Mittwoch, 30. November 2016

Teilzeit-Bodyguard





Morgens um 6 Uhr ist die Welt noch friedlich. Besonders mitten im Wald. Es ist arschkalt, dunkel und keine Sau ist so verrückt um die Uhrzeit durch den Wald zu latschen. Pest trappelt neben mir her. Er schaut als wäre ich nicht nur für die Kälte verantwortlich, sondern hätte sie auch extra um ihn zu ärgern bestellt. Cholera ist irgendwo und amüsiert sich. Wie immer. Wahrscheinlich ist sie gerade völlig fasziniert von einem eingefrorenen, toten Käfer.


Angeblich ist Cholera ein belgischer Schäferhund. Die sollen mutig, wachsam und loyal sein. Außerdem sehr gelehrig. Choleras Spitzname ist nicht ohne Grund Erbsenhirn. Sie ist der schlechteste Wachhund den man haben kann, jeder Fremde könnte sie aus der Wohnung klauen und sie würde sich mit Fliegenpilzgesicht freuen. Und ihre Loyalität gilt ausschließlich der Futterschüssel. Neulich hat sie sich vor ihrem eigenen Schatten zu Tode erschreckt.


Um die Uhrzeit ist wie gesagt alles friedlich. Irgendwo mitten im Wald bewegt sich was. Wahrscheinlich ein Wildschwein. Die Wildscheine hier sind höflicher und sozialer als die meisten Menschen in Berlin. Kein Grund also zur Beunruhigung.


Von wegen, als ich näher komme, sehe ich den dunklen Schatten eines Menschen. Locker 1,80m groß, der mitten im Wald steht und mich anstarrt. Pest knurrt. Bei dem 3-Pfund-Brot hört sich das allerdings eher nach heiserem Maikäfer als nach Gefahr an. Ich bin echt kein Schisser, aber das ist gruselig. Mensch bewegt sich weiter langsam auf uns zu, trägt eine Skihaube, so eine, die gegen das Vermummungsverbot verstößt. Ich bin stocksteif. In dem Augenblick kommt Cholera aus dem Wald geschossen, stellt sich vor mich und ihr gesamter Körper signalisiert, dass sie keine Gefangenen machen wird. Typ dreht ab, Pest kläfft ihm hinter her und Cholera trollt sich wieder um mit toten Insekten zu spielen.


Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Typ wahrscheinlich nur so ein Esoterikfreak war, der vor Sonnenaufgang seine Tannenzäpfen sammeln wollte oder was auch immer, aber Erbsenhirn bekommt heute einen extra Knochen und ich nehme ab morgen wieder die Maglite als Optionswaffe mit in den Wald.


 



Samstag, 26. November 2016

Review

Eine der Entdeckungen des Abends




Der kleine Holländer stand alleine mit Glampfe auf der Bühne und hat das Haus gerockt. Erinnert mich stilistisch stark an Ryan Sheridan.

Ausserdem dachte ich immer ich stehe nicht auf den skandinavischen Typ. Gestern aber zwischen großen, bepackten Skandinaviern habe ich meine Meinung geändert. Und der nordische Charme ist wirklich ganz besonders.

Anbei noch ein paar Bilder. Wirken weit weg, aber es war wirklich sehr Nahe.





Wein, Weib und Gesang?

Eher Bier, patente Kerle und Smörrebröd-Rock

Dazu bei Gelegeheit mehr, aber es war ein grossartiger Abend, lecker Essen und extrem herzerwärmende Gesellschaft.

Ja, Handyvideos von Konzerten nerven, ein paar kurze Mitschnitte müssen sein.

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Es ist wirklich eine grossartige Live-Band und wir hatten einen sensationellen Platz.

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Nochmal Danke für den "bezaubernden" Abend.

Für interessierte hier bessere Qualität. Wobei sie live wirlich gut sind:
Klick:
RP When I

und ich liebe anzügliche Texte.
Klick:
RP I`m

Freitag, 25. November 2016

It`s just a jump to the left




Ich habe mich mal eine Woche raus genommen. Halsschmerzen und so. Das Gute, ich habe einfach mal ein paar Tage in den Tag gelebt. Zeit haben ist was Großartiges. Am Montag ist sogar der kleine Revoluzzer zum Vorschein gekommen. Ich habe die Küche nicht aufgeräumt und Alles stehen und liegen gelassen. Uhhhhh, kann ich ja morgen noch machen. Habe ja Zeit. Ich bin so entspannt, dass ich nicht einmal im Eskalationsmodus war. Selbst als ich gestern Bambi vor der Tür traf, habe ich nett gegrüßt. Außerdem weiß ich seit dieser Woche wie der nette Nachbar von Gegenüber mit Vornamen heißt. Er hat gefragt, Nummern ausgetauscht, damit wir uns nicht mit „hey Du“ ansprechen müssen. 

Meine Leserschaft hier wächst und das gefällt meiner Eitelkeit. Nette Mails und non public Kommentare. Mal am Rande, ja ich habe manchmal Kopfkarussell, mein Erbsenhirn ist immer an und manchmal verliere ich mich darin, aber ertrinken tu ich so schnell nicht ;-)

Außerdem bin ich diese Woche 42 geworden. Und 42 ist ja bekanntlich die Antwort auf alle Fragen. Da ist es hilfreich sich mal raus zu ziehen, einen Schritt zur Seite zu gehen und das Ganze mal mit etwas Abstand zu betrachten. Also latsche ich Pest und Cholera hinterher und rekapituliere mal das ein oder andere in meinem Leben. Es kann durchaus Sinn machen sich mal vor Augen zuführen was man im Leben schon gemacht, erreicht und vor allem welche schweren Entscheidungen man schon getroffen und durch gezogen hat. Und ich habe ein paar coole Geschenke bekommen. Cool heißt nicht teuer, aber man merkt an ihnen, dass dort Menschen sind, die einen kennen und wertschätzen. 

Ich merke, dass sich schon einige Dinge an mir verändert haben. Also abgesehen von der Anzahl der Falten. Vor ein paar Jahren war das mit dem Formulieren von Emotionen nicht so mein Ding. Heute breche ich mir damit keinen Zacken mehr aus der Krone. Es ist auch nicht mehr wichtig, ob das Gefühl erwidert wird. Also im Bezug auf das, dass ich es gesagt habe. Ich kann dazu stehen, was ich daraus mache, ist ja eine andere Sache. Überhaupt ist es gut, wenn man wieder spürt, dass man nicht machtlos ist. Solange mir niemand eine Waffe an den Kopf hält, kann ich immer meine eigenen Entscheidungen treffen.

Und Dank der entspannten Zeit, führe ich ein paar wirklich erfrischende Gespräche. Natürlich mit M. Der einzige Kerl mit dem ich länger telefoniere als mit C. und L. zusammen und den ich wirklich, wirklich nur anrufen sollte, wenn das Hirn funktioniert und ich Zeit habe. Ich dachte immer, dass mein Freundes- und Bekanntenkreis komplett ist, aber dieser neue Kontakt freut mich wirklich. 

Und aus irgendeinem Grund gibt es auch im DP erfreuliche Nachrichten. Zwischen den ganzen „hey, geiler Arsch“ etc. pp. Mails ein erfrischendes Non-Sex Gespräch mit „Martin Brody“ und ein humorvolles Gesprächs-Ping-Pong über Enten in Badewannen mit „Gilbert“. 

In meinem Profil stand mal: „wer das Fleisch genießen möchte, muss das Hirn f***.“ Sollte ich dringend wieder umsetzen. Außerdem hat Lilyfee ein Talent sich wirklich im richtigen Moment zu melden. Es wird nämlich auch mal wieder Zeit, dass eine Kissenschlacht 8:1 für mich und nicht 0:2 für den Kerl ausgeht.

In diesem Sinne…Blue Skies…bis die Tage

Mittwoch, 23. November 2016

Wer hat noch nicht, wer will nochmal?




Ich liebe Achterbahn und Co. Mit wird auch nie schlecht in solchen Dingern. Als Teenager habe ich am jährlichen Stadtfest mein gesamtes Taschengeld für die Fahrgeschäfte ausgegeben. Rückwärts, vorwärts, hoch runter, ich hatte Spaß. Auch mit vollem Magen.

Aber wenn man Dinge zu oft macht, verlieren sie ihren Reiz. Irgendwann hat man ja auch das Gefühl, dass man alles schon mal gesehen und erlebt hat. Rückwärtsfahrten, schnell langsam, hoch, runter. Alles wiederholt sich. Und früher oder später kommt einem das neuste Fahrgeschäft auch nur noch wie ein Kettenkarussell vor. Hoch-runter, heiß-kalt, schnell-langsam, vorwärts-rückwärts, ich steige jetzt aus und hole mir Zuckerwatte.


Sonntag, 20. November 2016

one of these....



Es gibt ja Situationen, da beschleicht einem das Gefühl, dass man irgendwas in seinem Leben ändern muss. Man weiß nicht was und man weiß nicht wie, aber irgendwas muss anders laufen.

Ich bin schon wieder vor dem Wecker klingeln wach. D.h. 04:30 Uhr. An einem Sonntag! Das kann so nicht weiter gehen. Ich fühle mich auch noch ausgeschlafen. Kein Wunder wenn man Samstag um 21 Uhr ins Bett fällt. Ein Blick aus dem Fenster, Bodenfrost. Ich habe keinen Nerv mit Pest und Cholera um 5 Uhr bei Frost in den Wald zu gehen. Pest ahnt meine Gedanken und verkriecht sich tiefer unter die Bettdecke. Im Winter muss ich Pest zum Gassi aus dem Bett zerren. Könnte er schreiben, würde er ein Katzenklo im warmen Wohnzimmer beantragen. Cholera ist das alles wurscht. Sie hat ein seichtes Gemüt und ist daher mit jedem Scheiß zu begeistern. Inkl. nächtlichen Gassigängen bei Frost. Um die Uhrzeit sind einen in einer Mietswohnung die Hände gebunden. Staubsaugen, Wäschewaschen, alles nur möglich, wenn man seine Nachbarn kennen lernen möchte. Möchte ich nicht, jedenfalls nicht intensiver als ich sie jetzt schon kenne. 

Ich gehe online. Und zack, da war einer dieser peinlichen Momente. Ich saß neulich schon am Rand der A100 nach einem Verkehrsunfall und habe auf Polizei und Krankenwagen gewartet. Just in dem Moment fiel mir ein, dass ich genau am Abschnitt von Jepoardy sitze und der Gedanke, dass es gut möglich ist, dass er plötzlich vor mir steht war nicht so erbaulich. Nun ja, nun sitze ich bei Kaffee an einem Sonntag um 04:40 Uhr vor dem Rechner und führe folgende „Unterhaltung“:

Nightwriter: Habe Dein Profil gelesen, finde es sehr charmant blabla, ich bin. usw. usw.

Ich war in dem Portal wochenlang nicht mehr online. Die Nachricht ist ein paar Tage alt. Wenigstens kein Lullu-Bild oder detaillierte Beschreibungen irgendwelcher intimen Körperteile. Der Kaffee wirkt noch nicht und ich bin weder zu positiver noch zu negativen Emotionen fähig. Einen Tag später hatte er noch eine Nachricht geschrieben.

Nightwriter: Habe gerade Deinen Blog gelesen und Dich sofort wieder erkannt.

F***. Was? Wie wieder erkannt? Der Kaffee fängt schlagartig an zu wirken. Ich schau auf sein Profil. Da sind Bilder drin. Von seinem Gesicht. In meinem Hirn geht kein Licht an. Nichts. Nada. Keine Ahnung. Dass er mich erkannt hat ist die eine Sache, dass ich keinen Schimmer habe wer das ist eine völlig andere. Mein Gott, wann war ich in den letzten Monaten so voll?

Der Typ ist online. Im Gegensatz zu mir ist er wahrscheinlich noch wach und nicht schon. Ich bin morgens echt ein Betreuungsfall und entgegen besseren Wissens antworte ich ihm. Dabei weiß ich, dass die Situation eigentlich eine voll funktionstüchtige Hirnleistung erfordern würde. Rhetorisch ausgereift ist anders.

Ich: Wie wieder erkannt?
Nightwriter: Wir hatten mal ein Date.
Ich: Hä?
Nightwriter: Wir haben uns zu einem Spaziergang mit Deinen Hunden getroffen.

Endlich bin ich so schlau erst noch einen Kaffee zu trinken bevor ich handle.

Ich: Püppie, das ist Standardprogramm. Also kein echter Hinweis.
Nightwriter: Ich fand Dich mit Mütze und Turnschuhen ganz reizend.

Hirn, Erinnerung immer noch völlige Leere. Ich könnte zum Angriff übergehen, aber emotional brauche ich ein Bärchenpflaster und keine Eskalation. Eskalation hatte ich gestern Abend. Reicht für 24h. Eloquent wie ein Kandidat bei „Bauer sucht Frau“ antworte ich.

Ich: Tut mir leid, ich habe keine Ahnung.

Es folgt eine relativ detaillierte Beschreibung. Ich hatte wohl mit dem Typen eine Weile Kontakt und es hat sich irgendwie verlaufen. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, während er Details kennt und offensichtlich ganz angetan von mir war. Hervorzuheben ist, dass er mich nicht einmal nackt gesehen hat, wir hatten also nichts miteinander. 

Ich halte fest: Da lerne ich einen Typen kennen, der ganz gut aussieht, der nicht sofort nur an Sex denkt, mich in Hundeklamotten kennen gelernt hat, sich nach 3 Jahren genau erinnert, der angetan von meiner Person war, nicht nur von meinem Arsch und ich erinnere mich noch nicht mal.

Ich geh duschen und denke, irgendwas muss zukünftig anders laufen. Ganz echt jetzt.

Mittwoch, 16. November 2016

Neulich im DPP



Schon wieder so ein Sir-Lord-Master of Schlagmichtot. Bei solchen Nicks bekomme ich Brechreiz. Ich kann da nichts dafür.


Sir-Lord-Master of: Hallo, was suchst Du hier?


Ich antworte nicht. Auch nicht mit dem Link wie man seinen Nick ändert


Einen Tag später:


Sir-Lord-Master of: Was brauchst Du?


Stille


2 Tage später.


Sir-Lord-Master of: Was schätzt Du an einem Mann?
Ich: Geld, überdurchschnittliche Potenz und Schwanzlänge über 20cm.


Jetzt schreibt er nicht mehr. Komisch.

Dienstag, 15. November 2016

Gedankensalat


Nimm mir das Schwert
mit dem ich die Dämonen Namens
Trotz, Stolz und Eitelkeit
mannigfaltig bekämpfte
und verlor.

Entwaffne mich mit einem Blick,
damit ich meine Rüstung ablegen kann,
welche mich in vielen Schlachten
nicht vor Wunden bewahrt hat.

Und wenn ich dann nackt und bloß,
Im Feuer des Krieges zu verbrennen drohe,
zeige mir, dass dieser Krieg
kampflos gewonnen werden kann.

Das Ding habe ich vor Jahren geschrieben. Genau genommen in der Zeit nach der ersten Trennung von G. Ich bin tagelang wie betäubt durch die Gegend gelaufen und konnte mir das alles nicht erklären. Dann habe ich beschlossen, all meinen Zorn, meine Wut und meine verletzte Eitelkeit zur Seite zu legen und ihm zu verzeihen. Mich zurück zunehmen und alles abzuschütteln. Der nächste Tiefschlag hat keine 4 Wochen auf sich warten lassen. Und nein, es war keine selbsterfüllende Prophezeiung. Es war der gleiche Beschiss wie vorher.

Schrieb ich gerade wie betäubt? Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Die Betäubung war nur innerlich. Die Nachricht, dass er 2 Parallelbeziehungen aufbaut bekam ich mitten in der Woche. Ich weiß als ob es gestern gewesen wäre, dass ich am nächsten Tag im Büro saß und meinen Job gemacht habe. Und ich habe ihn gut gemacht. Mein damaliger Chef ist Monate später total überrascht gewesen, dass ich mich getrennt hatte und zur Weihnachtsfeier alleine kam.

Am Montag war unser oberster Chef im Büro. Er war live dabei als ich 2 wirklich gute Aufträge eingetütet habe. Und zwar mit absolut vorbildlicher Vorgehensweise. Ich war charmant, witzig und habe Dinge auf den Punkt gebracht. Irgendwie laufe ich in solchen Situationen zur Höchstform auf. Innerlich fühle ich mich, als hätte jemand meine Gedärme einmal durch gequirlt und sie dann völlig unsortiert zurück gelassen hat. Nachmittags läuft der Kollege wieder zur zwischenmenschlich Höchstform auf und ich bin sachlich, freundlich und setze klare Grenzen. Am liebsten würde ich ihm meine gesamte Disziplin und Selbstbeherrschung vor die Füße kotzen. Inklusive der unsortierten Gedärme. Kann er dann schön mal die Sauerei aufräumen.

In Wirklichkeit fühle ich mich nur noch leer und ausgebrannt. Im Bett bleiben, 10 Liter Schokopudding. Scheiss auf die Figur. Die hat mir auch noch nie weiter geholfen. Im Dating-Portal schleimt mich einer voll, ich wäre wohl eine Frau, die genau weiß was sie will und was nicht. Meint er bestimmt nett, jetzt hört sich das nicht nur fehlplatziert, sondern auch völlig abgedroschen an. Ich habe keinen blassen Schimmer was ich will. Ich weiß nur, ich habe keine Lust mehr. Aber die Miete muss bezahlt werden, Pest und Cholera bewegt und der schöne Schein gewahrt werden. Also stehe ich Dienstag 06:30 Uhr beim Kiezbäcker und begrüße ihn fröhlich mit „Guten Morgen meine Sonne.“ Der Gute klagt mir auch gleich sein Leid. Er darf das. Er arbeitet 7 Tage die Woche. Ich habe Respekt vor ihm. Warum er mich aber fragt, ob mein Wasserschaden im Bad repariert ist und mir bereitwillig anbietet seine Dusche zu benutzen, natürlich nur im Notfall, kapiere ich in meinem Zustand nicht. Stunden später dämmert es mir. Eigentlich süß. Immerhin kennt der mich auch in Pudelmütze, Mantel über dem Schlafanzug und Schlappen. Der ist bestimmt bindungswillig und noch viel wichtiger, er würde mir nicht auf die Bimmel gehen. Er ist arbeiten oder müde. Aber für jede weitere Überlegung bin ich zu ausgebrannt.

Mein Magen meldet sich wieder. Ich hätte am Wochenende einfach sagen können „hey, da gibt es was, was ich nicht alleine schaffe“, hab ich aber nicht. C. und L. sind die einzigen Menschen bei denen ich klar formulieren kann, wenn ich Hilfe brauche. Bei allen anderen bin ich zu stolz, zu eitel, zu doof oder hab schlicht und ergreifend zu viel Angst vor Ablehnung. Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Außerdem habe ich keine Lust, dass mal wieder jemand nach dem Motto „ach, Du schaffst das schon“ kommt. In den letzten Jahren gab es nur 2 Reaktionsmöglichkeiten auf Hilferufe meinerseits:

Ach, Du bist so tough. Du schaffst das. Oder die Reaktion als wäre ich gleich suizidgefährdet. Beides Kacke. Ich erinnere mich daran, wie ich mal einem guten Freund heulend gebeichtet habe wie es mir geht. Seine Reaktion war lieb gemeint, aber vernichtend. Der hat mich danach behandelt als wäre ich schwer geschädigt. Wir haben heute keinen Kontakt mehr. 

Das einzige was ich will, ist einfach sein. Ich will gar keine Grenzen ziehen müssen, mich nicht behaupten, die Arschbacken zusammen kneifen usw. Ich will mich einfach fallen lassen und vertrauen. Und das Ganze bitte ohne Freiflug auf den Beton der Realität. 

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich einmal zu viel auf diese scheiss-heisse Herdplatte gefasst habe. Man nennt das Erinnerung. Die brennt sich ins Gehirn ein. Jedenfalls wenn man nicht völlig verblödet oder naiv ist. Und der innere Kampf wird immer heftiger. 

Ich halte mich für einen reflektierten Menschen. Daher überlege ich mir oft, vielleicht zu oft, ob ich gerade irre bin oder ob mein Gefühl mich nicht trügt. Egal wie die Antwort lautet, es entsteht meist eine ungesunde Kette an Aktion-Reaktion. 

Ich frage mich immer, ob man irgendwann jemanden findet, bei dem es nicht zu diesen scheiss negativen Verknüpfungen kommt. Jemanden, den ich nicht trigger und der mich nicht aus Selbstschutz mit einem charmanten Gegenschlag in die Magengegend bedenkt. Ein Weg dahin wäre bestimmt mehr innere Ruhe zu finden. Spontan überlege ich mir, ob ich mir einfach das Hirn weg saufe. Ich kenne aber Leute, die das offensichtlich erfolgreich gemacht haben. Das ist keine Lösung. 

M. sagt immer, dass Kommunikation der Schlüssel ist. Damit hat er nicht unrecht. Allerdings „Frauen reden, Männer handeln.“ Frauen sind Ohrentiere, wir müssen Dinge hören, während Männer nicht verstehen, warum ihr Handeln nicht Zeichen genug ist. F***. Ich erinnere mich an Beziehungen, da war ich der Kerl. Er wollte reden und ich habe das Problem nicht verstanden. Ausserdem empfinde ich zuviel Kommunikation als anstrengend. Soviel zum Thema ich hätte mich nicht verändert. Was ist passiert?

Vielleicht war das Jahr doch zu heftig. Bis Mai stand ein Umzug nach Frankfurt im Raum. Und das nicht, weil hier alles so super lief. Ich habe mich dazu entschlossen nicht zu fliehen. Ich komme irgendwie nicht zur Ruhe. Ich weiß aber auch nicht, ob diese Aktion-Reaktion-Sache auch mit einem guten Jahr geschehen wäre. 

Ich will nicht kämpfen und ich will nicht aufgeben. 

Aber ab und zu eine starke Schulter, die mich auffängt und mal emotional gerade rückt, wäre auch schön. Muss aber nicht sein, ich schaff es auch alleine. ;-)