Dienstag, 8. November 2016

Magdeburg Teil D



Woher auch immer dieser Kerl das Talent her nimmt, sich zum wirklich unpassendsten Moment zu melden. Okay, es gibt Menschen für die ist kein Zeitpunkt passend, aber das ist eine ganz andere Geschichte.


Montagabend. Ich habe gefühlte 10h gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Kollege war wieder den ganzen Tag in Bestform und auch ansonsten nur schwierige Gespräche mit komplizierten Menschen. Ich kann trotzdem eine Engelsgeduld im Flötton vortäuschen. Nebenjobtermin ist abgesagt und meine Laune schreit nach Eskalation. Das mir genau in dieser Stimmung die "Tante mit den Möpsen" entgegen kommt, passt wie Arsch auf Eimer.


Möpse wie erwarten im Kampfgeschwader-Modus kreischend auf mich zu. Tante ruft gefühlte 100mal die Namen der Möpse. Keine Reaktion. Bis vor ein paar Wochen habe ich meine Köter immer ran gerufen und angeleint. Meine gehen bestellter Keile nicht aus dem Weg. Das kann ich selten brauchen. Heute leine ich Pest wieder ab. Der stellt sich auch gleich vor uns und sagt dem Mops deutlich, aber sauber, das Rumgebrülle gerade nicht angebracht ist. Ich habe Bock auf Diskussion und lobe ihn ausführlich. Dadurch entsteht folgende Kommunikation:


Tante: Aber meine bellen doch nur.
Ich: Und?
Tante: Sie könnten ruhig mal Rücksicht nehmen.
Ich: Auf was?
Tante: Na ja, sie könnten ihren Hund rufen.
Ich: Nö.
Tante: Also ich finde sie unmöglich. Nehmen sie doch mal Rücksicht.
Ich: Tu ich doch. Ich lasse den Schäferhund nicht los.


Tante flucht. Ein Gerüstbauer würde bei der Ausdrucksweise rote Ohren bekommen. Einer der Möpse versucht von hinten Cholera in die Hacken zu beißen.


Ich: Ich lasse den Schäferhund jetzt los.


Ich tu das auch. Cholera dreht sich um und blafft den Mops an. Ohne Zähne, nur ein kurzer Brüller. Mops schreit und rennt zu Frauchen. Frauchen spult sich auf.


Ich: Wenn ihre Hunde mich nochmal überfallen, lasse ich den Schäferhund sofort los. Danach können sie erst den Tierarzt besuchen und dann treffen wir uns beim Amtsveterinär. Es müssen immer alle beteiligten Hunde zum Wesens- und Gehorsamstest. Schönen Tag noch.


Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie zukünftig die Straßenseite wechseln wird. Sehr gut. Mein Puls ist noch deutlich erhöht und ich überlege mir, ob sich noch so eine großartige Gelegenheit bietet als das Telefon klingelt. Das Display zeigt "Magdeburg". Hach, manchmal meint es das Schicksal gut mit mir.


Ich: Städtisches Institut für geistiges Eigentum, "von Sachsen" am Apparat
Magdeburg: Äh?
Ich: Leider rufen Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten an. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht zwischen den Pieptönen "piep piep"
Magdeburg: Na ja, wenigstens hast Du Deinen Humor nicht verloren.
Ich: Nun ja, ansonsten wären auch die 2 großen K`s angesagt.
Magdeburg: Hä?
Ich: Kloster oder Klapse.
Magdeburg: Das wäre schade.


Ich lege meinen Büro-Flötton auf. I.d.R. heißt das in meinem Privatleben nichts Gutes. So gut kennt mich Magdeburg aber nicht.


Ich (flöt): Magdeburg, was kann ich denn für Dich tun?


F***. Habe ich ihn gerade tatsächlich mit seinem Arbeitstitel angesprochen? Ich sollte mir angewöhnen im Handy auch den Vornamen zu speichern. Ich überlege fieberhaft wie der Kerl mit Vornamen heißt. Zum Glück scheint es nicht aufgefallen zu sein.


Magdeburg: ich bin gerade zufällig in der Gegend.
Ich: ist ja auch sehr idyllisch hier um die Jahreszeit.
Magdeburg: Äh, ja. Also, ich dachte ich tu Dir was Gutes und lade Dich schick zum essen ein.
Ich: Bissi spät, oder?
Magdeburg: ich weiß Du musst früh raus, aber es ist doch erst 7.
Ich:  Ich meinte in Monaten.


Totenstille. Wir beenden das Gespräch mit nichtssagenden Höflichkeitsfloskeln. Zu Hause lackiere ich mir die Nägel in der Farbe "killing red" und schaue mir eine Folge "the Walking dead an".


Läuft.











Kommentare:

  1. Gut das du Städtenamen hast. Bundesländer wären so zweistellig (16) reduzierend.

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    1. Ich hab noch mehr Möglichkeiten ;-) Lillyfee, Jeopardy...alles keine Städt ;-)

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