Freitag, 16. September 2016

Statler und Waldorf



Lauer Spätsommerabend. Wir sitzen beim Griechen. Bier und Wein und genießen die Zeit. Uns gegenüber ein Pärchen, das offensichtlich das erste Date hat. Sie Typ frustriertes, verbittertes Bambi, er, ja ganz echt, tatsächlich vom Phänotyp SEK. Ich muss grinsen. Passt ja dann zwischen den Beiden wie Arsch auf Eimer. Wenn er von Habitus auch wie das SEK ist, kann sie froh sein, dass er sich überhaupt Zeit für ein Getränk nimmt und nicht sofort zur ihr will um sie „an" die Wand zu nageln. Oder sie ist blöd, dass sie es nicht zulässt. Kann man sehen wie man will.


Mein Begleiter rückt seinen Stuhl neben mich und wir genießen in aller Ruhe die Vorstellung. Hören können wir nichts, sehen reicht aber. Sie erklärt in wichtig erscheinenden Gesten wie die Welt funktioniert. Immer den Blick als ob sie ihm das Coca-Cola-Geheimrezept verrät. Er deutlich bemüht Interesse zu heucheln. Sagt nichts. Nickt nur ab und zu. Wir sehen, dass er wirklich sehr breitbeinig da sitzt, sie sieht es nicht.


Sie ist im Redefluss, beide bestellen noch ein Bier. Uns beschleicht das Gefühl, dass er wirklich, wirklich sehr bemüht ist am Gesagten Interesse zu bekunden. Sein Blick weicht von Ihrem Ausschnitt nicht weg. Hin und wieder rückt er sich die Klöten zurecht. Scheinen auch arg weh zu tun, er rückt angespannt auf dem Stuhl hin und her. Seine Geduld ist ein Zeichen, dass er echt überfällig ist und dringend zum Schuss kommen muss.


Das dritte Bier kommt für die Beiden. Ich würde gerne zu ihnen gehen und sagen, dass es keinen Sinn macht, wenn er sie abfüllt, damit sie mit geht und er mit trinkt. Übermäßiger Alkoholkonsum ist für die männliche Potenz eher kontraproduktiv. Mach ich aber natürlich nicht.


Der Kellner fängt an die Nebentische aufzuräumen, Kerzen auszublasen etc. Ein mehr als deutliches Zeichen. Wir beschließen uns an „einen gemütlicheren Ort" zurück zuziehen und bezahlen. Frust-Bambi und Ersatz-SEK bleiben noch ein bisschen und bestellen das vierte Bier. Er nimmt die Hand gar nicht mehr von seinen Klöten. Armer Kerl.


1,5h später schreibt mein Begleiter, dessen Auto vor dem Griechen steht, dass die beiden immer noch da sitzen. Er deutlich tiefer gerutscht im Stuhl. Sie redet immer noch.


Ist schon schön, wenn manche Dinge im Leben leichter als bei anderen laufen ;-)



1 Kommentar:

  1. wie frustrierend muss es sein, sich den eigenen Abend dermaßen zu versemmeln.Wir genial für deinen Begleiter, sich beim öffnen des Autos das grinsen ob der beiden nicht verbergen zu müssen.....Ob Klötenhalter ihn gesehen hat ? Falls JA, sollte ihm spätestens jetzt klar gewesen sein, dass das nix mehr wird heute!

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