Mittwoch, 7. September 2016

Magdeburg Teil C



Ich muss hier mal was zu seiner, oder vielleicht eher zu meiner, Ehrenrettung klarstellen. Auch wenn ich hin und wieder bissig, in Zukunft auch mal latent boshaft werde, war ja an Magdeburg nicht alles schlecht. Ich meine noch wirkt die Anti-Falten-Creme, Cellulitis ist auch nur bei ungünstigen Licht zu sehen, also kein Grund sich verzweifelt auf einen 100%-igen Vollpfosten einzulassen. Magdeburg hatte, falls gerade Mal genug Blut im Hirn war, durchaus das eine oder andere wirklich anziehende Gimmick. 

Bei unserem ersten Treffen ist er spontan 150km hin und 150km zurück gefahren. Ohne dabei verzweifelt zu wirken. Als wir telefonierten sagte er kurz und knapp, dass wir uns schnell sehen oder es sich wahrscheinlich verläuft. Da hat er a) recht und b) sind Männer die handeln immer eine tendenziell gute Sache. Zwei Tage nach unserem Treffen konfrontierte ich ihn völlig unvermittelt mit meinem Nähe-Distanz-Problem. Sinngemäß „passt nicht, viel Erfolg noch blabla“ via Whatsapp. Er rief umgehend an. Extrem sachlich wollte er einfach meine Meinung detaillierter dargelegt haben. Das Gespräch endete mit einer 2. Verabredung, ohne dass ich mich überredet gefühlt habe. Vielmehr war ich doch ein bisschen beeindruckt, dass im Zeitalter der „Online-Menschen-Kataloge“ sich einer mal die Mühe machen wollte genauer hinzusehen. Und er ist rhetorisch wirklich, wirklich fit. Respekt!
 
Irgendwann erzählte er, dass er wahrscheinlich ein paar Tage segeln gehen würde. 5 Tage war er dann plötzlich nicht erreichbar und hat sich auch nicht gemeldet. Natürlich konnte ich mir denken, dass er irgendwo auf Hochsee war, als er sich sonntags meldete, sagte ich ihm jedoch, dass es für mich zum guten Ton gehöre sich abzumelden. Pädagogisch wertvoll fragte ich ihn, wie er sich gefühlt hätte, hätte ich ähnliches gemacht. Und er? Er besticht durch Sachlichkeit, Selbstreflektion und Kommunikationsfähigkeit. Es fiel sogar der Satz „oh, ich glaube ich hätte gedacht, dass Du mich doof findest. Es hätte mich verunsichert.“ Bingo! Normalerweise lernen Männer nur durch Selbsterfahrung. Ein Spiel, das uns Frauen aber eigentlich nicht liegt oder leicht ins zickige abgleitet.

Schade halt, dass in der meisten Zeit sein Hirn nicht genug durchblutet war, um seine beeindruckenden Fähigkeiten einzusetzen. Das lag an 2 Faktoren: 


  1. Hypersexualisierung: etwas, was Männer ab einem gewissen Alter leider oft haben. Scheinbar denken sie die ganze Zeit, dass sie die verbleibende potente Zeit noch maximal nutzen müssen. Man weiß ja nie, welcher Schuss der letzte sein könnte. Irgendwann lasse ich mich dazu mal detaillierter ein.

  1. Job: Er hat tatsächlich einen Job bei dem er Tag täglich Summen verhandelt, die ich im Leben nicht verdiene. Sein Job war das Einzige bei dem er die Tatsachen über sich nicht zu seinen Gunsten sehr dehnbar ausgelegt hat. Dabei steht er wirklich latent unter Druck. Er ist permanent unter Adrenalin, Noradrenalin und Cortisolausschüttung. Dadurch ist er natürlich sehr fokussiert und im Tunnelblick. Feinheiten links und rechts wahrnehmen geht da tatsächlich kaum noch. In diesem Zustand zu kapieren, dass es Menschen gibt, für die Geld ein Problem ist, geht einfach nicht mehr. Bzw. fangen für ihn Probleme erst bei 6-stelligen Summen an. Kann er nichts dafür. Ist aber halt so nicht meins.

Männertypisch hat er halt versucht Faktor 2 mit Faktor 1 zu kompensieren und ist dabei halt in eine böse Falle gelaufen, die das Ganze für mich sinnlos machte. Aber man muss ihm zu Gute halten, er hätte mich niemals bei einem leichten Anflug von Problemen fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. 

Ein Teil des „bis ins Hirn durchbluteten“ Magdeburgs kommt daher in meine „Back-Dir-einen-Kerl-Backmischung“. Nur halt nicht das Gesamtpaket.

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