Freitag, 9. September 2016

Bilder

"Was tun Sie", wurde Herr K. gefragt, "wenn Sie einen Menschen lieben?" "Ich mache einen Entwurf von ihm", sagte Herr K., "und sorge, daß er ihm ähnlich wird." "Wer? Der Entwurf?" "Nein", sagte Herr K., "der Mensch."
- Bertolt Brecht

Entgegen aller Gerüchte führen C. und ich auch ernsthafte Gespräche.

Oft ist so, dass wenn man einen neuen Menschen kennen lernt, man sich aufgrund der eigenen Wünsche und Bedürfnisse, oder ungünstig aufgrund seiner Ängste und "Drachen" ein Bild von diesem Menschen macht. Das Bild ist so fest verankert, dass die Realität in den Hintergrund gerät.

In meinem Leben durfte ich schon den ein oder anderen Mann kennen lernen, der im wahrsten Sinne sofort hellauf begeistert war. Mich gruselt davor oft. Denn oft erhebt er einen auf einen Podest seiner Wünsche und Hoffnungen. Jedes kleine Indiz bestätigt sein Trugbild. Sobald die rosa Brille aber ein bisschen nachlässt, sieht er einen Teil der Realität. Es ist unvermeidlich, dass das Podest wackelt und ich falle. Seine Enttäuschung ist oft herb und entsprechend vernichtend seine Reaktion. 

Ebenso das Gegenteil. Negative Erfahrungen werden solange in mich rein projiziert, bis ich sie zwangsläufig erfülle. 

Es dauert lange, bis man sein Gegenüber auch nur andeutungsweise in seiner Komplexität erfassen kann. Schlau ist, wer sich diese Zeit nimmt. Bewundernswert wer Wunschbild (Angstbild) von der Realität unterscheiden kann.

Kommentare:

  1. Schon wieder so eine Ansammlung weiser Worte. Ich bin echt angetan von den Texten.

    Der entscheidende Abschnitt ist meiner Meinung nach dieser:"Es dauert lange, bis man sein Gegenüber auch nur andeutungsweise in seiner Komplexität erfassen kann. Schlau ist, wer sich diese Zeit nimmt."

    Daran scheitert es fast immer. Die meisten Menschen sind dazu nämlich weder bereit, noch in der Lage. Traurig, aber wahr.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ist ja auch anstrengend. Bedeutet es ja auch, dass man sich selbst stellen muss. Kobfliktfähig und bereit zur Konfrontation mit sich selbst. Dann doch lieber im Menschen-Katalog weiter blättern.

      Übrigens, ich habe auch Titten und Arsch ;-)

      Und Wollsocken

      Löschen
    2. Bei der Beschäftigung mit zwischenmenschlichen Beziehungen läuft es letztendlich immer auf die Frage nach der Selbstreflexion hinaus. Ohne die ist nichts von Dauer. Ich sehe es mit Sorge, wie das menschliche Miteinander immer oberflächlicher wird. Ist die rosa Brille der ersten Verliebtheit weg, merken die Leute, dass es jetzt ans Eingemachte geht. Wird es Liebe oder geht es auseinander? Oft geht es dann auseinander, weil die Beteiligten dann merken, sie müssen nun an sich selbst arbeiten und auf das Gegenüber eingehen. Da greifen sie dann lieber wieder zum Menschenkatalog (Tolles Wort!), um den gleichen Fehler wieder und wieder zu machen. Manche ihr Leben lang. Ich nenne das Serienmonogamie.

      Löschen
    3. P.S. Ist das wahr? Das könnte den Socken ihren Horror nehmen.

      Löschen
  2. Nun ja, es bringt ja auch nichts, wenn Selbstrefelxion eine Einbahnstraße ist. Die beste Selbsterkenntnis bringt nichts ohne ein Gegenüber, dass mitzieht

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist es. Entweder zieht man an einem Strang, oder man lässt es ganz. Führt nur in die Frustration. Ich bin bereit, sehr viel in eine Beziehung zu investieren. Wenn ich aber merke, dass das beim Anderen nicht so ist, sieht man von mir inzwischen nur noch einen Kondensstreifen. Oh Gott, jetzt sind wir bei Chemtrails. Hihihi...

      Löschen
  3. Antworten
    1. Das tue ich immer. Es gibt aber untrügliche Anzeichen für die Awesenheit jeglicher Bereitschaft, sich auf den Anderen einzulassen. Meist ist es das Prinzessinnenphänomen, dass Papi auch immer alle Wünsche ohne Gegenleistung erfüllt hat. Oft ist es auch im Charakter begründet. Mit beidem halte ich mich nicht mehr auf, denn diese Dinge ändern sich nicht. Man lernt ja aus seinen Fehlern.

      Löschen
    2. Ich möchte es mal so ausdrücken: Inzwischen weiß ich, welche Art von Frau, mich auf direktem Weg in die Hölle führt. Manchmal schaffe ich es sogar, mich nicht auf sie einzulassen. ;-)

      Löschen
    3. Ich bin kein Typ, der wegläuft. Kommunikation ist mir das Wichtigste. Auch bei einer Trennung.

      Löschen

Es darf und kann kommentiert werden. Grundsätzlich nutze ich mein Hausrecht und gebe einzeln frei.