Sonntag, 18. Dezember 2016

ich will sein was Du brauchst

Eine meiner Beziehungen habe ich mit dem Satz beendet: "Du hast Nichts was ich brauche." Ja, okay, ein bisschen hart so was zu sagen, aber es war auch keine sehr harmonische Trennung und irgendwann habe auch ich den Kanal voll.


Der Typ, nennen wir ihn hier mal John Doe, war danach mit meiner bis dato besten Freundin zusammen. So was zeckt natürlich. Vor Allem weil E. so ein paar Eigenschaften hat, von denen ich früher immer dachte, dass sie mir wohl fehlen und das ein Problem wäre. E. war, oder ist, sehr fürsorglich, unglaublich weiblich und verständnisvoll.


Jetzt mal ehrlich, wenn der Verflossene eine Neue hat, nagt das immer. Zwangsläufig denkt man "was hat sie, was ich nicht habe"? Und da fallen einem bestimmt auch zick Sachen ein. E. konnte und wollte toll kochen, sah immer wie aus dem Ei gepellt aus und und und. Und wenn ich so schaue was ich davon mitbringe sieht die Bilanz nicht ganz so gut aus. Ich meine, ich muss nicht erwähnen, dass E. und ich nach der Aktion nicht mehr ganz so eng waren, oder? Trotzdem gab es irgendwann den Zeitpunkt bei dem ich, darauf angesprochen, ehrlich antworten konnte, dass die beiden super zusammen passen und wahrscheinlich ewig zusammen sein werden. Dass meine Hintergedanken dabei waren, dass sie so gut zusammenpassen, weil die beiden exakt das gleiche Ding laufen haben und sich durch die entstehende Reibung super ergänzen, habe ich für mich behalten. Die beiden waren 6 Jahre zusammen. Danach rief sie mich an, sie wäre zufällig in der Stadt. Wir trafen uns zum Essen und bei all ihren Erzählungen war ich völlig entspannt und bestätigt, dass ich damals die Reisleine gezogen hatte.


Es gibt gar nichts dagegen zu sagen, wenn man jemanden, den man gerne hat, gut tun will. Das bringt die Sache mit sich. Deswegen freuen wir uns, wenn er sich freut. Ich weiß auch nicht, wie ausgeprägt das bei Männern ist, aber bei manchen Frauen ist das extrem ausgeprägt. Hat die Natur wahrscheinlich wieder so eingerichtet, damit wir pubertäre Teenager nicht aussetzen.


Aber ich finde, wenn es sich nicht um die eigene Brut handelt, muss das Grenzen haben. John Doe brauchte einfach Dinge für sein Glück, die ich nicht oder nur unter großem Kraftaufwand leisten konnte. Es dauerte eine Weile bis mein Erbesenhirn akzeptierte, dass E. weder besser noch schlechter war als ich, sondern einfach anders.


Trotzdem neigen wir Frauen, ich und andere, scheinbar oft dazu verzweifelt zu versuchen genau das zu sein oder zu geben, was der Kerl braucht. Geduldig, fügsam, gute Hausfrau, was auch immer. Irgendwie wollen wir anders sein und damit was Besonderes für ihn und in seinem Leben. Und zu häufig endet das in Selbstkastration. Als ich E. letztes Weihnachten nach 6 Jahren wieder sah, war von der wunderschönen, selbstbewussten Frau nichts mehr übrig. Vor mir saß eine abgemagerte End40erin, die völlig fahrig wirkte. Und nein, ich bin nicht frei von bösen Gedanken. Natürlich war es eine Genugtuung, dass ich damals recht hatte.


Allerdings nicht in Bezug auf ihn. Er ist wie er ist. Aber ich wunderte mich, warum meine Freundin E. scheinbar doch so viel anders war als ich, dass es zwischen denen beiden passte. Es passte nämlich nicht und sie hat sich ständig zurück genommen, war kompromissbereit und verständnisvoll bis vor ihr nichts mehr übrig war.


Wenn es so gar nicht passt, muss jeder an sich denken. Hart, aber fair. Für beide Seiten. Irgendwann muss man einen Abgleich zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen des Gegenübers machen. Ich finde ab einem gewissen Alter ist man einfach auch ein fertiger Mensch und kann sich nicht mehr unendlich verbiegen. Wenn man sich in jungen Jahren kennen lernt, läuft das vielleicht noch anders, aber ich bin Anfang 40, wenn da die eigene Persönlichkeit noch nicht gefestigt ist, wann dann?


Irgendwann muss man aufhören darüber nachzudenken was die andere hat und was man selbst nicht, was er braucht und will und sich genau überlegen, was man selber will. Mein Treffen mit E. hat mir letztes Jahr deutlich gezeigt, dass John Doe und ich einfach so gar nichts gemeinsam hatten und manchmal reicht Liebe alleine nicht. Schade, dass nach 6 Jahren von E. auch nichts mehr übrig war, was und damals verband. Vielleicht kommt das wieder. Wäre schön.


Ich finde den Gedanken jemanden zu finden, den man gut tut immer noch schön und erstrebenswert. Aber in meinem Alter weiß ich, dass das so sein muss, weil ich bin wie ich bin. Nach einer Weile muss man dann wieder in den Abgleich gehen, sehen ob Prioritäten sich verschoben haben, ohne Selbstkastration Kompromisse eingehen und weiter entscheiden. Nach John Doe hatte ich eine Beziehung in der ich mich sehr wohl gefühlt habe und warum das nicht auf immer und ewig gehalten hat, ist eine völlig andere Geschichte.


Meinen letzten Liebhaber habe ich wieder mit den Worten "Du hast Nichts was ich brauche" verabschiedet. Wäre ich nett gewesen, hätte ich gesagt "ich bin nicht was Du brauchst." Ich muss aber nicht immer nett sein und das Ergebnis bleibt das Gleiche. Zu diesem Ergebnis hätten wir schon viel früher kommen können, sind wir aber nicht. Ein Problem von fehlender Kommunikation, unangebrachter Verlustängste, der Projektion und dem Prinzip Hoffnung. Aber wieder mal ein völlig anderes Thema.


Eins meiner Lieblingslieder ist von Escobar/whatever this town.


"If you try to get close to me, be prepared, it might hurt

cause i live like the human i am so my nails, will catch some dirt

dont expect a knight on a horse to come rescue the princess in you

I got me on my mind, i put myself first and so should you"








Kommentare:

  1. Wenn ein Partner sich so weit zurücknimmt, dass von ihm irgendwann nichts mehr übrig ist, belegt das seine Defizite im Bereich der Bedürfniskommunikation und Grenzziehung. Daran kann man arbeiten, das ist aber nicht die Schuld des Partners, der das wahrscheinlich gar nicht weiss.

    Das bringt uns zum Thema "Ich bin, wie ich bin.": Das trifft auf den Charakter/das Wesen zu. Nicht aber auf schlechte Eigenschaften oder mangelnde Kompromissbereitschaft. Das nennt man Egoismus. ;-)

    Heutzutage trennt man sich aufgrund des trügerischen Eindrucks der scheinbar unendlichen Möglichkeiten insgesamt viel zu schnell. Das Arbeiten an einer Beziehung scheint aus der Mode gekommen zu sein.

    Dass Liebe allein nicht reicht, ist auch meine Meinung. Es müssen noch viele andere Dinge stimmen. Am Wichtigsten sind allerdings Kommunikation und (im wahrsten Sinne des Wortes) Selbstbewusstsein.

    Wer seine Bedürfnisse/Vorstellungen/Wünsche emtweder nicht kennt oder sie kennt und nicht kommuniziert, wird niemals eine glückliche Beziehung führen.

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    1. Es gibt zusätzlich noch die Möglichkeit die Beziehungsformen zu ändern. Ob das beide erfüllt ist ein langes Thema, aber es wird als Möglichkeit gesehen.
      Letztendlich zählt auch hier, dass jeder wirklich wissen muss, ob es das ist, was er braucht 😉

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