Dienstag, 20. Dezember 2016

alles gut

...schrieb ich heute Morgen bestimmt gefühlte 100mal. Inklusiv der Statusmeldung bei Facebook.


Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass in einer Stadt von der Größe Berlins man persönlich betroffen ist, aber wenn um Leben und Gesundheit geht, sollte man keine Wahrscheinlichkeitsrechnung anstellen.


Und es ist ein mulmiges Gefühl, dass man plötzlich realisiert, wie gut Verdrängung funktioniert hat. Vor ein paar Jahren hätte ich 2-3 Stunden vor einem Touri-Weihnachtsmarkt stehen sollen und ein bisschen gemeinnützige Arbeit leisten. Meine Antwort war "ich bin doch nicht lebensmüde." Dieses Jahr stand ich brav dort, obwohl gerade in den letzten Jahren so unglaublich viel passiert ist.


Es ist ja gut, dass man als Otto-Normal-Bürger nicht mit der ständigen Angst lebt.  Ich frage mich, wie Menschen denen das ständig präsent ist, damit umgehen. Wahrscheinlich auch Verdrängung. Ist ja auch was Gutes, dass das Hirn so reagiert. Man würde sonst durchdrehen.


Plötzlich ist es aber ganz nah. Fast vor meiner Haustür. Mein Bruder war 09/11 in NY, Sportkameraden leben in Brüssel. Man war beruhigt als die "Safe" Statusmeldung kam und hat ggf. sogar das ein oder andere, trotz aller Betroffenheit, für übertrieben erachtet.


Oxana aus Brüssel schrieb heute morgen via WhatsApp "I'm glad you're safe in Berlin". Nun ja, "safe" sind wir alle schon lange nicht mehr. Nur in diesem Moment. Man muss nur zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Es ist unwahrscheinlich, aber trotzdem steigt der Prozentsatz dieser Wahrscheinlichkeit immer weiter an.


Die sozialen Medien überschlagen sich. Betroffenheit und die ganz schnellen Angriffe wie es soweit hat kommen können. Wo waren die Sicherheitskräfte? Wo die Politik?


Zwei meiner Vereinskameraden sind schon die ganze Nacht auf den Beinen. Sie sind Bereitschaftspolizisten, Bekannte vom DRK und der Feuerwehr waren Vorort, etc. pp.


Ich bewundere sie. Ich habe in meinem Leben zwar auch schon die ein oder andere Leiche (im wahrsten Sinne des Wortes) sehen müssen, aber diese Eindrücke sind noch mal anders. Nicht wegen der Leichen, die sieht man in dieser Situation nicht, sondern wegen dem Gefühl der Machtlosigkeit. Man steht Vorort und funktioniert, aber bei mir kamen die Bilder viel später immer wieder.


Ich wollte heute einen vorbereiteten Artikel über Datingpannen veröffentlichen, aber danach ist mir so gar nicht.

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