Dienstag, 15. November 2016

Gedankensalat


Nimm mir das Schwert
mit dem ich die Dämonen Namens
Trotz, Stolz und Eitelkeit
mannigfaltig bekämpfte
und verlor.

Entwaffne mich mit einem Blick,
damit ich meine Rüstung ablegen kann,
welche mich in vielen Schlachten
nicht vor Wunden bewahrt hat.

Und wenn ich dann nackt und bloß,
Im Feuer des Krieges zu verbrennen drohe,
zeige mir, dass dieser Krieg
kampflos gewonnen werden kann.

Das Ding habe ich vor Jahren geschrieben. Genau genommen in der Zeit nach der ersten Trennung von G. Ich bin tagelang wie betäubt durch die Gegend gelaufen und konnte mir das alles nicht erklären. Dann habe ich beschlossen, all meinen Zorn, meine Wut und meine verletzte Eitelkeit zur Seite zu legen und ihm zu verzeihen. Mich zurück zunehmen und alles abzuschütteln. Der nächste Tiefschlag hat keine 4 Wochen auf sich warten lassen. Und nein, es war keine selbsterfüllende Prophezeiung. Es war der gleiche Beschiss wie vorher.

Schrieb ich gerade wie betäubt? Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Die Betäubung war nur innerlich. Die Nachricht, dass er 2 Parallelbeziehungen aufbaut bekam ich mitten in der Woche. Ich weiß als ob es gestern gewesen wäre, dass ich am nächsten Tag im Büro saß und meinen Job gemacht habe. Und ich habe ihn gut gemacht. Mein damaliger Chef ist Monate später total überrascht gewesen, dass ich mich getrennt hatte und zur Weihnachtsfeier alleine kam.

Am Montag war unser oberster Chef im Büro. Er war live dabei als ich 2 wirklich gute Aufträge eingetütet habe. Und zwar mit absolut vorbildlicher Vorgehensweise. Ich war charmant, witzig und habe Dinge auf den Punkt gebracht. Irgendwie laufe ich in solchen Situationen zur Höchstform auf. Innerlich fühle ich mich, als hätte jemand meine Gedärme einmal durch gequirlt und sie dann völlig unsortiert zurück gelassen hat. Nachmittags läuft der Kollege wieder zur zwischenmenschlich Höchstform auf und ich bin sachlich, freundlich und setze klare Grenzen. Am liebsten würde ich ihm meine gesamte Disziplin und Selbstbeherrschung vor die Füße kotzen. Inklusive der unsortierten Gedärme. Kann er dann schön mal die Sauerei aufräumen.

In Wirklichkeit fühle ich mich nur noch leer und ausgebrannt. Im Bett bleiben, 10 Liter Schokopudding. Scheiss auf die Figur. Die hat mir auch noch nie weiter geholfen. Im Dating-Portal schleimt mich einer voll, ich wäre wohl eine Frau, die genau weiß was sie will und was nicht. Meint er bestimmt nett, jetzt hört sich das nicht nur fehlplatziert, sondern auch völlig abgedroschen an. Ich habe keinen blassen Schimmer was ich will. Ich weiß nur, ich habe keine Lust mehr. Aber die Miete muss bezahlt werden, Pest und Cholera bewegt und der schöne Schein gewahrt werden. Also stehe ich Dienstag 06:30 Uhr beim Kiezbäcker und begrüße ihn fröhlich mit „Guten Morgen meine Sonne.“ Der Gute klagt mir auch gleich sein Leid. Er darf das. Er arbeitet 7 Tage die Woche. Ich habe Respekt vor ihm. Warum er mich aber fragt, ob mein Wasserschaden im Bad repariert ist und mir bereitwillig anbietet seine Dusche zu benutzen, natürlich nur im Notfall, kapiere ich in meinem Zustand nicht. Stunden später dämmert es mir. Eigentlich süß. Immerhin kennt der mich auch in Pudelmütze, Mantel über dem Schlafanzug und Schlappen. Der ist bestimmt bindungswillig und noch viel wichtiger, er würde mir nicht auf die Bimmel gehen. Er ist arbeiten oder müde. Aber für jede weitere Überlegung bin ich zu ausgebrannt.

Mein Magen meldet sich wieder. Ich hätte am Wochenende einfach sagen können „hey, da gibt es was, was ich nicht alleine schaffe“, hab ich aber nicht. C. und L. sind die einzigen Menschen bei denen ich klar formulieren kann, wenn ich Hilfe brauche. Bei allen anderen bin ich zu stolz, zu eitel, zu doof oder hab schlicht und ergreifend zu viel Angst vor Ablehnung. Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Außerdem habe ich keine Lust, dass mal wieder jemand nach dem Motto „ach, Du schaffst das schon“ kommt. In den letzten Jahren gab es nur 2 Reaktionsmöglichkeiten auf Hilferufe meinerseits:

Ach, Du bist so tough. Du schaffst das. Oder die Reaktion als wäre ich gleich suizidgefährdet. Beides Kacke. Ich erinnere mich daran, wie ich mal einem guten Freund heulend gebeichtet habe wie es mir geht. Seine Reaktion war lieb gemeint, aber vernichtend. Der hat mich danach behandelt als wäre ich schwer geschädigt. Wir haben heute keinen Kontakt mehr. 

Das einzige was ich will, ist einfach sein. Ich will gar keine Grenzen ziehen müssen, mich nicht behaupten, die Arschbacken zusammen kneifen usw. Ich will mich einfach fallen lassen und vertrauen. Und das Ganze bitte ohne Freiflug auf den Beton der Realität. 

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich einmal zu viel auf diese scheiss-heisse Herdplatte gefasst habe. Man nennt das Erinnerung. Die brennt sich ins Gehirn ein. Jedenfalls wenn man nicht völlig verblödet oder naiv ist. Und der innere Kampf wird immer heftiger. 

Ich halte mich für einen reflektierten Menschen. Daher überlege ich mir oft, vielleicht zu oft, ob ich gerade irre bin oder ob mein Gefühl mich nicht trügt. Egal wie die Antwort lautet, es entsteht meist eine ungesunde Kette an Aktion-Reaktion. 

Ich frage mich immer, ob man irgendwann jemanden findet, bei dem es nicht zu diesen scheiss negativen Verknüpfungen kommt. Jemanden, den ich nicht trigger und der mich nicht aus Selbstschutz mit einem charmanten Gegenschlag in die Magengegend bedenkt. Ein Weg dahin wäre bestimmt mehr innere Ruhe zu finden. Spontan überlege ich mir, ob ich mir einfach das Hirn weg saufe. Ich kenne aber Leute, die das offensichtlich erfolgreich gemacht haben. Das ist keine Lösung. 

M. sagt immer, dass Kommunikation der Schlüssel ist. Damit hat er nicht unrecht. Allerdings „Frauen reden, Männer handeln.“ Frauen sind Ohrentiere, wir müssen Dinge hören, während Männer nicht verstehen, warum ihr Handeln nicht Zeichen genug ist. F***. Ich erinnere mich an Beziehungen, da war ich der Kerl. Er wollte reden und ich habe das Problem nicht verstanden. Ausserdem empfinde ich zuviel Kommunikation als anstrengend. Soviel zum Thema ich hätte mich nicht verändert. Was ist passiert?

Vielleicht war das Jahr doch zu heftig. Bis Mai stand ein Umzug nach Frankfurt im Raum. Und das nicht, weil hier alles so super lief. Ich habe mich dazu entschlossen nicht zu fliehen. Ich komme irgendwie nicht zur Ruhe. Ich weiß aber auch nicht, ob diese Aktion-Reaktion-Sache auch mit einem guten Jahr geschehen wäre. 

Ich will nicht kämpfen und ich will nicht aufgeben. 

Aber ab und zu eine starke Schulter, die mich auffängt und mal emotional gerade rückt, wäre auch schön. Muss aber nicht sein, ich schaff es auch alleine. ;-)

Kommentare:

  1. wenn es Dich tröstet, Männern geht es oft nicht besser

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    1. abgesehen davon, daß ich derlei phrasen trotz aller nächstenliebe für geschenkt halte, sollte es nicht heißen "..leuten geht es oft so"?

      SL

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    2. kommt darauf an, ich persönlich finde, dass es zwischen Männern und Frauen Unterschiede gibt. Und "Leute" wäre ja noch abgedroschender

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    3. klar..die gibt es ganz offensichtlich..aber unter der haube schlummert ein genderübergreifendes gemüt..das schlägt bei dem einen so und so aus..aber nicht per se männlich oder weiblich..das sind klischees

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    4. Ich persönlich glaube schon, dass es Klischees auch gibt. Hängt viel mit der typischen Erziehung zusammen, die unsere Eltern uns verpasst haben

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    5. ja...klischees sind immer vor- und nachgelebt..bald tradiert..und ja..es gibt stereotype, die eben diese klischees am leben erhalten, weil (meist gewollt) selbst gelebt..ich denke aber wir sollten hier kurz differenzieren..denn darum ging es mir nicht...sondern, dass emotionale (er)regungen keinem geschlecht zuzuordnen sind..wie wir sehen steht da eben "..männern geht es.."..männern wie frauen also..die trennung löst sich in wohlgefallen auf..und bevor ich jetzt korinthen kacke..mehr wollte ich nicht sagen..

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    6. Ich mag Korinthenkacker, jedenfalls meistens. Ja, zum Glück haben Männer auch Emotionen ;-)

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    7. Ich glaube ich werde mal einen Artikel über Klischees und/oder Korinthenkacker schreiben. Danke für die Anregung :-)

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    8. Es gibt nachweislich geschlechtsspezifische Unterschiede und Besonderheiten. Klischees sind ein ganz anderes Thema.

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  2. Ich hatte hier gerade einen sehr netten Kommentar, den ich öffentlich gestellt habe, obwohl er dafür nicht gedacht war. Sorry dafür SL. Das nächste Mal musst Du mir das gleich und deutlich sagen ;-)

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  3. dem stehe ich erwartungsvoll mit lob (klischees) & kritik (korinthen) gern gegenüber..

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