Freitag, 17. Februar 2017

Grenzpolitik und Grabenkämpfe






Das Einzige was irgendwann bleibt, ist der Blick nach innen.

Als ich heute Morgen den Text von „Rain“ las, war ich wirklich bewegt. Warum, weil Rain unglaublich bewegend erzählt, wie er das einzig Richtige getan hat. Er ist gegangen, um einen anderen Menschen nicht weiter zu verletzten. Ich habe tiefsten Respekt vor so viel verantwortlichem Handeln, denn rückblickend ist es das, was mein abgelegtes Modell nicht getan hat und dann, egal ob fahrlässig oder vorsätzlich, weiter die Grenzen meiner Verletzlichkeit überschritt.

In einem anderen Blog, ich weiß leider nicht mehr wo, las ich „das hohe Lied von Anstand und Ehrlichkeit singen, aber den Text nicht können.“ Anstand und Ehrlichkeit heißt auch, mal seine eigenen Bedürfnisse zurück zu stellen und jemanden, der sich egal warum selbst nicht wehren kann, beschützt indem man geht bzw. ihn gehen lässt.

Denn bei all den Gedanken, den seitenlangen Erklärungen und Analysen die ich die letzten Wochen angestellt habe, lässt sich alles, wirklich alles auf einen Punkt reduzieren: ich war verletzlich, habe das auch kommuniziert und er hat diese Verletzlichkeit nicht respektiert. Er hat mich in einer schwachen Phase nicht beschützt, im Zweifelsfall vor sich selbst.

Schuld? Ich bin nicht schuld. 2016 konnte ich meine emotionalen Grenzen nicht genug schützen. Meine mentalen Grenzsoldaten waren alle an anderen Fronten beschäftigt. Im Job musste ich mehr als deutlich Grenzen verteidigen, meine Küche stand tagelang unter Wasser und gegenüber der Hausverwaltung musste ich ein paar Geschütze auffahren und und und…

Also stand an meinem kleinen rot-weißem Schlagbaum vor meinem Herzen nur ein kleiner 6,50 brutto-Leiharbeiter-Wachmann. Er hat sich echt bemüht, war aber einfach mit der Situation völlig überfordert. Verstärkung hätte er gut gebrauchen können, aber die war einfach nicht verfügbar.

Als der Typ das erste Mal vor meinem rot-weißem Schlagbaum stand, hat mein kleiner 6,50 brutto Wachmann brav die Hand gehoben und erklärt, dass es Einreisebestimmungen gibt, ein Visa ausgefüllt und den Typen passieren lassen, der 2 Wochen später freiwillig wieder ausgereist ist. D.h. wir waren ganze 2 Wochen offiziell zusammen bevor er die Beziehung via WhatsApp beendete. Als er das nächste Mal kam, kannte er die Einreisebestimmungen, die da hießen ganz oder gar nicht. Nach einer Kissenschlacht zog er sich an und sagte danach, sozusagen im raus gehen, „ach übrigens, Du weißt, eine Beziehung kommt für mich nicht in Frage.“ Damit war sein Gewissen beruhigt, denn er hatte ja angegeben, was er so über die Grenze transportieren möchte und walzte meinen kleinen, überforderten Wachmann einfach nebst Schlagbaum über den Haufen. Der war auch deutlich lädiert und stammelte die Einreisebestimmungen nur noch zusammen. Aber er ist ein braver, pflichtbewusster Kerl, er schmeißt den Typen außer Landes, flickt den Schlagbaum irgendwie, klebt sich ein Pflaster auf die Platzwunde und bezieht wieder Stellung. Na ja, was soll ich sagen, der Typ kommt wieder (in mein Bett), beruhigt sein Gewissen indem er im Vorbeirauschen immer angibt was er einführt und findet, dass der kleine Wachmann ja selbst schuld ist, wenn er ihn passieren lässt. Er war ja ehrlich.

Und wie das halt mit Dingen ist, die man immer wieder repariert, sie werden nicht stabiler. Der emotionale Schlagbaum ist inzwischen nur noch mit silbernen Klebeband irgendwie zusammen geflickt und mein kleiner pflichtbewusster 6,50 brutto- Leiharbeiter-Wachmann am Ende seiner Kräfte als diese „Smilla“ Geschichte passiert. Der Grenzgänger grinst und ist sich keiner Schuld bewusst. Er tischt mir eine Geschichte auf, warum diese Frau keine Schmuggelware ist.

Zum Glück aber sind inzwischen die Kämpfe an den anderen Fronten zu Ende und mein kleiner Wachposten hat wenigstens etwas Verstärkung bekommen. Nicht viel, denn die Reihen sind deutlich gelichtet, aber er steht nicht mehr alleine da. Er macht den Rücken gerade und erklärt noch mal die Spielregeln für den Aufenthalt in meinem Herzland. Herzland ist nicht wie die EU, in der man ohne Grenzkontrollen einfach hin und her fahren kann, es ist aber auch nicht Trumpland mit unüberwindbaren Mauern. Herzland ist eher wie die Schweiz. Man darf rein, aber man darf weder alles mitbringen noch alles raus schaffen. Es gibt ein paar Spielregeln. Die möchte der Typ nicht einhalten und wird daher vor die Tür gesetzt.

Als er vor 3 Wochen wieder vor dem Schlagbaum stand, war dieser nicht repariert, sondern neu. Und neben meinem kleinen Grenzwächter standen zwei gut ausgebildete, stattliche Grenzsoldaten. Die haben sachlich die Einreisebestimmungen erklärt. Darauf hatte der Typ keinen Bock, er merkt, eine neuerliche Grenzüberschreitung könnte Ärger geben. Er wendet und verschwindet. Natürlich nicht ohne vehement jedes Fehlverhalten abzustreiten.

Und dann? Dann soll ich mir anhören, dass es meine Schuld ist, wenn ich meine Grenzen nicht genug bewache? Nein, ist es nicht. Ich hätte sie besser bewachen und beschützen müssen, aber es war einfach nicht möglich und das gibt niemanden das Recht meinen überforderten Wachmann einfach über den Haufen zu fahren. Der Schlagbaum war deutlich zu sehen und der Wachmann kannte seinen Text. Ich habe ihm meine Verletzlichkeit gezeigt und er hat sie nicht respektiert. Er hat immer wieder unter dem Deckmantel, dass er ja immer gesagt hat, er wolle keine Beziehung, den Schlagbaum einfach durchbrochen. Er hat meine Schwäche ausgenutzt. Er, der immer das Bedürfnis hatte als ehrlicher, fürsorglicher Mann wahrgenommen zu werden, hat das unmännlichste getan, was es für mich gibt. Er hat mich nicht beschützt, im Zweifelsfall vor sich selbst.

Denn letztendlich macht das alles andere unwichtig. Es ist nicht mehr relevant, ob er bei all seinen Geschichten die Wahrheit gesagt hat oder nicht. Auch nicht, an welchen Grenzen er noch randaliert hat. Er hat die wichtigste Grenze, meine Verletzlichkeit und meine Gefühle, welche ich klar kommunizierte, nicht respektiert. In der letzten Mail hat er meine Gefühle sogar indirekt als „nicht richtig“ dargestellt. Und damit ist dann auch alles gesagt.

Es ist nun in meiner Verantwortung zukünftig meine Grenzsoldaten besser einzuteilen. Nicht mehr, nicht weniger.   



 

Donnerstag, 16. Februar 2017

Wachposten

Ein paar extra Trainingseinheiten bei minus 3.


Prinz Pest überwacht, ob die ganzen Schäferhunde, Malinois und Herder das auch richtig machen.








Mittwoch, 15. Februar 2017

Das Geschäft mit dem Mitgefühl und dem Gewissen


Mitgefühl und ein soziales Gewissen sind ein wichtiger Klebstoff jeder Gesellschaft. Man weiß heute, dass selbst Sätze wie „nur der Stärkste überlebt“ und das Märchen vom rücksichtslosen Alpha-Wolf völliger Schwachfug sind. Nicht nur Primaten, auch Kanide, pflegen soziale Strukturen und kümmern sich fürsorglich um schwächere Gruppenmitglieder. In Kanada wurde ein Wolf beobachtet, der wochenlang seinem verletzten „Kumpel“ Beutetiere brachte bis dieser wieder laufen konnte.

Mitgefühl ist also tief in uns verwurzelt. Wie sehr es ausgeprägt ist hängt von verschiedenen Faktoren ab. Genetik, Prägung und Erziehung natürlich, aber auch von situativen Faktoren. In Belastungssituationen sinkt unser Mitgefühl und auch die moralischen Grenzen verschieben sich. Trotzdem ist ein gewisser Grad immer vorhanden. Ausnahmen bilden ca. 5% der Menschheit, denen tatsächlich jegliches Gewissen abgeht. D.h. sie können jederzeit ohne jeden Skrupel agieren. Was dies bedeuten kann, ist hier aber nicht Thema.

Wenn ich ehrlich bin zu mir, ist mein Grad an Mitgefühl nicht so dolle ausgeprägt. Jedenfalls nicht, wenn ich mich mit dem ein oder anderen vergleiche. Ich bin ja der festen Überzeugung, dass das genetisch und hormonell mit dem fehlenden  „Mutti-Gen“ zusammenhängt. Ich bin 42 und zur keiner Zeit meines Lebens hatte ich beim Anblick eines Säuglings Lollis in den Augen. Im Gegenteil. Katzenvideos und Hundebabys? Fehlanzeige. Ich sitze mit einer Bekannten auf dem Boden in einer Gruppe Welpen. Ihr schießt die Milch beim Anblick eines verschüchterten Welps. Mein Kommentar ist recht trocken „wenn Du `n gescheiten Hund zum Arbeiten willst, nimm den „schwadden“ da hinten.

Die Sachbearbeiter-Schickse jammert, dass ihr Leben als alleinerziehende Mutter so schwierig ist. Und überhaupt, hat sie ein so hartes Schicksal. Ein Nachbar jammert. Die Umstände sind mal wieder schuld. Und überhaupt, er ist ja so krank. Und bei mir? Steinigt mich, aber so wirklich mitfühlend bin ich in diesen Augenblicken nicht. Ich höre mir das aus Höflichkeit an, aber das ist was anderes.

Zum Glück gibt es aber auch Dinge, bei denen ich merke, dass ich nicht ganz herzlos bin. Ich habe neulich eine Omma nach Hause begleitet, die bei der Postbank laut und deutlich, für alle hörbar, dem Postbeamten ihre PIN mitteilte. Außerdem hat sie 900€ abgehoben. Also hab ich Omma und ihren Rollator lieber mal begleitet, bevor jemand auf dumme Gedanken kommt.

Also, obwohl viele Dinge an mir abprallen, schafft es alle Jubeljahre irgendein Vollpfosten, dass ich ihm relativ wenig entgegenzusetzen habe. Und das obwohl ich ansonsten eher zu früh als zu spät einen Schlussstrich ziehe. Also stellt sich nicht unberechtigt die Frage, wie diese Typen das schaffen. Bemerkenswerter Weise schaffen es diese Typen eine Region meines Mitgefühls anzusprechen bei dem ich plötzlich ein Helfersyndrom entwickle. Eins, das sonst nicht da ist. Warum und wie funktioniert das?

Das zuletzt abservierte Modell war so ein Fall. Mir war relativ schnell klar, dass sein Selbstwertgefühl recht locker unter eine Teppichkante passt und vieles was er so gebracht hat bestimmt daraus resultierte. Und entgegen meiner Philosophie „nur weil ich was nachvollziehen kann, muss ich kein Verständnis haben“ habe ich zugelassen, dass dieser Typ alle Grundregeln meines Verständnisses der Sozialhygiene durchbricht. Es fielen sogar Sätze wie „ich kann ihm schlecht vorwerfen, dass er meine Grenzen nicht respektiert, wenn ich immer wieder zulasse, dass er sie durchbricht.“ *würg

Toller Satz, aber völlig unpassend für mich. Selbst C. gab ich als Außenstehende den Rat (bei der Geschichte von ihrem Lutz-dem Gehirndrops) „wenn Du aus irgendeinem Grund nicht die Kraft hast Dich zu wehren, dann muss Lutz so viel Arsch in der Hose haben und es beenden. Du hast gesagt, dass Du manche Sachen nicht willst, wenn er sie trotzdem macht, weil Du Dich nicht vehement wehrst, ist das emotionale Vergewaltigung. Basta.“ Nein heißt nein, mal so als Stichwort. D.h. ich bin in meiner moralischen Auffassung sehr eng an einer Täter-Opfer-Definition. Kampfemanze vielleicht, aber ich kotze beim geringsten Anflug, dass jemand schuld sei, weil er sich nicht genug gewehrt hätte. Ich habe vielleicht wenig Mitgefühl, aber mein moralischer Anspruch heißt, dass es Situationen gibt, da muss der situativ Stärkere Verantwortung übernehmen.

Theorie und Praxis. Ich habe diesen Typen mehrfach gesagt, dass ich dieses heiss-kalt-on-off Verhältnis nicht will. Ich habe ihm mehrfach gesagt, dass ich entweder eine Beziehung habe (und dann auch monogam bin) oder eine Liebschaft und es ihn dann nichts angeht was ich sonst mache. Und ratet mal was war? Es war eine erklärte heiss-kalt-on-off-nicht-Beziehung bei der ich mich auf seinen Wunsch einließ, das Ganze monogam zu gestalten. Dass das Ding mit der Monogamie wohl nur für mich zutreffen sollte, ist eine ganz andere Geschichte. Ich habe diesen Typen Sachen durchgehen lassen, das ist unglaublich demütigend (für mich). Immer wieder. Wie zum Teufel hat der Depp das geschafft?

Indem er den richtigen Punkt meines Mitgefühls getroffen hat. Jedes Mal wenn er über Schicksal sprach, prallte er ab. Schwere Trennung und deswegen bindungsunfähig? Kein Mitleid bei mir und dann hatte er den Bogen plötzlich raus. Mit der „Erkenntnis“, dass er emotional auch nur ein kleiner Teppichflitzer ist, etwas verkorkst, aber eigentlich auch nur ein „Safe House“ sucht, da ging bei mir was. Verdammt. Ich habe wohl ein Herz für die Verkorksten und dann, ja dann ist das Ding mit dem Mitgefühl ein Selbstläufer. Irgendwie scheint es, ob als mein Gewissen mich dann daran erinnert, dass meine Mitgefühl-Bilanz nicht so dolle aussieht und ich dringend nachholen muss. Also kompensiere ich die ganzen gesammelten Minuspunkte bei einem Vollpfosten der mir nicht gut tut. Und der natürlich nichts für mich tut. Das fängt dabei an, dass der Dreckskühlschrank, den er in den Keller tragen wollte, immer noch auf dem Balkon steht, geht darüber, dass er noch nicht mal Kondome oder Pizza mitbringt und hört tatsächlich dabei auf, das ich dankbar sein solle, dass er fragt wie es mir geht. Ganz toll, Puppe.

Ich habe ihm bis zum Schluss die Chance gegeben die Karten auf den Tisch zu legen. Mein Gewissen hat mir „befohlen“, dass selbst bei der geringen Wahrscheinlichkeit von 0,0002%, dass seine Geschichten wahr sind, die Geschichten vom belastenden Job und der leidenden Seele, ich es für mich nicht verantworten konnte ihn in den Wind zu schießen. Also wirklich bis zur Kotzgrenze.

Hat er nicht gemacht, also die Karten auf den Tisch gelegt. Gut, dass ich dann trotzdem oder gerade deswegen tatsächlich für mich einen Abschluss gefunden habe. Mein Gewissen konnte mich ruhig schlafen lassen, weil ich ihm wirklich jede Chance gegeben habe und er sich trotzdem wie ein Arsch verhalten hat. Allerdings scheint meine Mitgefühl-Bilanz trotzdem noch leicht im Minus zu sein. Ich habe mich gestern dabei erwischt, als ich mit C. herzhaft über einige Bretter von ihm lachte und wir schon überlegten, wie wir das verbloggen, dass ich ganz kurz dachte „ach, das kannst Du nicht machen, der arme Kerl, der hat doch eh Probleme mit seinem Selbstwertgefühl.“ Erschreckend.

Also bin ich, um die fehlenden Pluspunkte zu sammeln, hoch zum hauseigenen Bambi gelatscht. Das schikaniert nämlich Omma von gegenüber. Omma und ihr Hündchen sind an allem schuld. Am angeblichen schlechten Geruch im Haus, am schlechten Rasen und überhaupt. Omma ist zu zart um sich zu wehren und traut sich nicht mehr abends fernzuschauen. Sie hört nicht mehr gut und die Lautstärke könnte Bambi stören. Dabei sind Omma und ihr Hündchen völlig unauffällig. Kein Bellen, kein Pippi auf dem Rasen…nix. Omma ist echt eingeschüchtert. Entsprechend habe ich Bambi erklärt, natürlich sachlich und zärtlich differenziert, dass sie, falls sie Diskussionen möchte, gerne mal mit mir diskutieren könne. Sei doch viel lustiger sich mit jemanden anzulegen, der was entgegenzusetzen hat. Omma weiß davon nichts, aber heute Morgen ist Bambi freundlichst grüßend an Omma vorbei anstatt sie wie sonst zu „hausmeistern.“ Bilanz ausgeglichen und der Weg für Geschichten zum Thema „Smilla“ und „Zweitprofil als Seelenmedizin“ frei.

P.S. Ich glaube übrigens, dass die Fähigkeit, auch den größten Idioten zu verzeihen das Überleben der menschlichen Rasse sichert. Hätten wir diese Fähigkeit nicht, wären zu den Sommerferien an den Autobahnraststätten tausende, ausgesetzte pubertäre Teenager und nicht Hunde und Katzen zu finden.

 

Dienstag, 14. Februar 2017

Völlig durchgeknallt und Spass dabei

Ich habe die letzten Tage die Anzahl der Menschen, die mich für latent irre halten wahrscheinlich um eins erhöht. Danach bin ich ins Bett gegangen und habe das erste Mal seit Wochen durchgeschlafen. Großartig.


D.h. nämlich, dass es mir völlig latte ist, was diese Person von mir denkt und ich weiß, dass das der Abschluss ist, den ich gebraucht habe. Zudem ich weiß, dass ich nicht ganz rund laufe. Allerdings
1.       auf eine völlig anderen Ebene als er denkt und
2.       wenn das Leben mit einer Klatsche so gut ist, kann das so bleiben.
Meine ganz persönliche Macke hat mich die letzten Tage ein paar Dinge machen lassen, die mit großer Wahrscheinlichkeit die meisten als übertrieben ansehen, aber ich brauche das für einen gesunden Schlaf. 
D.h. ich habe sämtliche Passwörter geändert, auch PIN`s und ähnliches, ich habe Sicherungskopien gemacht, auch vom Blog, danach habe ich ein paar Leute aus meinem privaten Netzwerk kontaktiert. Früher dachte ich ja immer, es sei praktisch Handwerker zu kennen, heute schätze ich die (echten) Polizisten und die Juristen viel mehr. Als das alles getan war, gab es für eine Person aus meinem Umfeld nur noch Hüh oder Hott im Umgang mit mir. Das habe ich auch so kommuniziert. Die Einzelheiten sind eine längere Geschichte, die irgendwann mal erzählt wird, aber im Gegensatz zu letztem Jahr war ich dabei nicht einmal emotional überspannt, hektisch oder habe mich von irrationalen Verlustängsten lenken lassen. Ich habe brav in der „ich“ Perspektive kommuniziert und nicht im „Du hast“. Außerdem formulierte ich ganz artig die Verletzungen, die ich empfand als genau das. D.h. nicht als Vorwurf, sondern als Darstellung meiner subjektiven Gefühle. Die Reaktion war, ganz typisch, von allen Möglichkeiten die „schlechteste“. Wobei das ja in diesem Zusammenhang ja relativ ist. 
Meine Umgebung fragte mich die letzte Zeit, warum ich überhaupt wieder Kontakt mit ihm hätte und ich konnte das irgendwie nicht beantworten. Gründe gab es keine, nicht hinsichtlich was 2016 alles passiert ist. Irgendwann fiel es mir wie Schuppen von den Augen, denn mir war klar, dass ich für mich einen Abschluss brauche. Ich bin ein selbstkritischer Mensch und allein die winzig kleine Wahrscheinlichkeit, dass an seinen Storys was dran sein könnte und die Möglichkeit, dass ich letztes Jahr völlig drüber war, lies mich nicht schlafen.  2017 ist aber anders. Mir geht`s gut und ich fühle mich „sehr bei mir“. Auf meine Rückfragen reagierte er mit Rechtfertigungen und passiv-aggressivem Verhalten. Damit kommt man bei mir eh schwer durch, aber ein Mensch, der nicht mal genug Klöten oder Arsch in der Hose hat, sich zu entschuldigen, den brauche ich nicht in meiner Umgebung. Trotzdem hatte er jederzeit die Möglichkeit selbst zu entscheiden. Ich nannte lediglich Spielregeln im Umgang mit mir. Ob er sie einhalten möchte oder nicht, freier Wille…
Ich meine niemand von uns ist perfekt und wir sind alle mal komplette Vollpfosten. Das ist menschlich. Letztendlich reißt man sich irgendwann am Riemen und entschuldigt sich. Jedenfalls wenn die eigenen Worte, dass der andere für einen wichtig sei, nicht nur leere Worthülsen sind. Er hat deutlich gezeigt, dass sein Umgang mit Menschen und seine Moralvorstellungen zu meiner so konträr sind, dass selbst lockerer Kontakt völlig sinnlos ist. Bemerkenswert, dass ich bereits im Dezember 2016 exakt das Gleiche zu ihm sagte. 
Er hat damit mit dem „wie“ das „was“ völlig relativiert. Es ist irrelevant geworden, ob seine Geschichten stimmen oder nicht, meine Entscheidung basiert auf eine mit mir inkompatible Charaktereigenschaft. 
„Es ist ein erleichterndes Gefühl, keine Fragen mehr an eine bestimmte Person zu haben. Nicht weil sie beantwortet wurden, sondern weil die Antworten nicht mehr wichtig sind.“
Dieses Ziel ist erreicht.
Warum aber dieser Aufstand mit den Passwörtern, der rechtlichen Absicherung und so? Na ja, da habe ich echt einen an der Waffel. Ich bin einfach ein gebranntes Kind und sorge lieber vor. Ich gebe es zu, ich laufe da nicht ganz rund. Warum ist auch eine andere Geschichte, aber ich schlafe gut, weil ich halt vorsorge. Eine Freundin von mir ist Volljuristin im Verlagswesen. Sie kennt sich mit Persönlichkeitsrechten und so gut aus. Sie hat den Blog gelesen und mir das „go“ gegeben. Ich habe mich viel zu lange in vielen Dingen hier fremd steuern lassen, weil… na weil halt. Das will ich nicht mehr, es ist mein Blog, mein Raum mich auszukotzen, zu reflektieren und auch einfach mal Luft abzulassen. Solange ich keine Namen oder eindeutige Hinweise gebe, ist alles in Butter. Bei dieser Aussage bin ich vor Lachen vom Sofa gefallen. Aber auch das ist eine andere Geschichte. 
Es ist meine Macke. Sie und ich leben schon lange zusammen und haben uns arrangiert. Und sie ist sozialverträglich. Sie betrifft nämlich nur Menschen, die nicht (mehr) Teil meines Lebens sind. 
„Man braucht keinen Grund zu gehen, wenn man keinen hat zu bleiben.“



 

Freitag, 10. Februar 2017

Stille Sehnsucht: Safe House


Manchmal erwische ich mich dabei, wie mich so eine ganz stille Sehnsucht ergreift. Ganz leise, aber dann schwingt sie tagelang mit. Dann denke ich an Gerd, meinen Ex. Auch wenn Gerd mich durch seinen Betrug unglaublich verletzt hat, war ja nicht alles schlecht. Die Beziehung die wir bis dahin geführt hatten, war für mich bis jetzt die Beste. Die Sehnsucht betrifft aber nicht die Person, sondern die Institution.
Als ich Gerd kennen gelernt habe, wollte ich, ich geb`s zu, nur mal durch die Kissen mit ihm. Ich hielt und halte mich in großen Teilen für nicht beziehungsfähig. Gerd und ich hatten eine unglaubliche Kissenschlacht. Ich ging und irgendwie hatten wir danach ständig Kontakt.
Die guten Dinge an die ich mich, wenn die Sehnsucht kommt, erinnere:
Ich musste mit Gerd nie die Kontrolle behalten. Es war nicht nötig all diese Vernunftsdinge zu machen, die man sonst am Anfang macht. Also sich nicht zu oft melden, damit man nicht bedürftig wirkt, sich nicht komplett in die Karten gucken zu lassen, damit man den anderen nicht überfordert und überhaupt dieses ganze kontrollierte Abwartengedöns. Gerd machte den ersten Schritt. Er kam, auch emotional, immer auf mich zu und half mir dabei unglaublich auch all meine Ängste über Bord zu werfen. Ab einem gewissen Alter wird man einfach vorsichtiger und bleibt wachsam. Er war unglaublich ehrlich, auch wenn es um sein eigenes Kopfkarussell ging. Ich weiß noch wie er mir relativ schnell am Telefon beichtete, dass er ständig auf`s Handy guckt, ob ich mich gemeldet habe und auch ganz schön Muffensausen hat. Er hat mir damit ein unglaubliches Gefühl der Sicherheit gegeben. Er hat immer gesagt, wenn ihn was in der Beziehung beschäftigt oder er unsicher ist (dachte ich). Und ich habe ihm in diesem Punkt grenzenlos vertraut.
Gerd hat mein Hobby nicht nur ertragen, er hat es mitgetragen. Nicht zeitlich, sondern emotional und mental. Ich habe mich immer unterstützt gefühlt, auch wenn er natürlich nur sehr selten auf Wettkämpfen dabei war.
Er hatte einen Schlüssel und oft war er einfach da, wenn ich nach Hause kam. Eine Anmeldung war nicht nötig. Ich habe mich immer gefreut, wenn ich ihn sah. Weil er so herrlich entspannt war. Ich komme nach einen beschissenen Tag nach Hause, er sieht mein Gesicht und fragt nur „Müller?“, ich „mh“ und alles war gesagt. Er wusste einfach mit einem Wort, was los war. Ich konnte mich einfach neben ihn auf`s Sofa schmeißen und wir haben kein Wort gesprochen. Egal wie schlecht der Tag war, ich habe mich nie so gefühlt als ob ich lieber alleine wäre. Dabei habe ich ausgesprochen oft sehr ausgeprägte sozialphobische Phasen.
Wir waren meist bei mir. Wegen der Hunde und weil seine Wohnung halt seine Männerhöhle war und bleiben sollte. Manchmal haben wir uns auch tagelang nicht gesehen und wenig voneinander gehört. Da war er halt in seiner Höhle und es hat mich nicht gestört. Gerd war mein emotionales Safe House. Manchmal reicht es, wenn man einfach weiß, dass es das gibt.
Kennt ihr das Gefühl, wenn in eure Wohnung eingebrochen wurde? Der Ort an dem ihr euch geborgen fühlt, die Tür zu macht und die Welt draußen bleibt? Ihr realisiert, dass euer Allerheiliges nicht sicher war und/oder ist?
Ein Safe House ist ein Ort an dem alles draußen bleibt. Man endlich los lassen kann. Die Art des Endes unserer Beziehung war für mich, als ob mein ganz persönliches Safe House zerbombt wurde. Plötzlich, so schien es, war man nirgends mehr sicher. Es gibt Leute, die behaupten, dass Gerd ja nie wirklich mein Safe House war, sonst hätte er mich nicht so betrogen. Ich sehe das anders, es war ja das Gefühl um das es mir ging.
Ich hatte nach Gerd andere, gute Beziehungen, aber irgendwie kam dieses Safe House Gefühl nie wieder so intensiv zurück.


Manchmal habe ich das Gefühl, ich hätte mich mit einem Leben ohne diesen emotionalen Ort abgefunden.
 
 

Donnerstag, 9. Februar 2017

all the good things - Glück und Zufriedenheit


Es ist 20:30 Uhr. Die Sitzheizung läuft volle pulle und ich spüre meine Finger nicht mehr. Arschkalt in Berlin. Im Radio läuft skandinavische Rockmusik. Ich mag diese dunkle Romantik der Skandinavier und singe laut mit. Alter Falter, geht es mir gut.

3h extra Training nach einem wirklich anstrengendem Tag im Büro. Dort aber alle Probleme gelöst, danach ab ins Gelände bei minus 5. Dick angezogen, meine Ausrüstung ist eigentlich gut.

Wenn ich Cholera starte, steht sie da, zittert vor Anspannung, die Ohren fliegen fast schon nach vorne, ich beuge mich über sie, eine Hand über ihren Rücken, ich berühre sie nicht und dann flüstere ich „such“ und sie schießt wie von einer Schleuder geschossen 60m gerade aus, die Nase geht hoch, sie biegt ab und hat gefunden, was sie suchen sollte. Wie auch immer ich das geschafft habe ohne jede Berührung so wortlos mit ihr zu kommunizieren. Mir ist klar, dass das geht, weil sie seit Generationen darauf gezüchtet ist. Reine genetische Selektion, aber trotzdem geht mir das Herz auf. Als Pest dran ist, vergewaltigt der erst mal meinen Rucksack, hampelt rum. Irgendwann geht er dann auch suchen. Ich muss lachen. Er ist halt wie er ist, trotzdem frage mich, nach was seine Gene selektiert wurden.

21:00 Uhr, endlich zu Hause. 14h außer Haus. 21:00 Uhr ist für andere noch nicht spät. Für mich schon. Bis ich aufgewärmt bin, was gegessen habe und ein bisschen runter gekommen bin ist es locker 22:30 Uhr und um 5:00 Uhr klingelt der Wecker wieder. Ich könnte auch länger schlafen, aber die Runde um 6:00 Uhr durch den menschenleeren Wald ist mir heilig.

Neulich wurde ich gefragt, ob ich mein Hobby aufgebe oder reduziere, wenn ich eine Beziehung habe. Wie aus der Pistole geschossen antwortete ich „nein.“ Den ein oder anderen Kompromiss, aber reduzieren wäre mehr als kontraproduktiv. Kaum einer kann verstehen, warum ich tief zufrieden und ruhig bin, wenn ich durchgefroren oder pudelnass nach Hause komme. Solche Leidenschaften können nur Menschen verstehen, die ein ähnliches Ding laufen haben. Auch reduzieren geht schlecht, weil eben der Level diese Zufriedenheit und innere Ruhe gibt.

Als ich mit Gerd zusammen war, waren meine beiden Hunde schon älter und knochenkrank. Irgendwann sagte er zu mir, fahr los und besorge Dir einen jungen Hund. Ist ja nicht zum Aushalten. Ich kaufte Pest. Und warum Pest immer noch auf meinem Sofa liegt, Gerd aber nicht mehr und warum Pest nicht im großen Sport läuft, ist eine ganz andere Geschichte. 2016 wusste ich tatsächlich nicht, ob und wie ich weiter machen soll. Das Ergebnis ist eine längere Geschichte, aber seit ich wieder voll dabei bin, bin ich wieder bei mir.

Und dann mein Job. Ich liebe meinen Job. Ich kann mir nicht vorstellen in einer anderen Branche zu arbeiten. Ich habe geregelte Arbeitszeiten und nehme Pest&Cholera oft mit ins Büro. Jeder hier weiß, dass ich meine Leistung bringe und wenn ich früher gehe, dann gehe ich früher. Basta. Am Ende vom Jahr muss das Ergebnis stimmen und das stimmt bei mir. So entspannt war es hier nicht immer. Anfang 2016 hatte ich schon gekündigt. Big Boss und little Boss haben gekämpft, dass ich bleibe, ich habe hoch gepokert und gewonnen. Die Zahlen beweisen, dass es sich gelohnt hat. Auch das macht mich zufrieden. Ich bin ein Leistungsmensch, aber weit davon entfernt mich kaputt arbeiten zu wollen.

Also, ich sitze also im Auto, singe schief mit und denke so bei mir, dass ich echt ein Glückspilz bin. Etwas in seinem Leben zu haben, das einen so erfüllt, wer hat das schon? Es gibt mir einfach in vielen Dingen eine Arschruhe. Nicht im Allem, aber auch das kann ich akzeptieren. Ich schlafe seit Wochen nicht durch. Es gibt zwei Dinge, die mich dazu bringen mich nachts um 2:00 Uhr von meinem Erbsenhirn wecken zu lassen. Das eine kann ich nicht entscheiden, weil es nicht in meinem Einflussbereich liegt, das andere will ich nicht entscheiden, weil es unklug wäre zu intervenieren. Dinge auszusitzen gehört aber nicht zu meinen Kernkompetenzen. Am liebsten möchte ich alles immer sofort geregelt und geklärt haben. Aber im Moment bin ich so entspannt, dass mich selbst die schlechten Nächte nicht stören. Auch das wird aufhören.

„Der Sachse“ hat sich gemeldet. Er möchte dringend 2017 wieder mit mir arbeiten. Er zahlt gutes Geld und für mein Ego ist es Samt. Außerdem macht die Arbeit mit ihm und seinen Hunden Sinn. Sonst hätte ich das Projekt nicht angenommen. Bedeutet, ich habe einen Nebenjob, der Spaß macht, gutes Geld bringt, den ich aber nicht zwingend brauche. Und wie es so ist, wenn man nicht bedürftig ist, erst dann ist man richtig gut. Ihm ist völlig klar, dass ich ansonsten überhaupt keinen Nerv habe, fremde Köter auszubilden. Entsprechend wertvoll erachtet er es. Dass ich allerdings das dumpfe Gefühl habe, dass der gerne noch ein bisschen mehr möchte, ist eine andere Geschichte.

Ich habe ein paar ziemlich tolle Leute in meiner Umgebung. Sie sind für mich da und stellen mich auch konstruktiv in Frage ohne mich als Person anzugreifen. Dadurch komme ich mit einigen Gedanken weiter. T., M. und natürlich C. sind unbezahlbar. Ich brauche ein paar extra Trainingseinheiten? Eine kurze WhatsApp und ein paar liebe Kameraden frieren mit mir im Schneeregen.

So what?

Glück?

Nein. Ganz ehrlich? Ich habe mir das alles hart erarbeitet, mir teilweise den Arsch im Büro aufgerissen, mich selbst reflektiert, an mir gearbeitet und mir den Kopf waschen lassen. Ich habe mich offen und ehrlich entschuldigt, wenn ich einen Bock geschossen habe. Hatte wirkliche Tiefen, besonders letztes Jahr. Das macht ruhig, zufrieden, aber auch ein bisschen arrogant. Neulich sagte jemand zu mir: „das hast Du verdient“ und ich antwortete pappenfrech „ich weiß.“

 

Mittwoch, 8. Februar 2017

So viele Themen...

Mir gehen so viele Themen durch den Kopf, aber der Kollege ist nicht da und ich muss tatsächlich was tun.


Das ist gut, ich mag es, wenn die Hütte brennt, aber es sind ein paar sehr komplexe Projekte und ich habe Abends nur noch Grütze im Kopf. Schon ein 3 Wort Satz überfordert mich.


Dazu ein paar extra Trainingseinheiten mit Cholera und Samstag großer Auftrag im Nebenjob.


Also hier nur Oberflächiges. Dabei stehen an:


  • Hypersexualisierung (ich habe es extra zuerst genannt, um Aufmerksamkeit zu bekommen)
  • passiv-aggressives Verhalten
  • Buchtipps
  • Stilblüten von Lutz-dem Gehirndrops
  • Wie ich mal wieder nicht kapiert habe, dass ein gutaussehender Kerl mich angebaggert hat.
  • und taaattttaaaaaa, das nächste Date steht an.
Aber Job ist Job.