Samstag, 9. Juli 2016

Bambi

Bambi ist kein Kerl. Bambi ist der Oberbegriff für einen bestimmten Frauentyp. Der Typ von Frau, der seit Jahrzehnten verhindert, dass Männer ein normales Frauenbild bekommen.

Ein Beispiel für Bambi.

Bei uns im Kiez findet einmal die Woche Wochenmarkt statt. Der Titel lautet „für Berufstätige von 12:00 bis 18:00 Uhr“ Der bessere Titel wäre: für Teilzeitjobber, Freiberufler und sonstige“. Die Stände schließen punkt 18 Uhr ihre Pforten. Mal ehrlich, welcher halbwegs normal arbeitende Mensch schafft das? Also ich immer nur kurz vor knapp.

Allerdings gibt es da extrem leckere Sachen. Zum Beispiel diesen Käsestand. Wer den isst, ist für alle Zeiten für Supermarkt-Käse versaut. Deswegen breche ich mir auch regelmäßig einen ab, um es noch kurzfristig dahin zu schaffen Diesmal wieder besonders gestresst, weil mein Zeitplan vorgab, dass ich um 19 Uhr beim Nebenjob sein muss. Nebenjob, ein sehr spezielles „Amazon und PayPal Thema“. Ich komme 17:55 Uhr an. Platziere Pest und Cholera etwas abseits mit „Sitz“. Cholera kein Problem, Pest stellt den Sinn im Gesamtkonzept in Frage. Irgendwann sitzt auch er. Vor mir am Stand ein junges Pärchen. Er Hipster, sie Typ Jurastudentin. Hübsch, aber ja nicht aufgehübscht. Dunkelblonde Haare, auf keinen Fall getönt oder sonst wie interessant gemacht. Lang, aber nicht so lang, dass es auffallen könnte. Sie trägt die Haare offen, aber ja nicht wirklich frisiert. Obligatorisch Rock bis zum Knie, Strickjacke.

Man probiert sich durch. Nun ja, okay, Wochenmarkt ist ja auch anders als Supermarkt. Irgendwann fragt die Verkäuferin: „möchten Sie davon ein Stück haben?“ Bambi guckt als wäre gerade Mutti erschossen worden. Mir schwant schon Schlimmes. Ihr Blick geht mit großen Augen zum Hipster: „ich kann das nicht entscheiden, sag Du.“ Ich hole tief Luft. Er überfordert, sie betont nochmal, dass diese Entscheidung zu schwer für sie ist. Folgende Kommunikation treibt mich fast in den Wahnsinn.

Er: na ja, dann nehmen wir davon ein Stück.

Sie: meinst Du?

Ich (nur im Gedanken): Alter Falter, wie schwer kann es im 21. Jhd. sein Käse zu kaufen?

Er: Ja, der war doch lecker.

Verkäuferin (legt das Messer an): So, oder noch ein bisschen mehr?
Gute Verkäuferin, nicht nach weniger Fragen. 

Er: Ja, so.
Sie verzieht die Miene. Ich schnappe nach Luft. Es ist 18:05 Uhr. Ich sollte in 10 Minuten im Auto sitzen.


Die durchaus geschulte Verkäuferin bietet noch einen Käse zum probieren an. Sie hat meinen Respekt. Bambi nicht. 

Verkäuferin: Wollen Sie davon auch etwas?

Sie: ich kann das wirklich nicht entscheiden. Entscheide Du!

Ich (gedanklich): Jahrzehnte der Emanzipation, hin..wegen Käse!

Er: Wir nehmen ein kleines Stück.

Sie: Aber wer soll das alles essen?

Ich (leider wieder nur gedanklich): Püppi! Wenn Du das Ego Deines Kerls aufpolieren möchtest indem er mal entscheiden darf, dann lass ihn auch entscheiden!!!

Die Verkäuferin packt das zweite Stück ein. Bambi zieht eine Schnute und schaut Hipster vorwurfsvoll an. Hipster ist deutlich bedrupelt. Bambi fängt ernsthaft eine Diskussion an, dass sie zu viel haben und Verkäuferin zieht das zweite Stück wieder ab. 

Ich atme hörbar auf. Hipster ist das peinlich. Ich gehe, ohne Käse mit dem diesmal ausgesprochenen Satz: „30 Jahre Emanzipationsbemühungen mit Käse zunichte gemacht. Und dafür war Mutti demonstrieren!“ Bambi guckt wie Bambis halt gucken.

Wenigstens haben sich Pest und Cholera benommen als wären sie erzogen.

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