Sonntag, 17. September 2017

work-eat-sleep-repeat



Die letzten Wochen waren mörderisch. Ich habe genau das Leben geführt, das ich nicht leben möchte. Morgens zu spät aus dem Bett, sich beeilen müssen, ab ins Büro, dort so viel Arbeit, dass ich Abends völlig fertig bin und mich nicht erinnern kann wo ich geparkt habe. 

Als das anfing produzierte mein Körper brav Adrenalin und Noradrenalin in der Menge eines Rindes auf einem Tiertransport quer durch Europa. Entsprechend war ich bei der geringsten Kleinigkeit auf „fight“ eingestellt. An Einschlafen war kaum zu denken. Nach einiger Zeit war ich nur noch müde und beim kleinsten Anflug von Konflikt völlig gleichgültig, Resignation. Zu nichts mehr Kraft, Trainings und Verabredungen abgesagt. Kein Sex, noch nicht mal mit mir selbst. Nur noch eine Hülle, die funktioniert. Nicht gut, gar nicht gut. Ich rauche zu viel und mache keinen Sport. Ich bin beweglich wie eine deutsche Eiche und dynamisch wie eine tote Qualle. Das Hirn weiß, dass man sich aufraffen müsste etwas zu tun, was gut tut, der Körper verweigert seinen Dienst. 

Panik, ich liege wach und denke an das letzte Jahr. Das Jahr im emotionalen Zombieland. Das Jahr in dem ich so runter war, dass ich mich habe runter ziehen lassen, mich selbst erniedrigt und in die Position eines Bittstellers gebracht habe. Ich erwische mich, wie ich in Verhaltensschemata verfalle, die mir nicht gut tun, ich schaue mehrfach auf dem Profil vom „Schmock aka die Polizei aka SEK“ nach, ob es Neuigkeiten gibt. Gibt es und ich denke ernsthaft drüber nach und thematisiere das sogar mit L. Die Erkenntnis fühlt sich an, als ob mir einer von hinten einen Baseball Schläger über den Schädel zieht. Ich liege wie ein toter Maikäfer auf dem Sofa und ziehe Bilanz. Durch den Stress sage ich Trainings ab, treffe mich nicht mit M. für ein gepflegtes Besäufnis, esse ungesund, bin zu faul für Sport, blogge nicht mehr, auch nicht im geheimen Geheimblog und möchte meine Mitmenschen vor den Bus schubsen. Wahhhhhh…das ist gruselig.

Im Geheimblog steht, dass ich neulich trotz Müdigkeit mit J. Essen war. Mit der klaren Ansage, dass ich keinen Bock auf Sex habe, wir aber gerne eine Unterhaltung haben könnten. Hatten wir und es war ein schöner Abend, es tat mir gut. Ich danach ins Bett, er feiern. Ich mache ihm 2 Wochen später exakt die gleiche Ansage und wir gehen essen. Wir könnten mehrere Nächte durch reden und uns würden nicht die Themen ausgehen. Danach ich wieder in die Heia und er feiern. Gestern Morgen habe ich ihm einen Kaffee gekocht bevor ich in Heim in sein Dorf in Niedersachsen geschickt habe. Jup, richtig gehört, er war morgens da und meine kleine sozial- und bindungsphobische Welt ist nicht untergegangen. Danach gehe ich ins Training, ich bin todmüde aber entspannt. Ich weiß es liegt eine Woche Urlaub vor mir. Ich weiß nicht wie J. das macht, aber immer wenn ich mich mit ihm getroffen habe, kann ich wieder einfach den Augenblick genießen, nicht alles zerdenken. Es ist mit ihm wie es ist, einfach eine gute Zeit ohne „aber wenn und dann und überhaupt.“

J. wird nie einen Arbeitstitel hier bekommen. Das würde ihm nicht gerecht werden. Immerhin reden wir von einem Mann, der mich mit einem simplen Gespräch vom Zombieland wieder ins Reich der Lebenden, der Lebendigen, der Lebensbejahenden und emotional Entspannten bringt. Und das, obwohl die Rahmenbedingungen für Außenstehende genug Grund zum zerdenken, zerreden und zerpflücken geben würden. Er ist verheiratet und wohnt nicht in der Stadt, eine Zweitwohnung in der Stadt. Ein- zwei Mal im Monat hier. Wir treffen uns wenn ich dann Zeit habe oder auch nicht. Er kennt den ein oder anderen Liebhaber von mir und ich die ein oder andere Geliebte von ihm. Wir reden entspannt darüber. Ich mag ihn unglaublich gerne und bin mir sicher er mich auch. Wir wissen, dass das nicht ewig andauern wird. Solche Arrangements haben einfach eine geringe Halbwertszeit. Irgendwann kommen andere Gefühle ins Spiel, die alles komplizieren, die unsicher machen. Oder er hat sich genug ausgelebt und will wieder zu 100% in seiner kleinen Dorfwelt leben, mit Schützenfest und Gemeindebeirat. Oder ich verliebe mich in einen anderen oder ein anderer in mich. Ich habe neulich einen ziemlich netten Singlemann auf einer Party kennen gelernt und er gab mir seine Telefonnummer. Aber das ist mal wieder eine andere Geschichte. 

Wenn ich mit J. zusammen bin, merke ich wieder, dass ich emotional werden kann und will. Das mein Herz voll Wärme ist und ich das Positive sehen kann. Ich bin mir sicher, dass es ganz im Geheimen daran liegt, dass mein kleines, verschlossenes und bindungspanisches Unterbewusstsein weiß, dass dieser Mann mir ja nicht wirklich gefährlich werden kann. Nicht weil die emotionale Ebene nicht stimmt, sondern weil die Ratio das Sicherheitsseil, die letzte kleine Selbstschutzmauer aufrecht erhalten kann. Die Ratio lächelt uns sagt: er ist verheiratet, er liebt sein Leben im Dorf, egal was ihr habt, Du musst nicht darüber nachdenken, es ist endlich und Du kannst jeden Gedanken, ob und wie Dein Leben sich verändern könnte, nicht haben. Liebe Emo, Du musst keine Angst haben, denn ich, die Ratio beschütze Dich und halte Dich fest.
 
Am Freitag saß J. neben mir im Club. Wir können die Hände nicht voneinander lassen, knutschen wir Teenager, wenn er mich ansieht, hat er Lollis in den Augen, eine sehr spezielle Art von Verliebtheit, rational abgesichert und ich weiß, ganz tief im Inneren, dass ich mich wieder verlieben kann und will, dass es passieren wird und es nicht selbstzerstörerisch und erniedrigend sein wird. Ein unglaublich schönes Gefühl.



Dienstag, 5. September 2017

Theorie und Praxis

Irgendeine Hündin in der Nachbarschaft ist läufig. Das weiß ich, weil Pest minutenlang an einem Grashalm schnuppert und dann Sabberfäden aus seiner Gosche kommen.

Theoretisch ist er kastriert. Praktisch hat er das vergessen. Er ist sogar ein sogenanntem Frühkastrat, wurde also vor der -theoretischen- Geschlechtsreife kastriert. Diese, da sind sich die Experten einig, zeigt sich bei Rüden durch das Heben des Beines beim Pullern.

Pest pinkelt bis heute wie ein Mädchen. Jedenfalls wenn er sich unbeobachtet fühlt. Dabei pinkelt er sich regelmäßig Vorderläufe und kann dann vor lauter Ekel nicht mehr laufen. Keinen Meter. Ich habe mir bereits vor Jahren angewöhnt immer Feuchttücher dabei zu haben. Spazierengehen ist schöner als Spazierenstehen.

Aber ich schweife ab. Im zarten Alter von 16 Wochen hat Pest entdeckt, dass es Männlein und Weiblein gibt und beschlossen ausschliesslich das Letztere gut zu finden. Seine Begeisterung drückte er durch umgehendes, völlig wahlloses Bespringen aus. Gross, klein, dick oder dünn? Egal. Hauptsache weiblich. Für dieses Hobby war er bereit viele Kilometer zu laufen. Gerne auch von mir weg. Durch diese Aktionen hat er ein dickes Halsband mit meiner Telefonnummer in Leuchtlettern gewonnen. Meine Nebenhoffnung so einen patenten Hundeliebhaber kennen zu lernen ist eine völlig andere Geschichte.

Trotzdem war es nervig Spaziergänge nicht mehr planen zu können weil ich ja nie wusste wo ich ihn wann von welcher Hündin abpflücken durfte und er wachte eines Tages ohne Klöten beim Tierarzt auf.

Alle einschlägigen Experten sind sich einig, dass ich ihm so jede Chance genommen habe sich zu entwickeln und er von anderen Hunden nicht mehr ernst genommen wird. Die Praxis zeigt, dass der 10kg Frühkastrat grosse Schäferhunde rumkommandiert.

Zudem meine Hoffnung er würde mal an eine richtig, hundliche Kampflesbe geraten und Prügel kassieren sich auch nie erfüllt hat. Pest hatte sie alle und jede ließ ihn ran. Selbst die zickigsten Weiber hielten brav still. Wahrscheinlich waren auch ein paar hündliche Lesben dabei. Allerdings ist es mir ein  Rätsel wie er das gemacht hat.

Ich meine stellt euch mal vor Pest wäre ein Kerl. Dann wäre er gerade so 150cm gross und wäre spargeldürr. Er hätte kein eigenes Einkommen  und würde sich in einer WG von zwei Weibern durchfüttern lassen. Dazu untreu und ein Prolet. Und dieser Kerl bekommt jede Frau rum? Auch ohne Klöten!

Jedes mal wenn mir jemand denn bescheuerten Satz "Hunde sind die besseren Menschen" an den Kopf wirft, ist das einer der Gründe warum ich schallend los lache.

Mittwoch, 23. August 2017

Let`s talk about – Sex


Désirée Nick schrieb in ihrem Buch, dass Sex ab 40 erst gut wird. Als ich das Buch las war ich Mitte 30 und verstand irgendwie nicht was sie meint.

Neulich lag ich völlig fertig auf der Spielwiese und so ein junger, unglaublich gut Gebauter strahlte mich an und meinte, er liebe Frauen über 40. Und ja, zuerst war ich schockiert. Implizierte diese Aussage doch, dass er mir mein Alter angesehen hatte. Verdammt. Und das bei all den teuren Cremes und so. Ich meine das ist ja nicht der Plan bei dem ganzen körperlichen Wartungsaufwand den ich betreibe. Nun ja, ich scheine auch etwas verwundert geguckt zu haben, jedenfalls soweit das in dem Zustand noch ging und der Jungsche strahlte weiter und philosophierte dabei, dass Frauen in seinem Alter sich nicht gehen lassen können, ständig bemüht sind, dass sie selbst beim vögeln gut aussehen und Problemzonen kaschiert werden. Ich hab nichts gesagt. Der Typ war nicht nur gut gebaut, sondern auch talentiert und ich entsprechend Hirntot.

Tage später überlegte ich mir auf einer Waldrunde mit Pest und Cholera wie mein Sex vor 40 war. Ich meine, solange man nichts anderes kennt, findet man ja den Status Quo gut. Jedenfalls war es bei mir so. Bis vor ein paar Monaten fand ich mein Sexualleben prima. Jetzt kommt es mir so vor als hätte ich mein Leben lang Dosenfutter bekommen und nun frisch Gekochtes. Allerdings finde ich keine logische Erklärung dafür, dass ich dann ja wohl bisher nur so mittelmäßige Liebhaber hatte und nun aus irgendwelchen Gründen nur noch in der sexuellen Bundesliga spiele. Vielleicht hängt das auch mit dem ganzen self improvement Gedöns zusammen.
Und das Hirn, ja das Hirn spielt eh Streiche. Anstatt sich nämlich zu freuen, dass es so ist, denke ich darüber nach was mir fehlen würde, wenn es nicht mehr so wäre. So`n Scheiß wird im Alter definitiv schlimmer. Also die Gedanken bzw. die Sorge sich an was Schönes zu gewöhnen und dann ist es wieder weg anstatt es zu genießen, dass es einfach mal da ist. Dazu kommen die Einschlafschwierigkeiten zwischen (fehlender) Altersvorsorge und Zahnzusatzversicherung. Alter Falter war mir das früher wuppe. Aber ich schweife ab.
Sex wird also besser ab 40. Auf alle Fälle ist man ab 40 etwas abgeklärter. Ich bilde mir weder ein noch habe ich den Anspruch, das die Kerle der letzten "Mitmach-Aktion" wegen meinem feinen Sinn für Humor oder meiner Eloquenz dabei waren, noch nicht mal wegen meinem hübschen Hintern. Sie werden gerade mal mitbekommen haben, dass ich überhaupt einen habe. Und es war mir Schnurz. Es ging trotzdem oder gerade deswegen um mich. Also mir, keine Ahnung um was es Kerlen dabei geht. Bei mir, im Hier und Jetzt zu sein, keine Gedanken zu haben nur noch zu spüren, Triebe ohne anerzogene Moral oder ähnliches zu haben. Mich zu spüren, eben rein körperlich. Ich kann mich auf verschiedene Arten spüren, aber das rein körperliche ist noch mal anders. Das konnte ich in dieser Form früher nicht. Also irgendwie schizo. In weiten Teilen meines Lebens geht das Hirn mehr quere Wege (Einschlafschwierigkeiten wegen Zahnzusatzversicherung und so) und auf der anderen Seite kann ich es besser ausschalten und mich mehr gehen lassen. Verrückt irgendwie. Erwähnte ich, dass ich mir just in diesem Moment überlege was sein wird wenn ich mal zu alt für Sex bin? Und weil sich das alles irgendwie so widersprüchlich anhört, ich wie oben beschrieben abgeklärter bin, treffe ich mich ansonsten nicht mehr mit Kerlen mit denen ich nichts in Klamotten unternehmen kann und will.
Alle meine Aktionen sind mit den gleichen Kerlen als gemeinsamer Nenner. Mit allen besteht eine eigene Art an Verbindung auf der nicht-romantischen-oder doch-sowas-in-der-Art Ebene. Alle 3 geben mir das Gefühl, dass ich für sie etwas Besonderes und nicht selbstverständlich bin. Jedes Mal wenn wir uns sehen, und wenn wir uns wieder trennen geht wieder jeder seine Wege.
Nichts von dem hätte ich mir vor 5 Jahren vorstellen können. Ich hätte die Widersprüchlichkeit nicht ertragen, nicht ertragen wollen. Und wer weiß, was die nächsten 5 Jahre bringen. Neuerdings kann ich mir vorstellen irgendwann mal aus Berlin weg zu ziehen, noch mal ins Ungewisse zu starten, alles zu verändern. Das Große und Ganze zu planen ist eh für den Arsch, mehr als die Zuzahlung beim Zahnarzt zu verringern kann man irgendwie eh nicht steuern.

Sonntag, 20. August 2017

Bad Zone


Ich war leider, leider wieder ein paar Tage in der Bad Zone. Die Bad Zone, die manche auch Komfortzone nennen. Komfortabel finde ich die nur bedingt. Sie tut mir nämlich nicht gut. Langfristig gesehen. Deswegen nenne ich sie Bad Zone. Außerdem führt die Bad Zone auch gerne mal ins emotionale Zombiland. Das wäre jetzt irgendwie ganz blöd nach dem ganzen self improvment Gedöns.

In der Bad Zone arbeite ich wie ein norwegischer Baumfäller, bin abends völlig fertig, ziehe mir Fertigfutter rein und hänge auf dem Sofa. Ich bin einfach nur noch kaputt und will meine Ruhe. Ich pflege keine Kontakte mehr. Höchstens mal schnellen, unverbindlichen am besten anonymen Sex. In ganz schlimmen Phasen mündet das in sozialphobische Züge. Außerdem nervt mich meine Umwelt. Im Zweifelsfall durch Anwesenheit. Die Bad Zone ist also pfui, aber verlockend. Denn manchmal ist der Job, der Alltag und das pure Leben einfach anstrengend. In der Bad Zone schreibe ich abends stundenlang oberflächige WhatsApps mit zick Leuten. Obwohl ich weiß, dass ich dann nicht runter komme und schlecht schlafe. Ein ernsthaftes, gutes Gespräch ist mir aber zu anstrengend und ich bin gegenüber Menschen, die mir eigentlich wichtig sind unachtsam. Ich lasse mich wieder in Sachen reinziehen, die nicht mehr als unwichtiges Geläster sind und mich nerven und mich schon gar nicht weiter bringen. Ich fühle mich bedürftig, manchmal einsam, unternehme aber nichts dagegen. Ich bin zu ausgelaugt, um mich abzugrenzen, zu verbraucht um klar zu formulieren was ich nicht will. Und ich kann mich gegen die Pessimisten und passiv-aggressiven Idioten auf diesem Planten nicht abschirmen. 

All diese Punkte ziehen mich noch weiter runter. Die Bad Zone ist wie eine Grube Schlamm. Je weiter man drin versackt, desto schwerer kommt man raus. Scheiß Spiel. Man hat eh kaum Kraft und dann wird man auch noch immer tiefer in den Sand gezogen bis man gerade noch so den Kopf raus recken kann.

Dabei weiß ich genau wie die Good Zone aussieht. Ich weiß auch, was in die Good Zone gehört. In der Good Zone ist mein Job immer noch hart, aber er fällt mir nicht schwer weil ich jeden Tag sehe, dass ich, ganz echt jetzt, verdammt gut darin bin. Ich bin achtsam, besonders mit mir selbst. Ich kümmere mich gut um mich, mache Streching und latsche nicht morgens mit der Beweglichkeit einer deutschen Eiche durch den Wald. Ich mache mich jeden Tag hübsch und hänge nicht im Kapuzenpulli im Büro. Tee anstatt Kaffee. Kaffee macht mich nervös. Außerdem bin ich positiv gegenüber Menschen und die Idioten gehen mir am Arsch vorbei. 

Ich fühle mich nicht bedürftig und schon gar nicht machtlos. Ich weiß, immer wenn ich Dinge aktiv angehe, dann gelingen sie und solange mir keiner eine Waffe an den Kopf hält, habe ich immer die volle Entscheidungsgewalt. Und mein kleines Herz geht offen auf Menschen zu und sie auf mich. Und so wie die Bad Zone einen immer weiter versacken lässt, ist die Good Zone wie ein Luftballon, der einen locker und leicht über den Dingen schweben lässt. Fatalerweise hat man ja immer den Wunsch, dass man jemanden trifft, der so ein Luftballon sein könnte. Ganz gefährlich. Dann projiziert man die Hoffnung, die Sehnsucht, dass man aus dem Schlamm aufsteigt auf jemanden anderen, der zwangsläufig an diesem Anspruch scheitern muss und im schlimmsten Fall Kanal für all den Frust wird. 

Will ich nicht. Mach ich nicht. Führt zu nichts. 

Ich muss morgens wieder konsequenter durch den menschenleeren Wald und nicht mich noch mal umdrehen. Das ist die Stunde in der ich mich selbst sortiere und mir klar wird, was und wer mir was bedeutet und was und wer mir gut tut. Ich kann da gerade so viel nicht einordnen. 



Dienstag, 15. August 2017

Irgendwas ist ja immer


In diesem Fall fast 800km.

Wenn man hormonell so ausgeglichen ist wie ich im Moment scheint ja irgendwie alles leichter, lockerer und entspannter zu sein. Trotzdem hätte ich nicht gedacht, dass die regelmäßige Ausschüttung von Glückshormonen mich in eine Situation bringt, die nur für andere Frauen in meiner Sportart ein Traum ist. Nämlich einen gut aussehenden Kerl mit dem gleichen, zeitintensivem Hobby kennen zu lernen. Irgendwie finde ich die Vorstellung gruselig noch mehr Hunde im Haushalt, noch mehr unterwegs, noch mehr Fell auf dem Teppich usw. Mein Masterplan sieht einen Kerl vor, der Hunde mag, welche will, aber keinen eigenen hat. Einen, der beruflich viel unterwegs ist oder ein eigenes Hobby hat und ich an den Wochenenden meinen Freiraum habe. So der Plan.

Ich war trotz Verletzung von Hund und anschließend Mensch auf einer internationalen Meisterschaft. Ich wusste ich muss mal raus und nichts bläst mir mehr den Kopf frei als sowas. Danach bin ich zwar körperlich am Ende, aber ich habe nicht 1x an meinen Alltag gedacht. Also Auto gepackt, Knie bandagiert, Sprunggelenk sicher verpackt, alles ins Auto und ab. Irgendwie kennt man nach ja auch immer irgendjemanden auf solchen Meisterschaften. In diesem Fall natürlich auch. Die Holländer waren da, die Tschechien und ein Haufen Österreicher. In einer Gruppe, von denen ich einige kannte ein gut aussehender Wiener der es schaffte, dass ich ihn trotz Dialekt verstand. Jedenfalls das Meiste. Gut genug, dass wir über  Trieblagen und Energielevel fachsimpeln konnten. Und zwar völlig sachlich. Also beim Hund und nicht das was ihr schon wieder denkt.

Was da wirklich ging hab ich natürlich mal wieder nicht gerafft. Ich bin in diesem Rahmen einfach so in einer anderen Welt, dass man mir schon einen Kerl nackt auf den Bauch binden muss damit ich was merke. Am dritten Tag, endlich hatte es aufgehört zu regnen und wir waren mit unseren Disziplinen schon durch, saßen wir also den ganzen Vormittag zusammen auf der Bank und unterhielten uns nicht nur über Hund. Der Wiener lächelte mit seinem Radler in der Hand und meinte, man könne ja viel über einen Menschen erfahren, wenn man beobachtet wie er seinen Hund führt. Und dann dämmerte es mir langsam warum einige seiner Gruppe schon witzelten, ob ich nach Wien ziehen wolle. Er meinte nämlich (Achtung Hundeführerkitsch)

Du bist pedantisch, geduldig und zielstrebig, Raum gebend, Kontrolle über Umwege ausübend, aber es schaut immer so aus, als würde sich deine Freude mit der natürlichen Veranlagung deines Hundes perfekt ergänzen. Ich habe schon lange nichts mehr so harmonisches gesehen.

Das ist unter Hundesportlern ein Heiratsantrag *lach Warum? Weil man redet bei solchen Veranstaltungen nur über die Hunde. Über Hundeführer maximal um zu lästern. Basta. Okay, mit den meisten hätte ich auch kein anderes Thema, aber egal…plötzlich sitze ich mit einem gutaussehenden Singlemann auf einer Bank und sinniere über seine und meine Persönlichkeit. Das wir dann auch noch im Gesamtergebnis Punktegleichstand hatten muss ich nicht erwähnen, oder?

Theoretisch könnten wir uns in 4 Wochen wieder sehen. Da bin ich eine Woche in der Nähe von Wien. Praktisch werde ich es vorher nicht ansprechen. Denn trotz besseren Wissens geht mein Hirn seine eigenen Wege. Schon denkt es an Distanzen, Autofahrten und und und.

Alles ungelegte Eier über die man sich theoretisch keine Gedanken machen muss, denn bisher gab es noch nicht mal einen Kuss. Nur einen minutenlangen, tiefen Blick zum Abschied und ein paar Neckereien seiner Kollegen.

Samstag, 5. August 2017

Totgesagte leben länger


Fast scheint es, als wolle mir das Schicksal in jedem Bereich meines Lebens ein paar Steine in den Weg legen. Und manchmal scheint es auch zu gelingen, allerdings denke ich oft nicht drüber nach, lache darüber, mache weiter und alles läuft. 

Cholera ging es einer Weile nicht so toll. Irgendwie lief sie nur auf 80%, hatte Konditionsprobleme im Training. Nun, sie ist nicht mehr die Jüngste und ich war nicht so fleißig die letzten Wochen. Besonders hinsichtlich Bewegung fällt Konditionstraining mit kaputtem Knie etwas schwer. Ich wollte das aber nicht so stehen lassen und ließ sie beim Tierarzt durchchecken. Bzw. besprach ich die Symptome mit GK auf einem Spaziergang. Wir behandelten auf Bronchitis und ich habe gelernt, dass man bei Hunden zugeschleimte Lungen beim abhören nicht hört. Die atmen irgendwie anders. Jetzt ist sie wieder in einer absoluten Topform. Meine Gedanken, dass es uns vielleicht die letzte Wettkampfsaison ist völlig überflüssig. 

Und weil ich dann wieder fleißiger war, knickte ich rechts um und habe jetzt das linke Knie und das rechte Sprunggelenk in fixierenden Bandagen auf ärztliches Rezept. Unterstreicht meine natürliche Anmut ungemein.

Mein Liebesleben? Ich ackere im Büro wie ein sizilianischer Betonmischer. Nebenjob läuft auch. Wie viel Zeit Raum und Luft hat man da für ein Liebesleben? Trotzdem traf ich mich mal mit Lillyfee und ja, er ist immer noch ein genialer Liebhaber, aber die Zeit zwischen uns ist irgendwie abgelaufen. Einfach so, ohne großes Drama. Er gehört einfach zu einem Abschnitt meines Lebens, den ich hinter mir gelassen habe. 


Ich finde trotzdem, dass er ein großartiger Mensch ist. Zudem ich ja „meines Hasis“ habe. In jeden von ihnen bin ich auf eine eigene unkomplizierte Weise verknallt. „Schmul“ weil er eine unglaubliche Gabe hat im Hier und Jetzt zu sein wenn wir uns treffen, „das T“ weil er so ein offener und liebenswerter Kumpel ist und neu in der Runde J. (noch ohne Arbeitstitel), der unglaublich reflektiert und aufgeräumt in der Birne ist. Es ist herrlich unkompliziert. Sie kennen sich, wissen voneinander. Manchmal trifft man sich zu zweit, manchmal zu dritt und dann wieder eine Weile gar nicht. Wenn wir uns treffen ist alles entspannt, unglaublich respektvoll und wir können jederzeit auch Themen außerhalb des Bettes finden.

Ich habe mal schnell schlappe 700€ in mein Auto investiert und am Schluss war die Lösung ganz leicht. Nochmal ein paar Hundert Zuzahlungen beim Zahnarzt und damit war das hart verdiente Geld vom Nebenjob auch schon wieder weg. Trotzdem nehme ich für August keine Aufträge an. September und Oktober gebe ich gut bezahlte Seminare. Ich musste nichts dafür tun, wurde einfach gefragt. Mein Kunde aus Sachsen rief mich abends mal an, er war leicht angetrunken und versicherte mir, dass er wieder mit mir arbeiten möchte. Mindestens 1x im Monat, er bezahlt gut. 3 Tage später hat er nüchtern bestätigt, was er angetrunken ins Telefon flötete („Frau von Sachsen, wir haben jetzt zick andere Trainer angeschaut, aber sie sind einfach die Beste“).

Job? Kollege ist im Hochleistungs-Eskalationsmodus. Mit Allem und Jedem. Inkl. dem Chef. Entsprechend angespannt ist die Stimmung. Aber Cheffe hat jetzt live erlebt was los ist und supportet mich ohne Ende. Das Ungleichgewicht in der Lastenverteilung ist sehr deutlich geworden. Ich habe ihm letztes Jahr genötigt mir mehr Verantwortung zu geben, damit es läuft. Hat er getan, der Bereich lief wie die Sau. Die Zahlen beweisen es und es ist dieses Jahr noch besser. Vor 14 Tagen betrieb ich das Spiel noch mal. Innerhalb von 14 Tagen habe ich 2 Projekte an Land gezogen von denen der Kollege behauptete sie seien chancenlos. Er raubt mir Energie um mich gegen seine negative Stimmung abzugrenzen. Aber er weiß, wenn ich die Firma verlasse, verliert er seinen Job. Dann wird er weg rationalisiert. Ich bin ungewöhnlich kühl zu ihm. Er schleimt und bringt jeden Tag Eis oder Kuchen mit ins Büro.

Kurz, theoretisch laufe ich auf dem Zahnfleisch, praktisch läuft alles. Ab Ende August werde ich auch wieder mehr bei „befreundeten Bloggern“ lesen, kommentieren und selbst schreiben können.

Freitag, 28. Juli 2017

nur ganz kurz...

...mir geht`s gut...nur irrsinnig viel zu tun. Komme leider auch kaum dazu in anderen Blogs zu lesen und zu kommentieren. Kommen auch wieder ruhigere Zeiten....