Montag, 31. Oktober 2016

Was ich noch nie über einen Fremden wissen wollte



Ich bin wieder online. Also in einem der völlig anrüchigen Datingportalen. Im Prinzip bin ich ja mit dem Datinggeschäft vorerst durch, aber meine Anwesenheit ist dort aus einem Grund von Nöten, der hier nicht näher erläutert werden soll.


Einer der ersten Sätze in meinem Profil macht deutlich, dass ich an neuen Kontakten wenig bis gar kein Interesse habe.


Hilft nicht. Kerle sind visuell orientiert. Sie würden es nur wahrnehmen, wenn ich ein Foto einstellen würde, auf dem mein nackter Hintern mit dem Satz drauf zu sehen wäre.


Ich habe auch mit allem gerechnet. Lullu Bilder oder ähnlichem. Ich hatte schon Typen, die haben mir ohne ein Hallo oder ähnlichem ein Bild ihres Schlafzimmers geschickt. Mit Leo Bettwäsche *würg


Meine Oma hat immer gesagt: steht der Sch**** ist das Hirn am Arsch. Recht hatte sie. Lange vor dem Onlinedating.


Egal, auf alle Fälle heute morgen 05:15 Uhr zum ersten Kaffee. Ich werde es nie lernen mein Postfach nicht vor dem wach werden zu checken. Eine Mail von sinngemäß "Stutenbändiger". D.h. ich laufe sehenden Auges in eine Mail, die mir in allen Einzelheiten erklärt, was er gerne mit meinen mehr als intimen Körperteilen tun würde und ich mit seinen. Bei der sehr detaillierten Beschreibung seiner Kehrseite hat er völlig vergessen irgendein "Hallo" oder so, geschweige denn mal eine Aussage zum Rest von sich, zu machen.


Kaffee ist nicht mehr nötig, ich bin wach und habe leichte Übelkeit.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Neulich im DPP


Eine gute Freunden, welche hier aus verschiedenen Gründen nicht genannt wird, hat sich nach ein paar Monaten ihres Liebhabers entledigt. Lustigerweise hatte ich vor ca. 1 Jahr auch mal ein paar kurze, nicht sonderlich aufregende Treffen mit dem Typen. Kurz, der Kerl hat es bei mir noch nicht mal zur Vergabe eines Arbeitstitels geschafft.

Der Gute neigt übrigens dazu, gewisse Dinge, die online angeblich passieren oder gezeigt werden etwas überzubewerten. Daraus folgt ein gewisser Fetisch des Online-Stalkings, welcher hier nicht weiter ausgeführt wird, der aber selbst für einen 13-jährigen beschämend wäre.

Am Tag ihrer "Trennung" wird sie von einem ganz neu angelegtem Profil (an diesem Tag, 1h nach dem finalem Gespräch) angeschrieben. Satzbau, Wortwahl und Profil weisen verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Abgelegtem auf.

Zufall? Egal, wenn er es ist, passt ihre folgende Antwort, wenn nicht, staunt ein Fremder, den man nie kennen lernen wird, Bauklötze.

"Ach, das trifft sich ja gut, dass Du mich anschreibst. Ich habe gerade einem Kerl gesagt, er solle sich nie wieder bei mir melden. Der war vielleicht ein Vollpfosten. Eigentlich bin ich ja auf der Suche nach einem Typen, der es mir und meiner Freundin mal so richtig besorgt. Deswegen hat sie ihn zuerst mal solo ausprobiert, allerdings mit wenig Begeisterung. Und auch bei mir brachte er nicht wirklich was zustande. Mit uns zusammen wäre der völlig zusammengeklappt. Vielleicht bringst Du mehr auf die Kette."

Eine Reaktion steht noch aus. 

Freitag, 28. Oktober 2016

Zitat des Tages

"Es ist besser unvollkommene Entscheidungen durchzuführen, als beständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es nie geben wird."
(Charles de Gaulle)




Donnerstag, 27. Oktober 2016

Grusel Clowns

In Österreich war ich 10 Tage völlig ab vom Schuss. Kein Radio, kein Fernsehen. Ehrlich gesagt ist das der Grund, warum man so was macht. Nichts mitbekommen, außer das Wetter ändert sich von Regen in Schneeregen. Neuigkeiten bedeuten, aus was man alles Schnaps machen kann. Tannenzapfen zum Beispiel. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Ich saß also mehrere Tage in einem Bergdorf mit 10 Häusern, davon 10 Bauernhöfen und meine Gedanken kreisten maximal darum, wie viele Generationen Inzucht es braucht, um eine komplett eigene Sprache zu entwickeln.

Zurück in Deutschland hörte ich von diesen Horror-Clowns und konnte mit Mühe und Not den Impuls des sofortigen Umkehrens unterdrücken. Irgendwie werden alle immer bescheuerter. Ich bin ein empathischer Mensch, aber das überschreitet meine Grenzen. Warum macht man so was? Gibt es auf dem Land keine Kühe mehr, die man nachts umschubsen kann? Ist das demnach eine Folge der industriellen Massentierhaltung?

Und in der Stadt? Also bitte. Wer Helloween live haben möchte, setzte sich doch mal im Wedding an die Müllerstraße. Leo-Leggins mit 100kg Übergewicht, blondierte Dauerwelle und pinker Lippenstift sind kein urbanes Märchen! Wem das nicht reicht kann sich auch an den Ku`damm setzten und dort Westberliner Immobilienspekulaten-Witwen beobachten. Ein Großteil des Erbes der 2. Ehe wird zu sehr merkwürdigen Ärzten getragen. Partielle Aufpolsterung von Körperteilen ist in dieser Form definitiv Helloween-würdig.

Berlin ist eine Stadt die niemals schläft und die irgendwie immer was zu feiern hat. 365 Tage Helloween.

In Österreich wurde ein Horror Clown von einem Rottweiler gebissen. Die Hundebesitzerin muss mit Konsequenzen rechnen?! Bitte? Da ist jemand so bescheuert eine Frau mit Rottweiler zu erschrecken und der Rottweiler ist der Depp?

Meinen nächsten Urlaub werde ich wieder irgendwo ohne Radio und Fernsehen verbringen. Nichts mitbekommen kann sehr befreiend sein.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Kachelmann-Syndrom

In der Firma in der ich arbeite, werden regelmäßig von den Chefs E-Mail mit dem Eingangssatz „aus gegebenen Anlass" verschickt. I.d.R. folgen dann Hinweise was man besser nicht macht. Einige sind sinnvoll, bei anderen überlegt man sich welcher Vollpfosten so dämlich war. Denn jeder weiß, dass der „gegebene Anlass" heißt, dass irgendjemand einen Bock geschossen hat. Ich habe mir angewöhnt nach solchen Mails mindestens 2 Tage lang bei internen Anrufen das Gespräch sofort mit dem Satz „ich war es nicht" zu eröffnen.



Heute möchte ich „aus gegebenen Anlass" mal ein paar Zeilen zu einem meiner Verflossenen schreiben. Und bevor es Spekulationen gibt, der gegebene Anlass betrifft nicht mich, aber eine gute Freundin.



Mein Verflossener, nennen wir ihn hier mal Gerd, und ich waren 2008-2010 zusammen. Bis zur Trennung aus meiner Sicht eine sehr gesunde Beziehung. Die Trennung zeigte, dass ich mir das nur eingebildet hatte. Aber wir fangen mal von vorne an. 2008 war ein sehr ungünstiges Jahr um sich in eine neue Beziehung zu stürzen. Meine alte Firma war insolvent und ich kam wie die Wiege zum Kind zu einer Selbstständigkeit. Ich war jung genug das zu riskieren, aber alt genug um zu erahnen, was das bedeutet. Selbstständigkeit bedeutet nicht wie landläufig angenommen 16h Tage, sondern vor allem eine extreme emotionale Belastung. Wann kommt welches Geld, reicht es, wie ist die Auftragslage etc. pp. Und weil mir das klar war, war ich eigentlich nur auf sexuelles Fastfood aus. Dafür hatte ich Gerd in der Pupille, weil er in meiner damaligen Szene so was wie ein local Hero war. Na ja, und das Ganze ist 8 Jahre her, also damals war ich auch noch recht knackig und ich brauchte nicht so viel Anstrengungen ihn rum zu bekommen.



Anyway, schnell haben wir festgestellt, dass wir förmlich kontaktsüchtig waren. Kein Tag ohne Nachricht, nur ausgesprochen haben wir es nicht. Eines Abends war ich bei ihm und er meinte plötzlich, dass er sich mal anziehen würde, was er anhätte, wenn ich nicht da wäre. Er kam in ausgebeulter Jogginghose und Holzfällerhemd zurück. Rückblickend ein wahnsinniger romantischer Moment. Ich lief damals auch schon nicht ganz rund.  



I.d.R. waren wir bei mir uns sahen uns auch recht regelmäßig. Eben weil er recht tiefenentspannt war. Wenn er da war, war es völlig okay wenn ich platt oder gestresst war, auch musste ich mich nicht künstlich aufhübschen. Wir haben einfach die Gesellschaft des anderen genossen. Ich habe es wirklich sehr genossen, dass mit ihm alles so relaxed lief. Schon damals war ich an den Wochenenden viel unterwegs, Gerd trug es nicht nur mit Fassung, sondern ich hatte nie das Gefühl, dass er litt oder ähnliches. Als meine beiden alten Hunde nicht mehr so konnten, ermutigte er mich mir einen jungen Hund zu kaufen. Auf meine anfänglichen Bedenken zwecks der zeitlichen Belastung versicherte er mir, er würde mich unterstützen. Er wüsste wie sehr ich das Ding mit den Hunden bräuchte. Manchmal kam er mit, oft auch nicht, alles okay. Übrigens kaufte ich mir damals Pest. Böse Zungen behaupten es gibt einen Zusammenhang zwischen meinem Ex und Pest seiner innergeschlechtlichen Intoleranz. Aber das ist eine andere Geschichte.



Gerd und ich hatten nur eine Regel und die hieß Ehrlichkeit. War er unsicher oder misstrauisch fragte er, andersrum genauso. Dementsprechend hatten wir irgendwann mal eine offene Beziehung. Es gab wohl Dinge, die ihm wichtig waren und die ich nicht leisten konnte. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde es wäre leicht gewesen. In unserer ganzen Beziehung gab es auf meiner Seite 2x Gelegenheit zu „außerehelichen" Aktivitäten. Beide wurden nicht wahrgenommen. Bei ihm kann ich mich nicht erinnern, ich weiß nur, dass ich einmal mein Veto eingelegt hatte. Es galt nämlich 2 Spielregeln einzuhalten: 1. der Partner hat bei sexuellem Interesse ein Vetorecht, 2. niemals, wirklich niemals kommt der andere in die Situation sein Gesicht zu verlieren, weil er auf Dinge angesprochen wird von denen er nichts weiß. Klingt einfach, oder?



Irgendwann bat Gerd um eine Beziehungspause. Normalerweise heißt Beziehungspause, dass der Kerl ohne Rechenschaft ablegen zu müssen eine andere flach legen will. Aber in einer offenen Beziehung ist das irgendwie nicht der Fall, oder? Ich habe die Welt nicht verstanden. Ich hatte ihm vertraut. D.h. ich bin fest davon ausgegangen, dass er mit mir kommuniziert, wenn was nicht stimmt oder er sich unwohl fühlt. Kurz, ich war am Ende und heulte mich täglich bei meiner damaligen besten Freundin aus. Der platze irgendwann der Kragen. Sie wusste nämlich, dass der Gute gerade dabei war 2 Parallelbeziehungen aufzubauen. So mit übernachten und so.



Davon war nie die Rede. Vögeln ja, aber Beziehung gibt es nur eine. Schlimm? Nun ja, im Laufe der nächsten Wochen kam raus, beide Frauen wussten von mir. Eine davon rief mich an und motzte mich an ich sollt ihn endlich in Frieden lassen?! Der Gute hatte nämlich behauptet, dass er mich nicht verlassen könne, weil ich emotional so labil wäre. Genug? Ach natürlich nicht. Ich habe ihn nach einer Weile verziehen. All meinen Stolz zur Seite gelegt und uns eine Chance gegeben. Eben weil ich dachte bis dahin wäre doch alles perfekt gewesen.



Morgens um 08:00 Uhr klingelte mein Telefon. Eine der beiden Frauen war dran. Sie wolle mich nur informieren, dass Gerd ihr nachts eine Nachricht mit folgendem Inhalt geschrieben hatte: „bevor Du falsche Schlüsse ziehst, ich habe Nelly gestern auf einer Party getroffen. Sie ist immer noch so fertig. Ich wusste nicht wie ich mich wehren soll. Also falls Du hörst wir wären wieder zusammen, ich hatte nur Mitleid."



Seit dieser Zeit haben 2 meiner engeren Bekannten Ihre Frauen mit Langzeitaffären beschissen, ich habe ihnen die Freundschaft gekündigt. Ich weiß wie sich diese Frauen fühlen, wenn es raus kommt. Man weiß nicht mehr an was man glauben kann. War alles Lug und Trug? Es werden Wunden verursacht, die heilen nie. Und ich darf das sagen, denn hin und wieder habe ich mich auch schon mit verheirateten Männern eingelassen. Aber niemals, wirklich niemals hätte ich die auch nur ansatzweise als Partner in Betracht gezogen. Nicht ohne ausgelebte Kastrationsphantasien.



Gerd versteht bis heute nicht um was es ging. Er fühlt sich als Opfer einer Frauenverschwörung. Er ist der einzige meiner Verflossenen, der die Straßenseite wechseln sollte, wenn wir uns begegnen.



Also meine Liebe, schau, dass Du da raus kommst. Er wird es immer wieder tun. Einem Menschen, der Dir monatelang glaubhaft etwas vorlügen kann, kann man niemals trauen. Dafür lügt er zu perfekt und selbstverständlich.



Dienstag, 25. Oktober 2016

Back to the „wat`ne scheiss Kälte"




Wegen der Anonymität sagen wir mal, dass ich als Sportart „Outdoor-Halma" betreibe. Natürlich Leistungsklasse. Jedenfalls bis Ende letzten Jahres. Dieses Jahr war ich relativ faul und bequem. Trotzdem habe ich mal zum Trainingscamp in Österreich angemeldet. Einfach mal Kopf frei bekommen.


Es hätte nicht später sein dürfen. Jetzt merke ich erst wie fertig ich vor meinem Urlaub war. Kleinigkeiten waren plötzlich belastend, die Gedanken kreisten nur noch um sich selbst und fanden keine Lösung. Ich konnte keine Entscheidungen mehr treffen und auch emotional steckte ich im Knet fest.

Trainingscamp heißt 10 Tage draußen sein. Egal wie das Wetter ist. Das heißt auch, dass Jack Wolfskin Klamotten nicht reichen (von wegen draußen zu Hause, die Teile reichen gerade noch für einen Spazierganz im Stadtpark, aber das ist ein anderes Thema). Österreich heißt 1000 Höhenmeter, bergiges Gelände und Kälte.


Apropos Kälte, dagegen gibt es ein gutes Mittel: Schnaps. Wenn ich an die Tschechien denke, kann es nicht schlecht sein. Gefroren haben die irgendwie nie. Allerdings konnten die nach dem einen oder anderen Gläschen auch noch unbeeindruckt den Berg hoch spurten und waren fast schneller als die Hunde. Ich bekam nach dem ersten Schnaps schon glasige Augen und brauchte Minuten um mich zu sammeln. Außer der Sauferei nehmen die Tschechien das Ganze übrigens sehr ernst. Training mit denen bedeutet nicht jammern, auch wenn einem das Blut aus einer Platzwunde läuft. Die kann man in der Basis schnell zusammen flicken. Selbst schuld, wenn man dem Baum nicht ausweicht. Hauptsache dem Hund ist nichts passiert.


Wobei die Kerle trotzdem ihren Humor bewahren. Im Gegensatz zu den Frauen. Ich würde gerne mal das ein oder andere Bambi ein paar Tage mit den österreichischen Kampfweibern in einem Raum einsperren. Big Brother ist dann Geschichte.


Die verstehen gar keinen Spaß. 3mm blondierte Harre, 110kg und ein fehlender Schneidezahn ist auch kein Problem. Ein Problem ist nur, wenn andere nicht ganz so hart sind und das Ganze doch tatsächlich als Freizeitvergnügen sehen. Das sind alles Hausfrauen. Zum Glück reden die alle einen fürchterlichen Dialekt. So konnte ich einfach so tun als ob ich Nichts verstehe und gemütlich weiter auf meinem Energieriegel rum kauen.
 

Wieder zu Hause lief die Heizung immer noch nicht. Wäre ja auch zu schön gewesen. Heute Morgen war es im Wald kalt und nass, glaube ich jedenfalls. Nach den letzten Tagen kam es mir wie Sommerregen vor.

Trotzdem war es komisch sich wieder zu schminken und nicht in dicke, völlig verdreckte Klamotten zu steigen. Übrigens sah ich in den Bergen aus, als hätte ich locker auch 110kg. Unser Ausbilder hat Tränen gelacht wenn wir normalen Mädels uns abends aus der Plün raus schälten und irgendwie kaum was übrig blieb.




Montag, 24. Oktober 2016

10 Tage Matsch, Kälte und Schnaps

Zurück aus Österreich. Trainingslager bei 3C, Schneeregen und 1000m Höhe. Mittags gab`s Selbstgebrannten, der wärmt tatsächlich. Wahrscheinlich weil ich mich davon 30 Minuten schüttel. Abends noch einen.

Mehr dazu die Tage.

Österreicher trinken ebenso kräftig wie Tschechien.

Freitag, 14. Oktober 2016

Männer sind nicht multitasking-fähig



Vorab, im Allgemeinen bin ich das auch nicht. Ich kann nicht bügeln und telefonieren gleichzeitig. Bzw. wenn ich es versuche, trage ich am nächsten Tag Knitterlook und habe keine Ahnung was ich am Telefon erzählt bekommen habe. Beides kann peinlich werden.

Erfahrungsgemäß geht das bei Kerlen jedoch noch etwas weiter. Die meisten können keinen Job und Hirn gleichzeitig haben. Und da der Job für uns alle wichtig ist, immerhin ernährt er uns, muss alles andere hinten an stehen, auch das Hirn anmachen.

Für uns Frauen ist das viel einfacher. Entweder weil unsere Jobs Pillepalle sind oder, ne, sie sind Pillepalle und lassen uns mehr Raum als männliche Jobs. 

C.`s Kerl zum Beispiel. Der hat nie Zeit. Wegen seinem Job. Zugegeben, er hat echt blöde Arbeitszeiten, aber wenn man ihn hört, glaubt man von seinem Job hängt der Weltfrieden ab, oder zumindest die Rentenentwicklung. Egal was er mal wieder vermasselt oder vergisst, sie muss gefälligst berücksichtigen wie stressig sein Job ist. Sie als Frau versteht das anscheinend nicht. Das sie gerade eine Fortbildung macht bei er sie 11h außer Haus ist und danach noch 1-2h lernen muss, ist eine ganz andere Sache und nicht zu vergleichen. 

A. muss für seinen Job dringend den Kopf frei haben. Da ist einfach kein Raum für Emotionen. Das beißt sich mit seinem Job. Bei seinem Job kann man sich nicht regelmäßig melden oder zeigen, dass er an mich denkt. Dafür ist keine Zeit und kein Raum. Schon gar nicht für eine Beziehung. Ich Doofie kann das mit meinem Pillepalle-Job einfach nicht nachvollziehen. Von meinem Job hängt weder der Weltfriede noch die Klimaentwicklung ab. Da sind 60h/6 Tage die Woche doch auf der linken Arschbacke zu machen und Raum für Anhänglichkeit ist auch noch da. Das passt einfach nicht.

Meine Damen, jetzt mal ehrlich. Was erwartet ihr? Ein Mindestmaß an Verbindlichkeit? Aber das bietet doch der durchschnittliche Mann (der noch nicht verheiratet ist und 5 Kinder hat). Immerhin wollen Kerle nicht, dass wir uns mit anderen Männern treffen. Auch nicht, wenn sie sich selbst keine Zeit nehmen. Mehr Verbindlichkeit kann man nicht erwarten, wenn „Mann“ auch noch einen Job hat. Schon die Anforderung nach Kommunikation kann da ein Problem werden. Oder schlimmer die Erwartung mal auf Klärung von bestimmten Sachen. Ein solches Gespräch fordert nicht nur Zeit, sondern auch Mühe und Kraft. Diese Kraft würde dann im Job fehlen und bedeuten, dass wahrscheinlich der Weltfriede schon wieder nicht klappt. Glücklich ist, wer einen Kerl hat, der sich wenigstens zu einem kurzen Hauptsacht herab lässt, um Dinge klar zu stellen. 

Diese Aussage mit dem Weltfrieden freut wahrscheinlich die katholische Kirche. Passt sie doch gut in das Thema der weiblichen Erbsünde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Sobald eine Frau auch nur ein Mindestmaß an Anforderungen stellt, empfindet ein Kerl sie als Klette, anhänglich oder zu emotional. Und die weibliche Erziehung tut dazu ihren Beitrag, dass wir uns tatsächlich den Schuh anziehen. Die Wahrheit ist aber schlicht und einfach: „er steht einfach nicht auf Dich“. Männer sind nämlich überhaupt nicht kompliziert. Sie sind im Gegenteil sehr einfach gestrickt. Sie sind eigentlich nur ein bisschen feige und bequem. Warum einer Frau sagen, dass man nicht auf sie steht und eine Diskussion riskieren? Oder sogar Vorwürfe? Alles doch belastend. Außerdem ist es einfach bequem jemanden zu haben, der einen ab und zu ran lässt. Gerüchteweise ist die Neuakquise echt anstrengend. Und das geht ja bei den belastenden Jobs nicht. Da ist es einfach viel leichter Dinge zu sagen wie „es ist mehr als Sex.“ Klappt übrigens super. Wegen der oben erwähnten weiblichen Erziehung. Die bringt uns nämlich dazu, sofort mehr rein zu interpretieren als gemeint ist. 

Meine Erfahrung sagt, dass ein Kerl, egal wie verschlossen er wirkt, durchaus in der Lage ist, Dinge klar zu formulieren. Außerdem sind sie Kämpfer und wenn sie was wollen, gehen sie mit dem Kopf durch die Wand. Wenn sie verknallt sind, dann haben sie Zeit, dann melden sie sich und dann formulieren sie es auch. Alles andere läuft auf nichts anderes hinaus. Sie brauchen nicht mehr Zeit um sich zu öffnen oder sich sicher zu fühlen. Fakten? J. hat keine Zeit mal mit L. außerhalb der eigenen vier Wände was zu unternehmen, hängt aber ständig mit seinen Kumpels auf Wochenendtrips rum. A. reagiert nur, wenn es um die Aufforderung nach Geschlechtsverkehr geht, hat aber genug Zeit sich noch eine Ische zu suchen. Auf Nachfrage haben natürlich beide in verschiedenen Varianten ihren Job vorgeschoben. Multitasking geht einfach nicht.

Mädels, hört auf zu interpretieren und genügsamer zu sein. Egal wie ihr das Kind nennt, Beziehung, Freundschaft plus oder Liebschaft. Ein Kerl der euch wirklich mag wird das deutlich und unmissverständlich zeigen und auch formulieren. Bei allem anderen muss es ganz einfach heißen: er steht einfach nicht auf Dich.


Donnerstag, 13. Oktober 2016

Emotionale Einbahnstraße


Meine Heizung ist ausgefallen. Ich sitze hier und mir ist nur noch kalt. Das liegt nicht nur an der Heizung bzw. an der nicht funktionierenden. Im Büro funktionieren die Heizungen und ich fror auch.

Ich bin endgültig durch. Okay, das habe ich schon vor ein paar Wochen gesagt und es ging trotzdem. Irgendwie geht es ja immer. Bleibt ja nichts. Aber ich rege mich noch nicht mal bei der die Heizung auf. Keine Kraft mehr übrig. Andere können Probleme aussitzen, warum soll ich das nicht auch können? 2016 wird eh nicht mehr besser.

Morgen habe ich 700km vor mir und mache noch schnell 2 Termine vorher. Nebenjob läuft wie die Sau, Hauptjob auch. Dann habe ich 10 Tage Kälte, Matsch und Köter vor mir. Ich hoffe das sortiert mich wieder. In der Regel tut es das.

Gestern kam ich von 2 Tagen Schulung zurück und bin noch "schnell" ins Büro um "schnell" was wegzuarbeiten, dabei mal "kurz" einen wirklich coolen Auftrag gemacht. Danach habe ich im Auto einen Heulkrampf bekommen. Einfach so. Trotzdem war der überfällig. Bei der Trennung von Magdeburg ein Tränchen, als ich bis zu den Knöcheln im Abwasser stand 20 Sek. kurz geheult. Ansonsten brav diszipliniert. Irgendwann muss ein Überlaufventil her. Kerle machen was anderes, ich heule. Ich habe wirklich Rotz und Wasser geheult. Danach A. aka SEK gesagt, dass ich ihn nicht mehr sehen will.

Ich fühle mich nur noch leer und aufgebraucht. Ich war tagelang nicht online, kein Blog Eintrag, keine Nachricht. In meiner miesen Stimmung habe ich das Gefühl, dass es keinen interessiert hat. Ihn schon 3x nicht. Auf meine erste Nachricht reagierte er damit, dass er gerade Stress hätte und keinen Kopf. Kann schon sein, war aber Treffer-versenkt. Das letzte was ich in dieser miesen Stimmung will, ist auch noch irgendjemanden zur Last fallen.

M. hatte recht. Ich musste mir einfach mal Gedanken machen, was ich will und was nicht. Danke mal wieder an dieser Stelle.

Was ich will weiß ich nur in zwei Punkten. Ich will wieder strukturierter meinem Hobby frönen, wieder mit den Kötern unterwegs sein und 2017 Wettkämpfe angehen. Und ich will, dass meine beiden Job so gut weiter laufen. Der Rest? Keine Ahnung. Kerl? Keine Ahnung.

Im Moment bin ich erst mal durch. Nach der Nachricht an A. habe ich mein Profil im Datingportal und in der App gelöscht. Fast hätte ich mich auch von Facebook verabschiedet, man muss es aber auch nicht übertreiben. Er ist mal wieder konsequenter und hat gleich meine Nummer und alles gelöscht. Passt ins Bild "aus den Augen aus dem Sinn."

Ich muss erst mal meine letzten verbleibenden Selbstschutzreserven wieder mobilisieren. Und meinen Stolz wieder finden. Beides habe ich in den letzten Monaten zu oft beiseitegelegt. Und das obwohl schon lange klar war, dass das Ganze eine recht einseitige Geschichte ist. Die endgültige Erkenntnis ist trotzdem nicht weniger schmerzhaft.

Mein kleines Erbsenhirn versucht verzweifelt sich an gute Dinge zu erinnern. Meine Freundin GK zum Beispiel, die mir mal schnell Pest für 2 Wochen abnimmt, damit ich für das Training mit Cholera Raum habe. Oder auch daran, dass es mir im Grunde gut geht. Mein Job ist wirklich sicher, läuft und Dank Nebenjob keine großen finanzielle Probleme. Selbst die Steuernachzahlung ist beglichen. Und beide Jobs machen mir Spaß. Ich mag meinen Blog. Irgendwie hilft das Schreiben.

Aber wie das so ist, muss ich mir auch immer wieder selbst auf die gedanklichen Löffel hauen, wenn das Hirn anfängt zu romantisieren. Wenn ein Kerl sich locker flockig nur sporadisch meldet und dann auch nur, wenn es um Sex geht, gibt es nichts zu interpretieren.

Und dabei sind wir auch beim Punkt, was ich nicht will. Lieber keinen Kerl als eine emotionale Einbahnstraße. Dieses ständige sehnsüchtige Schauen aufs Handy ist ätzend. Eben weil es vergeblich ist. Erbärmlich ist es, sich ernsthaft zu überlegen sich mit Krümeln Emotionalität zufrieden zu geben und sich einzureden, dass es besser als Nichts ist. Oder blöde Sachen in schwammige Aussagen zu interpretieren. Das ist so ein typisches Frauending. Dieses Reinfallen auf das Prinzip Hoffnung, dass er ja doch noch auftaut, nur Zeit braucht blabla.

Aber das bin nicht ich. Was auch immer mich dazu gebracht hat mich so zu benehmen. So war ich sonst nicht und will es auch nicht sein.

Warum habe ich diese ganzen Ausreden zugelassen? Warum mich an diese irrationale Hoffnung geklammert? Ich bin doch kein Teenager mehr und weiß eigentlich wie der Hase läuft. Zudem ich es oft genug selbst durchziehe. Siehe Jeopardy. Auf dessen blabla bin ich doch auch nicht rein gefallen. Ich habe bei ganz anderen Kerlen schon viel früher Grenzen gesetzt und mein Gesicht gewahrt. 

Bis vor fast genau 12 Monaten waren mir Kerle für eine sehr lange Zeit relativ wurscht. Ich werde wohl noch eine Weile brauchen bis ich wieder gerade laufe, aber irgendwann ist es bestimmt wieder soweit.

Und dann singe ich solche Lieder auch wieder völlig unbefangen mit. Bis dahin singe ich noch heulend mit. Auch egal. Alles hat seine Zeit und seine Berechtigung.

So, so you think you can tell
Heaven from Hell
Blue skies from pain.
Can you tell a green field
From a cold steel rail?
A smile from a veil?
Do you think you can tell?

Did they get you to trade
Your heroes for ghosts?
Hot ashes for trees?
Hot air for a cool breeze?
Cold comfort for change?
And did you exchange
A walk on part in the war

For a lead role in a cage?

How I wish, how I wish you were here.
We're just two lost souls
Swimming in a fish bowl
Year after year
Running over the same old ground.
What have we found
The same old fears.
Wish you were here.
So, so you think you can tell
Heaven from Hell
Blue skies from pain.
Can you tell a green field
From a cold steel rail?
A smile from a veil?
Do you think you can tell?

Did they get you to trade
Your heroes for ghosts?
Hot ashes for trees?
Hot air for a cool breeze?
Cold comfort for change?
And did you exchange
A walk on part in the war

For a lead role in a cage?

How I wish, how I wish you were here.
We're just two lost souls
Swimming in a fish bowl
Year after year
Running over the same old ground.
What have we found
The same old fears.
Wish you were here.



Donnerstag, 6. Oktober 2016

Trust in me

C. hat sich neulich anhören müssen, sie solle mal ein bisschen mehr vertrauen. Sie ist fast aus dem Schlüppi gehüpft. Jeder Außenstehender hätte das wohl auch so gesehen. Ich konnte es voll verstehen.

Das mit dem Vertrauen ist nämlich so eine Sache. Schnell wird es mit Zuverlässigkeit verwechselt. Das eine hat aber nur sehr bedingt mit dem anderen was zu tun.


Ich kenne einige Menschen auf die ich mich verlassen kann, kaum jemanden, den ich vertraue. Und es wird im Alter immer schlimmer. Entwickelt sich scheinbar proportional zu anderen Alterserscheinungen wie Wasser in den Beinen. Blöd.


Jemanden vertrauen heißt, dass man ihm glaubt was er sagt. Klingt einfach, ist es aber nicht. Ich meine, wenn ich alleine an Angaben vor dem ersten Date denke, wird mir ganz schwummrig. Im Prinzip muss man schon den angeblichen Wohnort in Frage stellen. Zur Erinnerung, da wird mal schnell aus Potsdam eine Dienstwohnung und dann ist es plötzlich Magdeburg. Da fällt mir ein, ich hatte mal ein Date mit einem Kerl, der wollte mir weiß machen, dass er beim BND arbeitet und ich deswegen nicht wissen darf wo er wohnt, oder der Kerl, der behauptete, dass er jedes Wochenende ohne Telefon seine Eltern in Saarbrücken besucht. Nun ja, aber das sind ganz andere Geschichten.


Über solche Sachen kann man ja höchstens die Braue hochziehen. Ins Eingemachte geht es ja erst, wenn es um emotionale Sachen geht. Wann fängt man an dem anderen zu glauben, dass er es ernst meint? Schwierig. Denn je mehr Patienten alla Jeopardy, Magdeburg & Co. den Weg kreuzen, desto unglaubwürdiger werden die anderen. Und es gibt scheinbar einen unerschöpflichen Vorrat an Patienten.


Irgendwann springt man aber dann doch über seinen Schatten und…erleidet meistens eine üble Bruchlandung.


Eine kürzliche Bruchlandung war z.B. ein erwachsener Kerl mit einem formvollendeten Antrag. Ich zitiere: „ich war mir noch nie in meinem Leben so sicher." Diese Sicherheit hielt keinen Monat, dann wurden daraus kalte Füße. Anyway. Mal wieder eine völlig andere Geschichte.

Vertrauen heißt also, dass der andere meint was er sagt und es nicht nur so daher sagt, weil er gerade besoffen ist oder unter Glückshormonen steht (oder einfach nur notgeil ist).


Ich für meinen Teil brauche immer länger, bis ich auch nur irgendwas glaube. Ganz zu schweigen davon, dass ich glaube, dass man mich wirklich mag.


Warum? Ganz einfach, wenn ich jemanden vertraue, heißt das, dass ich Emotionen nicht nur zulasse, sondern auch zeige. Zeige und weiß, dass sie nicht gegen mich verwendet werden. Vertrauen heißt nämlich, dass ich mir sicher bin, dass mein Gegenüber seinen Fokus nicht nur auf sich und seine „Umstände" hat, sondern auch bei mir. Wenn ich mich daneben benehme, zickig oder gestresst bin, er die berühmten Fünfe gerade sein lässt.


Das scheint aber in der heutigen Gesellschaft nicht mehr angesagt zu sein. Man hat gefälligst immer gut gelaunt zu sein und nie gestresst. Im gleichem Atemzug aber bitte immer vollstes Verständnis für die Belastung des anderen haben. Besonders an uns Frauen wird dieser Anspruch gerne gestellt ohne dass er selbst erfüllt wird. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Männer gerne im Stress und der Belastung ihres Jobs aufgehen und zugleich glauben, dass wir Frauen den ganzen Tag im Büro nur Kaffee kochen. Viele wollen verstanden werden, bringen aber selbst kein Verständnis auf. Böse Falle, denn so kann kein Vertrauen entstehen.  Ich habe in den letzten Monaten einem "neuen" Menschen in meinem Leben vertraut und natürlich (passt ja in das Jahr 2016) auf die Nase bekommen.

Bemerkenswerterweise wäre ich mit einem "ich steh einfach nicht auf Dich" oder ähnlichem wesentlich besser klar gekommen.


Dienstag, 4. Oktober 2016

Pest-Cop Killer vom Dienst


Ich hatte die Gelegenheit mit tschechischen Diensthundeführern zu arbeiten.

Gut: 1 Tag mit bewaffneten Uniformträgern mit coolen Kötern.
Sehr gut: Die haben Geld dafür bezahlt, um mir zuzuhören.
Extrem gut: Wenn es um Hundearbeit geht, bin ich gegen gewisse Reize völlig immun. Ich habe nur Augen für die Köter.
Perfekt: Die Typen haben es geschafft ihre Aufmerksamkeit von meinem Arsch auf meine Erklärungen zu lenken.


Und weil sich Alle so über Pest amüsiert haben, durfte dieser 1,90m Typ ihn am Schluss noch arbeiten. Zum Verständnis: Pest wiegt 10kg, reicht noch nicht mal mir bis zum Knie, riskiert ständig eine dicke Lippe, versteckt sich aber beim geringsten Problem unterm Bett. War also wirklich als Gag gemeint. Pest fällt in der Regel beim Schutzdienst selbst aus dem Welpenbeisskissen raus wie eine überreife Pflaume und geht dann beleidigt vom Platz.

Also, der 1,90m 100kg Typ in voller Schutzausrüstung, Peitsche und all den Kram auf dem Platz. Püppie mit 10kg Hündchen in rosa Geschirr kommt dazu. Typ macht `n Affen als würde es um sein Leben gehen oder zumindest um seine Rente, Hündchen springt beherzt in den Arm des Typen und was passiert, Pest hängt da drin wie ein Großer und versucht die 100kg zu schütteln.

Nun, ein normaler Hund hätte die Hinterläufe auf dem Boden gehabt, Pest hängt in der Luft, strampelt, um sich irgendwo abzustützen, und trifft mit den Hinterläufen wohl volle Kanne die einzig ungeschützte Stelle des tschechischen Polizisten. Der geht auch glatt zu Boden. Pest hüpft noch ein paar Sekunden auf ihn rum, klaut ihm dann das Cappy und rennt wie eine Rennsemmel damit über den Platz. Selbstverständlich mit ausgiebigem Lob von mir „feiner Junge".

Als der Typ wieder ansprechbar ist sage ich trocken: „Suspensorium ist in Deutschland Pflicht."


Sie haben mich zum gemeinsamen Training nach Tschechien eingeladen.



Samstag, 1. Oktober 2016

Testosteron Entzug



Alles was zu viel wird, ist ungesund. Ich bin alt genug um das zu wissen. Deswegen muss ich dringend, wirklich dringend von dieser Fixierung auf einen bestimmten Phänotyp bei Kerlen weg. Außerdem gab es deswegen in den letzten Wochen den ein oder anderen peinlichen Moment mit diversen Uniformierten. Das ist aber eine völlig andere Geschichte.

Also, was tun? Ganz klar, mal einen Abend machen, was typische Mädchen so machen. Schaumbad, Kuschelrock und so. Kerzen anzünden, ein gutes Buch lesen. So der Plan. 

Ich also Schaumbad eingelassen, kaum lag ich drin, starrte ich auf die Reste der aufgerissenen Badezimmer Decke dieser Woche. Sofort überkommt mich das tiefe Bedürfnis den Typen über mir noch mal die Meinung zu husten, inklusive unweiblicher Kraftausdrücke. Völlig kontraproduktiv. Raus aus der Wanne. Ich finde baden eh langweilig und „Lady in red“ ist auch nervtötend. Die Duftkerzen riechen nach Lavendel und sollen beruhigen. Ich stehe immer noch unter der Nachwirkung diverser Stresshormone und überlege mir den Küchenboden zu schrubben. Nix da. Mädchenabend mit einem Mädchenfilm.

Mal schauen was Amazon prime so im Programm hat. Dirty Dancing fällt aus. Da habe ich seit ein paar Wochen ganz merkwürdige Assoziationen zu. Ich sollte mir einen Prosecco genehmigen. Das machen Mädchen doch so, oder? 

Message in a bottle? Ich hasse Meg Ryan. Die Tante verkörpert ein Frauenbild zum weg laufen. „Ich bin ja so emanzipiert und töpfere. Außerdem spare ich auf ein Jodel-Diplom bis mich ein Prinz errettet“, buh, da bekomme ich Schüttelfrost. Pretty Woman? Wieder diese Prinzen-Retter-Scheiße. Willkommen im Zeitalter der Emanzipation. Prosecco ist auch keiner da. Verdammt.

Der Abend endet mit „The Purge-Anarchy“ und Becks. Purge ist definitiv frauentauglich. Keine Nahaufnahmen von zerfetzten Körpern und das Becks war ein „green lemon.“ Alles Definitionssache.