Freitag, 5. August 2016



O. alias Magdeburg

Magdeburg ist keine Stadt, Magdeburg ist ein Kerl. Und er ist Geschichte. Seit gestern.
Ich würde lügen, wenn ich behaupte ich hätte nicht geweint. Aber heute suggeriert mir mein Hirn schon wieder ein, dass es besser so ist.

Magdeburg heißt so, weil er aus Magdeburg kommt. Oder irgendwo aus der Nähe von Magdeburg. Erwähnenswert ist das, weil er beim ersten Kontakt im Datingportal schrieb, er käme aus Potsdam. Daraus wurde nach dem ersten Treffen eine Dienstwohnung in Potsdam, daraus wurde, dass er in dieser noch nie war. Einer der Gründe, warum ich für die Prospekthaftung in Datingportalen plädiere.

Obwohl Fernbeziehungen so gar nicht meins sind, habe ich mich auf ihn eingelassen. Ich bin 42 und irgendwas ist ja immer. Da sind doch km ein kleines Übel. 

Magdeburg ist ein typischer Kerl. Nicht zwangsläufig optisch, sondern eher in Punkto, nennen wir es diplomatisch, einer gewissen Gedankenlosigkeit, Doppelmoral und fehlende Selbstreflektion.

Ein paar Beispiele:


·       Ich musste mit Magdeburg ernsthaft und wiederholt eine Grundsatzdiskussion über den Sinn von Lümmeltüten führen. Er hat bis zum Schluss nicht verstanden, dass bei sexuell aufgeschlossenen Menschen wie wir es dabei nicht um Schwangerschaftsverhütung geht. Geduldig wie mit einem pubertären Jungen habe ich ihm erklärt, dass weder ich, noch er, noch unsere Ex-Partner Jungfrauen gewesen wären. Als ich einmal erwähnte dass ich eine leichte Erkältung habe, sagte er das Date ab, weil er sich nicht mit Schnupfen anstecken wolle.

·         Er erzählte mir, dass er mit seinem Hund in einem Hundesportverein gewesen sein. Dort hätte man ihm nach 4 Wochen gebeten nicht mehr zu kommen. Er und sein Hund seien zu gut, dass würde die anderen frustrieren. Ne, ist klar.

Anyway, trotzdem begann ich ihn gern zu haben. Und weil er wie die meisten Kerle sich immer als Held und Ritter fühlen will, habe ich ihn mal erzählt, dass mir gerade alles zu viel wird. Er fand es super und betonte mehrfach, dass er meine Offenheit gut findet und er, natürlich, immer da sei, wenn ich ihn bräuchte. Sein erstes Angebot in diese Richtung bestand darin, dass er vorschlug, er würde sich mit mir jederzeit auf einen Parkplatz treffen, falls ich mal sexuellen Notstand hätte. Aha. Super, mir ist damit echt geholfen. Coole Idee, in Zeiten in denen ich von 05:30 bis 21 Uhr nonstop auf den Beinen bin, noch mal schnell ein paar Stunden frei zu schaufeln für ein Parkplatz-Date. Wieder habe ich ihm ganz geduldig erklärt, dass mein Hormonspiegel im Moment mein kleinstes Problem wäre, wie gesagt, ich hatte ihn echt gerne.


Diese Woche ging das Küchendrama in meiner Wohnung so richtig los. Küchendrama heißt Abwasserschaden, Küche stand während meines Urlaubs tagelang unter Wasser. Nach 6 Wochen beginnt die Hausverwaltung endlich mit der Regulierung. Magdeburg wurde es nicht leid zu betonen, er sei immer da, wenn ich ihn bräuchte. Ich habe 2 Nächte lang, natürlich alleine, meine Küche ausgeräumt. Hätten kurzfristig nicht ein paar Freunde geholfen, wäre ich echt angearscht gewesen. Von Magdeburg war nichts zu sehen. Der hatte sich für Donnerstag angekündigt, wenn alles fertig wäre. Lange Rede kurzer Sinn, Donnerstag war bei mir also Chaos. Natürlich hat mit den Handwerkern nichts geklappt. Ich musste mir im Büro schon wieder einen halben Tag frei nehmen und trotzdem irgendwann die Handwerker alleine lassen. Das Telefonat mit Magdeburg bestand darin, dass er mich heute Abend…nein….nicht zum essen einlädt, tröstet oder sonst irgendwas…nein…mal ordentlich durch die Kissen scheucht. Super!


Als er Abends kam, kam ich mit ihm in eine Wohnung in der Trockengeräte in der Lautstärke einer Landebahn standen. Mir hing der Magen auf den Knien und ich fühlte mich wie ein überfahrenes Eichhörnchen. Mein Vorschlag, erst mal schnell an der Bude Fastfood zu essen, wurde widerwillig angenommen. Beim Essen wurde rumgemault, weil es ungemütlich war. Natürlich kam nicht der Vorschlag unseren Standort in ein gemütliches Lokal zu verlegen. Er wollte ja so schnell wie möglich zu mir für die Kissenschlacht. Natürlich, das wurde mehrfach betont, ganz selbstlos, um mich abzulenken. Aha.


Auf dem Heimweg hielt er dann einen Monolog, dass ich einfach keine Führungspersönlichkeit sei. Als Geschäftsführer eines Unternehmens völlig untauglich. Nicht belastbar. Auf meine Frage, wie er solche Probleme regeln würde, kam die von ihm ernst gemeinte Antwort, er würde seine Sekretärin alles regeln lassen. Wenn ich keine hätte, solle eine Freundin eine spielen, damit die Hausverwaltung denkt, ich sei voll wichtig. Mein Hinweis, er hätte ja gerne für mich in den letzten Tagen mit der Hausverwaltung reden können (bzw. seine Sekretärin) wurde ignoriert. Ich habe ihn, in meiner Wohnung angekommen, gebeten die Tür von außen zu zumachen. Kissenschlacht fiel, wen wundert`s, aus!

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