land in dem es wenige ruhige Minuten gibt und fast alles fight or flight bedeutet. Man ständig seinen emotionalen Besitz und seine Grenzen, sein Herz und seine Seele gegen Plünderung und Missbrauch schützen muss. Und wie der Name schon sagt, das Land in dem man Gefahr läuft, dass irgendwo eine Zombiehand nach einem greift, einen runter zieht um einen jedes Leben, jede Energie und all das Strahlen wie Fleisch von einem Knochen zu nagen. Emotionale Vampire und Blutsauger die geschickt, kaum merklich irgendwo lauern und einen aussaugen. Mit kleinen Verletzungen, kleinen Demütigungen und Manipulationen immer wieder am Ego kratzen und Zweifel in der Selbstwahrnehmung sähen. So lange bis man gerade so noch funktioniert, überlebt aber nicht lebt.


Ich will das nicht mehr. Ich kann das nicht mehr. Zu lange stand ich im Zombieland und dachte, dass das nun mal die Realität sei. Ich das Beste draus machen könne, aber das Große und Ganze sei nun mal eine Zombieapokalypse.

In Staffel 6 TWD philosophiert einer der Protagonisten über Onlinegaming. In den meisten Spielen geht es darum, in einer feindlichen Umgebung sich durchzusetzen und zu überleben. In den höheren Levels beginnt der Spieler aber aktiv damit seine Umgebung selbst zu gestalten, umzugestalten. Schafft man das nicht, wird man nie in die Riege der High Score Spieler aufsteigen. Das trennt die Spreu vom Weizen. Uhhhh, mal sehen wann ich in GOT wichtige Lebensweisheiten entdecke. Ich bin ehrgeizig, ich will zu den Top Ten der Gamer des Lebens gehören und nicht nur in den unteren Level die Zeit tot schlagen.

Die letzten Wochen, Monate liefen gut. Sehr gut. Job läuft. Ich schaffe es sogar ein fast herzliches Verhältnis zu meinem Kollegen aufzubauen. Dem Kollegen, der mich letztes Jahr noch fast an den Rand eines Nervenzusammenbruches gebracht hat. Passiv-aggressiv und mental nie den Osten verlassen. Der Kollege, der mit dem Firmenwagen 20km fährt, um 3€ beim privatem Getränkeeinkauf zu sparen und die Schultern zuckt, weil das Geld für den Sprit darf man ja nicht rechnen, das bezahlt ja der Brötchengeber. Und der hat genug Geld. Aha.

Also, zurück zum emotionalen Zombieland durch dessen erste Level ich mich gekämpft habe und vor ein paar Monaten Dank ein paar großartigen Mitspielern endlich in die Level aufgestiegen bin in denen ich Anfangen kann Zombieland zu verändern. Ich habe aus Zombieland immer mehr Tacka Tucka Land gemacht. Self improvement bis zur Schmerzgrenze sozusagen. Und was soll ich sagen. Mir gefällt Tacka Tucka Land. In Tacka Tucka Land bin ich nämlich egoistisch. Ich tue was mit gut tut oder ich mache Dinge so, dass sie mir gut tun. In (fast) all meinem Handeln steckt dieser Grundgedanke und selbst bei Dingen, die Alltag und Pflicht bedeuten, wähle ich den Weg so, dass es mit immer etwas bringt. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich mich das letzte Mal so zufrieden gefühlt habe und so im Kontakt zu mir war. Dazu hat bestimmt auch „Herr Rosenbaum“ beigetragen. Einfach so, ohne dass er es wusste oder plante. Einfach weil er ist wie er ist und ich aus dem Blickwinkel von meiner Insel aus diese Dinge zulassen und erkennen kann. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das MRT brummt noch. 30 Minuten können lang sein. Die letzten Tage habe ich ja wieder gemerkt, dass Zombieland noch nicht Geschichte ist. Ein paar Kleinigkeiten katapultierten mich fast wieder auf die niedrigen Level. Ich habe gemerkt wie anstrengend es noch ist, zu verhindern, dass emotionale Zombies nach mir greifen, mich runter ziehen, mich nervös und unsicher machen. Wie dünn die Grenze noch zwischen den beiden Ländern ist. Und, dass Zombieland mir nicht gut tut. 

Theoretisch könnte ich nach dem MRT ins Büro gehen, praktisch mache ich es nicht. Müsste nach Hause hetzen, Pest und Cholera holen, durch den Regen rennen, durch den Berufsverkehr ins Büro. Ich bin müde. Ich war zu spät im Bett. Zu Hause versorge ich die Aliens und lege mich auf`s Sofa. Ich schlafe 2h und verarbeite den gestrigen Abend. Ein Abend nach dem Tag im Zombieland. Ich war mit Herrn Rosenbaum unterwegs. Und wieder hat er mich begeistert. Er hat eine unglaubliche Art im Hier und Jetzt zu sein. Bisher kannte ich das nur wenn ich meinen Sport betrieben habe, der Kerl zeigt mir ganz unabsichtlich noch andere Wege. Wenn wir zusammen sind, ist er völlig, ganz und gar bei mir und wenn wir uns nicht sehen, ist er wieder in seiner Welt und ich in meiner. Das ist völlig in Ordnung so. Ich mag das. Denn ich schalte den Kopf aus, fühle mich einfach, lasse mich treiben und genieße ohne irgendwas in Frage zu stellen oder sogar zu hinterfragen.

Ich wache auf und bin versucht auf dem Sofa liegen zu bleiben. Aber ich weiß, dass mir das nicht gut tut. Büro schwänzen und dann mental und körperlich zu versacken macht mir ein schlechtes Gefühl. Ich mache eine lange Runde mit Pest und Cholera. Ich werde klatschnass. Es ist mir egal. Ich lege mich trocken und weigere mich „Lillyfee“ eine verbindliche Zusage für Samstag zu machen. Ich sage ihm ruhig und sachlich, dass meine Woche so von Terminen bestimmt war, dass ich mich für Samstag nicht festlegen will. Es ist mein einziger freier Tag, Sonntag wieder Nebenjob von 10 – 18 Uhr. Ich mache meine Gymnastik und rolle mir die Faszien aus. Ich trinke Ingwertee. Das Knie tut weh und ich weiß, wenn ich das brav mache, hört es ohne Schmerzmittel wieder auf weh zu tun. Ich tue was mir gut tut und ich weiß genau was das ist. Welcome back in Tacka Tucka Land.