Freitag, 16. September 2016

Bambi Alarm

Ich muss mir dringend abgewöhnen nach 07:00 Uhr oder vor 21:00 Uhr zu Hause zu sein. Abwesenheit ist für ein harmonisches, nachbarschaftliches Verhältnis einfach unabdingbar.


Ich kam heute Morgen nicht aus dem Bett. Ich fühlte mich als hätte ich mir die Flasche Wein auf den Kopf gehauen anstatt sie zu trinken. Haare zusammen knoten, Trainingshose und Jacke über den Schalfanzug, um mit Pest und Cholera erst mal um den Block zu schleichen. Zurück an der Eingangstür suche ich meinen Schlüssel in der Tasche als ich plötzlich von hinten mit einem „ach, gut, dass ich Dich mal treffe" überfallen werde. Zum Glück habe ich nur Kopfschmerzen und keinen Herzfehler. Letzteres hätte bei dem Schreck ein böses Ende genommen.


Unser hauseigenes Bambi steht hinter mir. Knielanger Rock, Strickjacke, die Perlenohringe und Ballerinas schon um 07:10 Uhr in Position. Mit schwant Schlimmes. Ich reibe mir die Augen und hoffe, dass ich noch ordentlich abschreckenden Mundgeruch habe. Wo kommt die um die Uhrzeit so plötzlich her?


Bambi: Also, weißt Du, ich mag ja Hunde.

Ich: Mh


Pest und Cholera machen ansonsten bei jeder Mücke Alarm. Jetzt wäre es angebracht und was machen sie? Cholera starrt mit Fliegenpilzgesicht auf die Haustür. Ein Sabberfaden läuft ihr aus der Schnauze. Sie weiß, dass ihr Futter wartet. Es ist echt beneidenswert wie sie für alltägliche Dinge eine so enorme Begeisterungsfähigkeit zeigen kann. Pest droh-fixiert derweilen eine 5m entfernte Amsel. Wirkung auf die Amsel gleich Null.


Bambi: Also, wie gesagt, ich mag Hunde, aber Du musst Deine wirklich mal besser erziehen.


Pest macht einen Satz nach vorne, um der Amsel seine Drohung nachdrücklicher klar zu machen. Der Plastikgriff der Flexileine scheppert auf den Boden. Auf dem Boden hat sich bei Cholera schon eine kleine Sabberpfütze gebildet. Sie fixiert weiter die Tür. Bambi schaut mit Gouvernantenblick auf den Fleck.


Ich: Mh


Ich sammle die Leine auf.


Bambi: Also, letztes Wochenende haben Deine Hunde die ganze Zeit gebellt. Die ganze Zeit!


Ich fahre mir mit der Zunge durch den Mund. Ich glaube heute Nacht ist irgendein kleines Pelztier darin gestorben.


Ich: Äh, ja? Tut mir leid, wann war das?


In meinem Zustand fällt mir noch nicht mal im Ansatz irgendwas Geistreiches ein. Blöd.


Bambi: Na, letztes Wochenende!

Ich: Echt? Cool, dass Du sie gehört hast.

Bambi: Also, ich mag Hunde, aber das war nicht in Ordnung!

Ich: Püppie, ich und meine Hunde waren nachweislich das ganze Wochenende in Hannover. Es ist eine mehr als beachtliche Leistung, dass Du sie von Hannover bis Berlin gehört hast.


Herrlich diese Stille. Leider wird sie nach ein paar Sekunden unterbrochen.


Bambi: Ähm, na ja. Vielleicht waren es ja nicht Deine. Oder es war doch an einem anderen Tag.


Sie rauscht ab. Schade, dass sie nicht auf Choleras Sabberpfütze ausgerutscht ist. Erst als ich drin bin, fällt mir ein, dass ich ihr hätte erklären sollen, dass die Sabberpfütze Kunst ist. Aber der Kater ist echt hinderlich und irgendwie ist der Tag am Arsch. Ist doch Kacke, dass die Ische mir tatsächlich den Tag versaut.


In irgendeinem Esoterik-Blog habe ich mal gelesen man soll in seiner Wohnung gute Botschaften und positive Handlungsaufforderungen platzieren. Wäre total gut für eine bejahende Grundstimmung. Im Blog waren Bilder von Kalendersprüchen in Bilderrahmen Marke Laubsägearbeit mit getrockneten Blümchen zu sehen.


Seit heute habe ein neon-grünes Post it am Badezimmerspiegel kleben. Darauf steht:



Weniger saufen, mehr vö***



 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Es darf und kann kommentiert werden. Grundsätzlich nutze ich mein Hausrecht und gebe einzeln frei.