Montag, 1. August 2016

Montag




Nein, Montag ist kein Kerl. Montag ist ein Wochentag.




Als heute Morgen der Wecker klingelte, dachte ich ein Grabstein liegt auf mir. Obwohl ich ein relativ ruhiges Wochenende hatte, habe ich schlecht geschlafen. Wahrscheinlich weil das Wochenende so ruhig war. Wenn mir langweilig ist, läuft mein Gehirn zu Höchstform auf. Es ist Weltmeister im seitenlangen Wenn-Dann-Funktionen basteln.




Außerdem bin ich latent unzufrieden mit mir. Ich rauche viel zu viel und schaffe es nicht aufzuhören. Ich habe 2 kg zugenommen und habe Wasser in den Beinen! Wasser! Ich habe alles nur kein Übergewicht, Dank Pest und Cholera bewege ich mich ausreichend und meine Waden sind dick wie die eines Hobbits. Scheiß älter werden. Meine Freizeit wird immer knapper und der Körper wartungsintensiver. Theoretisch müsste ich jeden morgen Gymnastik machen, Brennnesseltee trinken und die Waden massieren.



Der Radiowecker legt zum dritten Mal los. Die Weckmusik ist diesmal „do it" von Boss Hoss. Ein Zeichen. Kaffee, stark. Ich mag meine Kaffeemaschine, sie hält morgens die Fresse. Während ich Kaffee schlurfe checke ich meine Mails in den Datingportalen. Um 05:30 Uhr finde ich alles doof. Besser gar nicht antworten. Und dann mal wieder diese großen Entscheidungen. Ich könnte jetzt Pest und Cholera in den Wald bringen oder Waden massieren und Gymnastik machen. Ich entscheide mich zugunsten der Monster.




Während ich den beiden hinterher latsche überlege ich mir, wie andere das immer machen. Mein Kollege erzählt mir immer, was er alles nach Feierabend noch gemacht hat. Ich lächle und kommentiere mit „ja, das ist wichtig, dass man nicht nur zu Hause sitzt".




Mein Feierabend sieht in der Regel so aus: ich komme mehr oder weniger abgespannt nach Hause, versorge Pest und Cholera. Kleine Haushaltsarbeiten, was essen und zack ist 20 Uhr. Sofa. Spätestens um 21 Uhr werde ich komisch. Ich sollte mich unter die Dusche quälen, sonst liege ich wieder zu spät im Bett. Um 5 klingelt der Wecker und 7 Stunden Schlaf müssten es sein. Sonst gehe ich am Stock.




Ich finde wir Singles sind die Deppen der Nation. Wir haben Steuerklasse 1 und müssen alles alleine stemmen. Das fängt beim Haushalt an, geht über die Steuererklärung und hört beim Handyanbieterwechsel auf. Das kostet Zeit, Geld und Kraft. Du die gesellschaftliche Erwartungshaltung versucht uns glauben zu machen, dass wir dazu noch ein ganz aktives Freizeitleben haben müssen. Wie in der Ferrero Küsschen Werbung. Spontan überfallen einen 5-10 Freunde und Bekannte und man ist hoch erfreut und spurtet noch mal schnell Küsschen holen. Wenn bei mir 5-10 Bekannte unangemeldet klingeln, müssen sie sich mit folgenden Dingen zufrieden geben: ich trage Schlumper-Sachen, nichts im Haus zum anbieten und wahrscheinlich bin ich über den unerwarteten Besuch nicht ganz so erfreut weil ich mal wieder fertig von der Woche bin und meine Ruhe haben will.




Während ich also nach 10h Büro meine Wäsche abhänge, ist der Kollege bummeln. Frau Kollege macht in der Zeit die Wäsche, er bringt Getränke mit. Natürlich die teure Bionade. Die beiden sind nämlich „double income no kids". Außerdem profitiert er dann noch von Partner-Karten Rabatten oder bestelle zwei Essen, zahle eins Aktionen. Eine 90qm Wohnung kostet bei mir im Kiez umgerechnet auf den qm weniger als eine 2-Zimmer 60qm Wohnung. Trotzdem soviel, dass sie mit einem einzelnen Gehalt nicht finanzierbar ist. Ich verstehe immer mehr, warum viele Paare sich nicht trennen, obwohl sie miteinander unglücklich sind.




Angeblich sind in Berlin über 50% der Haushalte Single Haushalte. Kein Wunder ist die Stadt pleite. Konsum muss in Single Haushalten zugunsten der Lebenserhaltung ausfallen. Warum gibt es in Berlin keine Senatsverwaltung für Single? Wäre doch locker drin? Immerhin haben wir Berliner in der Senatsverwaltung für Arbeit und Integration auch die Frauen gepackt. Da ist doch locker thematisch Platz für Single.




Aber wer soll sich darum kümmern? Die CDU? Nein, da darf man als Frau nur alleinstehend sein, wenn man verwitwet oder zumindest alleinerziehend ist. Grüne? SPD? Alle familienorientiert. Frustrierend. 54,3% der Berliner sind Singles und werden politisch schlechter als eine Randgruppe behandelt.
 



Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich mich der Sache mal annehmen. Jetzt muss ich ins Büro und heute Abend ist auch schon voll gepackt.

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