Dienstag, 25. Oktober 2016

Back to the „wat`ne scheiss Kälte"




Wegen der Anonymität sagen wir mal, dass ich als Sportart „Outdoor-Halma" betreibe. Natürlich Leistungsklasse. Jedenfalls bis Ende letzten Jahres. Dieses Jahr war ich relativ faul und bequem. Trotzdem habe ich mal zum Trainingscamp in Österreich angemeldet. Einfach mal Kopf frei bekommen.


Es hätte nicht später sein dürfen. Jetzt merke ich erst wie fertig ich vor meinem Urlaub war. Kleinigkeiten waren plötzlich belastend, die Gedanken kreisten nur noch um sich selbst und fanden keine Lösung. Ich konnte keine Entscheidungen mehr treffen und auch emotional steckte ich im Knet fest.

Trainingscamp heißt 10 Tage draußen sein. Egal wie das Wetter ist. Das heißt auch, dass Jack Wolfskin Klamotten nicht reichen (von wegen draußen zu Hause, die Teile reichen gerade noch für einen Spazierganz im Stadtpark, aber das ist ein anderes Thema). Österreich heißt 1000 Höhenmeter, bergiges Gelände und Kälte.


Apropos Kälte, dagegen gibt es ein gutes Mittel: Schnaps. Wenn ich an die Tschechien denke, kann es nicht schlecht sein. Gefroren haben die irgendwie nie. Allerdings konnten die nach dem einen oder anderen Gläschen auch noch unbeeindruckt den Berg hoch spurten und waren fast schneller als die Hunde. Ich bekam nach dem ersten Schnaps schon glasige Augen und brauchte Minuten um mich zu sammeln. Außer der Sauferei nehmen die Tschechien das Ganze übrigens sehr ernst. Training mit denen bedeutet nicht jammern, auch wenn einem das Blut aus einer Platzwunde läuft. Die kann man in der Basis schnell zusammen flicken. Selbst schuld, wenn man dem Baum nicht ausweicht. Hauptsache dem Hund ist nichts passiert.


Wobei die Kerle trotzdem ihren Humor bewahren. Im Gegensatz zu den Frauen. Ich würde gerne mal das ein oder andere Bambi ein paar Tage mit den österreichischen Kampfweibern in einem Raum einsperren. Big Brother ist dann Geschichte.


Die verstehen gar keinen Spaß. 3mm blondierte Harre, 110kg und ein fehlender Schneidezahn ist auch kein Problem. Ein Problem ist nur, wenn andere nicht ganz so hart sind und das Ganze doch tatsächlich als Freizeitvergnügen sehen. Das sind alles Hausfrauen. Zum Glück reden die alle einen fürchterlichen Dialekt. So konnte ich einfach so tun als ob ich Nichts verstehe und gemütlich weiter auf meinem Energieriegel rum kauen.
 

Wieder zu Hause lief die Heizung immer noch nicht. Wäre ja auch zu schön gewesen. Heute Morgen war es im Wald kalt und nass, glaube ich jedenfalls. Nach den letzten Tagen kam es mir wie Sommerregen vor.

Trotzdem war es komisch sich wieder zu schminken und nicht in dicke, völlig verdreckte Klamotten zu steigen. Übrigens sah ich in den Bergen aus, als hätte ich locker auch 110kg. Unser Ausbilder hat Tränen gelacht wenn wir normalen Mädels uns abends aus der Plün raus schälten und irgendwie kaum was übrig blieb.




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