Montag, 5. September 2016

Vorsicht: bissig



Alle Rechte, keine Pflichten

Oder: wer das Eine will, muss das Andere lieben.

Folgendes klingt albern, kindisch und bissig? Ja, ich find`s auch gut.

Es gibt Dinge, auf die reagiere ich leicht allergisch. Besonders wenn ich sie nicht nur bei mir, sondern auch bei Freundinnen beobachte. Und da ich tatsächlich hauptsächlich mit Frauen im Bekanntenkreis zu tun habe, kann es sein, dass Folgendes vielleicht ein bisschen einseitig dargestellt wird. Man möge mir verzeihen bzw. wenn man die Erfahrung gemacht hat, dass Frauen genauso agieren, kann das gerne mitgeteilt werden. 

Männer tendieren dazu alle Rechte, aber keine Pflichten haben zu wollen. So möchten sie doch gerne per Definition, am besten ab dem ersten Date, nachdem sie Interesse bekundet haben, „the one and only“ sein. Madam hat gefälligst ab sofort alle Online-Aktivitäten einzustellen. Oder zumindest im Profil darauf hinweisen, dass sie überhaupt kein Interesse an anderen Männern hat, weil sie den obergeilsten Macker kennen gelernt hat. Auf keinen, wirklich auf gar keinen Fall, darf sie ihn dabei benennen. Das wäre jetzt echt zu früh zu eng. Und was noch weniger akzeptabel ist, ist dass sie das Gleiche von ihm erwartet. Ganz schnell wird man dann als Klette abgestempelt. L.`s aktueller Lover ist da ein Paradebeispiel. Es vergeht keine Woche in der er, natürlich nur unterschwellig, nicht rum mault, dass sie online war. Ihr zarter Hinweis, dass das für ihn auch zu trifft und in seinem Profil sogar eine Kontaktaufforderung steht wird entweder ignoriert oder dann ganz schnell mit „ach, ist doch nicht wichtig“ abgetan. Das SEK, gleiche Sch***, andere Farbe. Er fand es „befremdlich“, dass ich wohl offensichtlich noch online war, sogar angeschrieben wurde, sein eigenes aktives Profil enthielt eine Kontaktanzeige. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, hätte er, hätte ich es jemals angesprochen, mich als zu anhänglich oder ähnliches abgestempelt.

Ebenso möchten Kerle doch bitte, dass sich alles ganz langsam entwickelt und man sich auf gar keinen Fall, niemals eingeschränkt fühlen darf. So ist es völlig okay, wenn ein Mann sich tagelang nicht meldet. Männer bauchen ihren Freiraum. Bitte, liebe Frauen, fragt auch nicht nach, was sie da so tun oder wann sie mal wieder Zeit haben. Das wirkt wirklich viel zu anhänglich. Wenn er sich dann meldet, seid froh und glücklich und habt umgehend am vorgeschlagenen Termin Zeit. Eine ganz blöde Idee ist es, wenn ihr bereits was vorhabt oder viel schlimmer euch selbst mal ein paar Tage nicht meldet. In dieser Zeit liegt ja der Verdacht nahe, dass ich euch mit anderen Kerlen vergnügt. Im allerschlimmsten Fall einem, der im Bett mehr bringt. Weia. Das geht so wirklich nicht. Frauen sollen bitte folgende Eigenschaften besitzen:


  • Habt ein eigenes, aktives Leben, welches aber auf keinen Fall dazu führt, dass ihr in der Zeit in der er nicht da ist, unabhängig seid. Setzt euch doch mit eurer Freundin brav zu Hause hin und strickt ihm einen Schal für den Winter während ihr ununterbrochen seine Eigenschaften als Liebhaber preist.

  • Akzeptiert in wie er ist. Emotionale Entgleisungen? Kein Problem, Männer sind so. Interpretiert es als total romantische, indirekte Liebeserklärung. Und bitte, nicht darauf ansprechen. Wenn ein Mann irgendwann mal sagt „alles gut“, dann hat das gefälligst so zu sein. Wenn ihr das nicht akzeptiert, stellt das ein wesentlicher Mangel im Vertrauenskonstrukt da. Außerdem seid ihr, wie alle Weiber, eine Drama Queen. L.`s Kerl ruft sie gerne mitten in der Nacht an und mault wegen irgendeinem Dreck rum. Gerne auch dann mit einfach auflegen. Das Bild, das wir dafür haben, ist, dass Männer mitten in der Nacht ankommen, ihren Müll bei euch abladen, ihr räumt dann die halbe Nacht auf und wenn er am nächsten Tag vor eurer Tür steht, wundert er sich, wenn ihr angepisst seid. Ist doch alles tipitopi im Hausflur. Macht kein Ding draus.

  • Eine gute Frau erzählt natürlich im Bekanntenkreis, dass sie ihren absoluten Traummann kennen gelernt hat. Aber auf keinen Fall, fragt sie ihn, ob er sie mal begleiten möchte. Öffentliche Auftritte als Paar? Ne, das ist ja so ein einschränkendes Pärchending. Außerdem würde es ja bedeuten, dass Monsieur seine doch so knappe Zeit nicht unabhängig planen kann. Das geht nicht, Mädels, der Arme hat so viel Stress im Job. Und seine Kumpels brauchen ihn auch ganz oft ganz spontan. Und dann wollt ihr einen verbindlichen Termin? Ts, ts, seid ihr Kletten.

  • Und sowieso, der Job. Frauen verstehen das nicht. Männer haben anstrengende Berufe. Da muss man Rücksicht nehmen. Ich meine die Armen gehen jeden Tag arbeiten und müssen dann auch noch leisten, während unsere Jobs ja eigentlich aus Nägel lackieren und Kaffee kochen bestehen. Deswegen sind wir abends auch immer topfit und verstehen nicht, dass sie ihre wohlverdiente Ruhe brauchen. Deswegen hat eine gute Frau niemals Abends den Kanal voll, schon gar nicht ist sie mal angenervt. Auch nicht, wenn der Nagellack einen Riss hat.

Ja, ich weiß, das klingt bissig. Ich find`s gut ;-) In den letzten Jahren haben ich und meine Freundinnen mehr als einmal folgende Erfahrung gemacht. Wir lernen einen Kerl kennen, der es total schick findet, dass wir so ein aktives, unabhängiges Leben haben. Sobald er mit den Konsequenzen konfrontiert wird, dreht er frei. In meinen Fall sind viele Kerle gelinde gesagt leicht frei gedreht, wenn ich mich tatsächlich nach eine nächtlichen Kissenschlacht nicht permanent gemeldet habe, oft keine Zeit hatte und nicht permanent nach einem neuen Treffen gefragt habe. Irgendwie kann ihr Ego das nicht verarbeiten. Das Gegenteil aber auch nicht. Sie finden es gut, wenn ich durchaus in der Lage bin zu formulieren, wenn ich was nicht gut finde, aber doch bitte nicht in Bezug auf ihr Verhalten. Arsch in der Hose haben, ja großartig, aber niemals, wirklich niemals an ihnen Kritik üben. Und schon gar nicht, vertragen sie es, wenn man Grenzen setzt. Die bitte nur in anderen Situationen. 

Frauen haben leidensfähig, ruhig und ohne eigene Ansprüche zu sein. Basta.

1 Kommentar:

  1. Verbindliche Unverbindlichkeit, der Traum eines (fast) jeden Mannes

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