Montag, 15. Oktober 2018

Produkttest: Kieser Training


Mein Körper, und neuerdings auch mein Hormonhaushalt, zeigen mir ja mit aller Macht, dass ich mich offensichtlich in der 2. Hälfte meines Lebens und nicht mehr in dessen Blüte befinde. 2 Nächte in einem Bett eines billigen Hotels an irgendeinem Ort den keiner kennt zu den diversen Wettkämpfen oder einfach mal beschissen geschlafen, haben gleich Folgen. Danach kann der auf dem Boden gefallene Schlüssel schon mal eine Herausforderung sein. Jedenfalls eine Größere als Cholera beizubringen alles, wirklich alles, zu apportieren und mir in die Hand zu legen. Aber von wegen Problem erkannt, Problem gebannt. Denn trotz aller Bemühungen schafft weder sie noch Pest es z.B. das Fenster mit Griff über Kopfhöhe zu kippen. Oder die Salatschleuder aus dem obersten Regal zu holen.

Insgesamt befindet sich mein Körper also in einem Zustand, der mit ein bisschen Gymnastik und BlackRoll Sessions nicht mehr zu beherrschen ist. Erschreckend. Und alleine die Vorstellung, dass ich irgendwann mal nach einer Erwachsenen-Veranstaltung nicht mehr kriechen kann, oder noch schlimmer währenddessen, erhöhen den Leidensdruck so enorm, dass etwas dagegen unternommen wird. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass mein Budget an frei verfügbarer Zeit ja recht begrenzt ist. Hauptsächlich weil Pest&Cholera ganz offensichtlich noch nichts vom Älterwerden spüren und mich noch richtig fordern. Ich hänge also nach einer 20km Wanderung am nächsten Tag noch entspannt rum, während Cholera aus lauter Langweile Hit&Run mit einem Wildschwein spielt.

Auf dem Weg zur Arbeit komme ich an diversen Muckibuden vorbei. Eine davon wirbt mit 30 Minuten 2x die Woche. Das ist das Argument. Obwohl Kieser, wenn man mal ehrlich ist, ja nicht wirklich sexy ist. Also vom Image. Okay, nicht nur vom Image her.

Kieser ist simpel und hat einen Touch von Mittelalter. Alle Geräte laufen streng mechanisch und müssen auch so eingestellt werden. Vielleicht ist auch das der Trick? Also sozusagen Körpertraining mit Gehirnjogging? Die ersten Wochen habe ich mich mehr als blöd angestellt bei jedem Gerät die richtige Lehnenposition mit dem richtigen Hebel, nebst Fuß- und/oder Griffhöhe einzustellen. Dazu noch ganz simple Addition um die Gewichte einzustellen kann einen schon mal an den Rand seiner Möglichkeiten bringen.

Da es nicht nur mir so geht, läuft also der typische Kieser Kunde mit Klemmbrett und Bleistift durch die Gegend. Kunden aus anderen Kieser Studios irren dazu noch mit fragendem Blick durch die Gänge und suchen die A1 oder die F2.1 oder sonst was. Womit wir beim typischen Kieser Klientel wären. Da gibt es 3 Grundtypen.

Kieser Typ 1:

Omma/Oppa denen man ansonsten keine besondere Fitness zutrauen würde. Ha. Denkste. I.d.R bekomme ich Depressionen wenn Omma vor mir am Gerät war und ganz offensichtlich locker 30kg mehr gestemmt hat und ich noch nicht mal ein lauteres Ausatmen gehört habe.

Kieser Typ 2:

Läuft offensichtlich täglich an die 30km und ist so ausdauersportlich hager. Gewöhnlich Mitte 50 und beruflich fest im Sattel. Kieser ist ja auch kein Schnäppchen. Der ist hier um einen „Ausgleich“ zu schaffen. Aha. Was heißt hier Ausgleich wenn man 500% über der Empfehlung an Bewegung der Weltgesundheitsorganisation liegt? Typ 2 kommt gerne über Mittag, joggt dann wahrscheinlich wieder ins Büro wo er dann bis 21 Uhr seine Sekretärin schikaniert.

Kieser Typ 3:

Hat tatsächlich massive orthopädische Probleme. Typ 3 ist hier weil er dem Leben im Allgemeinem und der Lebensqualität im Besonderen den Kampf angesagt hat und rettet was zu retten ist. Bewundernswert, aber halt genauso unsexy wie Typ 1 und 2.

Bei Kieser wird entsprechend nicht geflirtet oder sonst wie Kontakt aufgenommen. Man ist freundlich und grüßt in der Umkleide, ansonsten geht man rein, zieht sein Programm durch und geht. Basta. Hosen sind bis zum Knie und Shirts mit Ärmeln vorgeschrieben. Es gibt keine Spiegel. In meiner emotionalen Verfassung, so mitten in der Midlife Crisis, großartig. Müsste ich mir hier noch mittzwanzig Jährige nach dem Spinning noch ins Power Body Forming Gedöns gehenden Tussis vergleichen, würd ich mich gleich mal über nette Senioreneinrichtungen informieren. Auch das männliche Pendant zu den Tussis gibt es hier nicht. Zu wenig Raum zur Selbstdarstellung. Noch nicht mal eine Bar mit überteuerten Eiweißshakes gibt es. Keine Musik. Man hört nur das Geklapper der Maschinen. Und hin und wieder ein etwas lauteres, aber nicht aufdringliches Ächzen.

Das liegt am Kieser Prinzip. Langsame Bewegungen und so viel Gewicht, dass der Muskel/die Muskelgruppe im Idealfall nach 2 Minuten komplett ermüdet, um nicht zu sagen am Arsch ist. Wer das richtig macht, atmet einfach nach der letzten Wiederholung etwas lauter aus kurz bevor die Gewichte  auf Null aufschlagen. Natürlich Alles unaufdringlich. Wir sind ja bei Kieser und nicht beim Tennis.

Beim Erstgespräch will der TVD (Trainer vom Dienst) sachte meine orthopädischen Probleme erörtern. Meine Aussage, dass ich ausdiagnostiziert bin und wir das schnell machen können, entlockt ihm kein Lächeln. Hier geht es offensichtlich um die Gesundheit und nicht um Spaß. Ich bekomme ein Programm gestrickt und werde 3 Trainings begleitet, bevor ich das erste Mal alleine mit Klemmbrett und Bleistift durch die Hallen irre. Es dauert bis man sich ein bisschen einfuchst und dieses 2 Minuten Prinzip drauf hat. Ebenso dauert es, bis man wirklich hart zu sich selbst ist. Schafft man mehr als 2 Minuten Gewichte beim nächsten Mal erhöhen, schafft man weniger, dann reduzieren. Das ist das Thema mit der Addition ;-). Also muss man Arsch zu sich sein, am besten auch wenn 2 Minuten rum sind so viele Wiederholungen machen bis die Muskelgruppe einfach den Dienst verweigert.

Nach ca. 4 Wochen sind meine Probleme mit der Schulter Geschichte. Ebenso verkeilte Brustwirbel oder steifer Nacken. Nach 8 Wochen überlege ich mir wann ich das letzte Mal Knieschmerzen beim Treppe laufen hatte. Dann muss ich 2 Wochen Pause machen und zack…da ist sie ja, die Schulter und der auch der Knorpelschaden im Knie. Also wieder weiter. Nach 3 Monaten stelle ich beim locker flockig Fenster kippen fest, dass das Geschlabber am unteren Oberarm Geschichte ist, ebenso weite Teile der Bindegewebsschwäche am A…äh Oberschenkel. Ich muss zudem von 75B auf 80B umsteigen oder Druckstreifen respektieren. Zudem meine Knöchel schlank und rank sind und nicht auf die Idee kommen dort idiotischer Weise Wasser einzulagern.

Ich fühle mich insgesamt besser. Gerade wenn ich müde bin geh ich noch mal zu Kieser. Danach sagen meine Muskeln 10 Minuten chillen und dann gerne Bäume ausreißen, Kühe schubsen oder sonst was hoch Energetisches.

Wenn ich nicht gerade Hitzewallungen habe, aber das ist ein ganz anderes Thema, schlafe ich wie ein Baby. Der Arschmaden Kollege bringt mich selten aus der Ruhe und weil Kieser ist wie es ist, also so gesundheits- rehagedöns orientiert, zahlt mein Arbeitgeber die Hälfte im Zuge der gesundheitsfördernden Arbeitgeberleistungen.

Fazit: wer sich drauf einlässt wird es nicht bereuen.

Selbst die Duschen sind unsexy:



Freitag, 12. Oktober 2018

Kommunikationsfetzen

Ich steh vor der Tür und will einfach nur in Ruhe eine rauchen. Der Typ mit dem Waffenhandel über uns steht auch da und grinst mich wieder blöd an.
Er: harter Tag?
Ich: Nein, Kopfschmerzen.
Er (grinst): Da hilft Sex.
Ich: Ja, weiß ich, hab ich heute Abend.
kurze Pause
Er: Mit Deinem Mann?
Ich: nein, mit einer handverlesenen Auswahl meiner Liebhaber.
Herrlich diese Ruhe.


Ansonsten kann ich als Antwort auf allgemeines Gejammer neuerdings "ach Gottchen" empfehlen. Dann ist auch Ruhe im Karton.


Und wo ist eigentlich der Herr MiM? Seit ich mich mit meinem Arschmaden-Kollegen so richtig in der Wolle hatte, ist es hier herrlich ruhig. Kein unnötiges Gelaber, keine überflüssigen Nebeninfos. Er wäre richtig neidisch.

Dienstag, 9. Oktober 2018

Montag, 6. August 2018

Du weisst, dass Du....

...einen harten Tag hattest, wenn Du die Milch in die Spülmaschine und die Tasse in den Kühlschrank räumst.

Du weisst dass Du diesen Tag bei 38°C hattest, wenn Du es erst beim Ausräumen der Spülmaschine merkst.

Mittwoch, 1. August 2018

Ich glaube es ist ein bisschen warm...

...jedenfalls gibt es dafür ein paar untrügliche Anzeichen:


  1. Die Terrier Attrappe wurde zum ersten Mal seit der Gründung unsere WG auf anstatt unter der Decke gesichtet.
  2. Cholera lässt den Frühsport "Krähen beschleunigen" auf der Wiese ausfallen.
  3. Der übellaunige Jogger der jeden Morgen im Vorbeilaufen "Drecksköter" flucht hält die Klappe, weil er seine Luft und Kraft offensichtlich anderweitig benötigt.
  4. Ein Typ schreibt mich an, ob ich Bock hätte mich mit ihm in seinem Hotel zu treffen. Ich erwische mich dabei wie ich ernsthaft darüber nachdenke anzunehmen. Klimatisiertes Hotelzimmer ist zu verlockend, aber ich befürchte ich kann den Typen nicht weg schicken.
  5. Die gesamte Straße ums Büro ist chaotisch. Offensichtlich befindet sich in 5km Entfernung ein Freibad.
  6. In der Muckibude im EG herrscht gähnende Leere.
  7. Als ich runter latsche und am Tresen vorbei nur meine "ich will nur kurz duschen", ernte ich keine fragenden, sondern verständnisvolle Blicke.
  8. Der Anzugträger vom Büro gegenüber trägt Flip Flops.
  9. Ich falle um 22 Uhr Abends nicht ins Bett, sondern auf`s Rad und mache mit Cholera Ausdauertraining.
  10. Ohrstöpsel damit das Fenster Nachts aufbleiben kann. Jetzt weiß ich, dass man auch in der Ohren schwitzen kann.


Freitag, 27. Juli 2018

Harte Schale - harter Kern

Eigentlich ist Pest ein Poser. Rennt mit senkrechter Rute und stocksteifen Gang auf jeden Rüden zu, nur damit niemand auf die Idee kommt, er würde trotz seiner nur 10kg nicht die dicksten Haufen im Wald machen. Prügelt sich im Notfall auch mit einem erwachsenen Dachs und scheißt im Schutzdienst auf den Arm und springt dem Figuranten gleich in die Klöten.


Aber wenn der Wind um die Fenster pfeift, es gewittert oder man nicht in seinem eigenen Körbchen schlafen kann, ist alles voll gruselig. So sehr, dass man bei Mutti auf dem Schoß/unter den Pulli kriechen muss.


Man könnte also denken, voll das Weichei. Aber das ist für ein hundeähnliches Alien wie Pest nicht differenziert genug gedacht. Die Wahrheit ist, dass er sehr sehr tapfer ist. Er hat die zweite bedrohliche Erkrankung seines Lebens. Nach der Bauchspeicheldrüsenentzündung, hat sich nun das Bauchfell entzündet. Wieder mal etwas, bei dem man als Zweibeiner auf der Intensiv liegen würde.


Pest aber ist tapfer. Wenn man ihn nicht genau kennt, würde man nichts merken. Er rennt proletend durch den Wald, beißt Cholera in die Rute wenn die einen Stock hat und droht jedem Schoko-Labbi umgehend Prügel an, wenn der nur einatmen.


Ich kenne ihn aber genau. Er ist noch anhänglicher als sonst. Latscht mir Abends hilflos hinterher, völlig überfordert mit sich selbst, bis ich mich auch auf´s Sofa setze, er sich einkuschelt und endlich zur Ruhe kommt. Der Arschmaden-Kollege wird nicht mehr angebellt wenn er mal wieder zu spät kommt und es wird nicht alles Essbare ungeprüft inhaliert.


Nach 9 Jahren Wohngemeinschaft ist man halt eingespielt. Niemals würde ich ihn verpetzten und den anderen Hunden erzählen, dass er gerade nicht gut drauf ist. Niemals erzählen, dass er gerade nur Babybrei frisst und noch mehr Streicheleinheiten braucht. Ich weiß doch wie wichtig ihm sein Image ist.