Mittwoch, 29. März 2017

Geburtstagsalien


Pest hat heute Geburtstag. Er ist tatsächlich schon 8 Jahre alt. Unfassbar. In den letzten 7,75 Jahren habe ich nie…na ja selten…okay in den letzten Wochen nicht, bereut, ihn gekauft zu haben.

Pest besteht ja zu einem Teil aus Sonderausstattungen und zum anderen aus Fehlkonstruktionen. Als Sonderausstattung kann man getrost seine Ohren bezeichnen. Die dürfen eigentlich bei dieser Rasse auf gar keinen Fall stehen. Pest hat so große Stehohren, dass er damit bestimmt Signale von anderen Außerirdischen empfängt. Allerdings sind das Multifunktionsohren. Vergesst was ihr über Körpersprache wisst, bei Pest zählt nur die Ohrstellung:

Ohren beide nach hinten geklappt: Gruselalarm



Ohren beide senkrecht nach oben: Rehalarm

Linkes Ohr steht, rechtes knickt: Rechtsabbiegen wird angekündigt



Beide Ohren stehen und berühren sich an den Spitzen: MÄDCHEN!

Überhaupt sagt man Frühkastraten ja eine schlechte Geschlechteridentifikation nach. Pest hatte mit 5 Monaten die Wahl ob ich ihn erschlage oder die Klöten weg kommen. Laut diverser Hundeexperten müsste er also ein Wischiwaschi-Weichei sein. Ich jedoch frage mich manchmal, ob mein Tierarzt mich betrogen hat und die einfach nach innen verlegt hat.

Als absolute Fehlkonstruktion hat irgendjemand vergessen ihm einen zweiten und dritten Gang einzubauen. D.h. entweder latscht er oder er rennt wie bescheuert. Was dazwischen gibt es nicht. Erster Gang geht, vierter und fünfter auch, der Rest fehlt. Man merkt, dass er älter wird, da er häufiger den ersten benutzt. Als junger Hund ist er nur gerannt. So viel, dass seine Pfoten abends irgendwie verbrannt rochen.

Trotzdem kennt er keine Eile. Jedenfalls nicht bei der Erledigung von irgendwelchen Aufgaben. Schicke ich ihn suchen, startet er mit durchdrehenden Pfoten und Volldampf. Nach ca. 30m macht er eine Vollbremsung um einen Hasenknödel zu inhalieren. Ist das getan, rennt er weiter. Ein bisschen Zeit für andere Dinge ist also immer. Außer um ein Ei zu legen, da braucht er absolute Ruhe, hat er die nicht, bläht er den ganzen Tag rum.


Am allerliebsten macht er Schutzdienst. Also sich mit Kerlen in Schutzkleidung streiten. Glaubt aber ja nicht, dass er bereit ist in den Jutearm zu beißen. Der ist zu hart, zu groß, zu angesabbert oder was auch immer. Pest nimmt maximal ein weiches Kissen für Welpen. Oder das Hosenbein des Helfers. Schutzdienst haben wir angefangen, damit er mutiger wird. Ganz tolle Idee. Ich hatte Probleme einen guten Helfer zu finden, der bereit ist so ein 3-Pfund-Brot, welches so gar nicht konfliktfähig ist (WAR), zu arbeiten. Einer erbarmte sich. So ein großer Typ alter Schule. Macht sonst nur krasse Hunde. Ich stehe mit Pest auf dem Platz. Typ bemüht sich den Terrier mal aus der Reserve zu locken. Pest steht neben mir, gähnt, geht einen Schritt vor und kackt dem Helfer direkt vor die Turnschuhe! Ist dem Typ in 20 Jahren noch nie passiert. Erzählt er heute noch wenn er angetrunken ist. Also der Typ, nicht Pest.

Wenn Menschen ihn nur von Fotos kennen, sind sie erstaunt wie klein und schmal er in Wirklichkeit ist. Dafür stört er auf dem Sofa nicht.

Happy Wurftag kleiner Nervzwerg!

 

 

Dienstag, 28. März 2017

Wie man mit Männern redet


Es gibt natürlich Ausnahmen, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass der Tunnelblick bei Männern auch in der Kommunikation wirkt. Tunnelblick, ihr wisst schon. Er hängt vor dem Kühlschrank und brüllt „wo ist die Butter“, ihr pellt euch vom Sofa hoch und überlegt, ob ihr vergessen habt welche zu kaufen. Am Kühlschrank angekommen zeigt ihr drauf und meint “vor Deiner Nase.“

Ich bin mir ziemlich sicher, wenn wir Bilder von weiblichen Brüsten oder Ärschen auf die Butter kleben, kein Kerl der Welt die Butter übersieht.

Bei Kommunikation ist es irgendwie ähnlich. Besonders bei schriftlicher. Wenn ich einem Kerl eine 4-zeilige Nachricht schicke, kann ich mir relativ sicher sein, dass seine Antwort sich maximal auf die letzte Zeile bezieht. Die anderen Zeilen werden einfach ausgeblendet. Anders verhält es sich, wenn man 4 Zeilen über Sex kommuniziert. Dann werden alle Wörter genau verarbeitet.

Ich werde bei Gelegenheit mal ausprobieren, ob die Nennung von bestimmten Wörtern die Aufmerksamkeitsspanne verlängern. Eine Nachricht könnte dann so aussehen:

Guten Morgen meine Sonne,

Titten, vergisst Du bitte nicht heute Abend den Wein mitzubringen?

Nackt, es wird bei mir auch 30 Minuten später.

Habe einen schönen Tag.

Erste und letzte Zeile kann man normal kommunizieren. Sind nicht wichtig. Aber vielleicht hätte er so a) den Wein mit gehabt und b) nicht 30 Minuten vor meiner Tür warten müssen.

 

Montag, 27. März 2017

Freitag, 24. März 2017

Date mit Hindernissen


Donnerstag. Der ist nicht besser als Mittwoch. Die Patientendichte in meinem Job nimmt erschreckende Züge an. Mein neuer „asoluter Lieblingsprojektleiter“ eines Kunden bekommt von mir eine Watsche als ich ihm ins Ohr flöte, dass er erst mal gar nichts von mir bekommt bevor er mir keine Vollmacht vom Kunden schickt. Depp der. Na ja, ich muss irgendwie schauen, dass ich bessere Laune bekomme. Heute Abend ist das erste Date mit „unverhofft kommt oft.“ Wäre irgendwie blöd, wenn ich völlig an genervt am Tisch sitze.

Um 15 Uhr fällt mir auf, dass er sich seit Stunden nicht mehr gemeldet hat. Gut, ist manchmal so, dass man was anderes um die Ohren hat, aber die letzten 4 Tage kam das eigentlich nicht vor und bei mir geht natürlich sofort der Patientenalarm los. Ich schicke ihm eine WhatsApp „Lebst Du noch?“. Keine Reaktion. Patientenalarm steht auf Dunkelorange. Ich rede mit C. und M. Beide sagen auch, dass das nach Tagen der Dauerkommunikation am Tag des Dates schon komisch ist. Ich schreibe eine weitere Nachricht „Hey, pass auf, wenn ich bis 18:00 Uhr nichts gehört habe, gehe ich davon aus, dass es heute nicht klappt und disponiere auch um.“

Wenn ich ehrlich bin, bekomme ich spätestens Samstag ein Problem. Mein Wäschekorb ist übervoll und ab diesen Tag habe ich keine frischen Schlüpis mehr. Würde bedeuten, dass ich wie meine Freundin V. dann zu Kaufland renne und mir einen 10-er Pack hole. Die sind dann meist rosa geblümt oder so. Örghs. Innerlich stelle ich mich darauf ein, mich endlich um meinen Haushalt zu kümmern. Freitag kann ich nicht, Wochenende auch nicht, also kann ich das geplatzte Date wirklich gut verarbeiten. 17:30 Uhr komme ich zu Hause an, lüfte Pest&Cholera und hole schon mal den Staubsauger raus. 17:58 Uhr Nachricht „na klar klappt es, wieso nicht?“

Wenn C. und M., zwei Menschen die ich für aufgeräumt halte, nicht auch gesagt hätten, dass das noch merkwürdiger ist, würde ich ja denken, ich habe endgültig einen Hau weg. Ich fahr los, überlege mir aber schon, wie lange ich warten werde und ob die Zeit dann noch für eine Maschine Wäsche reichen würde. 19:05 Uhr, kein Kerl weit und breit….

Ich schreibe die ganze Zeit mit C. und M. und wir witzeln rum. M. meint sofort, dass wahrscheinlich der Eiswagen kaputt ist, C. tippt auf ein krankes Pony. Zusätzlich werden Wetten abgeschlossen, ob er sich nach Tagen meldet und behauptet er sei angeschossen worden oder so. Alternativ wurde das Camp angegriffen. Beides möglich. Ich habe Lachtränen in den Augen und innerlich verarbeite ich ihn schon zu Blogfutter.

Lange Rede, kurzer Sinn. Um 19:07 Uhr ist er da. Er hatte den halben Tag Stress mit seinem kaputten Auto und sich nun eins geliehen, um zum Date zu erscheinen. Date war ziemlich großartig, obwohl er bestimmt erstmal misstrauisch wurde als ich an für ihn nicht nachvollziehenden Stellen blöd lachte. Er kann aber auch nicht wissen, warum die Frage, ob er mich auf ein Eis einladen möchte so lustig ist.

Donnerstag, 23. März 2017

one of these days

oder:
Eskalationsmodus in mehreren Akten.

Mittwoch: Ich hatte so einen echten Scheißtag im Büro. Irgendwie nur Patienten am Telefon. Alles Kerle und alle mit einem unglaublichen Bedürfnis sich aufzuspielen. Wenn die hier anrufen, denken die immer sie sprechen mit der Telefonistin und machen gleich einen auf dicke Hose. Hätte ich keinen Schmerz mit, wenn sie dann nicht einen unglaublichen Stuss erzählen würden. Gestern plusterte sich einer auf und wedelte mit dem Prüfbericht des Prüfstatikers. Er forderte mich auf die Statik UMGEHEND! Zum Prüfstatiker zu schicken. Meine Antwort, dass der die offensichtlich schon hätte, wurde mit einer Beleidigung quittiert. Ansonsten prallt das an mir ab, gestern nicht. Meine Antwort kam prompt und nicht sehr freundlich: „was glauben Sie denn was der Prüfer geprüft hat? Den Winkel der Sonneneinstrahlung seines Büros?“ Solche Geschichten den ganzen Tag.


Abends noch ein bisschen Training. Es ist kälter als gedacht und ich friere. Irgendwann will ich nur noch Heim. Kurz zu McD. Junkfood ist genau das richtige nach so einem Tag. Und außerdem muss man sich ja abwechslungsreich ernähren. Da kann man nicht ständig zum Dönerstand.
Parkplatz leer, McDrive leer. Ich stehe mutterseelen alleine gefühlte 10 Minuten vor dem Blechkasten. Vor mir nichts, hinter mir nichts. Irgendwann ertönt ein Knacken. Ich verstehe nada. Egal. Ich kenne das Spiel ja und rattere meine Bestellung runter. Am Bildschirm sehe ich, dass es richtig verstanden wurde. Also ab zum 2. Fenster. Dort reicht mir so ein Princess-Nail-Versuchs-Modell einen randvollen Milchshake ohne Deckel. Er schwappt schon über den Rand. Ich schaue sie verständnislos an.
Princess-Nail-Versuchs-Modell: Ihr Shake.
Ich: Wie soll ich den denn transportieren?
Princess-Nail-Versuchs-Modell (PNVM): Hier, ein Getränkehalter.
Sie reicht mir dieses Pappding mit dem man auf dem Beifahrersitz max. Schadensminimierung betreiben kann.
Ich: Will ich nicht. Ich will einen Deckel für den Becher.
PNVM: Deckel sind aus.
Ich: Aha, und Bananen bestimmt auch.
Okay, für diesen Witz ist Sie zu jung, aber ich glaube sie hätte ihn auch sonst nicht verstanden.
PNVM: Sie können den Shake ja trinken während Sie auf Ihren Burger warten.
Ich: Was?
PNVM: Bitte fahren Sie da vorne rechts ran. Den Burger müssen wir noch machen.
Na super. Döner macht nicht nur schöner sondern geht auch schneller. Nach weiteren 5 Minuten kommt sie angedackelt, lächelt und meint sie habe mir eine Apfeltasche in die Tüte gepackt. Das Einzige bei Mäc das ich hasse wie die Pest. Aber dafür kann sie echt nichts.
Abends schreibt mich der (echte) Polizist an. Der Arme will flirten und lässt so Sätze los wie "Du kannst ruhig mal ein bisschen renitent sein. Ich mag das." Meine Antwort kam leider etwas ungebremst: "Ich bin nicht infantil renitent. ich bin 42 Jahre alt und sage es Dir ins Gesicht, wenn Du Dich wie ein Idiot verhältst."
Zum Glück hat er Humor und musste lachen.

 

 

Dienstag, 21. März 2017

unverhofft kommt oft

Kaum habe ich mich so eigentlich, theoretisch aus dem Dating-Geschäft verabschiedet, fast jeden Abend Nebenjob oder Trainingstermine, kommt der nächste, zunächst passabel erscheinende Typ um die Ecke.


Er schrieb mich im Perversenforum an. Da habe ich ja nicht wirklich hohe Erwartungen, aber sein Anschreiben war wirklich gut, überhaupt nicht auf Sex und Neigung gemünzt. Profil ohne Bild, konnte ich aber nicht monieren, meins hat auch keins. Das einzige was ich ableiten konnte war ein zu mir passendes Alter und ein kurzer larifari Text.


Seine Mails waren bald flirty, aber nicht zu sehr, er schickte mir seine Nummer mit dem Hinweis, dass er hoffe, das sei nicht zu aufdringlich.


Wir schrieben weiter auf WhatsApp. Sein Profilbild dort war mehr als ansehnlich. Er schickte ein Bild mit Hund. Seiner.


Auf jede meiner Aussagen gab er die beste aller möglichen Antworten. Leistungssport und wenig Zeit? Super, wenn man Leidenschaften und Ziele hat. Er ist im Sommer fast jedes Wochenende in der Luft. Zum Beleg schickt er ein Video auf dem er tatsächlich ab und zu zu sehen ist. Also nicht bei Google geklaut. Sehr beruhigend. Auch keine schwammigen Aussagen von wegen Aufnahmen „EINER“ Helmkamera.


Sonntag melde mich erst abends, ich musste tagsüber durch eine Prüfung fallen und hatte keine Zeit. Seine Reaktion war erfreut und er konnte es auch kommunizieren. Wir verabreden ein Telefonat für Montagabend.


Bei diesem bin ich mehrfach vor Lachen vom Sofa gefallen ohne das er was für konnte. Als er meinte er sei Beamter ohne Schreitischjob erwiderte ich trocken „ach ne, bewaffneter Uniformträger?“ Er lachte und meinte er sei schon ganz anders bezeichnet worden, aber das würde passen. Und ich? Ich saß da und zwangsläufig ging der Rollladen ein Stück runter. Negative Vorprägung halt, trotzdem fragte ich trocken „mit oder ohne Nahkampferfahrung?“ Er lachte wieder und meinte das wäre jetzt bei ihm eher situativ, aber woher meine Fragen kämen. Ich erzählte, dass ich da so ein Ding laufen hätte mit bewaffneten Uniformträgern. Und er? Wirklich total niedlich hat das ganze gar nicht gerafft und fragte, ob ich Probleme mit dem Gesetz hätte. Allein das machte ihn sehr glaubwürdig.


Er schickte später ein Bild in Ausgehuniform und meinte, dass das wohl eher nicht von mir gemeint war. Ich schickte (Google) Bilder von SEKlern und meinte „nope“. Es folgten Bilder von ihm in voller Plün. Lächeln im Gesicht, kribbeln im Herzen und im Schritt.


Ich bin mir sehr sicher, dass es zumindest bald wieder in meinem spießigem Viertel zu nächtlichen Polizeieinsätzen nebst Verhaftung kommen wird. Mindestens.