Sonntag, 4. Dezember 2016

lost&found




In den letzten Wochen habe ich mal einen Gang zurück geschaltet. Weniger Nebenjob, mehr im Dunkeln durch den Wald latschen und Gedanken sortieren. Sprich aus dem gesamten Gedankensalat mal raus sortieren, was ich im Salat nicht mag. Paprika zum Beispiel ist bäh. Es gab einfach das ein oder andere Erlebnis, dass mir zeigte, es geht so nicht weiter. Nun, das ist Schritt eins, die Frage bleibt dann, wie es weiter geht. Die Erkenntnis alleine hat mich keinen Millimeter weiter gebracht. Im Gegenteil, die nächsten Ereignisse zeigten es nur noch deutlicher „so geht das nicht“. Ständig wieder eklige Dinge im Salat. 

Ein riesen Stück Paprika habe ich in Österreich serviert bekommen. Da war ich in einer Situation, in der ich normalerweise immer runter fahre und im hier und jetzt, bin völlig neben der Spur. Das Ergebnis war eine versaute Prüfung und Choleras Zahnabdrücke in einer tschechischen Isomatte. 

Nun ja, trotzdem waren meine Hirnwindungen inzwischen so verrutscht, dass es ein paar weitere Schläge auf den Hinterkopf brauchte. Also eine Woche raus nehmen, Mütze, Mantel und ohne Zeitdruck den beiden hundeähnlichen Aliens hinter her latschen. Dabei mal rekapitulieren wo ich schon war, wo ich bin und wo ich überhaupt hin will. Erkennen, dass stehen bleiben keine befriedigende Option ist. Der Ist-Zustand ist kein Salat, sondern nur rohe Paprika. Die musste ich als Kind immer essen (es wird gegessen was auf den Tisch kommt) und ich werde über dieses Kindheitstrauma nie hinweg kommen.

Es macht einfach Sinn sich mal zu überlegen, welche Entscheidungen man schon im Leben getroffen und durchgezogen hat. Und zwar die, die man trotz Schmerz und Leid fällte, um sich selbst treu zu bleiben. Ich erinnere mich an eine wirklich schmerzhafte Trennung. Eine große Liebe. Er war aufgrund seiner sehr schwierigen Lebenssituation latent unzufrieden und trug das auch mit in die Beziehung. Ich fand diesen Punkt nicht schlimm. Niemand schafft es immer klar zu trennen. Eines Abends saß er nach einem für ihn mal wieder unbefriedigenden Tag auf dem Sofa und meinte er könne sich ein Leben mittel- und langfristig mit Hunden nicht vorstellen. Als er mich kennen lernte, waren 3 Hunde im Haushalt. Zu diesem Zeitpunkt lümmelten zwei noch nicht sehr alte Hunde irgendwo in der Wohnung rum. Ich habe ihn eine Woche Zeit gegeben und als er bei seiner Aussage blieb, die Beziehung beendet. Klingt hart, aber hätte er mich gefragt, ob wir gemeinsame Kinder haben wollen, wären die Lebenskonzepte nicht viel unterschiedlicher gewesen. 

Bei meiner Gehaltverhandlung für den neuen Job, mit von mir klar gesetzten Forderungen nebst sachlicher Begründung derselben, schaute mein zukünftiger Vorgesetzter etwas überfordert. Ich grinste und meinte „wenn ich mich recht erinnere, haben Sie in der Stellenanzeige jemanden mit ausgeprägter Verhandlungsstärke gesucht.“ Wir haben uns in der Mitte geeinigt. 

Zwischen all diesen Gedanken und einem weiteren emotionalen Schienenbeitritt war sie plötzlich wieder da, der Teil meiner Persönlichkeit, der sich irgendwo im Chaos der letzten Monate verlaufen hatte. Welcome back, meine Süße. Okay, ich hatte Hilfe beim Suchen. Schön so großartige Menschen um sich zu haben.

Es dauert lange bis man sich in mein Herz, und noch länger in mein Leben, schleicht. Wenn man aber drin ist, muss schon viel passieren um wieder aussortiert zu werden. Ich versuche immer jedem den maximalen Freiraum für sich zu geben. Auch für seine Ecken und Kanten. Das brauche ich ja auch. Und ich laufe echt nicht ganz rund. Aber Freiraum heißt nicht Narrenfreiheit. Zugegeben, es gibt wenige Dinge, die für mich unabdingbar sind, aber die sind unverrückbar. Und es gibt keinen Grund davon abzuweichen. Tut gut, es wieder zu spüren.

1 Kommentar:

  1. Schön.....
    Und zur Paprika : ich hab mal Jahrzehnte später,der "Köchin" , gesagt wie ätzend die immer schmeckte. Machts nicht ungegessen tat aber gut !!

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