Freitag, 9. Dezember 2016

80 über Nacht

Ein Blick auf den Wecker zeigt mir, dass es 06:00 Uhr ist. D.h. es muss Samstag sein. Ansonsten wäre ja 06:00 Uhr zu spät. Es ist noch dunkel, aber mein Kopf dröhnt und fühlt sich an, als ob anstatt eines Gehirnes eine knetartige Masse drin wäre. Die knallt bei jeder Bewegung an die Schädeldecke und schmerzt. Für einen solchen Brummschädel kann es verschiedene Gründe geben:
  1. Ich habe gestern eine Mordsschelle bekommen.
  2. Es sind Nachwehen der drecks Weihnachtsfeier im Büro. Da gibt es keinen Alkohol, aber irgendein Vollpfosten lässt immer eine Anlage mit bekloppter Weihnachtsmusik laufen. Außerdem rennen mindestens 3 Sachbearbeiter-Schicksen mit Weihnachtsmützen rum und machen einen auf Harmonie. Gestern hat sich eine davon neben mich gesetzt während ich eigentlich nur mein Steak essen wollte. Ich weiß die Tante findet mich völlig ätzend, aber weil bald Weihnachten ist, labbert sie mich mit ihren Plätzchenproblemen voll. Nach dem Steak meinte ich, ich habe noch was zu tun und bin gegangen. Wäre aber trotzdem lange genug gewesen, um Kopfschmerzen zu erklären.
  3. Das letzte Glas Sekt gestern war eins zu viel.
Das letzte Mal hatte ich so einen Schädel nachdem ich mit M. die halbe Nacht Youtube-Hopping gespielt habe. Da waren aber auch danach 2 Flaschen Sekt und 2 Flaschen Wein leer.


Ich angle nach dem Lichtschalter. Nacken und Schulter schmerzen ebenfalls. Auch dafür kann es diverse Ursachen geben:
  1. Mein Körper steckt nächtliche "Polizeieinsätze" nebst "Verhaftung" nicht mehr so einfach weg.
  2. Ich lag mal wieder völlig blöde mit dem Kopf an der Wand und habe verdreht geschlafen.
  3. Einer oder beide meiner hundeähnlichen Mitbewohner haben im Bett geschlafen und ich habe mich unbequem um sie rum drapiert, damit sie nicht aufwachen.
Ich schau unter die Bettdecke. Pest liegt zusammengerollt an meinem Bauch gekuschelt und schläft. Neben mir liegt Cholera auf dem Rücken und zuckt im Schlaf mit den Pfoten in der Luft. Beide scheinen eine sehr erholsame Nacht gehabt zu haben.


Ich quäl mich aus dem Bett und suche meine Kaffeemaschine. Vielleicht wäre es eine gute Idee so Leuchtpfeile auf den Fußboden zu kleben. Wegen der Orientierung. Früher hatte ich so einen Kaffeemacher, so einen mit Wasser kochen und frisch aufbrühen. Heute würde mich das überfordern. Die Senseo wird Abends vorbereitet und morgens muss ich nur den Knopf finden. Reicht an geistiger Leistung vor 09:00 Uhr.


Während ich abwesend auf das blinkende Licht der Senseo starre, fällt mir ein, dass heute Freitag und nicht Samstag ist. Hab wohl verschlafen. Diese Erkenntnis wird aber in meinen Gehirnsynapsen nicht weiter bearbeitet. Sprich, die Erkenntnis ist da, der Körper reagiert nicht darauf. Als ich später Pest und Cholera hinterher latsche, merke ich, dass es gut ist, dass ich keine 30 mehr bin. Jedenfalls im Kopf. Ab 40 sieht man viele Dinge entspannter. Man weiß, dass eine konkrete Lebensplanung eh für den Arsch ist und jeder so sein Ding laufen hat. Ich ganz speziell. Leben und leben lassen fällt einem irgendwie viel leichter als früher. Nur unter der Dusche denke ich, dass ein 30-jähriger Körper ab und zu ganz nett wäre. So langsam fährt mein körpereigenes Betriebssystem hoch und mir fällt ein, dass an meinem Zustand alle genannten Gründe schuld sind. Ab 40 sollte man gewisse Dinge nur noch "oder" und nicht mehr "und" machen.


Als ich irgendwann um 08:30 Uhr im Büro aufschlage sitzt der Kollege mit Weihnachtsmütze da und hört "last Christmas". Zum Glück ist mir das heute wurscht.




Kommentare:

  1. Ich bin auch ein stolzer Besitzer sowie Eigentümer einer Senseo - die Schnittmenge mir Dir ist hier ist klein aber oho! Im Gegensatz zu Dir liebe ich es, morgens dem Teil 'Futter' zu geben. Warum? Ganz einfach, ich benutze keine normalen Pads dafür, sondern einen Pad-Adapter. Den befülle ich dann - besser gesagt, ich versuche es. Und genau darin besteht auch die challenge. Meine Feinmotorik ist um diese Uhrzeit noch im Tiefschlaf und somit geht immer etwas von dem Kaffee daneben. An schlechten Tagen schreie ich Schei.. (F... kenne ich nicht ;-)), an guten Tagen lache ich über mich selbst (und erwache dann angenehmer). Damit wird es nicht eintönig. Klar, irgendwie ist die Sache alternierend und statistisch gesehen ausgewogen. Doch das ist mir egal - bei der Kaffeezubereitung habe ich ja den Tag noch nicht wirklich begonnen! ;-)

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    Übrigends, wenn Du magst, kannst Du die Zeile oben auch freigeben.

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    1. Morgendliches Verbrühen ist aber auch nur was für ganz harte, oder?

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    2. P.S. Ich überlege die ganze Zeit, wer Scheren für Links- und Rechtshänder benutzt oder ob ich einfach jeden Kontakt danach fragen soll. Zudem Scheren in Posts nicht funktionieren, nur mal so am Rande ;-)

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